Windows auf dem Mac: Boot Camp machts möglich

(http://www.zdnet.de/magazin/39142769/windows-auf-dem-mac-boot-camp-machts-moeglich.htm)

von Kai Schmerer, 12. April 2006

Mit Boot Camp hat Apple ein Tool vorgestellt, das die Installation von Windows auch auf Macs mit Intel-CPU ermöglicht. Ein erster Test mit dem Mac Mini zeigt, wie die Software funktioniert und auf was man achten sollte.

Apple mutet seinen treuen Fans derzeit einiges zu. Nicht nur, dass der Nischenanbieter zum Jahresanfang mit der Umstellung seiner Plattform von Power-PC-Prozessoren auf die einst geschmähten Intel-CPUs begonnen hat - inzwischen sind mehrere Mac-Systeme mit Intel-Core-Duo-Prozessoren verfügbar: der Mac Mini[1], der Imac[2] und das Notebook Macbook Pro[3]. Jetzt erlaubt Apple auch noch offiziell die Installation von Windows auf den edlen Mac-Systemen.

Für einige Mac-Enthusiasten geht dies zu weit. Konnte man sich mit der Umstellung auf die Intel-Technik noch anfreunden - schließlich sind die Intel-Prozessoren viel schneller als die angestaubten Power-PC-Chips -, sieht es bei der Installation von Windows auf dem Mac anders aus. Archibald Horlitz, der Geschäftsführer von Gravis, dem größten Apple-Händler in Deutschland, erklärte in einem Interview mit Spiegel-Online[4], dass er Magenprobleme bekomme bei dem Gedanken, Windows auf einem Mac zu installieren. Viele andere Mac-Anhänger sehen sogar schon das Ende von Mac OS voraus.

» Wir denken, dass Boot Camp es für Windows-Anwender noch verlockender machen wird, auf den Mac zu wechseln. «
Philip Schiller, Vice President Worldwide Product Marketing von Apple

Dabei ist das Apple-Tool Boot Camp, welches die Installation von Windows auf dem Mac ermöglicht, sicher nicht dafür gedacht, die Mac-Fans auf Windows umzustimmen. Auf diese Idee dürfte auch kein Mensch kommen, der jemals mit Mac OS gearbeitet hat. Vielmehr geht es darum, umstiegswillige Windows-Nutzer an den Mac heranzuführen. Schließlich gibt es für Windows deutlich mehr Programme als für Mac OS. Und einige dieser Programme, die nach derzeitigem Stand auf absehbare Zeit nicht für die Mac-Plattform verfügbar sein werden, wollen die Windows-Anwender weiter nutzen können. Somit ist die Vorstellung von Boot Camp kein Sündenfall, sondern ein genialer Marketing-Coup, der eher Dell und Konsorten Magenprobleme bereiten sollte als dem Geschäftsführer von Gravis, der sich gerade über ein 22-prozentigen Umsatzanstieg im ersten Quartal 2006 erfreut.

Noch ist Boot Camp nur als Testversion erhältlich. Erst mit der für den Sommer 2006 erwarteten Mac-OS-Version Leopard wird das Tool integrativer Bestandteil von Mac OS.

ZDNet.de hat das Tool mit einem Mac Mini ausprobiert. Für einen ersten Test mit Boot Camp muss die Firmware des Mac und das Betriebssystem auf die neueste Version aktualisiert werden.

Systemvoraussetzung

Boot Camp wird auf der Apple-Site[5] zum Download angeboten. Das Tool ist relativ klein, aber wegen der vielen Treiber für Windows summiert sich der Download auf 83 MByte. Boot Camp sorgt dafür, dass eine eingelegte Windows-CD trotz des bei den neuen Macs verwendeten Extensible Firmware Interface (EFI) starten kann. Erst Windows Vista kommt mit dem neuen Bios-Standard zurecht.

Die Prozedur umfasst vier wesentliche Schritte. Zunächst wird eine CD mit den Mac-Treibern für Windows gebrannt, dann wird die für Windows nötige Partition auf der Festplatte angelegt und anschließend Windows auf Partition C: installiert. Windows muss hierfür auf einer CD mit integriertem SP2 vorliegen. Windows XP Media Center Edition, das auf zwei CDs ausgeliefert wird, kann man derzeit noch nicht fehlerfrei installieren. Das hat einen einfachen Grund: Ein Wechsel der Installations-CD wird noch nicht unterstützt. Der Mac Mini verfügt zudem nicht über einen manuellen CD-Auswurf, sodass ein Wechsel der CD während der Windows-Installation gar nicht möglich ist. Dieses Problem lässt sich nicht dadurch umgehen, dass man nach erfolgter Windows-Installation ein Festplatten-basiertes Windows-Setup durchführt. Dies gelingt nicht, da die Festplatte mit dieser Installations-Variante nicht erkannt wird. Es ist also zwingend nötig, das Windows-Setup über CD durchzuführen. Nach dem Start von Windows müssen dann noch die Treiber von der zuvor erstellten CD aufgespielt werden.

Nach der Installation von Windows startet der Mac automatisch das Microsoft-Betriebssystem. Das lässt sich über das Programm Startvolume, das sowohl unter Mac OS X (Systemeinstellungen) als auch unter Windows (Systemsteuerung) verfügbar ist, wieder ändern. Allerdings kann man auch während des Rechnerstarts das jeweilige Betriebsystem starten. Hierzu muss man die Alt-Taste solange drücken, bis ein grafisches Auswahlmenü mit zwei abgebildeten Festplatten (Macintosh HD und Windows) erscheint. Mit zwei Mausklicks auf die jeweilige Festplatte wird das entsprechende Betriebssystem gestartet.

Problem mit @-Zeichen

Sofern eine Apple-Tastatur verwendet wird, muss man einige Einschränkungen unter Windows in Kauf nehmen. So wird mancher Mac-User das @-Zeichen[6] vergeblich suchen. Anders, als es das Layout der Mac-Tastatur vorgibt, erhält man das für E-Mail-Adressen wichtige Zeichen nicht durch die Kombination alt+L , sondern, wie auf der PC-Tastatur, mit rechter alt- und Q-Taste.

Das Erstellen von Bildschirmfotos unter Windows mit der Tastenkombination alt + Druck oder Druck funktioniert nicht mit der Apple-Tastatur. Für Screenshots muss man daher auf die unter Windows zur Verfügung stehende Bildschirm-Tastatur zurückgreifen (Programme/Zubehör/ Eingabehilfen). Stattdessen kann man andere Tastenfunktionen nützen: So ist es beispielsweise möglich, die CD über eine durch ein Symbol gekennzeichnete Taste auszuwerfen. Auch Tasten zur Regelung der Lautstärke bietet die Apple-Tastatur.

Weitere Besonderheiten und Einschränkungen im Umgang mit Windows auf dem Mac listet Apple auf der Info-Site von Boot Camp[7] auf.

Mit Boot Camp ist es nun erstmals möglich, Windows und Mac OS X auf einem Mac-System mit Intel-CPU zu betreiben. Damit wird Windows-Anwendern der Umstieg auf einen Mac sehr einfach gemacht, da man im Bedarfsfall das Microsoft-Betriebssystem starten und die Programme, die auf dem Mac nicht zur Verfügung stehen, in voller Geschwindigkeit ausführen kann.

Das ist der Hauptvorteil gegenüber Lösungen mit virtuellen PC-Umgebungen innerhalb von Mac OS, da in diesem Fall die Windows-Programme langsamer ablaufen als direkt unter dem Microsoft-Betriebssystem. Zudem sind 3D-Spiele in virtuellen Umgebungen bisher nicht ausführbar, da kein direkter Zugriff auf die 3D-Hardware realisiert ist. Anders als die von Hackern[8] entwickelte Lösung ist die Windows-Installation mithilfe des Apple-Tools Boot Camp deutlich einfacher zu realisieren.

Noch besser wäre es allerdings, wenn man Windows direkt aus Mac OS X in einem Fenster starten und mit voller Geschwindigkeit ausführen könnte. Womöglich wird dies später realisiert, wenn die in den Intel-Chips vorhandene Virtualisierungstechnik[9] voll genutzt wird.

Weitere Infos zur Installation von Boot Camp finden sich in der folgenden Bildergalerie.

Bildergalerie

Bildergalerie: Boot Camp ermöglicht die Installation von Windows auf Mac-Systemen mit Intel-CPUs[10]

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URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/enterprise/client/0,39023498,39141967,00.htm
[2] = http://www.zdnet.de/enterprise/client/0,39023498,39140430,00.htm
[3] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39023409,39141527,00.htm
[4] = http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,409997,00.html
[5] = http://www.apple.com/macosx/bootcamp/
[6] = http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/480/73407/
[7] = http://docs.info.apple.com/article.html?artnum=303572#faq0
[8] = http://www.onmac.net/
[9] = http://www.intel.com/technology/computing/vptech/index.htm
[10] = http://www.zdnet.de/galerie/39142749/bildergalerie-boot-camp-ermoeglicht-die-installation-von-windows-auf-mac-systemen-mit-intel-cpus.htm#sid=39142769