Rinspeed stellte auf dem Genfer Automobilsalon ein neues Concept-Car vor. Das transparente Gefährt "Exasis" ist mit einer ausgefeilten Identifikationstechnologie sowie neuen Kunststoffen ausgestattet.
Der neue Concept-Car ist nur durch autorisierte Fahrer bedienbar. Es lässt sich dafür auf persönliche Vorlieben abstimmen. Genauer gesagt: Jedes Bedienelement im Auto kann auf jeden berechtigten Benutzer angepasst werden. Die Bedienelemente zeigt ein transparentes, illuminiertes Instrumentenpanel. Die Aktivierung erfolgt über einen im Identifikationsmedium integrierten Chip, welcher über den menschlichen Körper Mikrosignale an eine Erkennungseinheit sendet.
Diese Technologie von Kaba eröffnet einige Möglichkeiten: Autodiebstähle etwa könnten sich verringern, denn die präparierten Wagen lassen sich überhaupt nur bedienen, wenn ein befugter Fahrer hinter dem Steuer sitzt. Computer funktionieren nur bei Berührung durch berechtigte Bediener. Sie haben zudem nur selektiven Zugriff auf personalisierte Einstellungen.
Auch in anderen Bereichen böte sich die Technik an: Medikamentenschränke etwa könnten nur autorisierte Personen öffnen. Haushalte wären für Kinder sicherer, indem Geräte wie ein Kochherd nur durch Erwachsene eingeschaltet werden könnten. Und auch Balkontüren oder Fenster bekämen Kinder aufgrund selektiver Absicherung nicht auf. Erste Produkte mit der neuen Technologie erwartet der Hersteller Kaba ab 2008.
Zurück zu den Motorfahrzeugen: Das "Exasis"-Concept-Car hat der Schweizer Auto-Tüftler Frank Rinderknecht zusammen mit den Autoexperten der Bayer Material Science AG entwickelt. Karosserie und Boden des zigarrenförmigen Zweisitzers sind aus Kunststoff und bestehen aus dem transparenten Polycarbonat Makrolon. Frei fällt der Blick etwa auf Details des Motors und des Alu-Chassis. "Schon vor 40 Jahren haben wir mit dem ersten Voll-Kunststoff-Auto der Welt, dem K 67, einen Blick in die automobile Zukunft gewagt, der in vielen Punkten Wirklichkeit geworden ist", sagte Hans-Peter Neuwald, Sprecher des Teams Auto Creative, das die Aktivitäten von Bayer Material Science mit der Autoindustrie koordiniert.
Die 750 Kilogramm schwere Kreation wird von einem 2-Zylinder-Weber-Motor (750 ccm, 150 PS) mit Bioethanol betrieben. Das Schweizer Bundesamt für Energie hat den Konzeptwagen als Testfahrzeug für eine Studie zum Thema "Leichtbau und Ökologie" ausgewählt.
Ein optisches Highlight sind die beiden transparenten Anzeige- und Funktionsdisplays im Cockpit. Sie scheinen im Sichtfeld des Fahrers zu schweben und sind als Touch-Panels gestaltet. Sie bestehen je aus einem rückseitig bedruckten CD/DVD-Rohling aus Makrolon, beschichtet mit Schaltflächen aus dem elektrisch leitfähigen Polymer Baytron P von H.C. Starck.
Die Metallteile im Innenraum sind mit einem Chrom-Effektlack auf Basis der Polyurethan-Lackrohstoffe Desmodur und Desmophen lackiert. Die Spanten der beiden hintereinander liegenden Fahrzeugsitze bestehen ebenfalls aus Makrolon und sind mit einem Edelstahlnetz überzogen. Hergestellt werden sie durch Thermoformen von zwölf Millimeter dicken Platten. Die Kopfstützen- und Armlehnenpolster sind aus durchsichtigem Technogel, einem lichtechten, elastischen und weichmacherfreien Polyurethan-Gel, das sich weich und warm anfühlen soll.
Im Motorraum sind Kabel mit dem thermoplastischen Polyurethan Desmopan ummantelt. Die transparenten Karosserieteile aus Makrolon werden durch Thermoformen auf Werkzeugen aus einem Polyurethan-Modellschaumstoff gefertigt, der sich aus den Rohstoffen Desmodur und Desmophen aufbaut. Die Karosserie- und Bodenteile sind mit einem leicht gelben, schimmernden Hard Coat beschichtet.
"Wir wollen mit dem neuen Concept-Car verdeutlichen, dass unsere Kunststoffe auch für aktuelle Trends im Automobilbau maßgeschneiderte Werkstoffe zur Fertigung von Serienbauteilen sind", sagt Neuwald. "Das gilt zum Beispiel für Makrolon, das sich als neuer Werkstoff für Automobilscheiben und transparente Dachmodule etabliert. Zwei weitere Beispiele sind das verstärkte Polyurethan Bayflex 180/190 als Leichtbaumaterial für Karosserieteile wie Kotflügel und Schwellerverkleidungen sowie spezielle Typen der PC-Folie Makrofol und des Polycarbonat-Blends Bayblend, mit denen sich innovative Anzeigeninstrumente umsetzen lassen."
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