Chinesen würden für umweltfreundliche PCs am meisten zahlen

(http://www.zdnet.de/magazin/39144948/chinesen-wuerden-fuer-umweltfreundliche-pcs-am-meisten-zahlen.htm)

von Andrew Donoghue und Florian Kalenda, 5. Juli 2006

Sie leben auf dem Schrottabladeplatz der Elektronikbranche: Chinesische Verbraucher wissen, warum umweltfreundliche Technik es wert ist, mehr dafür zu bezahlen. Die Deutschen sind zurückhaltender, doch immerhin tritt die EU-Richtlinie zur Schadstoffbegrenzung im Lauf des Jahres in Kraft.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace International meldete kürzlich[1], dass chinesische Verbraucher bereit seien, bis zu 200 Dollar mehr für umweltfreundliche PCs auszugeben - mehr als in jedem anderen Erhebungsland.

Die Organisation beauftragte Ipsos-Mori damit, herauszufinden, ob Verbraucher weltweit bereit seien, für umweltfreundlichere Technologie mehr Geld auszugeben, und falls ja, wie viel. Die chinesischen Verbraucher stehen hier an der Spitze. Sie geben an, dass sie bereit seien, bis zu 200 Dollar zu zahlen. Die deutschen Verbraucher kamen im Vergleich dazu nur auf 59 Dollar und liegen damit international auf dem letzten Platz, hinter Polen (70 Dollar) oder Großbritannien (118 Dollar). Auch sind in Deutschland nur 54 Prozent bereit, überhaupt mehr für einen umweltfreundlichen PC zu zahlen (Polen: 65 Prozent, Großbritannien: 68 Prozent, China: 81 Prozent und Thailand: 84 Prozent).

Recycling
Recycling von PC-Komponenten in Delhi, Indien (Bild: Greenpeace)

Die Ergebnisse überraschen besonders, weil chinesische Verbraucher ein bedeutend geringeres Einkommen haben als die deutschen. Greenpeace meint jedoch, dass dieses Ergebnis mit dem Umstand erklärt werden kann, dass nur relativ wohlhabende chinesische Verbraucher in den Städten befragt wurden, und auch dadurch, dass China eine Deponie für ausländischen Elektronik-Müll geworden ist, was die Einwohner für das Thema sensibilisiert habe.

"Chinesische Verbraucher haben die Auswirkungen von Elektronik-Müll aus nächster Nähe kennen gelernt. Daher ist es nicht überraschend, dass sie bereit sind, für mehr Umweltverträglichkeit zu zahlen", erklärte die britische Greenpeace-Aktivistin Zeina al-Hajj. Schon im August letzten Jahres hatte Greenpeace die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die ergab, dass Arbeiter, die in China in der Wiederverwertung meist aus dem Westen stammender elektronischer Geräte beschäftigt sind, aufgrund der achtlosen Herstellungsverfahren der Gerätehersteller potenziell gefährlichen, giftigen Substanzen ausgesetzt seien.

Die Autoren der so genannten Exeter-Studie[2] "Recycling of Electrical Wastes in China & India: Workplace & Environmental Contamination" behaupten, eine hohe Umweltbelastung mit giftigen Metallen in der Umgebung von Guiyu in Südchina gemessen zu haben.

Auch wenn Umweltaktivisten gerne ein Ende der Elektronikmüll-Exporte nach China sähen, ist ein direktes Verbot nur schwer durchzusetzen, da der Handel von organisierten Banden gelenkt wird. Zudem ist das Zerlegen von Technologiemüll in einigen Landstrichen oft die einzige verfügbare Arbeit. Und der Abbau einer lebenswichtigen Einkommensquelle, wie gesundheitsgefährdend sie auch sein mag, ist keine einfache Angelegenheit.

Recycling
Tastaturen in einem chinesischen Elektroschrott-Lager (Bild: Greenpeace)

Al-Hajj von Greenpeace gibt ab, dass auch der Anteil an lokal produziertem Elektronikschrott gestiegen sei, da der Gebrauch moderner Technologie in China zunehme.

Umweltaktivisten versuchen Gerätehersteller dazu zu bringen, über die Wiederverwertbarkeit hinaus zu gehen und von vornherein umweltverträglichere Produkte zu erzeugen. Die Greenpeace-Kampagne für sauberere Technologie wird durch die RoHS-Direktive der EU zweifelsfrei Auftrieb erfahren. Die am 1. Juli in Kraft tretende Verordnung schränkt die Verwendung bestimmter gefährlicher Substanzen in elektrischen und elektronischen Geräten ein. Die Direktive untersagt den Verkauf neuer elektrischer und elektronischer Geräte, die mehr als die vereinbarten Anteile an Blei, Cadmium, Quecksilber, hexavalentem Chrom, polybromierten Biphenylen (PBB) und Flammschutzmittel aus polybromierten Diphenylethern (PBDE) enthalten.

Greenpeace konnte einen kleinen Sieg erringen, als der weltgrößte PC-Hersteller Dell bekannt gab, dass er plane, die Verwendung zweier Hauptgruppen gefährlicher Chemikalien in seinen Geräten schrittweise einzustellen. Bis 2009 werden alle Arten von bromierten Flammschutzmitteln (BFR) und Polyvinylchloriden (PVC) aus Dell-Computern verbannt sein.

"Dells Entscheidung, diese schädlichen Chemikalien zu verbannen, ist ein Anzeichen dafür, das die Elektronikindustrie sich in die richtige Richtung bewegt, dass sie sauberer werden möchte. Dies entspricht eindeutig den Wünschen der Verbraucher. Die Verbraucher wollen nicht nur umweltverträglichere PCs, sie sind auch bereit, mehr dafür zu bezahlen", sagte Al-Hajj.

Große Mengen an Elektroschrott und elektronischen Gütern werden häufig auch illegal in arme Länder oder Entwicklungsländer verschifft und dort von den lokalen Einwohnern recyclet, die gewöhnlich nicht für den Umgang mit gefährlichem Abfall ausgerüstet sind und nichts über die potenziellen Auswirkungen dieses Umgangs auf die Gesundheit wissen, so Greenpeace.

Erste Schritte zur Besserung sind gemacht: In Deutschland ist das Elektro- und Elektronikgerätegesetz[3] (ElektroG), das WEEE und RoHS umfasst, am 16. März 2005 verabschiedet worden. Es tritt schrittweise bis Ende 2006 in Kraft. Die "Waste Electrical and Electronic Equipment"-Direktive (WEEE[4]) soll die schädlichen Auswirkungen von Elektroschrott vermindern, indem sie die Hersteller zwingt, für Sammel- und Recyclingprogramme zu zahlen.

Anders etwa in Großbritannien: Obwohl man auch dort die erfolgreiche Umsetzung der RoHS-Direktive vermeldete, hat das Land es wiederholt nicht geschafft, die WEEE-Direktive umzusetzen. Sie sollte in Großbritannien letztes Jahr Gesetzeskraft erhalten, wurde aber wieder und wieder verzögert.

Zu den Unternehmen, von denen Greenpeace sagt, dass sie Anstrengungen unternommen haben, ihre Produkte umweltverträglicher zu machen, gehören HP, LG, Nokia, Samsung, Sony und Sony Ericsson. Von Acer, Apple, Fujitsu-Siemens, IBM, Lenovo, Panasonic und Toshiba fordert Greenpeace, dass sie sauberer werden müssen.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.greenpeace.org/international/press/releases/dell-commit-to-greener-pcs-b
[2] = http://www.greenpeace.de/themen/chemie/elektroschrott/artikel/der_greenpeace_bericht_exeter_studie_zu_elektroschrott_in_asien/
[3] = http://de.wikipedia.org/wiki/Elektro-_und_Elektronikger%C3%A4tegesetz
[4] = http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/elektro_eurichtlinie_geraete.pdf