Web 2.0: Business Intelligence und Marketing wachsen zusammen

(http://www.zdnet.de/magazin/39147762/web-2-0-business-intelligence-und-marketing-wachsen-zusammen.htm)

von Dietmar Müller, 12. Oktober 2006

Rund 230 Teilnehmer waren nach Mainz gekommen, um sich über neue Entwicklungen in den Bereichen Business Intelligence (BI) und Business Process Management (BPM) zu informieren. Klarer Trend auch hier ist die Nutzung des Web 2.0.

Mainz ist eine Reise Wert - besonders wenn man sich für Business Intelligence und Business Process Management (BPM) interessiert und gerade eine von IIR Deutschland organisierte Konferenz in der Rheingoldhalle dazu stattfindet. So geschehen vor wenigen Tagen. Die Foren Business Intelligence[1] und Business Process Management[2] präsentierten aktuelle Methoden und Konzepte für intelligentes Informationsmanagement sowie Wege zur Flexibilisierung von Geschäftsprozessen.

Die vortragenden Experten wurden von Anwenderunternehmen wie Agip Deutschland, Bayerische Hypo- und Vereinsbank, Dresdner Bank, Volkswagen, West LB und Deutsche Lufthansa sowie von Anbietern wie entsandt. Verbunden waren die parallelen Foren durch einige Plenarbeiträge, eine spezielle "BI meets BPM"-Vortragsreihe sowie eine Fachausstellung, in der Anbieter wie IBM, Bea Systems, Emprise, Entory, Oracle, Ibi, Microstrategy, Trillium und Webmethods ihre Lösungen vorstellten.

Mehr als 200 Besuchern standen rund 50 Vorträgen gegenüber. Übergreifender Tenor: Das Web 2.0 verändert den Umgang von Unternehmen mit Analyse-Werkzeuge. Marktforschungsexperte Prof. Dr. Peter Gentsch von der Business Intelligence Group etwa schilderte, wie Unternehmen mithilfe von Daten aus dem Internet Wissen für künftige Entscheidungen generieren können: Immer mehr Websites lebten von der Gestaltung durch die Nutzer, immer mehr Menschen äußerten in Weblogs ihre Meinungen und Bedürfnisse. Laut Gentsch liefern sie den Unternehmen damit exzellente, da unverfälschte Informationen. "Alle sechs Sekunden entsteht ein neuer Blog, jede Sekunde gibt es einen neuen Blogeintrag - wir müssen dem Kunden im Netz nur zuhören." Mithilfe von Business-Intelligence-Instrumenten könnten Unternehmen diese Daten nutzen und so frühzeitig Trends, aber auch Krisenherde erkennen. Seine Prognose: BI und Marktforschung werden in Zukunft zusammen wachsen und stärkere Synergien erzielen. Vor allem werde BI die primären und sekundären Prozesse der Wertschöpfungskette eines Unternehmens nachhaltig verbessern und neu gestalten.

Auch der ehemalige Chief Scientist von Amazon, Dr. Andreas S. Weigend, Chef seiner gleichnamigen Weigend Associates LLC, zeigte sich überzeugt von der Qualität von Internetdaten und deren Nutzen für die Unternehmen. Vor allem durch Tags und online vergebene Lesezeichen, zum Beispiel auf dem Portal del.ico.us[3], gebe der Internetnutzer Informationen über seine Interessen in destillierter Form preis: "In einem einzigen Buchstaben eines Web 2.0-Tools steckt mehr Information als in mancher Website." Eine Flut an Informationen, die Unternehmen nur mithilfe einer optimalen Analyse mit einer signifikanten Infrastruktur für sich nutzen können.

Eine Analyse, präsentiert von Prof. Dr. Andreas Seufert, Institut für Business Intelligence, bestätigt die wachsende Bedeutung von BI-Instrumenten: "BI wird sich zu einem Massenmarkt entwickeln", so Seufert. Das Marktvolumen werde bis 2007 auf einen Wert von über 1,7 Milliarden Euro wachsen. Den größten Anteil daran hätten Services mit ungefähr 800 Millionen Euro, gefolgt von Software (knapp 700 Millionen) und Hardware (rund 200 Millionen). Nach wie vor würden BI-Tools vor allem im Controlling und Rechnungswesen angewendet, hielten aber auch verstärkt Einzug in Marketing und Vertrieb.

Weitere Vorträge der beiden Foren verdeutlichten, wie wichtig es sei, eine durchgängige und intelligente BI-Infrastruktur aufzubauen und die Unternehmensstrategien und -vorgaben mit den Prozessen zu verbinden. Mehr noch: BI müsse mithilfe einer Geschäftsanalytik stärker operationalisiert werden. Das jedenfalls forderte der unabhängige Analyst Dr. Wolfgang Martin: "Erst Analytik stellt die Konzepte von BI in den Kontext der Geschäftsprozesse", so Martin. Dabei sei Analytik mehr als nur Reporting, sie ermögliche den Schritt von Information hin zur Aktion - auf Basis einer serviceorientierten Architektur.

Auch bei Business Process Management werde BI, neben SOA und Performance Management, künftig eine Rolle spielen, ist sich der Berater und BPM-Experte Thomas Olbrich sicher. In seinem Vortrag erläuterte er, wie Unternehmen ihre BPM-Strategie konsequent durchführen können und mit welchen Risiken sie dabei rechnen müssen. Ein Fehler vieler Unternehmen sei es, BPM auf IT-Fragen zu reduzieren: "BPM muss als unternehmensweite Leitlinie betrachtet und langfristig angelegt werden", so Olbrich. BPM bedeute für den Betrieb, sich laufend zu kontrollieren und immer wieder neu zu erfinden. Auch wenn viele Unternehmen damit noch Probleme hätten, ist Olbrich zuversichtlich: "BPM muss eben in Etappen erlernt und durchgeführt werden." Der BPM-Markt, nach Ansicht des Experten heute noch zu unübersichtlich, werde in den nächsten vier Jahren um 15 bis 25 Prozent wachsen, denn, so Olbrich: "Der Bedarf ist vorhanden."

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.bi-event.com/
[2] = http://www.bpm-event.com/
[3] = http://del.icio.us/