Windows schlank und sicher: XP maßschneidern mit Nlite

(http://www.zdnet.de/magazin/39150035/windows-schlank-und-sicher-xp-massschneidern-mit-nlite.htm)

von Elmar Török, 15. Dezember 2006

Mit Nlite wird die Windows-Installation zur Bastelstunde. Das Tool modifiziert die Systemdateien und Setup-Routine. Das Ergebnis ist ein Windows nach Maß: ob extrem schlank, exakt zugeschnitten oder mit allen Tools aufgerüstet, die man sich nur wünschen kann.

Eine Windows-XP- oder -2000-Installation ist, dank grafischer Oberfläche und vielen Voreinstellungen, kein Hexenwerk. Aber sie braucht Zeit. Und der Benutzer hat Anwesenheitspflicht. Auch wenn nur alle paar Minuten ein Mausklick erforderlich ist, ohne ihn geht es nicht weiter. Das Ergebnis ist eine Standardinstallation nach dem Motto "lieber mal mitinstallieren, wer weiß, wann man es braucht". Nachträgliches Löschen ist zum einen aufwändig, zum anderen keine perfekte Lösung. Was einmal installiert war, hinterlässt Spuren. Unmöglich, sie alle zu suchen, zu finden und zu entfernen. Auf der anderen Seite hat jeder seine Favoriten, Tools oder Programme, die er unbedingt auf seinem System braucht und nachträglich installieren muss. Mit Nlite[1] geht beides - abgespeckte, reduzierte und gepatchte Windows-Installationen ohne Schnickschnack, die dazu bereits alle Tools an Bord haben, die man zum Arbeiten braucht.

Windows an jedes Bedürfnis anpassen

Ganz abstrakt beschrieben erstellt Nlite[1] neue Installationsmedien für Windows. Die erste Version von Nlite tauchte 2004 auf. Damals hieß es noch XP Lite. Im Moment ist Version 1.2.1 aktuell, und diese sollte man verwenden. Seit dem Major Release 1.0 ist viel passiert. Das Programm bietet jetzt erheblich mehr Komfort und vereinfacht viele Arbeitsgänge. Unterstützt werden im Moment Windows 2000 (Professional, Server, Advanced), Windows XP (Professional, Home, MCE, N, x64) sowie Windows Server 2003 (Standard, Web, Enterprise, x64, R2).

Eine Version für Windows Vista namens Vlite[2] ist in Arbeit, befindet sich allerdings noch im Betastadium.

Die Unterschiede vom neuen zum alten Installationsmedium liegen in drei Bereichen:

  1. Nlite entfernt Treiber, Komponenten, Programme und andere Dateien.
  2. Einstellungen, an die man sonst nur über weitere Tools oder direkte Änderungen in der Registry kommt, lassen sich innerhalb von Nlite vorgeben.
  3. Eigene Programme, Treiber, Patches, Hotfixes und andere Dateien können dem neuen Installationsmedium beigefügt werden.

Bildergalerie

Bildergalerie: Windows maßschneidern mit Nlite - Windows XP schlank und sicher[3]

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Nach der Bearbeitung sind Imagegrößen von unter 100 MByte möglich - normalerweise erreichen die Images das Doppelte und Dreifache. So bietet sich die Bearbeitung mit Nlite an, falls man XP auf einem USB-Stick installieren will. Meistens wird aber nicht der Wunsch nach einer möglichst kleinen Installations-CD der Grund für die Beschäftigung mit Nlite sein. Wichtiger ist es, lästige und überflüssige Anhängsel aus Windows zu entfernen und wichtige Komponenten, zum Beispiel alle aktuellen Updates und Hotfixes bis zu einem Stichtag, hinzuzufügen.Im Downloadbereich[4] der Nlite-Homepage gibt es zwei Möglichkeiten zur Auswahl. Das Installationspaket als Setup.exe installiert sich wie von Windows gewohnt auf dem PC und trägt sich etwa in das Startmenü ein. Eigentlich ist das nicht nötig, wie die zweite Variante, ein selbst extrahierendes Archiv, zeigt. Man packt die Dateien in ein Verzeichnis und doppelklickt auf das Nlite-Symbol - das geht auch.

Allerdings ist Nlite auf das Microsoft-.NET-Framework angewiesen. Wer das schon installiert hat, kann sofort mit Nlite starten. Andernfalls muss man entweder (offiziell) das Framework von Microsoft[5] oder die inoffiziellen Runtimes von der Nlite-Website herunterladen. Die entpackt man in das Verzeichnis, in dem bereits Nlite liegt, und kann loslegen.

Nach dem Start zeigt sich das Programm von seiner freundlichen Seite. Die Dialoge sind auf Deutsch, die Oberfläche übersichtlich. Als erstes muss man die Installationsquelle auswählen, an der Nlite die Änderungen vornehmen soll. Klar, dass die Dateien nicht auf CD, sondern in einem Verzeichnis auf der Festplatte vorliegen müssen. Gibt es das Verzeichnis, zeigt Nlite die wichtigsten Eckdaten wie Version, Sprache und Service-Pack an.

Falls man den Auswahldialog auf eine CD oder DVD richtet, kopiert die Software selbstständig alle benötigten Dateien in ein vorher ausgewähltes Zielverzeichnis. Vorsicht: Wenn man ein Laufwerk angibt, auf dem nicht genug Platz ist, zeigt Nlite zwar einen Warnhinweis, fängt aber trotzdem mit dem Kopieren an. Zur Sicherheit, je nach verwendeter XP-Version, sollte man auch das Verzeichnis "/CMPNENTS" von der zweiten CD in das Arbeitsverzeichnis kopieren. Nlite fragt jedoch automatisch nach, wenn es der Meinung ist, das zur verwendeten XP-Version Dateien aus dem "/CMPNENTS"-Verzeichnis gehören. Nun folgt noch eine Warnung, für Anfänger vermutlich die wichtigste: Nlite verändert die Dateien im Installationsverzeichnis. Sobald Programme abgewählt, Patches aktualisiert oder andere Aktionen durchgeführt wurden, ist das Install-Verzeichnis nicht mehr für einen neuen Durchlauf von Nlite geeignet. Vor dem ersten Start sollte man auf alle Fälle ein Arbeitsverzeichnis mit den Windows-XP-Dateien anlegen, sonst müssen die Ursprungsdateien von der CD nachkopiert werden.Im nächsten Bildschirm lassen sich Sessions importieren, die man vorher bereits bei einem anderen Durchlauf mit Nlite angelegt hat. Die Sessions enthalten alle Einstellungen, so dass man sehr leicht reproduzierbare Images herstellen kann. Dann folgt das erste Fenster, in dem klar wird, was mit Nlite alles geht. Der Auswahlschirm unterteilt die möglichen Änderungen in Blöcke wie "Integrieren", "Entfernen" oder "Setup". Entweder klickt man die Blöcke an und markiert so ganze Änderungsbereiche, oder man wählt sich einzeln durch die Optionen. Die Beschreibungen sind selbsterklärend, ein wichtiger Hinweis betrifft jedoch den Systemdateienschutz von Windows. Der verbirgt sich im Bereich "Optionen". Daher muss "Optionen" unbedingt ausgewählt werden, wenn man Service-Packs von Microsoft oder ähnliche Dateien integrieren will, die Systemdateien überschreiben. Ebenfalls etwas verwirrend beim ersten Mal: Im Bereich "Komponenten" wird alles entfernt, was durch ein Häkchen markiert ist.

Was man abwählen darf und was nicht, versucht Nlite durch die Vorgabe von ein paar Grundregeln und sehr guten Tipps in den Hilfebildschirmen zu vereinfachen. Eine Abhängigkeitslogik verhindert, dass man Dateien entfernt, die für ein gewünschtes Feature benötigt werden. Bei Windows XP kommt das ständig vor, die gegenseitigen Abhängigkeiten sind zahllos. Weil die Auswahlmöglichkeiten beim Abwählen aber mindestens genauso zahllos sind, dürften sich die meisten ernsthaften Nutzer im Internet nach Hilfen und Anleitungen umsehen.

Das offizielle deutsche Forum zu Nlite ist auf der Seite www.german-nlite.de[6] zu finden. Dort gibt es auch viele Guides zu bestimmten Themen, übersichtlich nach Anfänger, Fortgeschrittene und Power-User geordnet. Allerdings haben viele der Anleitungen das Problem, nicht eindeutig formuliert zu sein. Fast immer beziehen sie sich auch auf ältere Versionen von Nlite. Weil sich das Erscheinungsbild und die Features zum Teil radikal von denen der aktuellen Software unterscheiden, ist das Ergebnis oft mehr verwirrend als hilfreich.

Generell gilt: ausprobieren tut Not, am besten mit einer virtuellen Maschine wie Vmware[7] oder Virtual PC[8]. Das Ergebnis ist zwar nicht hundertprozentig identisch, denn die virtuellen Maschinen verfügen ja nur über generische Hardware. Doch ein Großteil der möglichen Probleme lässt sich damit sehr gut und vor allem schnell abfangen.Neben dem Entfernen ist vor allem das Hinzufügen eine attraktive Funktion von Nlite. Der einfachste Weg besteht darin, Dateien zum neuen Installationsmedium hinzuzufügen und im Rahmen des XP-Setups auf den neuen Computer zu kopieren.

Erheblich komfortabler läuft es bei Patches, Hotfixes und Add-Ons. Im Internet gibt es eine ganze Reihe von Seiten, auf denen Komplettpakete mit Tools, Spielen, Desktop-Themens und anderen Ergänzungen zum Download bereit stehen. Vor allem die Patches, Service-Packs und Hotfixes von Microsoft sind sehr hilfreich, sorgen sie doch sofort nach der Installation für ein sicheres System, ohne erst viele hundert Megabyte aus dem Internet nachladen zu müssen.

Für die deutschen Windows-Versionen eignet sich das GnLiteHotfixPack[9] (German Nlite Hotfix-Pack), das monatlich aktualisiert wird. Für den Download muss man sich allerdings beim Forum (schnell und schmerzlos) registrieren. Die naheliegende Quelle für Nlite-Add-Ons ist der Entwickler selbst, der dafür eine eigene Webseite[10] bereitstellt.

Eine ganz besondere Form von Hotfixes gibt es auf sereby.german-nlite.de[11]. Die Datei kann sowohl mit Nlite zusammen verwendet oder unabhängig davon genutzt werden, ähnlich wie Nlite, nur schneller und mit weniger Optionen. Viele (englische) Add-Ons gibt es auch auf den Seiten von Ryan Vandermeulen[12].

Wie bei allen Quellen aus dem Internet ist Vorsicht vor Viren und Trojanern geboten. Nicht alle Add-Ons sind von den Forenbetreibern selbst. Vieles wird zugeliefert und kann alles Mögliche beinhalten.Praktisch alle aktuellen Add-Ons sind so zusammengestellt, dass man nichts mehr tun muss, als sie auszuwählen. Egal ob .CAB-, .ZIP- oder .RAR-Format - Nlite erkennt ab Version 1.0 RC6 das Paket, sofern es richtig kompiliert wurde, und bindet es in den Imageprozess ein. Dabei kann es übrigens für geraume Zeit zu einer sehr hohen CPU-Auslastung kommen, je nachdem, welche Arbeitsschritte für das neue Installationsimage notwendig sind.

Sollte jemand Lust verspüren, eigene Add-Ons zu basteln, sind bereits viele Hilfsmittel im Internet vorhanden. Mit dem Nlite Plugin Creator kann man über eine übersichtliche Oberfläche eine .CAB-Datei inklusive der notwendigen entries.ini erstellt werden. Das Tool gibt es hier[13]. Das Gleiche erledigt der Nlite Addon Maker, der hier[14] direkt heruntergeladen werden kann. Auch wenn es nicht mehr nötig ist, .CAB-Pakete zu schnüren, mit diesem Tool[15] geht es trotzdem. Wichtig ist, als Packformat immer CAB LZX und nur die mittlere Kompressionsrate zu wählen.

Ein weiterer Bestandteil von Nlite ist die Unattended-Installation. Damit wird eine Windows-Installation auf Wunsch völlig ohne Benutzereingaben durchgeführt. Alle Informationen bezieht die Setup-Routine aus einer Datei. Angewandt wird die unbeaufsichtigte Installation fast ausschließlich im Firmenumfeld. Die Beschäftigung mit dem Konzept erfordert viel Zeit und lohnt bei kleinen Installationen nicht. Mit Nlite kann man die Lernkurve jedoch deutlich absenken. In einem übersichtlichen Auswahlmenü sind alle Parameter aufgelistet und nach Kategorien geordnet. Hilfetexte erklären, was wofür gebraucht wird, und wovon man besser die Finger lässt. Detaillierte Erklärungen zu den Einstellungen finden sich zuhauf bei Microsoft oder, kürzer und prägnanter unter dieser Adresse[16].Hat sich Nlite durch die Liste mit Änderungswünschen gearbeitet, steht am Ende ein neues Installationsimage im ISO-Format im Zielverzeichnis.

Früher musste man nun ein CD-Brennprogramm anwerfen, um daraus eine CD zu basteln, mittlerweile ist eine komfortable Brenn-Engine in Nlite eingebaut, die das erledigt. Man kann das Image vorher kontrollieren, einen Schreibtest durchführen oder gleich zur Tat schreiten.

Der ISO-Brenner funktioniert auch ganz ohne Nlite-Änderungen: Einfach im zentralen Auswahlbildschirm nur "Bootfähiges ISO-Image" anwählen, dann springt das Programm sofort zum Brenn-Dialog.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.nliteos.com
[2] = http://www.vlite.net
[3] = http://www.zdnet.de/galerie/39150038/bildergalerie-windows-massschneidern-mit-nlite-windows-xp-schlank-und-sicher.htm#sid=39150035
[4] = http://www.nliteos.com/download.html
[5] = http://www.microsoft.com/downloads/details.aspx?displaylang=de&FamilyID=0856eacb-4362-4b0d-8edd-aab15c5e04f5
[6] = http://www.german-nlite.de/guide=gm-intro
[7] = http://www.vmware.com/de/
[8] = http://www.zdnet.de/news/software/0,39023144,39145208,00.htm
[9] = http://www.german-nlite.de/index.php?act=dscript&CODE=showdetails&f_id=208
[10] = http://www.nliteos.com/addons/index.html.
[11] = http://sereby.german-nlite.de/index.php
[12] = http://www.ryanvm.net/forum/viewtopic.php?t=511
[13] = http://www.jybesystems.co.uk/nlpc/
[14] = http://virtualltek.mgbr.net/download/nlaom-setup.exe
[15] = ftp://ftp.simtel.net/pub/simtelnet/win95/compress/cabpck14.zip
[16] = http://www.orthy.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1478&Itemid=53