Managerspielzeug Blackberry

(http://www.zdnet.de/magazin/39128235/managerspielzeug-blackberry.htm)

von Hermann Gfaller, 1. Dezember 2004

In den USA ist sind die mobilen E-Mail-Devices der Marke Blackberry längst Massenartikel, die mehr als eineinhalb Millionen Mal gekauft wurden. Nun soll der europäische Markt erobert werden - Vodafone, T-Mobile und die British Telecom sind schon im Boot.

Eigentlich schien die Entwicklung im Mobilgeräte-Markt vorgezeichnet. PDAs à la Palm verschmelzen mit Handys zu Smartphones und diese wiederum werden durch Breitbandtechniken wie UMTS oder Wireless-LAN zu schnellen Allzweckgeräten aufgerüstet.

Doch je kleiner und integrierter die Geräte sind, desto schwieriger gestaltet es sich, die vielen Funktionen zu bedienen. Wer schon einmal versucht hat, während eines Telefonats den Terminplaner auf dem Smartphone einzusehen, weiß wie kompliziert das werden kann. Wer sein Gerät zum Arbeiten nutzt und nicht zum Spielen (im weiteren Sinne), der schätzt einfache Bedienbarkeit. Hier liegen die Stärken des Blackberry[1] von Research in Motion (RIM). Auch wenn man damit auch telefonieren und seine Termine verwalten kann, handelt es sich beim Blackberry im Kern um ein mobiles E-Mail-Gerät.

In den USA ist der Blackberry längst ein Massenartikel, der eineinhalb Millionen Mal gekauft wurde. Nun soll der europäische Markt erobert werden. Tatsächlich stehen die Partner längst Schlange. Vodafone, T-Mobile und die British Telecom sind schon im Boot. Auch Anbieter von mobilen Business-Anwendungen haben ihr Interesse angemeldet.

Der Bedienungskomfort der Blackberry-Geräte beruht nur am Rande auf der vertrauten Qwertz-Tastatur. Von weit größerer Bedeutung ist die dahinter liegende Server-Architektur mit seiner Push-Technik. Sie sorgt zum Beispiel dafür, dass selbst bei einer langsamen Verbindung und umfangreichen Dateien Blackberry-User nie nervös auf die Beendigung eines Downloads warten müssen. Der Grund: Sie erfahren von der E-Mail erst, wenn der Pushdienst sie vollständig geliefert hat. Auch Arbeitgeber lieben den Blackberry, weil sie die Adminstration und Sicherheit des Dienstes weitgehend in der eigenen IT-Abteilung halten können. Im Unternehmen werden E-Mails und andere Firmendaten gesammelt, kopiert, verschlüsselt und an RIM weitergereicht, wo der Push-Server steht, der die Informationen via GPRS auf die Endgeräte überträgt.

Dass in den USA RIM die GPRS-Übertragung übernimmt liegt daran, dass es in den USA lange Zeit kein flächendeckendes Mobilfunknetz gegeben hat. Dieses Verfahren hat dazu geführt, dass Blackberries mit proprietären Techniken verwendet werden, die es den IT-Abteilungen manchmal schwer machen, die Dienste in vorhandene IT-Umgebungen einzubinden. Anders als bei den Gerätenutzern fallen hier auch die langen Übertragungszeiten des schmalbandigen GPRS-Netzes auf. In den Rechenzentren sind die Blackberries daher weit weniger beliebt als in den Management-Abteilungen. Das gilt umso mehr als es - wie eine Studie von Berlekon Research zeigt - eine Reihe gleichwertiger und manchmal sogar überlegene Alternativen mit Standardgeräten, Breitbandtechniken und offener Middleware gibt. Zudem fehlen hier die infrastrukturellen Nachteile der USA, die dort das Blackberry-Geschäft getrieben haben.Lässt sich angesichts dieser Unterschiede der Erfolg von RIM in Europa wiederholen? Dafür spricht das massive Interesse der Mobilfunkbetreiber an den Internet- und IT-Konkurrenz vorbei eigene Datendienste aufzubauen. Dagegen spricht das geringe Interesse vieler Anwender hier zu Lande ihr Handy als E-Mail-Client zu betreiben.

Das gilt nicht für Manager. Sie gelten als die ideale Zielgruppe für den Blackberry. Sie sind mehr als jede andere Gruppe von E-Mail-Kommunikation abhängig, ja manche definieren sich geradezu über die Zahl der E-Mails, die sie täglich beantworten müssen. Außerdem legen gerade Führungskräfte großen Wert darauf, dass ihre Arbeitsmittel problemlos funktionieren, ohne technische Fertigkeiten zu verlangen.

Die zentrale Frage lautet allerdings: Ist die Zielgruppe groß genug, um für RIM, die Netzbetreiber und die Applikationspartner attraktiv zu sein? Diese Frage werden sich vor allem die Mobilfunkanbieter und die Handyfabrikanten stellen, denn sie sind bislang eher im Massenmarkt tätig. Allerdings haben sie inzwischen erkannt, dass es nicht reicht, ihre Geräte mit Funktionen voll zu stopfen. Es zeichnet sich ein Trend ab, den Massenmarkt der Konsumenten mit anderen mobilen Geräten und Diensten zu beliefern als die Geschäftskunden. Blackberry zielt definitiv auf den Business-Bereich. Um jedoch mehr Käufer als nur die Manager anzusprechen, reicht das Argument einfacher E-Mail-Anbindung nicht. Erst zusätzliche Anwendungen wie etwa Customer Relationship Management (CRM) oder SAP-Einbindung kann die Zahl der potenziellen Nutzer auf ein rentables Niveau heben. Da es sich bei den Blackberries im Vergleich zu manchen Smartphones oder den Handhelds von Palm um relativ schlanke Geräte handelt, sind dem Wunsch, Außendienstmitarbeiter über Unternehmensapplikationen einzubinden, bislang allerdings deutliche Grenzen gesetzt. Ein weiterer Nachteil ist die proprietäre Technik von RIM. Längst stehen Middleware-Anbieter wie Sybase, Intellisync oder Extended Systems bereit, um ähnliche Dienste für Standard-Geräte anzubieten, die sich zukunftsträchtiger, einfach zu administrierender und offener Techniken bedienen.

Aber es geht nicht immer um Vernunft. Aus den oben genannten Gründen stehen die Chance gut, Manager für einen Blackberry zu begeistern. Sie werden besonders umworben, da es sich bei dieser Gruppe definitionsgemäß um Menschen handelt, die großen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen haben. Dem Vernehmen nach reicht es inzwischen, Mitglied in einem Golfclub zu sein, um eines der Geräte geschenkt zu bekommen.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.zdnet.de/mobile/pda/0,39023410,39116401,00.htm