Apple-Chef Steve Jobs möchte nicht, dass sein neues Betriebssystem auf jedem x-beliebigen PC installiert werden kann. Dass es trotzdem funktioniert, zeigt der Testbericht über Mac OS X auf der x86-Plattform.
Als Apple-Chef Steve Jobs im Juni den Plattformwechsel auf die x86-Architektur bekannt gab, traute so mancher Apple-Anhänger seinen Ohren nicht. Hatte Jobs nicht jahrelang gepredigt[1], dass die Intel-Architektur viel zu langsam sei? "Think Different" kann man da nur den Apple-Anhängern zurufen. Die Entscheidung Apples für den Wechsel zur x86-Architektur liegt in der mangelhaften Leistungsfähigkeit der eigenen Power-PC-Prozessoren. Vor allem im lukrativen und wachstumsträchtigen Notebook-Bereich sind die Apple-Chips den Intel-CPUs klar unterlegen.
Immerhin garantierte Jobs, dass das neue Betriebssystem auf keinen Fall mit jedem x-beliebigen PC funktionieren werde. Schließlich will Apple das alleinige Vermarktungsrecht entsprechender Computer für sich behalten. Aus Sicht Apples eine verständliche Haltung. Schließlich kassiert der Hersteller für seine Computer viel mehr Geld von seinen Kunden, als man für einen gewöhnlichen x86-PC berappen muss.
Würde Apple das Betriebssystem für die x86-Architektur generell freigeben, käme eventuell Dell auf die Idee, so genannte Apple-Clones herzustellen. Dies würde einen enormen Preisverfall für Apple-Computer bedeuten, an dem der Hersteller nicht interessiert ist. Viel lieber möchte Apple weiterhin die selbst hergestellten Macs mit einer hohen Marge verkaufen. Billig-Anbieter wie Dell würden das Geschäft gefährden. So viel zur Motivation Apples, Mac OS X x86 nur auf der eigenen Plattform anzubieten.
Bei der Bekanntgabe des Systemwechsels präsentierte Jobs der Öffentlichkeit Apple-Computer mit Intel-Prozessoren, auf denen die x86-Version des hauseigenen Betriebssystem Mac OS X lief. Das Betriebssystem wird durch einen speziellen Chip direkt an die Hardware gebunden. Inzwischen ist es jedoch einige Entwicklern gelungen, diese Koppelung zu umgehen, sodass das Betriebssystem auf jedem x-beliebigen PC installiert werden kann, wie der folgende Testbericht zeigt.
Die Installation von einer bootfähigen DVD dauert etwa zwei Stunden. Das System belegt auf der Festplatte 5,9 GByte Speicherplatz. Der parallele Betrieb von Windows und Mac OS X ist dank einem Bootmanager, der zusammen mit dem Apple-Betriebssystem installiert wird, problemlos möglich.
Für die Nutzung der 3D-Effekte muss ein entsprechender Grafikkartentreiber installiert werden. Mit einer ATI- oder Nvidia-Karte gelingt dies nicht. Apple hat die Entwickler-Plattform im Juni zusammen mit einem Intel-Mainboard und integrierter Grafik (Chipsatz 915G) ausgeliefert. Wird diese Plattform verwendet, sind die 3D-Effekte aktiv. Zudem kann man mit dieser Konfiguration auch die Bildschirmauflösung anpassen. Sämtliche Treiber werden auf der 915G-Plattform automatisch installiert. Die Soundausgabe funktioniert ebenso wie der Netzwerkzugriff.
Setup mit grafischer Benutzeroberfläche und leistungsfähigem Disk-Manager
Während des gesamten Setup-Prozesses steht übrigens eine grafische Benutzeroberfläche bereit. Dies macht die Einrichtung im Vergleich zu einem Windows-PC sehr einfach. Insgesamt muss der Anwender während der Installation deutlich weniger eingreifen. Wenn dies mal der Fall ist, stehen auch deutlich intuitivere Methoden zur Verfügung. Etwa bei der Angabe über die Zeitzone: Bei Windows muss man sie aus einer Liste auswählen. Bei Mac OS X klickt man auf einer Weltkarte einfach auf die Region, in der man sich befindet.
Auch die Partitionierung der Festplatte ist dank eines leistungsfähigen Disk-Utilities auf einfache Art und Weise möglich. Im Gegensatz zu Windows verlangt Mac OS X keine krypischen Angaben, sondern lässt den Anwender die Partition bequem mit der Maus auswählen. Die Größe der Partition mit der Maus justiert werden. Windows-Nutzer werden ebenso erstaunt über die Möglichkeit des Anlegens eines Images wie über die des Sicherns desselben auf ein CD-Rohling durch das Disk-Utlity sein. All dies ist bereits durch einfaches Starten der Setup-CD möglich. Ein Windows-Setup ist Lichtjahre von der Nutzerfreundlichkeit einer Mac-Installation entfernt.
Wird die mit Mac OS X x86 installierte Festplatte an ein anderes System angeschlossen, startet das Betriebssystem ohne zu murren. Lediglich die gleiche Namensgebung des PCs wird bemängelt und sofort geändert. Bei Windows wird lediglich über die Namensidentität hingewiesen, ohne dass der Fehler beseitigt wird.
![]() |
| Apple Mac OS X x86 läuft auch auf der AMD-Plattform. |
Umso erstaunlicher sind die aktuellen Leistungswerte des Apple-Betriebssystem für die x86-Plattform. Auf dem getesteten Toshiba-Notebook Portégé M300[3] funktionieren offensichtlich schon wesentliche Bestandteile der Stromsparfunktionen des Pentium-M-Prozessors. Anders ist es nicht zu erklären, dass das System mit Mac OS X hinischtlich der Leistungsaufnahme mit dem Windows-Betriebssystem auf dem selben Notebook mithalten kann. Beim Start des Betriebssystem ist Mac OS X sogar etwas schneller als Windows XP. Das Herunterfahren gelingt den Systemen gleich schnell. In Bezug auf den Ressourcenhunger zeigt sich das Apple-Betriebssystem etwas genügsamer. Von den installierten 512 MByte Speicher stehen nach dem Start noch 324 MByte zur Verfügung, während XP nur 290 MByte frei lässt.
|
|||||||||||||||||||||
Weniger gut sieht es für Mac OS X allerdings beim Anwendungs-Test mit Itunes (Version 4.8) aus. Hier ist Windows XP deutlich schneller als Mac OS X. Statt 20,7 Sekunden unter Windows XP benötigt dasselbe System mit Mac OS X 61 Sekunden. Selbst der Dual Core-Prozessor Athlon 64 X2 4800 lässt unter Mac OS X mit 28 Sekunden mehr Zeit verstreichen als der Pentium M (1,2 GHz) und Windows XP und das obwohl Itunes beide Kerne des Athlon-Prozessors bei der Umwandlung der MP3-Datei unterstützt. Möglicherweise liegt die langsamere Ausführungsgeschwindigkeit an der Emulationsumgebung Rosetta, unter der einige Programme laufen.
Update 10. November 2005
Inzwischen steht die Version 10.4.3 bereit, die hinsichtlich der Performance deutlich zulegt. So benötigt Itunes statt 61 Sekunden nur noch 27 Sekunden für die Uwandlung der Datei. Das ist zwar immer noch nicht so schnell wie Itunes unter Windows XP, dafür liegt Itunes unter Mac OS bisher nur als Power PC-Version vor, die unter der Emulations-Umgebung Rosetta läuft.
|
|||||||||||||||
![]() |
| Wenn man in den Systemeigenschaften nach einem Begriff sucht, werden automatisch die wahrscheinlichsten Optionen optisch hervorgehoben. Je heller der Hintergrund, desto größer schätzt OS X die Trefferwahrscheinlichkeit ein. |
![]() |
| Apple-Mail erkennt angehängte Dateien und bietet entsprechende Optionen direkt im Mailprogramm an. Bilder lassen sich als Slideshow anzeigen oder abspeichern. |
![]() |
| Sherlock sammelt nützliche Informationen aus dem Internet und stellt diese praktisch dar. So wird beispielsweise der Spielplan der Kinos aus der Umgebung dargestellt. Eine Inhaltsangabe zum Film sowie eine Vorschau-Sequenz gehören zum Leistungsumfang. Daten über Flugpläne und Börsenkurse werden ebenfalls von Sherlock gesammelt. |
![]() |
| Der Nutzerwechsel erfolgt mit 3D-Animation. |
Mac OS X bietet gegenüber Windows in vielfacher Hinsicht Vorteile. Die Installation verläuft komplett mit einer grafischen Benutzeroberfläche. Nötige Eingriffe des Anwenders sind deutlich intuitiver als bei Windows und gelingen demzufolge einfacher. Leistungsfähige Tools wie das Disk Utility, das bereits während der Setup-Phase zur Verfügung steht, sucht man bei Windows vergeblich. Interessant sind auch die leistungsfähigen Netzwerktools, die eine einfache und effektive Analyse im Bedarfsfall sehr einfach machen. Eine Anbindung an ein Windows-Netzwerk ist für Mac OS X ebenfalls kein Problem. Das intuitive Bedienkonzept hat Apple bei Mac OS X mit 3D-Effekten und anderen optischen Hinweisen (siehe auch Fotogalerie[4]) weiter verbessert. Es gibt somit genügend Gründe, Mac OS X als ernsthafte Alternative zu Windows in Betracht zu ziehen.
Bisher haben viele Windows-User wegen der mangelhaften Performance und dem sehr hohen Preis der Apple-Plattform die Finger von Macs gelassen. Dies könnte sich bald ändern. Mit Mac OSX x86 steht Mitte nächsten Jahres eine Plattform bereit, die zumindest in Sachen Performance zur Windows-Welt aufschließen wird. Allerdings soll das Betriebssystem nach derzeitigen Plänen nur zusammen mit Apple-Hardware funktionieren. Eine Modifikation, die das Betriebssystem auch für alle anderen x86-Rechner zugänglich macht, wie jetzt bei der Entwickler-Version geschehen, soll dann nicht mehr möglich sein.
Weitere Infos:
URLs in diesem Artikel:
[1] = http:/
[2] = http:/
[3] = http:/
[4] = http:/
[5] = http:/




