"Web 2.0 erschwert die Informationssuche"

(http://www.zdnet.de/magazin/39148842/web-2-0-erschwert-die-informationssuche.htm)

von Dietmar Müller, 14. November 2006

Das Internet ist einer der wichtigsten Verkaufskanäle. Experten beraten Firmen beim Aufbau ihrer Sites, erstellen Usability-Reports und helfen, Kunden punktgenau anzusprechen. Von diesen Trends berichteten auf der Systems 2006 Susanne Köhler, CFO und Gründerin von Mindlab, sowie Heinz D. Schultz, CEO.

ZDNet: Mindlab ist spezialisiert auf Usabilty-Auswertungen von Websites. Wie gehen Sie dabei vor?

Köhler: Unsere Software heißt Netmind. Sie besteht aus drei Modulen: Erstens das Tracking und Reporting, das ist eine Art Analytics und Controlling. Darauf aufbauend gibt es zweitens das so genannte Szenario-Building. Damit können - wenn ein User eine Site aufruft - bestimmte Produkte zielgruppengerecht angeboten werden. Und drittens das Customer Targeting, das Algorithmen bietet, die die Intelligenz eines gut geschulten Verkäufers im Laden aufs Internet übertragen.

ZDNet: Wo liegt Ihr Schwerpunkt?

Köhler: In der Vergangenheit auf ersterem, dem Tracking und Reporting. Zunehmend legen Unternehmen aber ihren Schwerpunkt auf Szenario-Building und Customer Targeting. Das wird voraussichtlich auch in Zukunft unser Hauptbetätigungsfeld sein, Controlling dagegen ist mittlerweile schon fast State of the Art.

ZDNet: Ihre Arbeit und Ihr Vorgehen weist eine gewisse Nähe zum Business Intelligence (BI) auf - die Analysten von PAC etwa sehen mittelfristig ein Verschmelzen von Marketing, BI und den Tracking-Möglichkeiten des Web 2.0.

Köhler: Die von uns getrackten Daten helfen dem Marketing, das stimmt absolut. BI ist quasi der Überbegriff, während wir uns auf die online generierten Daten konzentrieren. Unsere Erfahrung ist allerdings, dass bei vielen Unternehmen die Integration von BI und Marketing noch gar nicht stattgefunden hat. Dabei würden BI-Tools wie von Business Objects oder Cognos unsere Arbeit definitiv unterstützen. Wir haben da offene Schnittstellen.

ZDNet: Haben Sie bei Ihrer Arbeit spezielle Branchen im Fokus?

Schultz: Schwerpunktmäßig haben wir uns auf Finanzdienstleister konzentriert. Dort finden wir das Verständnis vor, dass sie sensible Kundendaten benötigen. Denn der Datenschutz steht ganz oben auf unserer Agenda: Wir verfolgen den Weg eines Kunden auf einer Website und ihren Microsites sowie Unterdomains völlig anonym - im Idealfall bis zum Abschluss einer Transaktion.

ZDNet: Das können mit Verlaub gesagt auch andere Tracking-Unternehmen.

Schultz: Unser Alleinstellungsmerkmal ist folgendes: Wir haben auch die Sprünge von Site zu Site im Griff, ohne dass Einloggmechanismen für die eindeutige Identifizierung notwendig wären. Und wir verändern das System des Kunden nicht, sondern schalten unsere Hard- und Software im Rechenzentrum vor den Server des Kunden.

ZDNet: Zurück zu den Branchen: Sie haben nur Banken als Kunden?

Schultz: Nein, nein, die gesamte Industrie, etwa Siemens und dort speziell den Bereich Telekommunikation. Im Intranet haben wir da untersucht, ob es ungenutzte Seiten gibt. Im Automotive-Bereich zählt etwa die Firma Smart zu unseren Kunden. Auch im Pharma-Bereich haben wir Kunden, und zunehmend Retail. Die Händler überlegen immer mehr, wie sie ihre Site sinnvoll gestalten können. Das erklären wir denen.

Köhler: Das sind auch die Kunden, die bevorzugt umsatzsteigernde Maßnahmen - also Szenario-Building und Customer Targeting - nachfragen.

ZDNet: Ist Web 2.0 für Sie ein Fluch oder ein Segen? Erschwert beispielsweise Ajax Ihre Arbeit?

Köhler: Das hat eigentlich keinen Einfluss. Unsere Produkte sind schon immer Web-2.0-fähig.

Schultz: Wir prüfen derzeit aus Sicht unseres Marketings, ob wir uns im Bereich Web 2.0 mehr positionieren sollten.

ZDNet: Der Usability-Guru Jakob Nielsen wettert seit geraumer Zeit über das so genannte Web 2.0. Für ihn sind das im Wesentlichen nur Gimmicks, die von der eigentlichen Information ablenken. Die Usability leide eigentlich unter dem Web 2.0. Können Sie das bestätigen?

Köhler: Ganz sicher fällt es dem Nutzer durch Web 2.0 nicht leichter, spezielle Informationen zu finden.