Ein komplettes Betriebssystem auf einem USB-Speicherstick, das man überall verwenden kann, gibt es noch nicht zu kaufen. Aber Anwender mit Windows 2000 oder XP können ihre Applikationen auf den Stick auslagern. ZDNet hat die portable Plattform von U3 getestet.
USB-Speichersticks sind praktisch, um Daten damit zu transportieren und auf mehreren Systemen zu verwenden - beispielsweise auf dem Notebook und dem Desktop-PC. Noch praktischer wäre es, wenn man nicht nur die Daten, sondern auch die zugehörigen Programme auf dem USB-Stick hätte. Dann könnte man nicht nur die Präsentation beziehungsweise die Urlaubsbilder auf dem Stick mitnehmen, sondern auch die passende Vorführ-Software.
Applikationen konnte man bisher nur bedingt mitnehmen, nämlich wenn es sich um selbständige Executable-Dateien handelte, etwa den Bildbetrachter Irfanview[1] oder den Editor Proton[2]. Die meisten komplexeren Programme, etwa Mail-Clients oder Office-Suites, wollen regulär unter Windows installiert sein (mit Ausnahme von Portable Apps, auf die später eingegangen wird).
Das Unternehmen U3 hat dieses Problem erkannt und zu lösen beschlossen. Das Resultat sind Flash-Laufwerke mit eingebautem, eigenem Start-Menü, von dem aus speziell an die U3-Software angepasste Applikationen gestartet werden können - auf jedem Rechner. So kann auf fast jedem PC arbeiten, ohne bestimmte Anwendungen voraussetzen zu müssen. Nur Windows XP oder Windows 2000 Service Pack 4 müssen vorhanden sein.
Wie U3 funktioniert, welche Anwendungen es gibt und für welche Einsatzgebiete U3-Smartdrives praktisch sind, erläutern die folgenden Seiten.
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Die Unterschiede sind, von der Kapazität einmal abgesehen, minimal. Alle drei Sticks booten in acht bis 14 Sekunden, vom Einstecken in den USB-Port bis zum Erscheinen des Passwort-Eingabe-Fensters. Auch das Starten von Programmen dauert länger als gewohnt - kein Wunder, ist Flash-Speicher doch immer noch langsamer als eine Festplatte, auf der sich Anwendungen normalerweise befinden. Läuft eine Anwendung dann, ist sie also in den Hauptspeicher geladen, sind keine Verzögerungen zu bemerken. Die eigentliche Arbeit macht also keine Probleme.
Die Passwort-Eingabe gehört jeweils zu den vorinstallierten Applikationen. Was auf dem Stick beim ersten Start vorhanden ist, spielt aber keine große Rolle, da sich alle übrigen Anwendungen von der U3-Website[4] nachladen lassen.
U3-Anwendungen laufen derzeit nur unter zwei Betriebssystemen: Windows 2000 mit installiertem Service Pack 4 und Windows XP. Unter anderen Windows-Versionen, unter Mac OS X oder Linux ist der Stick zwar verwendbar, aber nur als Speichermedium: Man kann nur auf Daten zugreifen, nicht auf die Anwendungen. Steckt man seinen U3-Stick erstmals in den USB-Slot, wird eine kleine Anwendung oder ein umfangreicher Treiber automatisch installiert. Dies ist nur beim ersten Start erforderlich. Anschließend erscheint ein Video mit Erklärung der Funktionsweise. Allerdings gibt es diese Erklärung nur in Form des zum Video gehörenden Audio-Tracks, nicht etwa als Text. Den Sticks von Kingston und Verbatim liegt zusätzlich eine kurze Anleitung auf Papier bei.
Nötig sind solche Anweisungen für einen normalen Anwender nicht: Das U3-Logo erscheint nach dem Start im so genannten Infobereich der Windows-Taskleiste. Klickt man darauf, öffnet sich ein Menü, das bis auf Feinheiten wie das Logo dem Startmenü von Windows entspricht: Links werden die installierten Programme gelistet, rechts weitere Funktionen wie Programmeinstellungen, Aktivieren der Sicherheitsfunktion und ähnliche Hilfsmittel.
Startet man eine Anwendung, wird diese vom Stick aus auf die Festplatte beziehungsweise in den Speicher geholt und läuft wie eine lokale Applikation. Nach dem freiwilligen oder mutwilligen Beenden bleiben kaum Spuren auf dem Host-PC; auch fast alle temporären Dateien werden gelöscht. In manchen Fällen bleiben allerdings kleine Logdateien (um 50 KByte) im Ordner C:\WINDOWS\PREFETCH, in anderen Fällen hinterlassen Anwendungen einen leeren Ordner.
Ansonsten scheint die Abschottung der Programme sehr gut: Es bereitet den U3-Versionen keine Schwierigkeiten, wenn gleichzeitig die Desktop-Variante der Software läuft. Man kann also Openoffice zweimal laufen lassen: lokal und vom U3-Stick aus. Auch der zweimalige Start derselben Anwendung von zwei unterschiedlichen Sticks führt zu keinerlei Problemen.
Während die Anwendungen also auf dem Stick bleiben und wenig bis keine Spuren hinterlassen, sieht es mit erstellten Dateien anders aus, seien es die Bookmarks eines Browsers oder eine Datenbank. Diese können je nach Bedarf lokal oder auf dem Stick gespeichert werden, ganz wie gewohnt. Die Programme sind dabei durchaus intelligent konfiguriert, und Firefox zum Beispiel speichert Bookmarks oder Internet-Optionen selbstverständlich standardmäßig auf den Stick.
Die Anwendungen sollten ebenso wie die Launch-Software vom Anwender selbst geschlossen werden. Zieht man den Stick einfach aus dem USB-Port, wird die Anwendung zwar auch geschlossen, aber nicht gespeicherte Daten gehen verloren. Außerdem kann es unter Windows 2000 zu Systemabstürzen kommen, wenn man den Stick ohne Beenden herauszieht. Unter WIndows XP wird der Anwender lediglich beim nächsten Start ermahnt.
Damit der Anwender den aktuellen Status auch kennt, hat jeder U3-Stick eine Flüssigkristall-Leuchte. Ist sie an, wird der Stick verwendet und sollte nicht entfernt werden. Werden aktuell Daten gespeichert oder gelesen, blinkt sie oder leuchtet heller. Nach dem Deaktivieren des Sticks über die Software erlischt die Leuchte: Dann darf man ihn ohne Probleme entfernen. Die Hersteller von Speichersticks, oder zumindest die vertrauenswürdigen unter ihnen, geben Lese- und Schreibgeschwindigkeit ihrer Medien an. Unter den Testgeräten sind die Angaben zum Kingston Data Traveler bekannt: 6 MByte liest er und 3 MByte schreibt er in der Sekunde. Disk2go gibt für sein "Smart Drive dagegen 4-5 MByte/s Schreib- und 13 MByte/s Lesegeschwindigkeit an. (Noch etwas mehr zu einigen Herstellerangaben steht im Preisduell U3-Sticks[5].)
In der Praxis sind allerdings nicht die theoretischen Geschwindigkeiten entscheidend, sondern praktische Fragen: Wie schnell bootet der Stick? Wie lange dauern Dateitransfers auf den Stick oder vom Stick auf die Festplatte? Diese drei Daten wurden mit der Stoppuhr für jeden der drei Test-Sticks gemessen, die Ergebnisse gemittelt und gerundet.
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Die Tabelle zeigt keine Unterschiede zwischen den U3-Sticks von Verbatim und Kingston. Beide brauchen je 15 Sekunden, um zu starten oder um eine 46 MByte große Datei auf den Stick zu schreiben. Will man die Testdatei umgekehrt vom Stick auf die Platte transferieren, dauert das nur zwei Sekunden. Lediglich der Stick von Disk2go ist schneller und braucht sowohl für den Bootvorgang als auch für das Überspielen auf den Stick 8 Sekunden.
Insgesamt sind die Unterschiede fast vernachlässigbar. 15 Sekunden klingen nach viel Zeit, aber das Booten geht insgesamt viel schneller als etwa ein Windows-Bootvorgang, sodass die benötigte Zeit kaum ins Bewusstsein dringt.
Interessanter als die kleinen Performance-Unterschiede sind Besonderheiten mancher Applikationen sowie die Frage, welche Anwendungen überhaupt als U3-Versionen zur Verfügung stehen.U3 als Entwickler einer Software-Plattform, die USB-Sticks das Launchen von Applikationen ohne Umweg über den Explorer erlaubt, hat natürlich Interesse an möglichst vielen Anwendungen. Deshalb steht für Entwickler ein Software Development Kit (SDK) bereit, mit dem vorhandene Programme an die U3-Portalsoftware angepasst werden können.
Die Software wird, für alle Sticks einheitlich auf der U3-Website[4] bereitgestellt. Der Anwender kann sie entweder wie gewohnt im Browser herunterladen und später installieren oder den eingebauten U3-Installer verwenden, der beides in einem Aufwasch übernimmt. Das Angebot besteht aus zwei Typen von Anwendungen: Shareware und andere kommerzielle Versionen, die man bei U3 käuflich erwerben kann (gegebenenfalls nach einer Testperiode) sowie Freeware. Im Freeware-Bereich gibt es zum einen die U3-Kernanwendungen wie Sicherheit oder den von McAfee adaptierten Virenscanner und zum anderen Open-Source-Anwendungen in U3-Versionen. Diese haben findige Software-Unternehmen adaptiert und mit kleinen Werbeeinblendungen ergänzt, um auch etwas von der Arbeit zu haben.
Gerade die Open-Source-Anwendungen gibt es aber auch als so genannte Portable Apps[6] - als Installation, die sich nicht in die Windows-Registry eintragen muss, keine Icons auf dem Desktop platziert und auch auf sonstige Verzahnungen mit dem Betriebssystem verzichtet. Sie werden gestartet, indem man im Windows-Explorer auf die EXE-Datei doppelklickt. Sie haben also viele der Vorteile von U3-Anwendungen, nicht jedoch den Komfort des U3-Launchpads. Auch muss man sich um das korrekte Beenden der Anwendung und Speichern ungesichterter Dokumente selbst kümmern.
Die Portable Apps haben gegenüber ihren U3-Cousins aber auch Vorteile: Sie kommen etwa ohne Webung aus. Auch können sie auf jedem beliebigen USB-Stick, auch älteren Modellen, installiert werden. Zudem laufen die portablen EXE-Dateien nicht nur unter WIndows 2000 und XP, sondern unter jedem 32-Bit-Windows. In einigen Fällen scheint die Aktualisierung auch schneller zu gehen als bei U3: Der Mail-Client Thunderbird etwa ist bei Portable Apps aktueller denn bei U3. Die folgende Tabelle fasst einige Kernanwendungen von U3 und Portable Apps zusammen.
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Der E-Mail-Client, den die meisten USB-Stick-User favorisieren werden, ist Mozilla Thunderbird. Im Vergleich bootet die Portable-App-Version von Thunderbird wesentlich schneller (5 Sekunden) als die U3-Version (11 Sekunden - beide vom gleichen Stick gestartet). Diese Zeit holt die U3-Version aber durch das nötige Starten des Explorers und die Suche nach dem richtigen Verzeichnis in etwa wieder herein. Dabei fällt weiter auf, dass die Portable App nicht isoliert wird von anderen Versionen des Programms. Läuft bereits ein Thunderbird, wechselt Windows XP nach dem Doppelklick auf die portable EXE-Datei zu dieser, statt eine weitere Instanz des Programms zu erstellen, wie dies bei U3 der Fall wäre.
Einige Ungereimtheiten treten beim Einsatz des Browsers Firefox als U3-Version auf. So speichert der Browser Änderungen der Startseite nicht, sondern verwendet immer den Webauftritt des Sponsors als Startseite. Andere geänderte Einstellungen, zum Beispiel Bookmarks oder Sicherheitsoptionen, bleiben aber durchaus erhalten.
Außerdem wird der U3-Firefox zum Standardbrowser, solange er läuft - klickt man auf einen Weblink, etwa in einem Instant Messenger oder einer E-Mail, öffnet sich die Website in Firefox.Zu den Alleinstellungsmerkmalen von U3 gehören ganz sicher drei Anwendungen: Erstens die Passwort-Sicherheit, zweitens der Virenscanner und drittens die Synchronisierungs-Utility Migo. Alle drei kosten nichts, auch der Virenschutz mit seinen Updates der McAfee-Daten. Wie lange dies so bleiben wird ist ungewiss. Das Umfeld der U3-Seite mit zahlreichen Kauf-Utilities und -Spielen macht da natürlich etwas misstrauisch.
Der Virenscanner kann den Stick selbst, aber auch die Platte überprüfen. Im Test stürzte einmal ein Windows-XP-System beim Scan ab - der einzige schwerwiegende Zwischenfall innerhalb zwei Wochen. Updates kann man in einem regelmäßigen Abstand herunterladen, bei jedem Einsatz des Sticks oder nur auf Wunsch. Inwieweit sich der Scanner von kommerziellen Produkten etwa von McAfee unterscheidet ist nicht bekannt. Wie ein ZDNet-Leser berichtet[7], kennt man diese Software auch bei der McAfee-Hotline nicht. Wer häufig auf fremden Systemen nach Viren suchen muss, sei es bei Freunden oder Kunden, wird diese Anwendung sicher häufig einsetzen wollen.
Auch die Sicherung des USB-Sticks durch ein Passwort sollte jeder Nutzer aktivieren, speziell wenn er etwa im Browser Logins für Websites speichert oder einen Mail-Client betreibt, der ja dann das Passwort für den Mail-Server benötigt. Vergisst man sein Passwort übrigens, kann man den Stick zurücksetzen. Dabei gehen aber alle Anwendungen und Daten verloren. Ein Dieb kann also den Stick nutzen, aber nicht die Daten des Bestohlenen einsehen.
Mit Migo schließlich steht eine spezielle Synchronisierungssoftware für alle bereit, die auf mehreren Systemen arbeiten müssen. Das Programm archiviert auf Wunsch Browser-Favoriten, Cookies und die Browser-History (Liste der besuchten Seiten) sowie alle Dateien und Dokumente, die auf dem Desktop liegen (Verknüpfungen ausgenommen). Der Anwender kann also ein Word-Dokument, das er später auf einem anderen Rechner verwenden möchte, einfach auf der Windows-Oberfläche ablegen und zum Schluss seiner Session eine Migo-Aktualisierung veranlassen. gerade für weniger versierte PC-Nutzer ist dies ein interessantes Programm. In Anbetracht der Tatsache, dass U3-Sticks in den Läden auch nicht teurer sind als USB-Sticks ohne U3, sollte man heute als Nutzer von Windows 2000 oder XP unbedingt einen U3-Stick wählen. Schon die drei Kern-Anwendungen, nämlich Migo-Synchonisierung, Virenscanner und Passwortabfrage, sind sehr attraktiv.
Wer aber einen älteren USB-Stick hat, für den lohnt sich eine Anschaffung eher nicht: Mit Portable Apps kann man auch auf alten Sticks Anwendungen ablegen, wenngleich nicht annähernd so komfortabel.
Und zuguterletzt sind U3-Sticks auch ein interessantes Give-away oder Geburtstagsgeschenk für Techies, die sonst schon alles haben. Ein kleiner Stick, der für Mail, Browser und Virenscanner locker reicht, kostet etwa 25 Euro. Und neben dem praktischen Wert der U3-Applikationen macht schon das Ausprobieren viel Spaß. Besonders angenehm ist aber das Gefühl, seine Mail-Korrespondenz, seinen Browser mit Favoriten und alle Präsentationen am Schlüsselbund zu haben.
Welchen Stick soll man nehmen? Unterschiede sind nach den Messungen vorhanden, aber liegen bei typischen Vorgängen im Sekundenbereich und sind deshalb für die Praxis nicht sonderlich relevant. Bei ähnlichen Preisen sollte man die schnellen Smartdrives von Disk2Go vorziehen - der Stick dieses Unternehmens war im Test der schnellste. Hinsichtlich der Größe allerdings sollte man bedenken, dass das attraktive Büro-Paket Openoffice.org über 200 MByte benötigt. Wer die volle Palette an Anwendungen und Daten nutzen möchte, sollte sich nach einem 1-GByte-Stick umsehen.
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