Test und Video: Was bringt das Windows Vista Media Center?

(http://www.zdnet.de/magazin/39145026/test-und-video-was-bringt-das-windows-vista-media-center.htm)

von Joachim Kaufmann, 7. Juli 2006

Zusammen mit Windows Vista feiert auch eine neue Media-Center-Version ihr Debüt. ZDNet hat die Software einem Test unterzogen: Trotz überzeugender Veränderungen bleiben einige Wünsche offen.

Mit dem Ende 2002 eingeführten Media Center folgte Microsoft den Anforderungen der Anwender, die sich wünschten, PCs zunehmend auch für Unterhaltungsfunktionen zu nutzen. Nach dem zögerlichen Start hat das Konzept inzwischen an Fahrt gewonnen, inzwischen wurden mehr als zehn Millionen Geräte mit dem Betriebssystem verkauft.

Zusammen mit Windows Vista kommt Anfang 2007 die vierte Version des Media Center auf den Markt. Eine separate "Media Center Edition" wird es künftig aber nicht mehr geben, stattdessen ist die Software Teil der Vista-Varianten Home Premium und Ultimate. ZDNet hat das neueste Release (Build 5456) getestet.

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Microsoft hat die Oberfläche des Media Center für Windows Vista erheblich überarbeitet. Neben einer etwas dunkleren, eleganter wirkenden Farbgebung fällt vor allem die veränderte Navigationsstruktur auf.

Die Hauptnavigation bietet jetzt Zugriff auf horizontal angeordnete Unterfunktionen. (Screenshot: ZDNet)

Hauptmenüpunkte wie TV + Movies, Musik und Bilder + Videos werden zwar weiterhin vertikal angesteuert, die jeweiligen Unterfunktionen sind nun aber horizontal zu erreichen. Bei der Vorgängerversion war die Auswahl erst in der nächsten Ebene möglich. Durch die veränderte Navigation hat man schneller Zugriff auf die relevanten Funktionen, und die immer verbreiteteren Widescreens werden besser ausgenutzt.

Auch der Gesamteindruck hat sich etwas geändert. Die Buttons sind jetzt unter dem Text mit einer Grafik versehen, die normalerweise farblos und vereinfacht dargestellt wird. Wählt man einen Menüpunkt aus, was als rechteckige Lupe präsentiert wird, vergrößert sich der Text und das Symbol erscheint farbig.

Microsoft scheint die optimale Menüstruktur aber noch nicht gefunden zu haben: Von Version zu Version gibt es noch große Umstrukturierungen. So ist beispielsweise die Funktion Shutdown nicht mehr unter Aufgaben zu finden, sondern sinnvollerweise direkt in der Hauptnavigation. Man muss sich in zukünftigen Builds auf weitere Änderungen einstellen.

Auch in den Bibliotheken für TV-Aufzeichnungen, Videos, Musik und Bilder setzt Microsoft auf eine horizontale Navigation. Wie bei der Hauptnavigation werden Widescreens besser ausgenutzt, und pro Bildschirm können mehr Elemente dargestellt werden.

In den Bibliotheken TV-Aufzeichnugnen, Videos, Musik und Bilder wird jetzt horizontal navigiert. (Screenshot: ZDNet)

Da die Bibliotheken auf der verbesserten Mediendatenbank des Media Player 11 basieren, können sie sie deutlich flüssiger durchforstet werden: Das Scrollen in mehreren hundert Alben oder Fotos funktionierte ohne Unterbrechungen. Für die Bedienung stellt dies einen großen Fortschritt dar.

Über den Medienelementen befinden sich Menüpunkte, die je nach Bibliothek verschiedene Ansichten der Inhalte zeigen. So bietet der Bereich Musik beispielsweise die Möglichkeit, nach Album, Künstler, Genre, Titel, Wiedergabeliste und Komponist zu gruppieren.

Videos, Musik und Bilder wurden schon bei der Vorgängerversion vorzugsweise durch Thumbnails repräsentiert. Gleiches gilt jetzt auch für TV-Aufzeichnungen.

Während die Bibliothek für TV-Aufzeichnungen deutlich überarbeitet wurde, gibt es bei der TV-Funktion selbst kaum Neuerungen. So werden zwar nach wie vor zwei Tuner unterstützt, um parallel zum Live-TV eine andere Sendung aufnehmen zu können, eine Picture-in-Picture-Funktion ist aber nach wie vor nicht enthalten.

Bei der Implementierung des hierzulande immer populäreren DVB-T gibt es keine Fortschritte. Nach wie vor werden für den Electronic Program Guide nicht die mit dem Signal ausgesendeten Daten genutzt, sondern über das Internet heruntergeladene Informationen. Nicht selten sind diese aber ungenau oder nicht aktuell genug. Microsoft hat auf der Winhec im Mai zwar angekündigt, die EPG-Daten von DVB-T irgendwann 2007 zu unterstützen zu wollen, bislang existiert dieses Vorhaben aber nur in Form einer Powerpoint-Folie.

Besonders ärgerlich ist auch, dass Media Center weder Signalstärke noch Signalqualität des DVB-T-Signals anzeigt. Der Grund für das Ruckeln des TV-Bildes ist also nicht mit Bordmitteln zu erfahren. Zudem wäre für weitere Fehlerquellen wie MPEG-Deconder eine Diagnosefunktion wünschenswert. Das Lösen von Problemen bleibt Bastelarbeit.

Zwar kann in aufgezeichneten TV-Sendungen gespult werden, eine Funktion zum gezielten Überspringen von Werbung ist aber nach wie vor nicht integriert. Da Microsoft enger Partner diverser Content-Produzenten ist und deren Unterstützung benötigt, kann man das wohl auch künftig nicht erwarten.

In den Vista-Editionen mit Media-Center-Funktion liefert Microsoft erstmals in seiner Geschichte auch einen MPEG-Decoder mit aus. Anwender, die keinen Komplett-PC kauften, musste bislang immer auf meist kostenpflichtige Lösungen von Fremdanbietern zurückgreifen.

Erfreulich ist, dass Microsoft inzwischen auch die Möglichkeit bietet, TV-Aufzeichnungen als Video-DVD zu brennen, die sich in einem Standard-Player wiedergeben lässt. Bislang war dazu kostenpflichtige Zusatzsoftware notwendig.Die Onlinegalerie, die Zugriff auf internetbasierte Dienste wie Musik-Downloadservices und Video on Demand bietet, gleicht noch einer Baustelle. Bislang wurde nicht einmal die Farbgebung der neuen Optik angepasst.

Die Onlinegalerie im Windows Vista Media Center gleicht noch eine Baustelle. Microsoft will eine neue Version nachliefern. (Screenshot: ZDNet)

Die Entwickler versprechen umfangreiche Änderungen: Content-Anbieter können künftig neben HTML-Applikationen auch Software anbieten, die auf der "Windows Presentation Foundation" basiert. Damit sind die technischen Voraussetzungen für besser animierte und flüssiger zu bedienende Dienste geschaffen. Microsoft scheint dem Bereich insgesamt große Bedeutung beizumessen, da er direkt aus den Menüs der Funktionen TV + Movies, Bilder + Videos und Musik erreichbar ist.Der Test des Windows Vista Media Center hinterlässt einen gemischten Eindruck: Auf der Habenseite steht die veränderte Navigation, die schnelleren Zugriff auf die wichtigsten Funktionen bietet. Auch die jetzt horizontal ausgerichteten Bibliotheken überzeugen nach kurzer Eingewöhnung, da so auf Widescreens deutlich mehr Inhalte dargestellt werden können.

Enttäuschend sind jedoch die spärlichen Neuerungen im TV-Bereich. So bietet das Media Center trotz der Unterstützung von zwei Tunern auch in der vierten Version noch immer keine Picture-in-Picture-Funktion an. Die Implementierung von DVB-T beschränkt sich auf das Allernötigste.

Stabilität und Performance haben sich in den letzten Monaten zwar deutlich gebessert, sind in Build 5456 aber noch immer nicht zufriedenstellend. Auch auf dem mit 2,8-GHz-Pentium-4, ATI Radeon 600 und 1,5 GByte RAM ausgestatteten Testrechner wird man immer wieder mit nervigen Gedenksekunden konfrontiert. Einige Male stürzt die Software ab.

Auch beim Media Center der vierten Generation sollte man sich im Klaren darüber sein, dass unter der schicken Oberfläche ein PC schlummert. Dieser verfügt inzwischen zwar über eine enorme Performance, aufgrund der hohen Komplexität und damit tausender möglicher Fehlerquellen muss man bei der Zuverlässigkeit aber mit Einschränkungen leben. Wenn heute alles tadellos funktioniert heißt noch lange nicht, dass es morgen, nach dem nächsten Patch Day, noch genauso ist. Wer also auf eine hohe Verfügbarkeit Wert legt, sollte eher zu Lösungen wie Festplatten-Rekordern greifen, die konzeptbedingt weniger fehleranfällig sind.

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[1] = http://www.zdnet.de/galerie/39142939/bildergalerie-windows-vista.htm#sid=39145026