Selbst kleine NAS-Systeme unterstützen inzwischen mehrere Festplatten, automatisches Backup oder RAID. Gegenüber Fileservern sparen sie bei Wartung und Stromverbrauch. ZDNet zeigt Einsatzgebiete und hat drei Geräte getestet.
Digitalfotos, Präsentationen, Konstruktionszeichnungen oder Projektpläne - Unternehmen haben heute mit ständig wachsenden Datenmengen zu kämpfen. Das Datenaufkommen wächst so schnell, dass die IT-Infrastruktur Mühe hat, mit zu wachsen. Außerdem kostet die Anschaffung neuer Fileserver Geld. Die Betrachtung der reinen Anschaffungskosten greift jedoch zu kurz. Kosten für Installation, Verwaltung, Wartung und Betrieb müssen auch berücksichtigt werden.
An diesem Punkt setzen die Hersteller von Netzwerk-Speicherboxen an: Sie versprechen die einfache und schnelle Integration von zusätzlichem Festplattenspeicher im Netz, bei einfacher Administration und niedrigen Betriebskosten.
ZDNet hat drei NAS-Systeme ausführlich getestet. Zunächst soll aber erläutert werden, woraus NAS-Boxen bestehen und welche Technologien sie einsetzen - und mit welchen Vorteilen. Es folgen Beispiele, wie man diese Systeme einsetzen kann - als MP3-Fileserver in einem Café sowie regulär in einer Büroumgebung, beispielsweise einer Kanzlei oder Agentur - und wie sich ein solcher Einsatz auf Anwender und Administratoren auswirkt. Die Berechnung der Energiekosten überzeugt. Handelt es sich doch bei den auf reine Datei-Speicherung optimierten NAS-Systemen um sehr schlanke Geräte. Ein vollwertiger Server kommt leicht auf eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von 200 Watt und mehr. Im 24-Stunden Betrieb summiert sich das bei einem Kilowattstunden-Preis von 20 Cent auf mindestens 350 Euro im Jahr - pro Gerät. Dies ist besonders für kleine Unternehmen ein nicht zu unterschätzender Preis.
Moderne NAS-Systeme liegen, je nach Typ und Ausstattung, bei nur etwa 20 bis 40 Prozent der Energiekosten eines ausgewachsenen Servers. Das liegt in erster Linie am Verzicht auf hoch getaktete und energiehungrige Komponenten. Durch die Optimierung der verwendeten Betriebssysteme, meist Linux, auf die reine Datenspeicherfunktion können beispielsweise langsamere Prozessoren verwendet werden. Da die meisten NAS-Boxen über Webinterfaces bedient werden, benötigen sie auch keine Grafikkarte.
Wichtigstes Kriterium einer NAS-Box ist aber, dass sie der Administrator leicht und schnell ins bestehende Netzwerk integrieren kann. Er muss die Box einfach verwalten und in eine bestehende Workgroup- oder Domänen-Struktur einfügen können. Einzelheiten und Einblicke dazu bieten die Tests der Geräte von Buffalo Technologies[1], Linksys[2] und Thecus[3].
NAS-Boxen werden mit einem integrierten Betriebssystem geliefert. Die Software ist komplett installiert und eingerichtet. Es sind keine weiteren Einstellungen oder Konfigurationen mehr nötig und möglich. Der Administrator muss sich nicht mehr um Einrichtung und Betrieb des eigentlichen Servers kümmern. Er kann sich von Anfang an ganz auf die Verwaltung des verfügbaren Festplattenspeichers und der Benutzerzugriffe konzentrieren. Angenehmer Nebeneffekt der schon installierten Software: Es fallen keinerlei zusätzliche Lizenzgebühren für Betriebssystem oder Benutzerverbindungen an.
Neben dem Wunsch des Administrators, den neuen Speicher schnell und einfach im Netz bereitzustellen und ihn einfach zu verwalten, muss er auch eine hohe Ausfallsicherheit bieten. Dies gilt vor allem im professionellen Umfeld, wo Datensicherheit und Redundanz oberstes Gebot sind. Daher müssen entsprechende Geräte RAID- oder zumindest automatische Backup-Mechanismen unterstützen.
Die Einsatzgebiete und Anwendungsszenarien für NAS-Systeme sind sehr vielfältig. Längst sind die Geräte nicht mehr nur für die so genannten Large-Enterprise-Unternehmen von Bedeutung. Auch der Mittelstand sowie kleinere Unternehmen bis hin zum ambitionierten Privatanwender können besonders von den kleinen NAS-Geräten profitieren, wie die konkreten Beispiele zeigen. Peter betreibt ein Café in einer Kleinstadt. Für die musikalische Untermalung hat er bisher einen CD-Wechsler mit 100 verschiedenen CDs eingesetzt. Das funktionierte in der Regel problemlos. Peter stören aber die Pausen, die beim Wechsel zur nächsten CD entstehen. Sie sind besonders nervig, wenn die Anlage im Shuffle- oder Random-Modus läuft - wie meistens, da das komplette Durchlaufen der CDs hintereinander die Gäste recht schnell langweilt.
Als Lösung bietet sich an, alle CDs in MP3-Dateien umzuwandeln. Statt des CD-Wechslers wird ein Notebook an den Verstärker angeschlossen. Über eine Player-Software können dann die Titel abgespielt werden. Das System ist sehr flexibel, da sich ganze Playlisten für besondere Anlässe anlegen lassen. Abhängig von der Player-Software sind sogar Überblendungen der Titel möglich, es gibt also keine störenden Pausen mehr zwischen den Songs.
Damit ein Festplatten-Defekt nicht die gesamte Musik-Sammlung vernichtet, bietet sich eine zentrale Speicherung der MP3-Dateien auf einem NAS-System an. Für diesen Anwendungsfall reicht ein einfaches System aus. Hierfür ist nicht einmal unbedingt eine RAID-Unterstützung nötig, da sich die gespeicherten Daten nur selten ändern. Die Musik-Dateien sind eher statisch, und es kommen nur wenig und selten neue Daten hinzu. Eine einfache integrierte Backup-Routine reicht völlig aus. Dafür muss das NAS-System mindestens über eine zweite Festplatte zur Datensicherung verfügen. Ein System, wie etwa das Linksys EFG250[2] wäre beispielsweise ein Produkt für diese Anwendung. Eine einzelne Festplatte mit Netzwerkanschluss wäre in jedem Fall zu unsicher.
Dieses System kann auch auf den Heimbereich übertragen werden. Dort kann man sich darüber hinaus auch die Speicherung von Video-Daten vorstellen. Koppelt der Anwender das NAS-System auch noch mit einem Mediacenter wie der Dreambox, dem Reelplayer oder der Activy, wird aus der Anlage ein kompletter Home-Media-Server. Der klassische Einsatzfall von NAS-Systemen ist jedoch die Datenspeicherung auf Abteilungs- oder Unternehmensebene. In einem realen Arbeitsumfeld, in dem mehrere Mitarbeiter im Team zusammenarbeiten, fallen ständig große Datenmengen an: zum Beispiel in einer Medien-Agentur, Redaktion oder Foto-Agentur, einem Ingenieurbüro, einer Anwaltskanzlei oder Arztpraxis.
Egal ob Fotos, Texte, Layouts, Präsentationen, Projektdaten, Zeichnungen, Pläne, Terminkalender oder Mailfiles, alle Daten lassen sich gut auf einem NAS-System ablegen. Wichtig ist nur, dass die Daten für jeden Mitarbeiter im Netz bereitstehen. Dafür kann der Administrator für jede Abteilung oder jeden Benutzer individuelle Ordnerstrukturen anlegen und Zugriffsrechte vergeben.
Derartige NAS-Systeme, die ganze Fileserver ersetzen sollen, müssen natürlich die Sicherheit der gespeicherten Daten gewährleisten. Dafür ist es nötig, dass die Systeme über RAID-Funktionalität verfügen. Minimum ist eine Datenspiegelung mit RAID-1 - besser noch ein RAID-5-Verbund (siehe RAID-Level im Überblick[4]). Idealerweise unterstützt das System auch noch Spare-Drives.
Diese Festplatten übernehmen in etwa eine ähnliche Funktion wie das Ersatzrad beim Auto. Sie befinden sich in Warteposition und nehmen im Falle eines Festplattendefektes den Platz einer defekten Festplatte ein. Im Gegensatz zum Reifenwechsel geht das jedoch voll automatisch. Obendrein erhält der Administrator eine Meldung, dass er die defekte Platte auswechseln muss. Die dann neu eingesetzte Platte kann ihrerseits wieder zu einem Spare-Drive werden. Dieses Verfahren bietet den großen Vorteil, dass die Anwender von der ganzen Prozedur nicht das Geringste mitbekommen. Der unterbrechungsfreie Betrieb ist in jedem Fall gewährleistet. In der Regel stellt sich ein NAS-System für den Anwender wie ein zusätzlicher Ordner oder ein zusätzliches Laufwerk im Explorer dar. Er kann nicht unterscheiden, ob es sich dabei um einen ausgewachsenen File-Server oder um eine NAS-Box handelt. Der Administrator kann diese Ordner oder Laufwerke den einzelnen Benutzern zum Beispiel über Anmeldeskripte individuell zuweisen.
Da der Anwender keinerlei Unterschied feststellt, ist bei der Einführung von NAS-Systemen kaum mit anwenderseitigen Akzeptanzproblemen zu rechnen. Aus Sicht des Unternehmers bieten NAS-Systeme die oft erwähnten Vorteile hinsichtlich geringerer Anschaffungs-, Betriebs- und Lizenzkosten. Als Administrator mag nur derjenige die Systeme ablehnen, der eine generelle Abneigung gegen webbasierte Verwaltungstools hegt. Da sie trotz der gleichen Funktionalitäten je nach Hersteller sehr unterschiedlich in der Bedienung ausfallen, sollten beim Einsatz mehrere NAS-Systeme möglichst nur Geräte eines Herstellers benutzt werden.
Die Entscheidung für einen Hersteller kann also folgenreich sein, zumal ein solches Gerät schon ohne Festplatten kaum unter 700 Euro zu haben ist. Welches System für den eigenen Bedarf besonders geeignet ist, können die folgenden Einzeltests zeigen.
![]() Buffalo Terastation HD-H1.0TGL/R5[1] |
Buffalo Technology bietet mit der Terastation zu einem günstigen Preis viel Speicherplatz. Abstriche müssen beim schnellen Festplattenwechsel und der Netzwerk-Performance gemacht werden. |
![]() Linksys EFG250[2] |
Der Preis des einfachen und leicht zu konfigurierendes NAS-Systems ist mit rund 900 Euro beträchtlich. Dafür bekommt man nur eine Festplatte und statt RAID-Funktion eine integrierte Backup-Routine. |
![]() Thecus N4100[3] |
Mit dem N4100 bietet Thecus eine sehr professionelle NAS-Box für maximal vier SATA-Festplatten. Laufwerke werden jedoch nicht mitgeliefert. Der Gerätepreis erscheint daher mit rund 750 Euro recht hoch. |
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