ATIs neue Grafikchips X850 XT PE und X800 XL im Test

(http://www.zdnet.de/magazin/39128205/atis-neue-grafikchips-x850-xt-pe-und-x800-xl-im-test.htm)

von Kai Schmerer, 15. Dezember 2004

Nach der Vorstellung des Radeon X850 XT PE steht mit dem X800 XL ein weiterer Chip aus ATIs neuer X800-Serie bereit. Mit nur 299 Euro für eine entsprechende Grafikkarte ist der Einstieg in die High-end-Grafikwelt so günstig wie nie.

Im letzten Quartal hat ATI nach Angaben des Marktforschungs-Unternehmens Mercury Research im Grafikchip-Segment die Markführung übernommen. Klammert man die in Chipsätzen integrierten Grafikchips aus, kommt ATI im dritten Quartal 2004 auf einen Anteil von 59 Prozent, was einem Zugewinn von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahres-Quartal entspricht. Genau so viel hat Hauptkonkurrent Nvidia im gleichen Zeitraum eingebüßt und kommt nunmehr auf 37 Prozent.

Mit neuen Grafikchipmodellen will ATI den Marktanteil weiter ausbauen. Im Vergleich zu den bisherigen High-End-Modellen der X800-Serie (X800 XT Platinum Edition, X800 XT, X800 Pro, X800) werden die neuen Chips in einem neuen Produktionsprozess hergestellt. Die Verkleinerung der Fertigungsstrukturen von 150 auf 110 Nanometer bringt nach Angaben von ATI mehrere Vorteile. Zum einen steigt die Ausbeute pro Wafer, zum anderen sinkt die Leistungsaufnahme der Chips. Letzteres ermöglicht höher getaktete GPUs.

Insgesamt stellt ATI fünf neue Grafikchips für das High-end-Segment vor. Für das mittlere Preissegment stehen der X700 und der X600 parat. Im Low-end-Sektor bietet ATI den X300 an.

Update 15.12.2004
Inzwischen hat ATI auch einige Testsamples des X800 XL fertig. Im folgenden finden sich aktualisierte Benchmarks mit der preisgünstigen Variante der High-end-Serie. Zudem wurden die Preise für die X800-Serie gesenkt. Nach Angaben von ATI ist die Ausbeute besser als erwartet, so dass man die Produkte etwas günstiger anbieten kann. Eine Grafikkarte mit X800 XL kostet demnach statt 349 Euro nur noch 299 Euro. Ebenfalls 50 Euro günstiger sind Grafikboards mit X800, die jetzt 199 Euro kosten sollen. ATI erwartet entsprechende Produkte vereinzelt noch im Dezember 2004 im Handel. Mit einer breiten Verfügbarkeit wird für Januar 2005 gerechnet. Aufgrund der Preissenkung bei der X800-Serie hat sich ATI entschlossen, den X700 XT abzukündigen. Eine entsprechende Grafikkarte wäre mit 199 Euro genau so teuer wie eine Board mit X800 - aber mit deutlich weniger Leistung.

Neue Grafikchips von ATI
Radeon-Modell GPU-Takt Speichertakt Pixel-Pipelines Preis
X850 XT Platinum Edition 540 MHz 590 MHz 16 549 Euro
X850 XT 520 MHz 540 MHz 16 499 Euro
X850 Pro 520 MHz 540 MHz 12 399 Euro
X800 XL 400 MHz 500 MHz 16 299 Euro
X800 400 MHz 350 MHz 12 199 Euro
Im direkten Vergleich mit der Nvidia-Konkurrenz sahen bisher die ATI-Lösungen in puncto Stromverbauch relativ gut aus. Auch mit der neuen Radeon X850 XT Platinum Edition und X800 XL ändert sich daran nichts.

Bei ruhendem Windows-Desktop verbraucht der neue Radeon X850 XT Platinum Edition nicht mehr Leistung als der bisherige High-end-Chip Radeon X800 XT. Lediglich unter Volllast benötigt ein PC-System mit dem neuen Chip gut 15 Watt mehr. Im Vergleich zu den Geforce-Karten sind die ATI-Lösungen deutlich sparsamer. In der Einzelkonfiguration benötigt ein PC-System mit Geforce 6800 Ultra unter Volllast 35 Watt mehr Strom als der X850 XT Platinum Edition. Ein SLI-System liegt mit 389 Watt Leistungsaufnahme an der Spitze.

Wegen der aufwändigen Kühlung belegt eine Grafikkarte mit X850 Platinum Edition zwei Slots. Anders als bei Geforce 6800 Ultra-Karten bietet die ATI-Lösung allerdings den Vorteil, dass die Abwärme aus dem Gehäuse geblasen wird. Grafikkarten mit X800 XL benötigen im Vergleich zum X850 keine eigene Stromversorgung. Diese wird durch den PCI-Express-Steckplatz realisiert. Zudem ist die X800 XL auch schlanker als das High-end-Modell und benötigt keinen Platz neben dem PCI-Express-Slot.

Test
Die Kühleinheit des Radeon X850 XT Platinum Edition belegt zwar zwei Slots, bläst aber die Luft immerhin aus dem Gehäuseinnern.

Test
Die Kühleinheit des Radeon X850 XL entspricht den Lösungen, die schon auf der X700-Serie verwendet werden. Möglich ist aber auch eine Variante wie sie bisher auf der X800 XT und X800 Pro zum Einsatz kam. Diese sind zwar etwas aufwändiger, dafür aber leiser als die X700-Variante. Das Testsample war mit der leisen Kühleinheit ausgestattet.

Leistungsaufnahme eines Gesamt-PCs mit entsprechender Grafikkarte
Modell Volllast ruhender Windows-Desktop
Geforce 6800 Ultra SLI 389 Watt 203 Watt
Geforce 6800 Ultra 296 Watt 130 Watt
Radeon X850 XT PE 261 Watt 110 Watt
Radeon X800 XT 247 Watt 110 Watt
Radeon X800 XL 256 Watt 107 Watt
Geforce 6800 GT 285 Watt 123 Watt

Die Leistungsmessungen werden mit dem folgenden Testsystem durchgeführt. Die Geforce-Karten wurden zudem ohne die in der Standard-Einstellung aktivierten Optimierungen für anisotropische Filter durchgeführt. Mit diesen Settings erreicht die Darstellung in etwa die Qualität, die ATI-Karten bieten. Neu im Treiber-Panel der Geforce-Karten ist die Option "Negativ LOD Bias". Laut Nvidia sollte die Option bei einigen Spielen Qualitätsverbesserungen bringen. Bei der F1-Simulation F1 Challenge 99-02 konnten jedoch keine Verbesserung der Darstellungsqualität[1] beobachtet werden.

Testsystem und Einstellungen
Testsystem ATI Nvidia
Mainboard Asus A8N-SLI Asus A8N-SLI
Speicher 2 x 512 MByte DDR400 2 x 512 MByte DDR400
Treiber 6.14.10.6497 67.02
Auflösung 1600 x 1200 Bildpunkten 1600 x 1200 Bildpunkten
Sonstige Einstellungen 4x Antialiasing (AA), 8 x anisotropische Filterung (AF) 4x Antialiasing (AA), 8 x anisotropische Filterung (AF)
Betriebssystem Windows XP SP2 Windows XP SP2
Da sich an der prinzipiellen Architektur des X850 im Verlgeich zu seinen Vorgängern nichts geändert hat, entsprechen die ermittelten 3DMark-Werte in etwa den Erwartungen, die durch den höheren GPU- und Speichertakt abzusehen war.

Insgesamt erreicht der X850 XT Platinum Edition eine etwa 10 Prozent höhere Performance als der X800 XT. Überflügelt wird der neue ATI-Chip von der auf zwei Geforce 6800 Ultra basierenden SLI-Lösung. In der Einzelkonfiguration liegt der X850 XT Platinum Edition allerdings knapp 30 Prozent vor dem Geforce 6800 Ultra in Front.

Im Test der Kronprinzen kann sich der neue ATI X800 XL ebenfalls gegenüber dem Nvidia-Pendant 6800 GT behaupten. Interessanterweise ist der X800 XL trotz seinem um 100 MHz geringeren GPU-Takt etwas schneller als das bisherige Spitzenmodell X800 XT. Ein Blick auf die tatsächliche Taktrate des Chips ergab, dass dieser mit 412 MHz GPU und 513 MHz Speicher etwas höher getaktet ist, als die von ATI angegebenen Referenzwerte (400 MHz GPU, 500 MHz Speicher). Bei dem Testmodell handelt es sich aber nicht um ein speziell für die Presse getuntes Exemplar. Vielmehr wird der PCI-Express-Bus beim Asus-Mainboard A8N-SLI Deluxe mit dem neuesten Bios-Update (1003.002) etwas höher getaktet. Da der Grafikchip aus dieser Frequenz seinen eigenen Takt generiert, kommt es zu dieser leicht höheren Einstellung. Verifiziert wurde dieser Sachverhalt durch den Einbau der Geforce 6800 GT. Auch diese Karte lief mit 360 MHz GPU und 515 MHz Speicher etwas höher als spezifiziert.

Die anderen Modelle (Geforce 6800 Ultra, Geforce 6800 Ultra SLI, Radeon X850 XT Platinum Edition) wurden bereits vor zwei Wochen zum Launch der X850 XT getestet. Deren Taktfrequenzen in diesem Test entsprechen den jeweiligen Standard-Spezifikationen und sind nicht von dem höherern PCI-Express-Takt, der sich durch das aktuelle Bios eingeschlichen hat, betroffen. Leider musste ZDNet die X800 XL nach kurzer Zeit an die nächste Redaktion weiterreichen. Daher konnten keine Benchmarks mit der korrekten Taktfrequenz durchgeführt werden. Andererseits liegt die Erhöhung der Taktfrequenzen nur bei etwa drei Prozent, sodass dessen Einfluss insgesamt vernachlässigbar ist. Zudem ist der direkte Konkurrent (Geforce 6800 GT) ebenfalls mit einer drei Prozent höheren Taktung betrieben worden. Ein fairer Vergleich ist zwischen den beiden Kontrahenten somit gewährleistet.

Radeon X850 XT Platinum Edition

Der Blick auf die Einzeltests des 3D Mark verrät weitere Details. Wichtiger zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit einer Grafiklösung sind allerdings Tests mit aktuellen Spielen. Die Ergebnisse finden sich auf folgenden Seiten.

Radeon X850 XT Platinum Edition Radeon X850 XT Platinum Edition Radeon X850 XT Platinum Edition

Doom3 ist der Action-Klassiker des Jahres. Bei diesem Spiel sind die Geforce-Karten das Maß aller Dinge. Auch der neue X850 XT Platinum Edition muss sich dem Geforce 6800 Ultra geschlagen geben. In einer anderen Liga bewegt sich die SLI-Lösung, die für Doom3 wie geschaffen ist.

Dass beim Action-Klassiker von John Carmack die Nvidia-Karten so weit in Führung liegen ist einfach zu erklären: Das Spiel nutzt die OpenGL-API, die bekanntermaßen von Nvidia besonders gut unterstützt wird. Zahlreiche Entwickler stammen von der ehemaligen OpenGL-Schmiede Silicon Graphics, sodass es nicht besonders überraschend ist, dass die Geforce-Karten mit dieser Schnittstelle sehr gut zurechtkommen. Pech für Nvidia ist allerdings, dass nur die wenigsten Spiele diese Schnittstelle nutzen. Trotzdem: Wer Doom spielen will, tut dies besser mit einer Geforce-Karte.

Bei Direct3D-Spielen können sich die ATI-Lösungen deutlich besser schlagen. So erreicht der Radeon X850 XT Platinum Edition bei Rome Total War eine knapp bessere Performance als der Geforce 6800 Ultra im SLI-Modus. Hier ist auch der X800 XL gegenüber dem Geforce 6800 GT im Vorteil, während es bei Doom3 genau umgekehrt ist.

Radeon X850 XT Platinum Edition

Radeon X850 XT Platinum Edition Die Spiele von Codemasters sollten eigentlich auf Nvidia-Hardware besser laufen. Schließlich finanziert Nvidia die Spiele-Entwicklungen bei Codemasters mit.

Das Gegenteil ist allerdings der Fall. Weder bei Colin McRae Rally 4 oder beim Nachfolger kann die Geforce-Technik auch nur annähernd an die Performance der ATI-Lösungen herankommen. Selbst die SLI-Konfiguration reicht nicht aus, um den Radeon X850 XT Platinum Edition zu überflügeln.

Das Duell der Kronprinzen kann der Radeon X80 XL bei diesen Tests im Vergleich zum Geforce 6800 GT klar für sich entscheiden.

Radeon X850 XT Platinum Edition Radeon X850 XT Platinum Edition Auch bei Unreal Tournament schlagen sich die ATI-Chips sehr gut. Beim ersten Test funktionieren die Geforce-Karte mit den verwendeten Treibern 67.02 nur, wenn die Filter-Optimierungen ausgeschaltet sind.

Der zweite Test verläuft ohne Probleme. Die SLI-Lösung mit zwei Geforce 6800 Ultra ist bei diesem Test am schnellsten. In der Einzelkonfiguration liegen die Nvidia-Karten allerdings deutlich hinter den Radeon-Chips.

Radeon X850 XT Platinum Edition Radeon X850 XT Platinum Edition Bei Fifa 2005 liegen die Kontrahenten in etwa gleichauf. Probleme gab es mit dem Geforce, wenn die Optimierungen im Treiber 67.02 ausgeschaltet wurden. Dann stürzte Fifa 2005 ab. Die SLI-Konfiguration bietet bei Fifa 2005 nur kleine Vorteile.

Im Test mit Codename Panzers kann sich die SLI-Lösung klar an die Spitze setzen. In herkömmlicher Konfiguration mit einer Grafikkarte sind die ATI-Lösungen im Vergleich zu den Nvidia-Pendants im Vorteil.

Radeon X850 XT Platinum Edition Radeon X850 XT Platinum Edition Bei den für diesen Test berücksichtigen Renn-Simulationen sind die Radeon-Chips das Maß aller Dinge.

Selbst bei dem von Nvidia-Partner Codemasters entwickelten DTM Race Driver 2 haben die Radeon-Chips klar die Nase vorn. Die SLI-Lösung bietet bei diesem Spiel keine Vorteile. Bei F1 Challenge kann sich die Dual-Konfiguration besser in Szene setzen. Allerdings sind wiederum die Radeon-Chips klar im Vorteil. Nicht nur bieten diese die bessere Performance, auch in puncto Bildqualität[1] überflügeln sie die Nvidia-Konkurrenz.

Radeon X850 XT Platinum Edition Radeon X850 XT Platinum EditionMit 549 Euro ist der Radeon X850 XT Platinum Edition nicht gerade in Schnäppchen. Ähnlich ergeht es der SLI-Lösung mit zwei Geforce 6800 Ultra für die gut 1200 Euro bezahlt werden muss. Allein diese Preise machen klar, dass ein relevanter Marktanteil der High-end-Lösungen am Gesamtmarkt kaum existiert.

Wesentlich interessanter ist die zweite Reihe aus den High-end-Serien der Grafikchipfirmen. Hier streiten an vorderster Front der Radeon X800 XL und der Geforce 6800 GT um die Gunst der Anwender. Derzeit bietet hier der Geforce 6800 GT leichte Vorteile, weil der Chip bei etwa gleicher Leistung etwas günstiger als der ATI X800 Pro zu haben ist.

Mit dem jetzigen Produkt-Refresh von ATI könnte sich das Blatt aber wenden: Der X800 XL geht im Vergleich zum 6800 GT meist als Sieger vom Platz. Lediglich bei Doom3 bietet der Geforce klare Vorteile. Wie die Kanadier kurz vor der Vorstellung mitgeteilt haben, sollen Grafikkarten mit dem neuen Chip statt 349 nur noch 299 Euro kosten. Geht man von dem jetzigen Preis einer X800 Pro-Grafikkarte aus, würde damit der Preis für eine leistungsfähige High-end-Grafikkarten um etwa 150 Euro sinken. Die Wahrscheinlichkeit einer Preissenkung beim 6800 GT-Modell, das momentan bei etwa 400 Euro liegt, dürfte aufgrund der Konkurrenzsituation sehr hoch sein. Abzuwarten bleibt allerdings die tatsächliche Preisentwicklung am Markt. Bei der Vorstellung der X800 Pro ist ATI von einem Preis für ein entsprechendes Grafikboard von 399 Euro ausgegangen. Diese Prognose erwies sich aber als allzu optimistisch. Tatsächlich sind entsprechende Grafikkarten in der Regel für etwa 450 Euro erhältlich.

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[1] = http://www.zdnet.de/enterprise/client/0,39023248,39125640-11,00.htm