Mit Open-Source-Datenbanken bares Geld sparen

(http://www.zdnet.de/magazin/39143542/mit-open-source-datenbanken-bares-geld-sparen.htm)

von Lothar Lochmaier, 24. Mai 2006

"Alles, was mit dem Web zu tun hat, fragt nach skalierbaren Lösungen zu niedrigen Kosten" - Datenbanken auf Basis von Open-Source-Produkten haben Konjunktur. Insbesondere webbasierte Lösungen werden von Unternehmen nachgefragt, für die jeder Euro zählt.

Open-Source-Projekte wie Sourceforge, Fedora, Debian und Kernel sind im Vergleich zu ihren proprietären Gegenstücken längst nicht mehr zweite Wahl. Ganz im Trend liegen auch Datenbanklösungen. Spezialist MySQL wirbt gerne mit dem etwas hoch gepokerten Slogan, für nur zehn Prozent der Kosten rund 90 Prozent der Leistung im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen zu erbringen. Mittlerweile hat das Unternehmen bei webbasierten Datenbanken seinen Marktanteil ausgebaut.

Deutsche Premium-Kunden wie die Hypo Vereinsbank, Lufthansa und T-Systems setzen auf MySQL - und sparen damit bares Geld. Denn noch immer ist der Markt proprietärer Lösungen von Oracle bis SAP geprägt durch teilweise überzogene und häufig unnütze Funktionalitäten. Das nervt die Unternehmen, die es auch deshalb vorziehen, eigene Entwicklungen im Enterprise-Sektor vorwärts zu treiben - und zumindest größere Unternehmen stellen dafür auch eigens OSS-Entwickler ein.

Die meisten Companies setzen dabei OSS für punktgenaue und kontrollierbare Softwareprojekte ein. Denn die Menge der zu verwaltenden Daten wächst explosionsartig. Zudem sind immer mehr Datenbestände in digitalisierter Form vorhanden, sei es auf Blogs, Fotos, GPS-Daten, Emails oder Messdaten. "Alles, was mit dem Web zu tun hat, fragt nach skalierbaren Lösungen zu niedrigen Kosten", sagt Kay Arnö, Vice President Community Relations bei MySQL AB im finnischen Grankulla.

Konkret gefragt sind derzeit vor allem Lösungen für Webshops, Buchungssysteme oder Telekom-Provider. "Hochverfügbarkeitslösungen sind auch immer häufiger nachgefragt, sowohl im Bereich Clustering als auch Replikation", ergänzt Arnö. Das Unternehmen vermarktet seine Vorteile mit einer so genannten "Prenumerationslösung", die zahlreiche Zusatzleistungen beinhaltet wie Support, Knowledge Base, Certified Binaries und Alerts.

Eine derart hohe Flexibilität liegt ganz im Trend: So hat die Karstadt-Quelle-Tochter Neckermann das Online-Shopping-Portal neckermann.de mit einer neuen Architektur ausgestattet und die Session-Daten seines Webshops von bis dato teuren Multiprozessorsystemen mit MySQL Cluster auf eine schlanke, einfach skalierbare und damit auch kostengünstigere Umgebung umgestellt.

Technische Innovationen heizen den Markt weiter an: Bei MySQL Network soll es Verbesserungen im Bereich des Monitorings der Datenbankadministration geben. Bei MySQL Cluster wird "Data on Disk" ermöglicht. Bisher ist bei MySQL 5.0 der MySQL Cluster-Benutzer darauf angewiesen, alle Daten im Hauptspeicher hinterlegen zu können. Bei MySQL 5.1 sind einzelne Felder auch nur auf der Festplatte speicherbar. "Dies erweitert erheblich die Menge an Anwendungen, die von MySQL Cluster adressiert werden", bekräftigt Arnö.

Durch gezielte Partnerschaften mit Branchengrößen wie HP und Oracle verschmelzen die Grenzlinien zwischen OSS und den marktgängigen proprietären Produktlinien. Multipel einsetzbare Datenbanken lautet das neue Zauberwort. Die Bedürfnisse bei einer Embedded-Datenbank mit beispielsweise nur drei MB Hauptspeicher sind völlig anders als bei riesigen Webservern, mit mehr als tausendmal so viel Hauptspeicher, oder einer mehr als einer Million mal größeren Festplatte.

Dementsprechend möchte der Entwickler dieselben Befehle in beiden Fällen einsetzen. "Dies wird bei MySQL durch unsere Storage Engine Architecture unterstützt", sagt Arnö. Darüber hinaus geht der Trend zu immer mehr Clustering und Replikation, sowohl aufgrund von Hochverfügbarkeitsanforderungen, als auch wegen dem Bedarf an Skalierbarkeit bei wachsender Benutzermenge.

Trotz der bisherigen Erfolge moniert eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zum Thema "Open-Source-Software - Einsatzpotenziale und Wirtschaftlichkeit" einige kritische Punkte. Zwar stimme beim Marktführer MySQL die Performance. Diese sei aber durch Kompromisse bei der Funktionalität erkauft. Demnach werden nicht alle SQL Features unterstützt und nicht alle enthalten Funktionen verhalten sich SQL kompatibel.

Die Gesamtbilanz des IAO fällt aber fast durchwegs positiv aus: MySQL sei den kommerziellen Produkten auch in punkto Supportfunktionen mittlerweile absolut gleichwertig. Mittlerweile sind auch weitere Player mit OSS-Datenbanklösungen auf dem Sprung in den Markt. PostgreSQL ging aus einem Projekt der Universität Berkeley hervor und ist unter der BSD-Lizenz freigegeben. Das Unternehmen bietet zahlreiche Funktionalitäten, mit Ausnahme der Replikation. Es mangelt noch an professionellem Support, ansonsten gilt die Lösung aber als zuverlässig und sicher.

Die aus ABABAS D hervorgegangene SAP DB läuft unter GPL-Lizenz. Die nach einer Kooperation mit MySQL in MaxDB umbenannte Datenbank ist für den Unternehmenseinsatz in komplexen SAP-Umgebungen konzipiert. Das Administrationstool ist derzeit aber nur für die Windows Umgebung verfügbar. Support leisten sowohl SAP als auch MySQL AB.

Fazit: Nicht nur für die Experten des Fraunhofer IAO gehören Open-Source-basierte Datenbanklösungen in punkto Reifegrad zu den am höchsten bewerteten Bereichen. Allerdings hängt der praktische Einsatz der Datenbanksysteme vom jeweiligen Einsatzszenario ab. Für einfache Adressverwaltungen seien die großen Datenbanksysteme mittlerweile zu komplex, so das Fraunhofer IAO. Hier sei der Anwender mit einer "Desktopdatenbank" ausreichend bedient. Selbst in diesem Bereich reift Konkurrenz heran: Das fortgeschrittene OSS-Projekt "Rekall" könnte der Standardsoftware Microsoft Access künftig Konkurrenz machen.

Im Bereich der Webanwendungen sieht das Fraunhofer IAO den Marktführer MySQL durch zahlreiche verfügbare Zusatzkomponenten weiterhin in einer Alleinstellung. Der Vorsprung kommerzieller Anbieter bleibe allenfalls auf dem Gebiet großer verteilter Umgebungen bestehen. Mit "Mission Critical" Funktionalitäten, die über einen reinen Datenbankserver hinausgehen, können diese bei ihren angestammten Kundensegmenten weiterhin auf konstanten Zuspruch hoffen. Aber der Markt wandelt sich durch die zunehmende Verschmelzung zwischen proprietären und offenen Datenbanklösungen weiterhin rasant.