Fraunhofer-Studie belegt Vorteile von Open Source

(http://www.zdnet.de/magazin/39149125/fraunhofer-studie-belegt-vorteile-von-open-source.htm)

von Dietmar Müller, 22. November 2006

Eine Befragung von über 200 Entscheidungsträgern ergibt: Die öffentliche Hand ist die treibende Kraft für den Einsatz von Open-Source-Lösungen in Deutschland. Aber auch Firmen können von der Einführung offener Lösungen profitieren.

Der Einsatz von Open-Source-Software (OSS) führt zu teilweise erheblichen Einsparungen in der öffentlichen Verwaltung. Auch IT-Unternehmen profitieren von ihren OSS-Aktivitäten. Das ist das Ergebnis einer vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) durchgeführten Studie. Sie wurde allerdings von den Open-Source-affinen Firmen IBM und Novell sowie der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) in Auftrag gegeben.

Für die Studie wurden Entscheidungsträger von öffentlichen Einrichtungen und IT-Unternehmen in Deutschland befragt. Im Bereich der öffentlichen Einrichtungen konnten insgesamt 115, bei den IT-Unternehmen 94 gültige Antworten erzielt werden.

Knapp die Hälfte (47 Prozent) der 115 befragten öffentlichen Einrichtungen geht von Kostensenkungen von mehr als 50 Prozent durch den Einsatz von Open-Source-Software aus. Weitere 20 Prozent glauben an eine Kostensenkung von bis zu 25 Prozent. Für rund 59 Prozent ist die Umstellung auf Open-Source-Anwendungen Teil einer mittel- oder langfristigen IT-Gesamtstrategie.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die öffentliche Hand treibende Kraft für den Einsatz von Open-Source-Lösungen ist: Anhaltende Veränderungen und Umstrukturierungen im Bereich der öffentlichen Einrichtungen würden auch in den nächsten Jahren zu entsprechenden IT-Projekten führen. Dies rechne sich, so die Autoren, auch für IT-Unternehmen, die Open Source als Dienstleistung oder Produkt anbieten: "Die öffentliche Hand rechnet im Bereich der Dienstleistungskosten mit Kostensteigerungen von bis zu 25 Prozent, die in diesem Rahmen OSS-Unternehmen zu Gute kommen," so Jochen Günther, Projektleiter beim Stuttgarter Fraunhofer IAO. Dem stehen Ersparnisse durch wegfallende Lizenzkosten gegenüber.

"Es ist beeindruckend, welche enormen Vorteile Unternehmen und öffentliche Einrichtungen durch den Einsatz freier Software bereits erzielen und in welcher Weise OSS Innovationen beschleunigt", kommentierte Dieter Spath, Leiter des Fraunhofer IAO, die Ergebnisse der Studie.

Vor allen Dingen der Mittelstand profitiere von den Investitionen des öffentlichen Sektors: "Rund 83 Prozent der OSS-Aufträge der öffentlichen Verwaltung gehen an kleine und mittlere, regionale Dienstleister", so Günther. Dienstleistungen werden von diesen Unternehmen rund um die drei Themenbereiche Programmierung, Konfiguration oder Anpassung von OSS an kundenspezifische Bedürfnisse, die Unterstützung in der Einführungsphase sowie beim späteren Support angeboten, so ein Ergebnis der Studie.

Die beauftragten Unternehmen profitieren nicht nur finanziell von den Aufträgen, sondern auch entwicklungstechnisch. Günther: "Rund 71 Prozent der IT-Unternehmen schätzen, dass der Einsatz von OSS bei ihnen zu verwertbaren Produktinnovationen führt, und 35 Prozent der Unternehmen glauben sogar, dass sie ohne Open-Source-Aktivitäten nicht mehr überlebensfähig sind."

Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von OSS nicht nur der Öffentlichen Hand und IT-Unternehmen Vorteile bringt, sondern auch zu mehr Beschäftigung in Deutschland führen kann. Die Studie habe gezeigt, so Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, dass Open Source verstärkt zu regionaler Wertschöpfung führe und das Innovationspotenzial der IT-Unternehmen stärke. "Open-Source-Software sorgt für Innovation und sichert Arbeitsplätze vor Ort. Deshalb werden wir mit unserer erfolgreichen Initiative "Open-Source-Region-Stuttgart[1]" den Wachstumsmarkt weiter gezielt entwickeln."

Der Wirtschaftsförderer erhofft sich auch von anderen Fördermittelgebern Maßnahmen, um diese Basis weiter zu stärken. So sollten verstärkt bestehende IT-Fördermittel des Bundes oder der Europäischen Union zur Förderung von Open-Source-Projekten umgeschichtet werden. "Das bietet die Chance, dass aus öffentlichen Mitteln Software entsteht, die dann sowohl öffentlichen Einrichtungen, aber auch IT-Unternehmen zur wirtschaftlichen Verwertung frei zur Verfügung steht", so Rogg.

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[1] = http://opensource.region-stuttgart.de