Windows Vista auf dem Notebook: Weltenbummler oder Reisemuffel?

(http://www.zdnet.de/magazin/39146524/windows-vista-auf-dem-notebook-weltenbummler-oder-reisemuffel.htm)

von Joachim Kaufmann, 25. August 2006

Windows Vista bringt interessante Neuerungen für die Nutzung auf dem Notebook mit. Allerdings ist die neue Aero-Oberfläche wegen des höheren Stromverbrauchs problematisch. ZDNet zeigt, was mobile Anwender erwartet.

Mehr als 50 Prozent aller derzeit verkauften Rechner sind Notebooks. Zwar werden einige der Geräte auch als Desktop-Replacement genutzt, der Trend geht aufgrund immer kleinerer Hardware aber zu mehr Mobilität. Wichtige Geschäftsdaten oder interessante Programme möchte man schließlich ständig dabei haben.

Der mobile Einsatz eines Notebooks, also fernab von Steckdose und Netzwerkkabel, stellt besondere Anforderungen an das Betriebssystem: Es muss sich an unterschiedliche Situationen anpassen und möglichst akkuschonend die notwendigen Funktionen bereitstellen. ZDNet hat getestet, was Windows Vista auf dem Notebook leistet.

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Bildergalerie: Windows Vista auf den Notebook[1]

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Microsoft hat die Energieoptionen in Windows Vista gründlich überarbeitet. Die Einstellungen präsentieren sich im neuen Layout und lassen sich leichter bedienen. Die Zahl der Energiesparpläne wurde auf drei beschränkt: Im Energiesparmodus taktet die CPU immer mit der minimalen Frequenz, mit der Einstellung Ausbalanciert wird der Takt den Leistungsanforderungen angepasst, und Höchstleistung lässt das System immer mit der maximalen Frequenz laufen.

Am linken Rand lässt sich einstellen, wann der Bildschirm ausgeschaltet und wann das System in den Energiesparmodus wechseln soll. Auf Basis der vorgegebenen Energiesparpläne können auch eigene Schemata erstellt werden. Das Verhalten einzelner Komponenten wie Festplatte, Monitor oder WLAN lässt sich hier genau definieren.

Für die mobile Nutzung eines Notebooks ist die Akkulaufzeit wohl das wichtigste Kriterium. Die schicke Aero-Oberfläche von Windows Vista, die unter Zuhilfenahme des Grafikprozessors gerendert wird, fordert allerdings gerade hier ihren Tribut. Durch die im Vergleich zu Windows XP höhere GPU-Belastung wird der Akku schneller leergesaugt.

Um wie viel sich die Akkulautzeit eines Notebooks verkürzt, hängt stark vom verwendeten Grafikchip ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Berichten zufolge können es aber durchaus 30 Prozent sein. Microsoft will den Abstand zu Windows XP im Laufe der Entwicklung verringern und noch an verschiedenen Parametern wie der Indizierung arbeiten. Ob damit allerdings große Fortschritte erzielt werden können, steht derzeit noch in den Sternen.

Ein sicherer Weg, Strom zu sparen, ist die Abschaltung der Aero-Oberfläche. Damit katapultiert man sich aber wieder ins Windows-XP-Zeitalter: Fenster erzeugen unter Last Schlieren auf dem Desktop und Live-Previews geöffneter Programme sind weder in der Taskleiste noch beim Applikationswechsel zu sehen.

Das neue Mobilitätscenter in Windows Vista fasst bislang in der Systemsteuerung verstreute Einstellungen zusammen, die für den mobilen Betrieb eines Notebooks relevant sind. Zwar ist das Feature erstmals in Windows enthalten, viele Notebookhersteller liefern ähnliche Anwendungen bereits für XP mit ihren Geräten aus.

Das über ein Icon neben der Uhr aktivierbare Applet bietet unter anderem Zugriff auf die Helligkeit des Monitors, die Lautstärke, Energiesparpläne, WLAN, Bildschirmausrichtung und Einstellmöglichkeiten für externe Monitore.

Auch der neue Präsentationsmodus ist über das Mobilitätscenter zu erreichen. Ist dieser aktiviert, wechselt der Rechner nicht in den Ruhezustand und Systembenachrichtigungen werden unterdrückt. Auf Wunsch können auch der Bildschirmschoner deaktiviert und der möglicherweise mit Privatfotos modifizierte Desktophintergrund gegen ein businesstaugliches Motiv ausgetauscht werden.

Windows Vista soll externe Bildschirme, die an ein Notebook angeschlossen werden, automatisch erkennen und deren Nutzung über einen Assistenten erleichtern. Im Test funktionierte dies allerdings nicht, der an den DVI-Port angeschlossene LCD blieb regungslos. Der Assistent bietet laut Microsoft die Möglichkeit, das Bild auf beiden Screens zu spiegeln, den Desktop zu erweitern oder nur den neuen, externen Monitor anzusteuern.

Windows Vista kommt mit einem Assistenten für die Verbindung mit einem Netzwerkprojektor. Dieser kann entweder über die Eingabe der URL oder nach einer erfolgreichen Suche angesteuert werden. Die Verbindung mit einem Netzwerkprojektor aktiviert automatisch den Präsentationsmodus.Häufig werden Notebooks in Besprechungen mit mehreren Teilnehmern genutzt. Da die Geräte trotz zahlreicher Schnittstellen ohne weitere Software untereinander nicht kommunizieren können, werden Informationen auch heute meistens über Handouts oder einen USB-Stick ausgetauscht. Das in Windows Vista enthaltene Programm Windows-Treffpunkt soll hier Abhilfe schaffen.

Auf Basis der Funktion Personen in meiner Nähe erstellt Windows-Treffpunkt per LAN oder WLAN ein Ad-Hoc-Netzwerk mit bis zu zehn Teilnehmern. Die Applikation ermöglicht Desktop- und Application-Sharing sowie den Tausch von Dateien. Veränderungen der Daten werden automatisch zwischen den im Ad-hoc-Netzwerk registrierten Rechnern repliziert. Windows-Treffpunkt funktioniert nicht über das Internet.

Während die neue Anwendung in der Praxis überzeugt, gibt es einen gravierenden Nachteil: Nur Rechner mit Windows Vista können in einem Ad-hoc-Netzwerk zusammengeschlossen werden. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass die meisten Notebooks unter Windows laufen (möglicherweise sind aber auch Macs darunter), der Anteil von Vista-Maschinen dürfte zunächst noch gering sein. Somit wird dieses Feature erst nach einiger Zeit, wenn viele Notebooks mit Vista arbeiten, praxisrelevant werden.Eine spezielle Tablet-PC-Edition von Windows wird es im Vista-Zeitalter nicht mehr geben. Stattdessen sind die entsprechenden Funktionen in fast allen Vista-Varianten enthalten. Lediglich Anwender von Windows Vista Home Basic müssen darauf verzichten.

Microsoft hat die Tablet-PC-Funktionen unter Windows Vista deutlich aufgebohrt. Sie werden in einem künftigen Artikel genauer erklärt und getestet. An dieser Stelle daher nur die wichtigsten Neuerungen: Das Antippen des Bildschirms wird unter Windows Vista visuell mit einem kleinen Kreis um den jeweiligen Punkt bestätigt. Checkboxen erleichtern die Auswahl mehrerer Dateien, gerade wenn diese nicht zusammen angeordnet sind. Über Gesten können Befehle wie Seitenwechsel, Vor, Zurück, Rückgängig oder Löschen ausgeführt werden.

Auch der Tablet-PC-Eingabebereich wurde modifiziert. So soll die Eingabe von E-Mail- und Webadressen sowie Dateinamen durch eine Autocomplete-Funktion einfacher von der Hand gehen. Durch die Möglichkeit, Beispiele der eigenen Handschrift einzugeben, könne deren Erkennung verbessert werden. Zu diesem Zweck wurde auch eine automatische Lernfunktion integriert, die aber vom Nutzer aktiviert werden muss. Sie durchsucht E-Mails, um daraus neue Wörter, die der Anwender nutzt, zu erfassen.

Die Erkennung von Firmennamen, E-Mail-Adressen oder Fachbegriffen soll dadurch besser funktionieren. Während das Eingabefeld auf jedem Rechner angezeigt wird, ist das "automatische Lernen" nur auf einem echten Tablet PC mit entsprechendem Bildschirm verfügbar.

Windows Vista ist der Wegbereiter für einige neue Technologien, die in nächster Zeit in Notebooks Einzug erhalten sollen. Das Betriebssystem unterstützt mit der Funktion Readydrive so genannte Hybrid-Festplatten, die neben der magnetischen Laufwerksbasis auch einen Flash-Anteil enthalten.

Das Betriebssystem verfügt über einen Algorithmus, der häufig verwendete Daten im Flash-Speicher ablegt. Da dieser aufgrund fehlender mechanischer Komponenten wie Schreib-/Lesekopf deutlich schneller gelesen werden kann (Zugriffszeit), steigt die Performance des Systems beim Start sowie im laufenden Betrieb.

Zudem kann zumindest zeitweise das relativ stromhungrige Laufwerk abgeschaltet werden, um Energie zu sparen. Ersten Schätzungen zufolge soll sich die Laufzeit eines Notebooks so um eine halbe Stunde verlängern. Diese Zahl ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, da es sehr auf die Art der Anwendung sowie die Menge des verfügbaren Flash-Speichers ankommt.

Die Funktion Sideshow bildet die Basis für Mini-Anwendungen, die über ein Display im Deckel eines Notebooks gesteuert werden können. Anwender sollen so auf dem Weg zu einem Termin beispielsweise die Nummer des Raums in der Kalendereintragung abrufen können, ohne das Gerät extra aufklappen und hochfahren zu müssen. Auch die Einsicht in E-Mails soll auf diese Weise möglich sein. Das Display verfügt über einen Cache, indem die notwendigen Daten abgelegt werden. Bei Sideshow handelt es sich um eine Plattform, die mit Anwendungen von Drittentwicklern erweitert werden kann.

Fazit:

Windows Vista hat für Notebook-Nutzer einige interessante Neuerungen zu bieten. So sind wichtige Einstellungen über das Mobilitätscenter einfacher erreichbar und Funktionen wie der Präsentationsmodus vereinfachen alltägliche Aufgaben.

Die Steuerung der Energieoptionen wurde mit der neuen Oberfläche vereinfacht, trotzdem haben Poweruser die Möglichkeit individuelle Einstellungen vorzunehmen. Windows-Treffpunkt ist eine interessante und gut durchdachte Lösung für die Zusammenarbeit in der Gruppe, funktioniert aber leider nur mit anderen Vista-Rechnern, die zunächst jedoch eher rar sein dürften.

Der größte Schwachpunkt von Windows Vista ist der höhere Energieverbrauch durch die Aero-Oberfläche. Wie weit Microsoft in Zusammenarbeit mit den Hardwareherstellern den Abstand zum Vorgänger schließen kann, wird wohl erst das Endprodukt zeigen.

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[1] = http://www.zdnet.de/galerie/39146554/bildergalerie-windows-vista-auf-den-notebook.htm#sid=39146524