Günstiger telefonieren mit VoIP: Die neuen Anbieter im Überblick

(http://www.zdnet.de/magazin/39133658/guenstiger-telefonieren-mit-voip-die-neuen-anbieter-im-ueberblick.htm)

von Joachim Kaufmann, 3. Juni 2005

Die Kunden versprechen sich billige Telefonate, die Anbieter ein dickes Zusatzgeschäft: Bei Voice over IP sind Probleme vorprogrammiert. ZDNet listet auf, welche Konditionen die neuen Telefonie-Anbieter wirklich bieten.

"Alle Welt redet über Internet-Telefonie, nur wenige nutzen es tatsächlich." So lässt sich die derzeitige Situation im Bereich Voice over IP zusammenfassend beschreiben. Doch die meisten scheinen dem Paket-basierten Telefonieren gegenüber nicht abgeneigt zu sein: Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Feldteam zeigen 60 Prozent der Befragten "zum Teil starkes Interesse" an Internet-Telefonie. Potential scheint also durchaus vorhanden.

Die Hauptmotivation, auch ihre sprachliche Kommunikation über das Netz der Netze abzuwickeln, dürfte für die meisten das Versprechen vom kostenlosen Telefonieren sein. Neue Nutzungsmöglichkeiten - beispielsweise aus jedem Breitband-Anschluss einen Telefonanschluss machen zu können - sind wohl für den überwiegenden Teil der Anwender eher zweitrangig.

Doch genau hier liegt das Problem: Das Versprechen kann bestenfalls teilweise eingelöst werden. Die Szenarien, die kostenlose Gespräche ermöglichen, sind nämlich eher rar. Auf jeden Fall möglich ist dies nur zu VoIP-Kunden des gleichen Anbieters. Die Nutzer anderer Dienstleister können nur dann unentgeltlich erreicht werden, wenn eine Netzzusammenschaltung besteht. Ist dies nicht der Fall, wird ein Telefonat kostenpflichtig übers klassische Festnetz geroutet und kostet dann genausoviel wie ein Gespräch zum Nutzer eines normalen Telefonanschlusses.

Gerade in den vergangenen drei Monaten sind VoIP-basierte Telefon-Flatrates in Mode gekommen, die alle Telefonate ins deutsche Festnetz abdecken. Sie werden meistens für rund zehn Euro angeboten. Je nach Gesprächsaufkommen stellt dies möglicherweise ein lohnende Option dar. Es ist ganz einfach, mit VoIP erste Erfahrungen zu sammeln. So bietet eigentlich jeder Instant Messenger heute die Möglichkeit, mit dem Online-Buddy ein paar Takte zu reden. Auch das von den Kazaa-Gründern entwickelte Skype hat es aufgrund der guten Sprachqualität und dem vergleichsweise problemlosen Betrieb zu bemerkenswerter Popularität gebracht.

Alle diese Tools haben mehrere Gemeinsamkeiten: Sie lassen sich nach Registierung, Download und Installation sofort nutzen, sind untereinander nicht interoperabel und bieten keine Festnetznummer (Skype bietet diese nur im Ausland) - für Anrufer aus dem normalen Netz ist der Nutzer also nicht zu erreichen. Also: niedrige Einstiegsbarrieren, niedriger Nutzwert.

Inzwischen sind aber zahlreiche VoIP-Angebote auf dem Markt, deren Funktionsumfang sie zur vollwertigen Alternative zum klassischen Festnetzanschluss macht. Sie beinhalten eine Festnetzrufnummer, die den Anwender von jedem Anschluss aus erreichbar macht, und erlauben das Telefonieren zu jedem anderen Telefonnutzer. Voraussetzung ist lediglich ein Breitband-Internet-Anschluss.

Diese Angebote bieten einen weiteren wichtigen Vorteil: SIP. SIP steht für Session Initiation Protocol und ist ein Standard für den Verbindungsaufbau zwischen zwei Gesprächsteilnehmern. Die SIP-Kompatibilität eines Anbieters hat zur Folge, dass jeder Hardware- und Software-Client genutzt werden kann, der mit diesem Standard arbeitet. Auf dieser Basis ist ein lebhafter Wettbewerb unter den Client-Anbietern entstanden. Angefangen von der einfachen Software-Lösung bis hin zur Nutzung des alten Festnetztelefons gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, über VoIP zu telefonieren.

In der auf den nächsten Seiten folgenden Übersicht sind dementsprechend nur Anbieter aufgeführt, die eine Festnetznummer bieten und SIP-kompatibel sind. Die Angebote wurden auf Basis der Einstiegsbarriere gegliedert. Auf der ersten Übersichtsseite sind Unternehmen zu finden, die VoIP völlig unabhängig von anderen Diensten bieten, auf der zweiten Seite Angebote, die an einen DSL-Anschluss gekoppelt sind. Die unten aufgelisteten Angebote sind nicht an andere Dienste gekoppelt und können von jedem Internet-Anwender mit Breitband-Anschluss genutzt werden. Zu beachten ist lediglich, dass nicht alle VoIP-Provider flächendeckend lokale Rufnummern zur Verfügung stellen. Eigentlich grundgebührenfreie Angebote, die eine Rufnummer nur gegen Aufpreis bieten, werden mit den zusätzliches Kosten aufgeführt.

VoIP-Anbieter
x mtl. Preis Voicemail Festnetz-Flat Festnetz/Mobilfunk Deutschland Festnetz UK/F/USA
AOL Phone Fun 2,00 ja 19,90 1,5/20 4,5
Bellshare Sipsnip Basic 1,95 nein nein 1,7 2/-/3
Dus.Net Dus Tel Starter 0,00 ja nein 1,49/23 2,39/2,32/1,81
Freenet Iphone Plus 2,90 nein 9,90 1/19 2,1
Indigo Networks Sipgate 0,00 ja nein 1,79/19,9 2,5/2,6,2,3
Nikotel Superspartarif 0,00 ja 19,90 1,5/22,7 1,5/2,5/1,5
Purtel Free 0,49 ja nein 1,78/27 -/2,9/2,9
Web.de Freephone 0,00 nein nein 1,49/22,9 4,8/4,8/3,9
Die unten aufgeführten Angebote können nur in Verbindung mit einem DSL-Anschluss desselben Unternehmens genutzt werden. Aufgrund der großen Bandbreite verfügbarer Angebote ist ein durch VoIP begründeter Wechsel des DSL-Providers aber nicht sinnvoll.

VoIP-Anbieter
x mtl. Preis Voicemail Festnetz-Flat Festnetz/Mobilfunk Deutschland Festnetz UK/F/USA
1&1 DSL-Telefonie 0,00 ja 9,99 1/24,9 9/9/1,9
Arcor Arcor@call plus 2,95 ja nein 2-3,5/23,9 8/8/12
Strato Iphone 0,00 nein 0,00 1/19 2,1
Tiscali Phone Flat 8,90 nur als Flat inklusive/23,9 4,9
Spötter nennen es bereits POTS (Plain Old Telephone System), doch so einfach gibt sich das klassische Telefonnetz nicht geschlagen. Im Call by Call-Zeitalter sind die Preise für Telefonie kräftig gesunken, und man muss sich ernsthaft fragen, ob und wann VoIP wirklich günstiger ist, insbesondere wenn noch hohe Anfangsinvestitionen - beispielsweise in Form eines VoIP-Routers - fällig sind.

Die Nutzung von VoIP lohnt sich nur dann wirklich, wenn viele der Gesprächspartner auf kostenlosem Wege - also rein Internet-basiert - erreicht werden können, oder ein Szenario besteht, bei dem aktuelle Call by Call-Tarife deutlich unterboten werden, wie dies insbesondere während der Hauptzeit oder bei Auslandstelefonaten der Fall ist. Für Vieltelefonierer ist möglicherweise noch eine VoIP-basierte Sprach-Flatrate eine lohnenswerte Option.