Video: So bringt die Xbox 360 das Media Center auf den TV

(http://www.zdnet.de/magazin/39150217/video-so-bringt-die-xbox-360-das-media-center-auf-den-tv.htm)

von Joachim Kaufmann, 27. Dezember 2006

PCs haben sich mit ihren riesigen Festplatten zum Speicherort für Medieninhalte aller Art gemausert. Um diese zu konsumieren, scharen sich Anwender meist um einen kleinen Monitor. ZDNet zeigt, wie Vista Media Center und Xbox 360 den Content auf den heimischen Fernseher bringen.

Seit geraumer Zeit ist der sogenannte Wohnzimmer-PC immer wieder ein Thema, vorzugsweise wenn die Branche über das digitale, vernetzte Zuhause und dessen wirtschaftliches Potential sinniert. Dabei ist das Konzept genauso wenig einleuchtend wie erfolgreich.

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Bildergalerie: Xbox 360 als Media Center Extender[1]

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Denn warum sollte man sich zum Konsum von Medien einen teuren PC (oder Mac) ins Wohnzimmer stellen? Das bessere Konzept sind Streaming-Clients, die es schon seit einiger Zeit in verschiedenen Formen auf dem Markt gibt.

Microsofts Windows XP Media Center Edition unterstützt solche Clients in der noch aktuellen Version 2005 und nennt sie Media Center Extender. Der Erfolg ist aufgrund mangelnder Verfügbarkeit von Geräten auf dem europäischen Markt und zu hoher Preise in anderen Regionen bislang aber auch hier ausgeblieben.

Mit Windows Vista will Microsoft dem Thema neues Leben einhauchen. ZDNet zeigt, wie das Vista Media Center und die Xbox 360 Inhalte übers Netzwerk auf den TV bringen.

Sowohl das einfache Core System der Xbox 360 für 299 Euro als auch die Premium-Version für 399 Euro können als Media Center Extender genutzt werden. Zwar ist die Bedienung auch mit dem Controller möglich, man sollte sich jedoch die knapp 30 Euro teure Fernbedienung dazu gönnen. Die Konfiguration verläuft ohne Hürden.

Zwischen Media-Center-PC und Xbox 360 muss lediglich eine physikalische Verbindung bestehen, am besten über ein 100-MBit-Ethernet-Kabel. Theoretisch ist auch WLAN möglich, aufgrund schwankender Datenübertragungsraten und teilweise unzuverlässiger Verbindungen kommt es in der Praxis aber eher zu Problemen als bei einer verkabelten Lösung.

Man sollte den Einsatz drahtloser Komponenten gegebenenfalls genau prüfen, um sich später auf der Wohnzimmercouch nicht über Bildaussetzer ärgern zu müssen. Abhilfe könnte höchstens der kommende 802.11n-Standard bieten, der deutlich höhere Datenübertragungsraten ermöglicht. Bisher ist aber nur Equipment verfügbar, das auf einer Vorabversion basiert.

Zur Einrichtung des Netzerks muss zunächst die Xbox 360 als Media Center Extender konfiguriert werden. Nicht unbedingt notwendig, aber sicherlich nicht von Nachteil ist es, die Konsole mit der neuesten Firmware aus dem Internet zu aktualisieren.

Die Extender-Funktion verbirgt sich im Bereich Medien, der über das Hauptmenü der Konsole erreichbar ist. Durch die Auswahl des Buttons Media Center wird der Assistent gestartet. Die Meldung über die nicht vom DHCP-Server erhaltene Adresse kann man ohne Folgen mit "Weiter" überspringen.

Am Ende des Prozesses wird der Setup-Schlüssel generiert und angezeigt, den man für die Einrichtung des Media-Center-PCs benötigt. Damit ist die Konfguration der Xbox 360 bereits abgeschlossen, das System kann man in diesem Stadium belassen. Auch die Konfiguration des Rechners ist nicht viel aufwändiger: Nach dem Start der Media-Center-Oberfläche findet man die Option "Extender-Setup" unter "Aufgaben" in der ersten Navigationsebene. Diese prominente Platzierung ist ein Hinweis darauf, dass Media Center Extender künftig eine wichtigere Rolle spielen sollen.

Nach Eingabe des achtstelligen Setup-Schlüssels bietet Windows Vista die Option, den Abwesenheitsmodus zu aktivieren. Der Rechner wechselt dann nicht mehr in den bei Vista standardmäßig eingestellten Energiesparmodus, sondern schaltet lediglich die Ausgabe von Bild und Ton ab. Das Gerät läuft weiter, um ständig für die Auslieferung von Medieninhalten bereitzustehen. Für diesen Einsatzzweck ist ein Strom sparendes Modell von großem Vorteil.

Die Frage nach der Anzeige der Medienordner im Extender sollte man mit "Ja" beantworten, da das Gerät sonst keinen Zugriff auf die in persönlichen Ordnern der Nutzer gespeicherten Inhalte hat. Verweigert man die Freigabe, werden nur Inhalte der öffentlichen Ordner dargestellt.

Nach der automatisch ablaufenden Konfiguration verbindet sich der Rechner mit der Xbox 360. Auf dem TV sind dann die Media-Center-Startsequenz und kurz darauf die Oberfläche zu sehen. Der Einrichtungsprozess ist damit abgeschlossen.

Media Center muss auf dem PC nicht gestartet sein, damit der Extender Zugriff hat. Dies erledigt ein Dienst im Hintergrund. Der Rechner muss aber eingeschaltet bleiben, um auf die Inhalte zugreifen zu können. Extender können ohne Rechner keine Daten von einer im Netz freigegebenen Festplatte laden.

Der Test-PC wird seiner Rolle als Medienserver ohne Probleme gerecht. Er ist mit 3-GHz-Pentium-4, 1,5 GByte RAM und ATI Radeon X600 zwar kein langsames Gerät, von neueren Modellen mit Dual-Core-CPU aber leistungsmäßig ein ganzes Stück entfernt.

Bei der Wiedergabe hochauflösender WMV-Videos (1920 mal 1080 Pixel) zeigt der Taskmanager eine CPU-Auslastung von 12 bis 15 Prozent, bei Musik etwa acht Prozent. Das Weiterarbeiten mit dem Rechner ist also problemlos möglich. Auch die Kapazität des 100-MBit/s-Netzwerks reicht locker aus.

Die vom Extender gebotene Darstellungsqualität hängt maßgeblich davon ab, ob der Media-Center-PC ständig genügend Ressourcen für die flüssige Wiedergabe bereitstellen kann. Denn schließlich dürften Ruckler in den spannendsten Szenen für laute Proteste aus dem Wohnzimmer sorgen.

Hier schlägt sich das System wacker: Das HD-Video läuft bei der normalen Arbeit mit dem Explorer sowie Produktivitäts-Anwendungen als auch beim Wechsel zwischen Desktops ohne Störungen weiter. Auch das ressourcenintensive Zippen bringt das Video nicht aus der Ruhe.

Aus diesen Ergebnissen lässt sich natürlich nicht ableiten, dass es unter keinen Umständen zu Qualitätsproblemen kommen kann. Dazu ist das Ökosystem aus Treibern, OS, Hardware und Anwendungsprogrammen zu vielfältig und zu fragil. Eine gewisse Robustheit kann man dem Gespann aus Vista Media Center und Xbox 360 aber bescheinigen.

Windows XP Media Center Edition bietet bereits seit der Vorstellung der Version 2005 im Herbst 2004 Unterstützung für Media Center Extender. Auf dem US-Markt sind Geräte von Hewlett-Packard und Linksys zu haben. Außerdem konnte schon die erste Xbox mit einem Zusatzpack als Extender verwendet werden.

Anwender, die ihren Extender unter Windows Vista betreiben möchten, werden nur einen schwarzen Bildschirm vorfinden: Laut Microsoft sind die Geräte der ersten Generation nur mit Media Center 2005 kompatibel. Im Klartext: Will man Vista auf seinem Rechner installieren, kann man die teuer erstandene Hardware in den Müll werfen - oder vielmehr wie vorgeschrieben beim Wertstoffhof entsorgen.

Solche Entscheidungen dürften bei vielen Nutzern nicht gerade Lust auf das vernetzte Zuhause wecken. Der endlose Upgrade-Zyklus der IT-Welt ist damit auch im Wohnzimmer angekommen. Die Xbox 360 lässt sich übrigens sowohl mit Media Center 2005 als auch mit der Vista-Version betreiben. Die neuen Extender der Version 2.0 sind wiederum nur mit Vista kompatibel. Es ist zu befürchten, dass beim nächsten größeren Upgrade wieder ein Neukauf notwendig ist. Auf der Consumer Electronics Show, die Anfang 2007 in Las Vergas stattfindet, sollen erste Geräte der zweiten Extender-Generation präsentiert werden.

Das Zusammenspiel zwischen Windows Vista Media Center und Xbox 360 funktioniert problemlos. Die Einrichtung ist einfach und auch für weniger versierte Anwender zu bewerkstelligen.

Die schicke und leicht bedienbare Media-Center-Oberfläche von Vista macht auch auf dem großen TV im Wohnzimmer einen guten Eindruck. Das Ansehen von TV-Aufzeichnungen oder digitalen Bildern bereitet dort deutlich mehr Spaß als auf dem PC, der meistens mit einem deutlich kleineren Screen auskommen muss. Außerdem hat man mit der Xbox 360 auch noch eine Spielekonsole der neuen Generation.

Die Konsole als Extender zu verwenden hat jedoch zwei Nachteile: den mit 160 Watt hohen Stromverbrauch und das deutlich hörbare Lüftergeräusch. Wer sich daran stört, sollte auf die neuen Extender warten oder zu einer anderen Lösung greifen, die nicht mit dem Media Center in Verbindung steht.

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