Mittelfristig soll der BTX-Standard die bisherige Gehäuse- und Bauteilform ATX ablösen. Vom neuen Standard erhoffen sich die PC-Hersteller eine kostengünstige und leistungsfähige Kühlung von PCs mit Intel-Prozessoren.
Die steigende Leistungsaufnahme von PC-Komponenten sowie Änderung in der Architektur resultiert in einer entsprechende Anpassung des PC-Gehäuses. Der derzeit aktuelle ATX-Standard wurde 1995 verabschiedet. Seither sind entsprechende Gehäuse, Netzteile und Mainboards für diese Bauform erhältlich.
Wenn ein neuer Standard verabschiedet wird, dauert es einige Zeit, bis sich dieser im Markt durchsetzt. In der Phase des Übergangs sind Gehäuse des aktuellen und zukünftigen Standards erhältlich. Anders als in der abgeschlossenen Welt von Apple ist der PC-Bereich durch eine Vielfalt von Herstellern gekennzeichnet. Eine Standardisierung ist von großem Vorteil, da damit die Kompatibilität der Komponenten gewährleistet ist. In ein ATX-Gehäuse passen demzufolge sämtliche angebotenen ATX-Mainboards. Somit können Anwender auch noch Jahre später unter Beibehaltung des PC-Gehäuses ihren PC mit leistungsfähigeren Komponenten ausstatten.
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| Die Entwicklung des PC-Gehäuses |
Der 2003 verabschiedete BTX-Standard (Balanced Technology Extended) wurde vor allem von Intel angetrieben. Die Motivation für den neuen Standard liegt hauptsächlich an der gestiegenen Leistungsaufnahme der PC-Prozessoren von Intel.
Damit verbunden ist eine immer aufwändigere und teurere Kühlung. Zudem sind Kühleinheiten für die schnellsten Intel-Prozessoren auch noch sehr laut. Im Business-Umfeld werden daher meistens PCs angeboten, deren Prozessor niedriger getaktet ist und damit weniger Wärme produziert als das aktuell leistungsfähigste Intel-Modell.
Der BTX-Standard soll vor allem im thermischen Bereich gegenüber ATX Vorteile bieten. Für PC-Hersteller soll es wieder einfacher und billiger werden, PCs mit Intel-Prozessoren herzustellen. Zudem sollen BTX-PCs leiser als vergleichbare ATX-Lösungen sein. Durch die verbesserte Thermik in einem BTX-Gehäuse sollen zudem kleinere Gehäuseformen möglich sein.
Für diesen Test steht ZDNet das BTX-Gehäuse B300A von Aopen und das BTX-Mainboard D915GMH von Intel zur Verfügung. Eine BTX-boxed-CPU (Pentium 4 mit 3,4 GHz) inklusive Kühleinheit stammt ebenfalls von Intel. Sämtliche Komponente sollen in Kürze im Handel erhältlich sein. Auf der Website von Aopen findet sich allerdings kein Hinweis auf das BTX-Gehäuse.
Der Aufbau eines PCs mit dem Aopen-Gehäuse und den dazugehörigen BTX-Komponenten - ein BTX-Netzteil (275 Watt) ist bereits im Aopen-Gehäuse integriert - gelingt dank einer sehr gut beschriebenen Anleitung problemlos.
Selbst die Montage des massiven BTX-Kühlkörpers mit 1,2 kg ist sehr einfach. Zusätzlich werden noch eine Serial-ATA-Festplatte von Maxtor und ein DVD-ROM-Laufwerk eingebaut. Insgesamt bringt das BTX-System 9,2 kg auf die Waage. Damit ist es etwa drei Kilo leichter als ein Standard-PC. Allerdings fehlt auch ein Disketten-Laufwerk, welches in dem System kein Platz mehr hat. Das Gewicht einer Grafikkarte muss ebenfalls noch hinzugerechnet werden.
Vorteile
Im Bild ist die massive schwarze Kühleinheit sehr gut zu erkennen. Diese saugt mit einem riesigen Lüfter mit einem Durchmesser von 12 cm und einer Tiefe von 3,7 cm die Luft von der Vorderseite des Gehäuses auf den mit Kupferkern bestückten Kühlkörper. Aufgrund seiner luftdurchlässigen Struktur gelangt die so angesaugte Luft auch auf den Chipsatzkühler. Eine eventuell eingebaute Grafikkarte wird ebenfalls gekühlt. Die Kühlleistung des BTX-Kühlsystems ist sehr gut. Im Vergleich zur bisherigen ATX-Boxed-Kühleinheit wird der Prozessor nicht mehr so heiß. Zudem werden die Systemkomponenten durch die BTX-Lösung ebenfalls gekühlt.
Nachteile
Die Festplatte ist unter dem DVD-Rom-Laufwerk eingebaut und befindet sich somit außerhalb des Luftstroms. Dies kann unter Umständen problematisch sein, wenn es sich bei der verwendeten Festplatte um ein aktuelles High-end-Modell handelt. Diese werden zum Teil sehr heiß. Ohne eine entsprechende Kühlung dürften diese bereits nach kurzer Zeit kaputt gehen.
Ebenfalls problematisch dürfte für die meisten Anwender die Lautstärke des Intel-Boxed-Lüfters sein. Dieser ist selbst bei unteren Drehzahlen deutlich hörbar. Auch der ständige Wechsel der Drehzahl ist nervtötend. Eventuell kann ein Bios-Update die Drehzahlsteuerung noch verbessern. Ist die Lüftersteuerung ausgeschaltet oder die CPU-Temperatur so hoch, dass der Ventilator mit der Maximal-Drehzahl von 3200 Umdrehungen pro Minute arbeitet, hört man den BTX-PC auch von mehreren Metern Entfernung. Für den Büro-Alltag ist dies nicht akzeptabel.
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| Das BTX-Gehäuse Aopen 300B mit entsprechenden Komponenten. |
Eventuell kommen aber in Sachen Geräuschkulisse leisere Kühleinheiten anderer Hersteller bald auf den Markt. Auch die Kühlung der Festplatte ist in dem Aopen-Gehäuse problematisch, da diese sich nicht im Luftstrom der Kühleinheit befindet.
Dass Intel den neuen BTX-Formfaktor in den Markt bringen will, ist aus Sicht des Prozessorherstellers sinnvoll. Die Kühlung seiner Pentium-4-Prozessoren ist für die PC-Hersteller sehr aufwändig und damit teuer. Mit über 100 Watt sind die Intel-Prozessoren auch sehr leistungshungrig. Anders bei AMD: Die neuen in 90-Nanometer-Technologie gefertigten Athlon-64-CPUs werden im Vergleich zu den aktuellen Intel-Prozessoren längst nicht so heiß. AMD hat denn auch verlauten lassen, dass man bisher noch keine Planungen in Richtung BTX angestellt habe. Warum auch? Aus AMD-Sicht besteht derzeit kein Grund dafür. Möglicherweise wird der Intel-Konkurrent mit der Vorstellung der Dual-Core-Athlons, die für Desktop-PCs im dritten Quartal erscheinen sollen, allerdings umdenken müssen.
Für Intel liegt die Zukunft indes eindeutig im BTX-Standard. Schon die aktuellen Prozessoren stoßen an die Grenzen der Kühlleistung von ATX-Systemen. Auch die bevorstehende Einführung der neuen P4-Chips mit 2 MByte L2-Cache dürfte den Trend in Richtung BTX beschleunigen. Nach bisherigen Erfahrungen könnte die Leistungsaufnahme der kommenden P4-Generation noch höher als bei den jetzigen Prescott-Modellen sein. Wenn Intel im dritten Quartal Dual-Core-Chips auf den Markt bringt, dürfte BTX die Hauptplattform sein. Bisher hat allerdings - bis auf Dell - noch kein anderer Hersteller BTX-Systeme im Angebot. Andererseits könnte die neue Bauform auch schnell wieder vergessen werden. Wenn Intel seine Centrino-CPU Pentium M für den Desktop vorstellen würde, bräuchte man BTX überhaupt nicht. Diese CPUs sind nämlich so stromsparend, dass ATX-Systeme noch Jahre zur Kühlung ausreichend wären.
Weitere Infos:BTX (Intel)[2]
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