Kostenlos ist besser als Open-Source

(http://www.zdnet.de/magazin/39140569/kostenlos-ist-besser-als-open-source.htm)

von Dietmar Müller, DE Edit, 2. Februar 2006

Virtualisierung ist eines der ganz heißen Eisen im IT-Feuer 2006. VMware ist hier zur Zeit Marktführer und hat mit seinem kostenlosen Player im Dezember vergangenen Jahres besonders von sich reden gemacht. ZDNet sprach mit Diane Greene, CEO von VMware über ihre Strategie und den Druck durch Open-Source-Konkurrenten.

Der Anbieter virtueller Infrastruktur-Software Vmware hat im Dezember einen kostenfreien Player[1] vorgestellt, um Software auf einem Windows- oder Linux-PC in einer virtuellen Maschine laufen zu lassen. Endanwender habe damit ein Werkzeug in der Hand, um auf dem PC eine sichere, abgekapselte Zone einzurichten.

ZDNet sprach in München mit Diane Greene, CEO von Vmware, über den Erfolg des Players, ihre künftige Strategie und den Druck durch Open-Source-Konkurrenten.

ZDNet: Frau Greene, im Jahr 2000 haben Sie erklärt, dass das Segment der Linux-Anwender ihr größter Kunde sei. Wie verhält es sich heute, mehr als fünf Jahre später?

Greene: Windows-Nutzer. Ganz klar. Es gibt einfach mehr Windows- als Linux- Nutzer, daher ist das ganz natürlich. 2000 waren wir noch jung und vor allem Linux-Workstations benötigten Virtualisierung. Heute wird Virtualisierung durchgehend durch alle Bereiche benötigt, gerade aber bei Servern. Umsatzmäßig ist das unser stärkstes Potential im Moment, aber Workstations bleiben genauso in unserem Fokus. Genauso wie Laptops und sehr große Server.

ZDNet: Wer zählt denn zu Ihren größten Abnehmern? Wer setzt Virtualisierung am meisten ein?

Das kann man leider nicht genau spezifizieren, wir sind da abhängig von unseren Vertriebspartnern. Grundsätzlich finden Sie uns im Rechenzentrum genauso wie im Mittelstand oder bei Endnutzern.

ZDNet: Im Dezember haben Sie Ihren Vmwarte Player veröffentlicht, der von jedem kostenlos zur Virtualisierung auf seinem Rechner eingesetzt werden kann. Das hat Sie mit einem Schlag zu einem Begriff in der IT-Szene gemacht

Greene: Ja, wir haben das auch bemerkt. Es ist geradezu ein Ruck durch die ganze Firma gegangen.

ZDNet: Wie oft haben Sie das Werkzeug abgegeben?

Greene: Wir haben seit Dezember eine halbe Million Downloads gezählt.

ZDNet: Kann man Ihren Player eigentlich auch unter Unix einsetzen?

Greene: Unter Linux. An Unix-Derivaten unterstützen wir nur Solaris, solange es auf einer x86-Plattform läuft. Da es Solaris für x86 noch nicht so lange gibt, haben wir hier aber erst vergleichsweise wenig Installationen vorgenommen.

ZDNet: Ich frage, weil das Unix-Segment im Schrumpfen begriffen ist - lohnt sich die Arbeit überhaupt?

Greene: Das schöne an Virtualisierung ist ja, dass es sich zum Betriebssystem neutral verhält. Vielleicht kann das sogar ein Segen sein, denn die Unix-Anwender könnten am meisten Interesse daran haben, mittels Virtualisierung andere Applikationen und Systeme auf ihren Maschinen laufen zu lassen.

ZDNet: Werden Sie nach dem Erfolg Ihres Players weitere Werkzeuge kostenlos veröffentlichen?

Greene: Das weiß ich heute noch nicht. Zunächst sind wir sehr zufrieden mit dem erreichten.

ZDNet: Vmware arbeitet unter anderem mit Mozilla zusammen...

Greene: ...ah, die Browser Appliance! Da haben wir über 250.000 Downloads verzeichnet!

ZDNet: ...haben Sie je daran gedacht, wenigstens den Player ebenfalls Open-Source zu machen?

Greene: Ich denke, wir machen genug in diese Richtung. So haben wir das Interface des Players offen gelegt. Ich kann nicht sehen, worin der Vorteil einer Veröffentlichung des Quellcodes liegen soll.

ZDNet: Meiner Erfahrung nach mögen gerade mittelständische Unternehmen Open-Source-Anwendungen, weil sie die volle Kontrolle über den Code haben.

Greene: Aber sie haben doch den Player. Der funktioniert einwandfrei. Sie brauchen den Code nicht. Meiner Meinung nach wollen sie nur den kostenlosen Zugriff auf den Player. Würden wir es als Open-Source herausgeben, müsste sich ein Techniker im Unternehmen um den Code kümmern. Ich glaube nicht, dass gerade kleine Firmen das wollen.

ZDNet: Open-Source ist per se aber ein Zugpferd. Das Segment boomt!

Greene: Wir haben ein Community-Source-Programm aufgelegt, an dem sich interessierte Unternehmen und Entwickler beteiligen können. Dann erhalten sie auch vollen Zugriff auf unseren Code.

ZDNet: Es gibt bereits Open-Source-Tools für Virtualisierung, Xensource beispielsweise oder Open VZ, ein Subset des Virtualisierungswerkzeugs "Virtuozzo" von Swsoft. Fürchten Sie nicht, von diesen Start-up-Projekten überholt zu werden?

Greene: Xen ist einfach noch nicht so weit, man kann es heute noch nicht einsetzen. Es handelt sich also um keine wirkliche Konkurrenz, die haben noch viel zu tun. Robustheit, Performance, Skalierbarkeit, ausgefeiltes Resource-Management, all diese Sachen bekommen Sie nur von unseren Lösungen geliefert.

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[1] = http://www.zdnet.de/itmanager/tech/0,39023442,39137766,00.htm