Stolperfallen beim Notebook-Kauf: Darauf muss man achten

(http://www.zdnet.de/magazin/39136679/stolperfallen-beim-notebook-kauf-darauf-muss-man-achten.htm)

von Florian Kalenda, 20. September 2005

Wenn das Billig-Notebook scheinbar besser ausgestattet ist als ein teures Markengerät, sollte man die Details genau unter die Lupe nehmen. ZDNet verrät, welche Aspekte eines Notebooks einen zweiten Blick wert sind.

Die Vielzahl der verfügbaren Notebooks erschwert den Kauf ungemein. Warum ist das Notebook beim Elektro-Discounter scheinbar besser ausgestattet als das Markengerät? Welche technischen Daten sind die Entscheidenden, und was wird verschwiegen?

Grundsätzlich sollte man zweierlei Dinge tun: die technischen Daten gründlich im Internet recherchieren und studieren, sowie eine Fachmesse oder den Elektromarkt aufsuchen und einige interessante Modelle einmal in die Hand nehmen. Kaufen kann man ja immer noch von einem anderen Geschäft, falls der Preis nicht stimmt.

Und worauf lohnt es sich dabei zu achten? ZDNet hat einige Erfahrungen aus dem Testlabor zusammengetragen, welche heimlichen Schwachstellen aktuelle Notebooks haben und worauf man sehen sollte, bevor man sich für ein Modell entscheidet. Eigentlich ist es nicht zu übersehen, aber dennoch fallen seine Schwachstellen oft erst später auf: Das Notebook-Display zählt zu den Kernkomponenten. Man sollte ihm viel Aufmerksamkeit widmen. Schließlich kann man es nicht, wie im Fall eines Desktop-PCs, unabhängig vom eigentlichen Rechner später austauschen. Allerdings ist es immerhin möglich, zuhause oder im Büro einen externen Bildschirm zu betreiben. Leider bietet bisher noch fast kein Notebook einen DVI-Anschluss zur verlustfreien digitalen Ansteuerung eines externen TFTs - ausgenommen einige hochpreisige Business-Modelle.

Die Größe eines Displays ist natürlich wichtig, aber groß heißt nicht unbedingt gut: Je größer das Display, desto schwerer das Notebook. Außerdem gibt es in einem Notebook keine Komponente, die mehr Strom verbraucht als die Anzeige, und auch der Verbrauch ist direkt von der Anzahl der Transistoren abhängig.

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Ein verschwenderisches Display resultiert in schwacher Akkulaufzeit: MSI Megabook 620[1].

Ob man Widescreen-Formate oder das Standard-Format vorzieht, ist nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch der Anwendung. Widescreens sind etwa für breite Tabellen gut geeignet: Wer viel mit Excel arbeitet, wird sie ebenso zu schätzen wissen wie ein Freund von Kino-Filmen. Vier zusätzliche Excel-Spalten mehr bringt das Widescreen-Format gegenüber einem Standard-Bildschirm mit gleicher Diagonale.

Dagegen erschweren lange Zeilen das Lesen von Texten nur. Wer hauptsächlich Texte schreibt, egal ob die Doktorarbeit oder zahlreiche E-Mails, wäre eigentlich mit einer hochformatigen Anzeige am besten beraten, da kurze Zeilen den Sprung von einer Zeile zur nächsten fürs Auge erleichtern. Andererseits müssen Applikationsfenster ja nicht die gesamte Bildschirmbreite ausfüllen, und wer Entwurf und Endfassung eines Textes gegenüber sehen möchte, profitiert wiederum von einem Widescreen. Auch lässt die Breite genug Platz für Anwendungen wie IM oder Mail, die viele parallel zur eigentlichen Arbeit am Laufen haben.

Und zuletzt sollte man bedenken, dass das Display oft die Gehäuse-Größe eines Notebooks vorgibt. Und ein Breitbildschirm entspricht in seinen Dimensionen gut der Tastatur. Gerade bei möglichst kompakten Geräten ist ein Widescreen sinnvoll, da die meist als "Handballenablage" bezeichnete Fläche kleiner ausfallen kann, während umgekehrt nicht an der Tastenbreite gespart werden muss. Und natürlich ist es ein Merkmal sinnvollen Designs, wenn der Bildschirm von möglichst wenig Rand umgeben ist.

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Hier ist der Bildschirm kleiner als nötig - die Tastatur gibt die Abmessungen des Gehäuses vor: Toshiba Libretto U100[2] mit 7,2-Zoll-Bildschirm.
Die Auflösung muss nicht nur zum Bildschirm passen, um zu grobe oder zu kleinteilige Anzeige von Icons und Bildschirmschriften zu vermeiden - ältere Anwendungen ebenso wie Spiele setzen oft bestimmte Bildschirmauflösungen voraus. Man sollte darauf achten, dass die wichtigsten Programm-Auflösungen unterstützt werden. Die Widescreen-Entwicklung hat dazu geführt, dass manche Hersteller einfach völlig neue Auflösungen erfinden - zuletzt Sony bei seinem Carbon-Notebook Vaio VGN-TX1, für das sich der Hersteller die nie da gewesene Auflösung 1366 mal 768 ausgedacht hat.

Leider kann man die Auflösung nicht immer so frei wählen, wie man möchte - wer etwa für Spiele ein Notebook mit leistungsfähiger Grafik, aber im Standard-4:3-Format sucht, wird sich schwer tun. Modelle mit Standard-Displays haben meist nur integrierte Grafik - Notebooks mit High-End-Grafik dagegen so gut wie immer Breitbildschirme.

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Der 15-Zoll-Schirm des Volks-Notebook Fujitsu Siemens Amilo A7645[3] schafft nur 1024 mal 768 Bildpunkte Auflösung.

Noch einen wichtigen Punkt muss man beim Notebook-Display bedenken, insbesondere wenn man im Internet bestellt, ohne das Gerät je gesehen zu haben: Viele Notebooks haben heute Farbverbesserungsverfahren, die durch leuchtende Farben überzeugen können - allerdings häufig nur in stark abgedunkelten Räumen. Einige dieser Notebooks können aber als Spiegel dienen, wenn auch nur eine schwache Lichtquelle beziehungsweise ein Fenster hinter dem Betrachter darauf scheint.

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Bildschirme mit besonders leuchtender Farbwiedergabe sind manchmal auch besonders spiegelnd: Auf dem Asus W3V[4] kann man kaum arbeiten, wenn man eine Lichtquelle im Rücken hat.
In einem IBM-Werbespot konnte man einmal einen Herrn auf dem Deckel eines Thinkpad herumhüpfen sehen. Solche Tests im nahe gelegenen Elekromarkt durchzuführen ist nicht empfehlenswert - aber es zahlt sich aus, einen Blick auf die Verarbeitung des Gerätes zu werfen, wenn man die Möglichkeit hat und nicht auf Abbildungen im Internet beschränkt ist.

Der kritischste Punkt eines Notebooks ist die Display-Aufhängung. Scharniere aus Metall halten einfach länger. Schlägt das Display um, wenn das geöffnete Notebook wippt? Hoffentlich nicht zu sehr. Wichtig sind außerdem die Verschlüsse. Bleibt ein geschlossenes Display zu, solange man es nicht entriegelt, und lässt es sich andererseits leicht entriegeln, nach Möglichkeit mit nur einer Hand?

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Ein schönes und praktisches Gehäuse: Toshibas Tecra M2[5] lässt sich mit einer Hand entriegeln.

Die Solidität des Notebooks, die der Alltag garantiert erfordern wird, ist vom Material abhängig (Plastik oder Titan?), aber auch zum Beispiel von der Zahl der Verbindungspunkte zwischen Ober- und Unterseite. Der Rahmen allein kann nicht jede Verformung verhindern. Wie stark drückt sich das Material durch, wenn man den Finger auf die Unterseite legt? Außerdem sollte man auf der Unterseite auch gleich verifizieren, ob zumindest die Festplatte gepuffert wird, ob also ein Gummi-Element die schlimmsten Stöße von dem empfindlichen Datenspeicher fernhält.

Wer dann beginnt, die Zahl der vorhandenen USB-Anschlüsse zu zählen, sollte auch darauf achten, wie viel Platz jeweils um die Buchsen ist. Viele USB-Stecker und -Geräte sind heute überdimensional - man denke nur an einen MP3-Player oder einen Speicher-Stick. Wenn die USBs so dicht an dicht aufgereiht wurden, dass ein Stick, ein Dongle oder ein Bluetooth-Empfänger jeweils zwei blockiert, bleibt von einer scheinbaren Vielzahl nur wenig in der Praxis übrig.

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Zwei USBs mit reichlich Platz auch für umfangreiche USB-Sticks: Averatec AV1050[6].
Wer wie beim Desktop auch das Notebook nach Prozessorgeschwindigkeit auswählt, liegt garantiert daneben: Auf hohe Taktraten optimierte Prozessoren verbrauchen nicht nur Akkustrom, der bei einem Notebook vielleicht anderweitig gebraucht wird, sondern laufen auch heiß und erfordern laute Lüfter. Aktuelle Mobile-Chips wie der Intel Pentium M oder der AMD Turion sind absichtlich schwächer getaktet, gleichen die geringere Abarbeitungsgeschwindigkeit aber teilweise durch einen größeren L2-Cache auf dem Chip aus. Der Vorteil: L2-Cache kann zur Stromersparnis abgeschaltet werden, wenn gerade nicht benötigt.

Neben den Standard-Pentium-M- und den wegen des kleinen Caches langsameren Celeron-M-Modellen hat Intel auch Ultra-Low-Voltage-Prozessoren (ULV) im Portfolio. Diese finden zumeist in Subnotebooks und kompakten Tablet-PCs Verwendung, da sie auch aus einem eher kleinen Akku eine Laufzeit von drei, vier Stunden schöpfen können. Die Leistung ist dabei nicht besonders ansprechend. Wer den Satz "Für E-Mail und Textverarbeitung reicht doch heute jeder Computer: Ich will vor allem eine wirklich mobile Lösung!" so unterschreiben kann, ist mit einem ULV-Prozessor gut bedient. Wichtig: Zu einem sinnvoll eingesetzten ULV-Notebook gehört ein kleiner Bildschirm (maximal 14 Zoll, besser 12 Zoll) und die passende integrierte Grafik von Intel.

Apropos Grafik: Früher musste man nur zwischen Shared-Memory-Lösungen unterscheiden, die einen Teil des Hauptspeichers für eigene Zwecke ausborgen, und Grafiklösungen mit eigenem Speicher, fast immer von Nvidia oder ATI. Mittlerweile hat ATI eine Mischform geschaffen, "Hyper Memory", das sowohl Grafik- wie auch Hauptspeicher belegt. Leider wird nicht spezifiziert, wie viel der jeweilige Anteil ausmacht, sondern nur die Summe. Allerdings muss man anerkennen, dass ATIs Hyper Memory sehr effizient arbeitet.

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Hier stimmte einmal das Zusammenspiel zwischen Sonoma-Komponenten und Grafik mit Hyper-Memory zum Hyper-Preis: Asus Pro 60V[7].

Bei Centrino-Chipsätzen erkennt man übrigens an der Modellnummer, ob die integrierte Intel-Grafik oder eine externe Grafiklösung verwendet wird. Chipsätze für Grafik von Drittherstellern enthalten ein P, Chipsätze mit Grafik ein G - beispielsweise 915PM und 915GM.

Nicht vergessen sollte man auch die Möglichkeit, Notebook-Grafik wie bei einem Desktop-PC zu wechseln. Dies ist durch das MXM-Format ermöglicht worden. Nötig ist eine solche Möglichkeit nur, wenn die Grafik unbedingt auf dem neuesten Stand sein muss, also bei Spiele-Notebooks und mobilen Workstations.

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Die Designstudie von Nvidia zeigt ein Notebook mit wechselbarer MXM-Grafikkarte[8].
Die Centrino-Plattform hat in den vergangenen Jahren unter einem einheitlichen Namen unterschiedliche Technik geboten. So wurde die integrierte Grafik Intel Extreme Graphics mittlerweile von der Intel GMA 900 ersetzt, die deutlich mehr Leistung bietet. Man sollte sich also nicht mit dem Hinweis "Intel-Grafik" abspeisen lassen, sondern nachfragen, welche der beiden Varianten vorhanden ist. Hat man die Bezeichnung des Chipsatzes, genügt natürlich ein Blick auf die Produktseiten von Intel[9].

Besonders problematisch ist der Einsatz von langsamem Speicher in neuen Notebooks. Die aktuellen Centrino-Chipsätze unterstützen größtenteils Module mit 333, 400 und 533 MHz, und sowohl DDR2- als auch DDR-Speicher, wobei der letztgenannte Unterschied vor allem darin besteht, dass DDR2 etwas Strom sparender ist, durch die höhere Zugriffszeit aber bei gleicher Geschwindigkeit etwas langsamer arbeitet als DDR-Speicher. Kurz nach Einführung der neuen Plattform im Frühjahr waren selbst Markennotebooks meist nicht mit dem schnellstmöglichen Speicher ausgestattet.

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Hineinsehen müsste man können: Sonoma[10] ist schneller als frühere Centrino-Komponenten.

Des Weiteren sollte man darauf achten, ob der eingebaute Speicher (512 MByte sind aktuell Standard - weniger muss man nicht akzeptieren) aus einem Modul besteht, oder ob er sich auf zwei verteilt. Letzteres kommt den Hersteller etwas billiger, aber beim Nachrüsten muss man dann mindestens eines der Module ersetzen und hat entsprechend weniger Speicher zur Verfügung. Dies gilt jedenfalls dann, wenn zwei Speicherbänke zur Verfügung stehen, wie in den meisten Modellen. Manche Geräte kommen auch mit zusätzlichem fest verbautem Speicher oder bringen nur eine Speicherbank mit.

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Neueste Sonoma-Komponenten, aber langsamer 333-MHz-Speicher: HP Compaq nc6120[11].

Grundsätzlich gibt es zwei Einstellungen zu einem Notebook: Die Akku-Laufzeit spielt eine Rolle - oder eben nicht. Wer sich das Notebook nur aus Platzgründen anschafft, kann ruhig High-End-Komponenten wählen. Wer wirklich mobil arbeiten (oder auch sich mobil vergnügen) möchte, sollte mit sich um jede Komponente ringen. Das große Display und die High-End-Grafik halbieren im Normalfall die Akkulaufzeit!

Außerdem sollte man auf den Service achten. Ist die Grafik hin, genügt nicht (wie beim Desktop) der Kauf einer neuen Karte - das Notebook muss eingeschickt werden. Besonders wichtig wäre hier eine Garantie, die spezifiziert, binnen welcher Zeit das Notebook (oder ein Ersatzgerät) wieder beim Anwender zurück ist. Denn was hilft der schönste dreijähige Abholservice, wenn eine Reparatur mehrere Monate dauert.

Leider bieten nur wenige Hersteller solche Garantien für Privatkunden an. Wer das Notebook nicht entbehren kann, etwa als Freiberufler, sollte sich auch bei den Profi-Geräten umsehen.

Auch in Sachen Stabilität lohnt sich der Blick auf Modelle für Business-Kunden mit ihren stabilen Metallgehäusen und Sicherungstechnologien. Die Zuverlässigkeit sollte einem dann auch den einen oder anderen 100-Euro-Schein mehr wert sein. Wer billig kauft, kauft eben auch bei Notebooks oft doppelt.

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[1] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39023409,39129744,00.htm
[2] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39023409,39134505,00.htm
[3] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39024702,39134664,00.htm
[4] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39023409,39133705,00.htm
[5] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39024706,39134227,00.htm
[6] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39023409,39136029,00.htm
[7] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39023409,39135101,00.htm
[8] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39023137,39121734,00.htm
[9] = http://www.intel.com/cd/products/services/emea/deu/notebook/chipsets/index.htm
[10] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39023137,39129499,00.htm
[11] = http://www.zdnet.de/mobile/notebooks/0,39024705,39131709,00.htm