Mozilla hat sich Gemeinnützigkeit auf die Fahne geschrieben - und ärgert Microsoft mit seinem Firefox-Browser ganz gewaltig. Anläßlich des Release von Version 2.0 sprach ZDNet mit dem President Mozilla Europe und dem Vice President Engineering.
Vor wenigen Stunden ist Firefox 2.0[1] freigegeben worden. Kurz vor dem Release sprach ZDNet auf der Systems 2006 mit Tristan Nitot, President Mozilla Europe, und Mike Schroepfer, Vice President Engineering bei Mozilla. Nitot stammt aus Paris, Schroepfer aus dem Silicon Valley. Während des Gespräches wurde klar: Mozilla geht es nicht ums Geld - sagen sie zumindest.
ZDNet: Heute ist also der große Tag, was?
Nitot: Ja genau, in wenigen Stunden geht Version 2.0 von Firefox online.
ZDNet: Ist Version 2.0 identisch mit dem Release Candidate 3?
Schroepfer: Ja, absolut.
Nitot: Na ja, da war doch noch was?
Schroepfer: Ach ja, wir haben noch am Windows-Installer gearbeitet. Das war aber nur ein kleiner Dreh - der Browser installiert sich nun noch etwas schneller. Ist aber nicht der Rede wert.
ZDNet: Können Sie zusammengefasst sagen, was die Hauptunterschiede zur Version 1.0 sind? Den Minischritt 1.5 unterschlagen wir mal.
Schroepfer: Nun, wir haben rund ein Dutzend neue Funktionen eingeführt sowie buchstäblich Tausende von Bug-Fixes, ich kann und will sie nicht alle aufzählen. Ins Auge wird Ihnen als erstes die überarbeitete Oberfläche fallen. Darunter finden Sie einen neuen Schutz vor Phishing-Angeboten, erweiterte Suchfunktionen, verbesserte RSS-Unterstützung und Tabbed-Browsing. Überrascht bin ich selbst von der neu eingeführten Rechtschreibkontrolle, wie Sie's auch aus Word kennen. Ich fragte mich erst kürzlich, warum wir das nicht schon immer anbieten. Es war vergleichsweise einfach umzusetzen, und da das Web immer mehr zu der Computing-Plattform wird, naheliegend.
Nitot: Noch erwähnt werden sollte der Add-on-Manager in Version 2.0, der in einem Fenster Erweiterungen und Themes verwaltet. Und die Unterstützung für SVG-Text. Erstmals unterstützt der Browser nun auch Javascript 1.7.
ZDNet: Und damit wollen Sie besonders in Unternehmen punkten?
Nitot: Nein, eigentlich ist uns egal, wer Firefox wo benutzt. Wir wollen nur sichergehen, dass der Markt für Browser in Bewegung bleibt.
ZDNet: Das überrascht mich. Ist nicht der Unternehmensmarkt das goldene Kalb einer jeden Firma? Mit Software für Firmen ist in der Regel mehr und sicherer Geld zu machen als mit Consumer-Software.
Schroepfer: Ach wissen Sie, wir sind gar nicht so am Umsatz interessiert. Wir verkaufen ja keine Produkte. Uns geht es rein um Verbreitung, und da scheinen wir im Business-Sektor gerade gute Fortschritte zu machen. Aber von mir aus können Sie Firefox auch gerne zu Hause einsetzen.
ZDNet: Ach kommen Sie - Sie sind im Browser-Markt ja nicht nur zum Spaß. Jeder Marktteilnehmer möchte mehr Anteile haben als die Wettbewerber.
Nitot: Nein, nein, wir freuen uns über jede Firma, die unser Produkt einsetzt. Sie machen das, weil Firefox vergleichsweise sicher und einfach einzusetzen ist, außerdem ist man unabhängig von Microsoft oder Apple oder sonst jemandem. Der Einsatz in Unternehmen ist aber nicht unser primäres Ziel.
Schroepfer: Ich glaube, viele Unternehmen nutzen noch Windows 2000, aus verschiedenen Gründen. Die sind froh, dass sie Firefox haben, solange der Internet Explorer 7 noch nicht einsatzbereit ist.
ZDNet: Also können wir doch von einem Rivalen beziehungsweise Wettbewerber Microsoft sprechen, oder?
Nitot: Nun, Microsoft hat den größten Marktanteil.
ZDNet: Das ist es doch auch, was Sie wollen! Ganz nehme ich Ihnen Ihre selbstlose Einstellung nicht ab. Noch dazu, wo Ihnen Analysten gerade bescheinigen, den Redmondern voraus zu sein.
Nitot: Wir wollen nur, dass es keine dominante Macht im Markt gibt. Microsoft hat den Browser-Markt 2001 übernommen und daraufhin die Innovationen auf Sparflamme gefahren. Das ist unser Problem, und das wollen wir ändern. Das Internet ist viel zu interessant, als dass man die Entwicklung der Browser-Software einstellen sollte. Wir brauchen eine bestimmte Marktgröße, um nicht länger ignoriert werden zu können.ZDNet: Sie machen mich ratlos. Ich hatte, glaube ich, noch nie Interviewpartner, die weniger strategisch denkend und weniger aggressiv beim Erreichen der selbst gesteckten Ziele sind. Sie wirken auf mich wie Vertreter von Amnesty International oder Greenpeace.
Nitot: Vielleicht haben wir nur einen Jetlag. Tatsache aber ist, dass wir eben im Wesentlichen eine Non-Profit-Bewegung sind. Wir haben uns Wahlmöglichkeiten und Innovation auf die Fahne geschrieben. Nur wenn man das weiß, kann man uns verstehen. Wenn Sie so wollen, ist die breite Öffentlichkeit unser Shareholder, nur ihr sind wir verpflichtet. Unternehmen müssen Geld verdienen, um ihre Shareholder zufrieden zu stellen, das ist bei uns anders.
ZDNet: Dann ist also Menschenliebe Ihre Triebkraft?
Nitot: Eher die Liebe zum Internet. Ist das nicht ein tolles Medium? Und was wir gerade unter dem Schlagwort Web 2.0 erleben, ist einfach umwerfend. Von Wissenschaft bis zu Sex finden Sie die tollsten Sachen.
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