Auf der Suche nach neuen Services verlassen Telekommunikationsanbieter ausgetretene Pfade und setzen verstärkt auf Videoinhalte. Auf Basis des Internet Protocol Television (IPTV) entstehen zurzeit Angebote, die sowohl im B-to-C als auch im Bereich B-to-C Geldquellen sprudeln lassen.
Fernsehen in einer neuen Dimension macht sich zurzeit unter dem Kürzel IPTV (Internet Protocol Television) weltweit breit. "Das Internet mit seinen vielfältigen Inhalten auf den Fernseher bringen", mit dieser simplen Definition beschreibt Joachim Wildt, Director Media & Communications bei der Pixelpark AG in Köln, die Technologie. Der Clou daran ist, dass sich mit IPTV das Unterhaltungsangebot im heimischen Wohnzimmer ausbauen lässt und es gleichzeitig Möglichkeiten im B-to-B etwa der Kundenbindung und dem Service am Point of Sales bietet.
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Die Analysten der Management Research Group (MRG) prophezeien IPTV ein explosionsartiges Wachstum: Die derzeit weltweit rund 2,1 Millionen User sollen sich bis ins Jahr 2008 mehr als verzehnfachen. Bedingt durch diese rosigen Aussichten haben über 100 Kommunikationsdienstleister digitale Fernsehdienste gestartet - zum Teil als Pilotprojekte. Nicht ohne Grund: Im klassischen Handy-Geschäft lassen sich kaum Margen erreichen, die Konkurrenz ist übergroß und der Durchbruch neuer Technologien wie GPRS und UMTS lässt weiter auf sich warten. TK-Anbieter wie die Deutsche Telekom, Swisscom (Bluewin), Tiscali, Telecom Italia und Arcor setzen daher auf neue Umsatzquellen und offerieren IPTV-Dienste, die im Wesentlichen Video-on-Demand-Programme, Service-Portale und Special-Interest-Themen bieten.
"Die Kabel-Provider sind auf dem Weg zum Triple-Play. Das heißt, sie wollen neben der Sprache und Daten nun auch verstärkt Video-Angebote über ihre Netze übertragen und schnüren mittlerweile recht lukrative Service-Pakete", erklärt Pixelpark-Fachmann Wildt weiter. Um die Angebote in nötiger Qualität empfangen zu können, ist eine hohe Bandbreite nötig: 9 Megabit Übertragungskapazität sollten es laut Uwe Schnepf, Director New Media Tiscali Deutschland schon sein, wenn das komplette Fernsehprogramm ins Internet eingespeist werden soll. "Doch das ist nicht unbedingt nötig. Im ersten Schritt reichern IPTV-Dienste das klassische Fernsehprogramm an, dazu lassen sich bereits mit einer Bandbreite von zwei Megabit qualitativ ansprechende Angebote bereitstellen", so seine Einschätzungen.Eine Set-Top-Box, die den digitalen Datenstrom in fernsehertaugliche Informationen wandelt, ist heute ab 100 Euro zu haben. Per Fernbedienung surft die Couch-Kartoffel dann durch die bunte Welt des Internet. "In der letzen Zeit gingen in Deutschland rund eine halbe Million IPTV-fähige Multimedia-PCs über die Ladentheke, die sich als Barebone-Rechner für Internet-TV nutzen lassen", hat Wildt in einer Pixelpark-Studie herausgefunden.
"IPTV ist derzeit ein globales Phänomen", wie Mike Couture Vice President of Solutions Marketing bei Amdocs in Toronto, beobachtet. Er stellt ein starkes Wachstum von IPTV-Angeboten in Asien und den USA fest. "In Deutschland ist der Markt dagegen noch verhaltend", erklärt der Marketing-Stratege. Als Gründe nennt Couture die starke Monopolstellung der Telekom, weshalb prozentual weniger Haushalte über breitbandige Zugänge verfügten als die meisten europäischen Nachbarländer. Doch seien die rund sieben Millionen User, die hierzulande inzwischen über DSL ins Web gelangen, eine gute Ausgangsbasis für IPTV-Services.
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| JOACHIM WILDT, PIXELPARK |
Sehr viel Bewegung beobachtet Naujoks dagegen im asiatisch-pazifischen Markt. Insbesondere Hong Kong ist dort Vorreiter bei den IPTV-Abonnenten (rund 420.000). Dort werde das Geschäft getrieben durch das Verschenken der Set-Top-Boxen und durch den Verkauf von Programmen. Doch noch geht die Rechnung nicht auf. "Zwar steigt der durchschnittliche monatliche Kundenumsatz beständig, liegt aber zurzeit nur bei rund der Hälfte des durchschnittlichen Kabel-TV-Umsatzes", erklärt Naujoks.Ein großes Potenzial versprechen sich neben der TK-Industrie der Handel und Versandhäuser von IPTV. So haben zum Beispiel Microsoft und die Otto Group im Frühjahr eine Partnerschaft bekannt gegeben, die das Ziel verfolgt, die "Shopping Experience der Zukunft" zu erforschen. Im Rahmen eines Pilotprojekts "Digital Lifestyle Shopping" soll dazu der Otto-Shop in die Windows XP Media Center Edition 2005 integriert werden. "Mit dieser Erweiterung unseres E-Commerce-Angebots - neben Internet und M-Commerce jetzt auch T(V)-Commerce - bringen wir den Point of Sale direkt ins Wohnzimmer unserer Kunden", erläutert Dr. Rainer Hillebrand, Vorstand Vertrieb, Marketing und E-Commerce bei Otto.
Auch Tiscali-Mann Uwe Schnepf weist auf das große Potenzial von IPTV hin. Es eigne sich insbesondere als preiswerte Lösung für Walk-by-TV als CRM-Instrument im Handel sowie für den Aufbau von Spartenkanälen und fördere die Entstehung von Nischenprogrammen und Qualitätsfernsehen. Auch Kurzfilmfestivals, Werbekanäle, Musik- und Sport-Communitys würden künftig verstärkt auf ITPV zurückgreifen, um kostengünstig ihre Special-Interest-Themen zu kommunizieren. "Die Möglichkeiten, die IPTV bietet, werden erst nach und nach erkannt. Jedenfalls ist es für Sender günstiger via Internet-Fernsehen in die Wohnstuben der Konsumenten zu gelangen, als teuere Sendeplätze auf einem Satellit oder im Kabel zu mieten."
| » IPTV steckt hierzulande in den Kinderschuhen. Die Telkos in Europa dürften die nächsten 12 Monate den Markt beobachten und nur in Testmärkte investieren. « |
| FRANK NAUJOKS, HEWSON GROUP |
| » Ziel für die Unternehmen ist es, die bestehende Infrastruktur auf IP-Technologie zu konsolidieren. IPTV ist ein Baustein dafür. « |
| MIKE COUTURE, AMDOCS |
Die Fachleute sind sich allerdings einig, dass die TK-Anbieter um ein IPTV-Angebot künftig nicht herumkommen, egal was es sie kostet, wenn sie nicht den Anschluss zum Mitbewerb verlieren möchten.