Branchengrößen wie IBM oder HP verkünden seit Jahren Ihre Unterstützung für das Open-Source-Betriebssystem Linux. Gleichzeitig aber entwickeln sie ihre eigenen Unix-Derivate fleißig weiter. Wie geht das zusammen? ZDNet befragte Peter Hadler, Business Manager Germany von HP.
ZDNet: Herr Hadler, HP gilt als einer der wichtigsten Unterstützer der Open-Source-Bewegung. Sie jedoch sind für den Fortbestand des Unix-Derivats HP-UX verantwortlich. Welche Rolle spielt in ihrem Konzern Linux im Vergleich zu HP-UX?
Hadler: Unsere Strategie ist es, auf mehrere Betriebssysteme zu setzen: Wir unterstützen HP-UX, die verschiedenen Linux-Distributionen, Open VMS sowie Windows. Damit bieten wir unseren Kunden eine möglichst große Auswahl unterschiedlicher Betriebssysteme. HP-UX ist eines unserer strategischen Betriebssysteme. Es ist die Plattform für sämtliche Virtualisierungstools, die wir im High-End-Bereich entwickeln und zur Verfügung stellen.
ZDNet: Aber Linux frisst unaufhaltsam die Marktanteile von Unix auf.
Hadler: Stimmt, die Nachfrage nach Linux ist sehr groß. Aber Linux ist häufig noch nicht in der Lage, bis zu 128 Cores einheitlich zu skalieren. Wir haben zwar unsere Hochverfügbarkeitstools MC/Serviceguard an Linux angepasst, so dass die Verfügbarkeit nun fast an die des HP-UX-Betriebssystems heranreicht. Die Verkaufszahlen in Deutschland zeigen heute allerdings, dass Linux auf der Itanium-Plattform noch nicht so angenommen wird, wie wir vermutet haben. Bei HP Integrity Servern hat HP UX derzeit einen Marktanteil von etwa 50 bis 60 Prozent. Darauf folgen - in dieser Reihenfolge - Windows, dann erst Linux und Open VMS.
ZDNet: Mit der Version 3 von HP-UX 11i haben Sie gerade die neueste Version des Betriebssystems präsentiert. Wie viele Versionen werden wir noch sehen?
Hadler: Wir verfolgen auf jeden Fall den HP-UX-Pfad weiter. Dazu werden wir auch künftig eigene Tools entwickeln, die unserer Meinung nach die einzigartige Kombination zwischen Hochverfügbarkeit und Virtualisierung bieten. Mit dem automatisierten dynamischen Workflow-Management wird all dies mit komfortabel bedienbaren Oberflächen kombiniert. So können die Kunden ihre Systeme ausrollen, ohne - überspitzt gesagt - auf 17 Experten zurückgreifen zu müssen. Daran halten wir mit Sicherheit fest: Die Roadmap des HP-UX steht!
ZDNet: HP-UX 11i v3 hat integrierte Virtualisierung: Werden zukünftig spezielle Tools wie von Vmware oder Xensource unnötig?
Hadler: Wir werden unsere Virtualisierungstools weiterentwickeln, im Moment ist kein Merger mit Vmware oder Xen geplant. Es gibt unseres Erachtens viele Unzulänglichkeiten in deren Code und in der Funktionalität, die wir unseren Enterprise-Kunden so nicht anbieten wollen.
ZDNet: Dennoch wird über die Übernahme von Virtualisisierungsexperten durch große Konzerne wie HP spekuliert.
Hadler: Das würde ich ja auch nicht ausschließen. Unsere Labs beobachten den Markt sehr genau, aber ich kenne ihre genauen Pläne nicht. Wir haben bereits die Funktionalitäten der unterschiedlichen Tools gegenübergestellt. Damit sieht man, welche Unterschiede es gibt und was im Linux-Umfeld möglich ist.
ZDNet: Die Virtualisierung in HP-UX 11i ist auf Virtualisierungs-Features in Itanium- wie auch PA-Risc-Prozessoren abgestimmt. Bereitet sich HP auch auf AMDs "Barcelona" vor? Planen Sie die generell Unterstützung von x86-Architekturen von Intel und AMD? Diese sind im Mittelstand sehr beliebt.
Hadler: Ja, das ist bekannt. Wir setzen darauf, alle VSE-Funktionalitäten auf einem so genannten Virtualisierungs-Layer zu haben, und zwar im HP-UX-Kern. Das ist mit Xeon und Opteron nicht möglich. Dazu müsste die Itanium-Architektur mit der des Xeon verschmolzen werden. Intel hatte dies offiziell in Planung, brach die Versuche aber wegen technischer Nichtmachbarkeit ab. Inzwischen denkt man anscheinend wieder über einen erneuten Versuch nach. Kurzfristig ist dies jedoch meiner Meinung nach nicht realisierbar.
ZDNet: HP-UX 11i v3 bietet neben Virtualisierungsfunktionen als weiteres wichtiges Feature "Automatisierung". Können Sie das näher erläutern?
Hadler: Die Automatisierung ist ein Hauptziel unseres Adaptive Infrastucture-Konzepts. Wir wollen den Kunden eine bessere Ausnutzung der vorhandenen Systeme ermöglichen. Dazu bieten wir an, dass das System auf Basis von Policies die Servicelevels auf Applikationsebene beschreibt - ohne Zutun der Mitarbeiter. Nehmen Sie beispielsweise eine Transaktion in einer SAP-Umgebung, die 1,5 Sekunden dauern soll. Dies wird als Metrik genutzt, um die Ressourcen in der Maschine so einzustellen, dass die Vorgabe eingehalten wird - auch über einen längeren Zeitraum. Dazu werden die Policy-Vorgaben auf die verschiedenen Virtual Machines beziehungsweise auf die Partition heruntergebrochen und der Workflow-Manager informiert. Dieser ordnet die Ressourcen dem zugehörigen Prozess entsprechend zu, so dass der Servicelevel eingehalten wird.
Es gibt sogar ein Konzept für ein Planungstool, den Advisor, mit dem man anhand von gesammelten Daten vorher simulieren kann, was nach dem Hinzufügen von Komponenten oder dem Umzug einer Virtual Machine passiert. Das ist meines Erachtens ein einzigartiges Werkzeug, mit dem man Vertrauen zur Virtualisierung aufbauen kann.