Die Welt in der Welt: Nanotechnologie auf dem Sprung

(http://www.zdnet.de/magazin/39134144/die-welt-in-der-welt-nanotechnologie-auf-dem-sprung.htm)

von Dietmar Müller, 23. Juni 2005

ZDNet wirft einen Blick in eine Dimension, die wir zwar sehen, nie aber Betreten werden können. Atemberaubende Landschaften in Molekülgröße waren auch Gegenstand des "Nano Trends"-Kongresses in München. Dabei wurde klar: Nano brennt der internationalen Industrie unter den Nägeln - "Es ist fast wie mit dem beginnenden Internet-Hype vor rund zehn Jahren".

Zum Auftakt des "Nano Trends"-Kongresses in München räumte Josh Wolfe, einer der führenden Nanotech-Analysten der USA und Vorsitzender der Nano Trends, mit gängigen Vorurteilen auf: "Wer glaubt, alle Produkte mit dem Zusatz Nano würden bald Riesengewinne abwerfen, der irrt", warnte Wolfe. Viele Experten schätzten Nano falsch ein und schürten zu viel Euphorie, so seine Kritik.

Das fange schon mit einzelnen Definitionen an: "Alle sprechen vom Nanotechnologie-Markt", so Wolfe. "Einen Nanotech-Markt gibt es aber genauso wenig wie Nanotech-Firmen oder Nanotech-Produkte." Stattdessen gebe es eine Art Wertschöpfungskette, entlang derer Produkte mit Nanoelementen entstünden: Aus Nanopartikeln produzierten Unternehmen Zwischenprodukte wie Oberflächen, Textilien oder Computerchips, die wiederum eingesetzt werden könnten in Autos, Medikamenten, Kleidung oder Elektronik.

Seine Prognose für einzelne Glieder dieser Kette: "Die meisten der 200 Start-up-Unternehmen, die derzeit ihr Glück in der Produktion einzelner Nanopartikel versuchen, werden scheitern. Auf diesem Markt werden sich langfristig eher Firmen wie Cabot, Degussa oder Dupont ausdehnen können." Quereinsteiger hätten dafür Chancen in den Zwischenstationen, also zum Beispiel der Halbleiter- oder Elektronikindustrie und auf dem Markt der Pharmakotherapie: "Hier können sogar neue Unternehmen die Führung übernehmen." Gestärkt würden vor allem aber die Branchen, die Fertigprodukte mit Nano herstellen.

Auch wenn Wolfe der Euphorie skeptisch gegenübersteht, nannte er doch zahlreiche Anzeichen für eine positive Entwicklung der Nanotechnologie. Nicht nur, dass mehr als 8,6 Milliarden Dollar im letzten Jahr weltweit für die Nano-Forschung ausgegeben wurden, auch die wichtigsten Key-Player sprechen sich für die Technologie aus: "General Electric räumt Nanomaterialien eine äußerst hohe Priorität ein." Zudem wachse die Anzahl der Patentanmeldungen für Nanoapplikationen enorm. Und schließlich berichteten auch die Medien verstärkt über die Technologie der kleinsten Teilchen, so dass die breite Öffentlichkeit die Entwicklungen wahrnehme. "Es ist fast wie mit dem beginnenden Internet-Hype vor rund zehn Jahren", erinnert sich Wolfe. "Nur mit dem Unterschied, dass es sich hier um eine Wissenschaft handelt".

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Galerie: IBM Nano - Nanotechnologie auf dem Sprung[1]

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Nach Rechnungen der DG Bank sei das Marktvolumen für Produkte, die mit Nano hergestellt worden sind, bereits auf einen Wert von 50 Milliarden Dollar gestiegen, erklärte Dr. Stephan Altmann von der BASF AG den Teilnehmern. Verständlich, dass die Industrie - und damit auch BASF - große Hoffnungen an Nano hänge: "Jede neue Erkenntnis über Nanotechnologie bringt uns einen Schritt weiter Richtung Innovationen und Profit", so Altmann. BASF setzt auf ein Top-Down-Verfahren: Das Unternehmen identifiziert Chancen am Markt und versucht anschließend, diese mit Erkenntnissen aus nanowissenschaftlichen Forschungen zu verbinden.

Parallel dazu untersucht BASF aber auch Risiken, die mit der Weiterverarbeitung von Nanopartikeln einhergehen: "Wir arbeiten engagiert daran, die Chancen und Risiken der Nanotechnologie nüchtern gegeneinander abzuwägen." Hierbei verlässt sich BASF nicht nur auf eigene Studien, sondern geht Forschungspartnerschaften mit wissenschaftlichen Institutionen und anderen Industrieunternehmen ein.

Teilnehmer am Kongress waren hauptsächlich Entscheider aus Branchen wie Chemie, Biotechnologie, Elektronik, Automobil sowie Plastik und Papierwaren. Sie kamen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den USA, Asien, Frankreich, Grossbritannien, den Beneluxländern, Russland, Skandinavien und Italien. Ergänzt wurde der Kongress von einer Fachausstellung, auf der Hersteller und Dienstleister ihre Produkte und Lösungen für Bio- und Nanotechnologie präsentierten. Darunter Bühler, Advance Nanotech, Accelrys LTD, Capsolution Nano Science, Nanogate Coating Systems, Biobase und Miltenyi Biotec.

Als weiterer Höhepunkt des Kongresses kann der Vortrag von Dr. Wolfgang Tröger, Patent- und Lizenzen-Manager der Garching Innovation GmbH, einer Organisation der Max-Planck-Gesellschaft, bezeichnet werden. Er erläuterte, dass sich die Arbeit seines Unternehmens derzeit auf vier Nano-Projekte konzentrierte: Halbleiter, Elektrolyte beziehungsweise Solarzellen, den Gecko-Effekt und Aderstreifen von metallischen Nanosystemen. Insgesamt referierten auf der Nano Trends mehr als 30 Experten aus den USA, Deutschland, Japan, Singapur, Taiwan, Frankreich, Österreich, Grossbritannien und den Niederlanden. Sie vertraten Firmen wie Clariant, Merck, Degussa, General Electrics, Kodak, BMW, Philips und Varta Microbattery.

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