Obwohl sich viele Anwender der Gefahr von Datenverlusten bewusst sind, verzichten sie auf ein regelmäßiges Backup. Windows Vista enthält überarbeitete und neue Tools, die diese Aufgabe vereinfachen - teilweise zu sehr. ZDNet hat sie getestet.
Ob Headcrash, Virus oder versehentliches Löschen - in der digitalen Welt reichen wenige Sekunden, um jahrelange Arbeit zunichte zu machen. Die Wiederherstellung von Daten ist je nach Schadensereignis aufwändig, teuer oder sogar überhaupt nicht mehr möglich.
Dabei vertrauen Anwender ihren Rechnern immer mehr Informationen an: Wichtige Dokumente und tausende digitaler Fotos sind heute ganz selbstverständlich auf Festplatten gespeichert. Da viele Nutzer auf eine Datensicherung verzichten, ist es oft nur eine Frage der Zeit, bis einige oder alle Daten verloren gehen.
Ein regelmäßiges Backup könnte Verlusten vorbeugen und Schäden begrenzen. Der Aufwand ist minimal. Windows Vista[1] bietet dazu überarbeitete und neue Tools, die den Vorgang auf wenige Mausklicks beschränken. ZDNet hat sie getestet.
Nicht alle Varianten[3] von Windows Vista bieten die gleichen Features zur Sicherung von Daten: Die Einsteigerversion Home Basic ermöglicht beispielsweise nur ein manuell angestoßenes Backup. Der Anwender muss also jedes Mal selbst aktiv werden - keine gute Voraussetzung für eine regelmäßige Sicherung. Außerdem können die Daten nur auf CDs oder DVDs gespeichert werden.
In Vista Home Premium und Business sorgt ein frei definierbarerer Zeitplan für mehr Backup-Komfort. Damit ist die Basis für eine regelmäßige Datensicherung vorhanden. Außerdem können Dateien auch auf vernetzten Geräten, beispielsweise anderen PCs im Netzwerk, abgelegt werden.
Vista Business und Vista Ultimate ermöglichen zusätzlich die Sicherung eines Images[4]. Es wird also ein vollständiges Abbild der Festplatte zum Zeitpunkt des Backup erstellt. Damit ist es später möglich, beispielsweise nach einem Hardwarefehler, das komplette System mit allen Einstellungen und Dateien wiederherzustellen. Da die Speicherung des Images auf derselben physikalischen Platte dessen Sinn konterkarieren würde, kann es nur auf einer anderen Festplatte (intern und extern) abgelegt werden.
Die Einrichtung eines Backups erfolgt im Bereich Sichern und Wiederherstellen (im Startmenü nach "sichern" suchen). Je nach eingesetzter Vista-Version stehen dort unterschiedliche Optionen zur Verfügung. Die Sicherung von Verzeichnissen und Dateien wird über den Button Dateien sichern durchgeführt. Der Assistent ermöglicht die Auswahl der zu sichernden Laufwerke. Ein Klick auf die jeweilige Checkbox schließt diese ein oder aus.
Im nächsten Schritt wählt der Anwender auf Basis von Kategorien wie Bilder, Musik, Videos, E-Mail oder Dokumente, welche Dateien Bestandteil des Backups werden. Darin erschöpfen sich jedoch bereits die Einflussmöglichkeiten auf den zu sichernden Datenbestand: Der Backup-Assistent bietet keine Option, einzelne Dateien oder Verzeichnisse auszuwählen. System-, und Programm-, und temporäre Dateien werden grundsätzlich nicht gesichert. Selbes gilt für EXE- und verschlüsselte Dateien. Zudem können nur Daten von NTFS[5]-Laufwerken Teil eines Backup sein, FAT[6]-Partitionen bleiben außen vor.
Alle Vista-Versionen außer Home Basic sichern automatisch. Zur Auswahl stehen täglich, wöchentlich und monatlich. Je nach Option können zusätzlich Wochentag und Uhrzeit eingestellt werden. Die Software führt dann ein so genanntes inkrementelles Backup durch. Es werden also nur die seit der letzten Sicherung hinzugekommenen oder veränderten Daten erneut gespeichert. Dies beschleunigt den Vorgang und spart Speicherplatz.
Trotzdem sieht es bei der Wiederherstellung so aus, als handle es sich jeweils um ein komplettes Backup. Auf dem Backup-Medium sind die Dateien als Zip-Ordner gepackt.
Die nur unter Vista Business und Ultimate mögliche Complete-PC-Sicherung bietet weniger Auswahlmöglichkeiten. Alle Partitionen eines Datenträgers sind enthalten, weitere Laufwerke lassen sich über eine Checkbox auswählen.
Images werden in Microsofts komprimiertem VHD[7]-Format (Virtual Hard Disk) abgelegt. Bei einer Sicherung auf DVDs sollte man allerdings beachten, dass je nach Datenvolumen zahlreiche Silberscheiben notwendig sein können. Eine externe Festplatte in ausreichender Größe (300 GByte kosten heute unter 100 Euro) vereinfacht die Handhabung deutlich.
Im Gegensatz zur Verzeichnis- und Dateisicherung ist es beim Complete-PC-Backup nicht möglich, einen Zeitplan anzulegen. Der Vorgang muss also immer manuell gestartet werden.
Der Zugriff auf gesicherte Verzeichnisse und Dateien erfolgt über den Button Dateien wiederherstellen. Nachdem man die Auswahl zwischen der neuesten und älteren Sicherungen getroffen hat, lassen sich Dateien und Ordner einer Liste hinzufügen. Diese werden mit einem Klick auf weiter wahlweise am Ursprungsort oder an einer anderen Stelle wiederhergestellt.
Die Rücksicherung eines Complete-PC-Backup verläuft anders: Da meist kein funktionsfähiges Windows mehr bereitsteht, wenn ein Anwender zu dieser Option greift, wird der Vorgang mithilfe der Reparaturoption beim Start von der Windows-DVD eingeleitet.
Wenn man ein Image wiederherstellt, solle man allerdings bedenken, dass die Festplatte vor der Rücksicherung formatiert wird. Im Klartext: Die spätere Wiederherstellung von Daten, die nach dem Erstellen des Images angelegt wurden, ist nicht mehr möglich. Dies sollte man gegebenenfalls vorher erledigen.
Die in Windows Vista eingebauten Tools zur Datensicherung sind leicht zu bedienen - teilweise zu leicht. Zwar ist ein Backup von Ordnern und Dateien mit wenigen Mausklicks eingerichtet, ein paar zusätzliche Optionen wie eine Verzeichnisauswahl wären aber schon nützlich.
Aufgrund der mangelnden Flexibilität und der fehlenden Einstellmöglichkeiten deckt die Lösung nur Grundbedürfnisse ab. Da viele Nutzer ihre Daten aber bislang überhaupt nicht sichern, stellen die Vista-Tools einen sinnvollen Einstieg dar.
Negativ ist, dass Microsoft den Käufern der Home-Basic-Version die zeitgesteuerte Sicherung verweigert. Die Notwendigkeit, ständig manuell einzugreifen, dürfte in der Praxis zu einer lückenhaften Sicherung führen.
Die Möglichkeit, ein Image zu sichern, ist eine interessante Neuerung. Dazu waren bislang Spezialtools notwendig. Aber auch hier ist zu bemängeln, dass dieses Features den Nutzern von Vista Business und Ultimate vorbehalten bleibt.
URLs in diesem Artikel:
[1] = http:/
[2] = http:/
[3] = http:/
[4] = http:/
[5] = http:/
[6] = http:/
[7] = http:/