Doppelte Leistung mit Geforce-SLI und Nforce4

(http://www.zdnet.de/magazin/39128112/doppelte-leistung-mit-geforce-sli-und-nforce4.htm)

von Kai Schmerer, 26. November 2004

Der Nforce4 mit SLI-Support ist fertig. ZDNet hat die Lösung mit zwei Geforce 6800 Ultra und Asus A8N-SLI Deluxe getestet. In Sachen Performance gibt es neue Rekorde zu vermelden - in puncto Stromverbrauch aber auch.

Nvidias neue Chipsatzfamilie Nforce4 etabliert die neue Grafikschnittstelle PCI-Express für AMDs Athlon 64-Plattform. Damit steht nun erstmals der AGP-Nachfolger auch für den Athlon zur Verfügung.

Zusätzlich bietet Nvidias neuester Chipsatz Unterstützung für die hauseigene SLI-Technik. Damit können zwei Grafikkarten gleichzeitig in einem PC-System für das Rendering von 3D-Szenen genutzt werden.

Vom Nforce4 wird es insgesamt drei Varianten geben, die sich in puncto Preis und Leistung unterscheiden. Ein Mainboard mit Nforce4 soll nach Angaben von Nvidia zwischen 55 und 80 Dollar kosten. Platinen mit Nforce4 Ultra, die eine erweiterte Hardware-Firewall (Active Armor) und Unterstützung für Sata-II-Festplatten (3 GBit/s) bieten, sollen für 100 bis 150 Dollar erhältlich sein. Für die High-end-Gamer sind Boards mit Nforce4 SLI gedacht, die bis zu 200 Dollar kosten.

Für einen ersten Test der neuen PCI-Express-Lösung für den Athlon 64 steht das Asus A8N-SLI Deluxe zur Verfügung. Das Board soll in Kürze für circa 180 Euro im Handel erhältlich sein. Bereits verfügbar sind die SLI-fähigen Grafikkarten Asus EN6600GT.

Technische Daten der Nforce4-Chipsätze
Bezeichnung Nforce4 SLI Nforce4 Ultra Nforce4
Prozessorunterstützung Athlon 64 FX und Athlon 64 Athlon 64 FX und Athlon 64, Sempron Athlon 64 FX und Athlon 64, Sempron
PCI-Express (20 lanes) Flexibel Fixed (16,1,1,1) Fixed (16,1,1,1)
SLI-Support ja nein nein
Erweiterte Firewall (Active Armor) ja ja nein
SATA-Support 3 GBit/s 3 GBit/s 1,5 GBit/s
Raid-Support ja ja ja
Standard Firewall ja ja ja
USB-2.0 10 10 10
SATA/PATA-Anschlüsse 4/4 4/4 4/4
Kosten für entsprechendes Mainboard 199 Dollar 100 bis 150 Dollar 55 bis 80 Dollar

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Asus setzt für den SLI-Betrieb von zwei Geforce 6800 Ultra und einer High-end-Athlon 64-CPU für den Dauereinsatz mindestens ein Netzteil mit 450 Watt voraus. Empfehlenswert sind mehr als 500 Watt.

Das zeigen auch die Werte bezüglich der Leistungsaufnahme eines PC-Komplettsystems mit Asus A8N-SLI Deluxe, zweimal 512 MByte Corsair-Speicher 3200XL (2225), SATA-Festplatte Maxline III mit 250 GByte und einem Athlon 64 3800+. Als Netzteil kommt das Antec True 380SP mit einer Leistung von maximal 380 Watt zum Einsatz.

Während der 3D Mark 2005 abläuft, wird die maximale Leistungsaufnahme notiert. Allerdings wird dieser maximale Wert nur kurz erreicht. Während des 3D Mark 2005 schwankt die Leistungsaufnahme im SLI-Modus beispielsweise zwischen 290 und 389 Watt. Der ruhende Windows-Desktop mit aktiviertem Cool 'n' Quiet der Athlon-CPU ist die Basis für die Ermittlung der minimalen Leistungsaufnahme des Komplett-Systems.

Anhand der ermittelten Daten ist die Empfehlung von Mainboardhersteller Asus durchaus ernstzunehmen. Das SLI-System mit Strom zu versorgen, bringt das Antec-Netzteil an die Leistungsgrenze. Mit 389 Watt Leistungsaufnahme stellt das SLI-System von allen PC-Systemen im ZDNet-Labor einen neuen Rekord auf. Zu Abstürzen kam es während des kurzen Testzeitraums nicht. Allerdings gehen viele Fachleute davon aus, dass ein Netzteil, das ständig unter Vollast betrieben wird, innerhalb kurzer Zeit defekt ist. Ein modernes Netzteil mit ATX 2.0-Stecker (24-pin, EATX) und 500 Watt sind daher dringend zu empfehlen, wenn ein SLI-System übere längere Zeit betrieben werden soll.

Leistungsaufnahme SLI-System
Modell maximal (3D Mark 05) minimal (Windows-Desktop)
Geforce 6800 Ultra SLI 389 Watt 203 Watt
Geforce 6800 Ultra 296 Watt 130 Watt

Nvidia will in Kürze eine Liste von kompatiblen 3D-Spielen auf seiner Website veröffentlichen. Denn längst nicht jedes Spiel ist SLI-tauglich. Nur wenn ein Spiel in den Profilen des installierten Nvidia-Treibers - für den Test wurde die Forceware-Version 67.02 verwendet - auftaucht, ist ein einwandfreier Betrieb im SLI-Modus garantiert. Andernfalls profitiert das Spiel nicht von der zweiten Grafikkarte (EA F1 Challenge) oder stürzt sogar ab (Colin McRae 5).

Ist ein Spiel stark von der Leistung der CPU abhängig (CPU-limitiert), kann natürlich die SLI-Lösung nicht mehr Leistung erzielen als ein System mit nur einer Grafikkarte. Im Gegenteil: Durch den höheren Verwaltungsaufwand in einem SLI-System kann die Performance sogar geringfügig niedriger sein. Klar ist auch: Je höher die Auflösung, desto deutlicher werden die Vorteile eines SLI-Systems, da bei niedrigen Auflösungen wiederum die Leistung der CPU mitentscheidend für die Spieleperformance ist. Gleiches gilt für die Qualitätsfeatures wie Kantenglättung (Antialiasing) und anisotropische Filterung. Sind diese aktiv, bringt das SLI-System deutlich mehr als wenn diese Optionen ausgeschaltet sind.

Sind die Bedingungen SLI-freundlich (komplexes Spiel, hohe Auflösung und Filterung), dann kann die Leistungssteigerung durch zwei Grafikkarten bis zu 100 Prozent betragen. Ein solcher Effekt ist beim zweiten Test GT2 des 3D Mark 2005 zu beobachten. Mit 74 Prozent mehr Leistung ist der Performancezuwachs beim Doom3-Test ebenfalls eindrucksvoll. Auch Colin McRae 4 testiert dem SLI-System einen Leistungsvorsprung von 70 Porzent. Im Test mit Aquamark 3 ist ebenfalls eine deutliche Leistungssteigerung von 64 Prozent zu verzeichnen.

SLI-Benchmarks

Das Gesamtergebnis des 3D Mark 2005 steigt im SLI-Modus um 71 Prozent auf 4423 Punkte. Der Blick auf die einzelnen Archtitekturmerkmale (Textureinheit, Pixel- und Vertexshader) einer modernen Grafikkarte verrät weitere Details des SLI-Systems.

Bei den Textur- und den Pixel- und Vertex Shader-Tests hat die CPU an der Grafikperformance so gut wie keinen Anteil. Auch wenn der 3D Mark 2005 aufgrund seiner Technik nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Grafiperformance bei aktuellen Spielen zulässt, erlauben die Einzeltests einen interessanten Blick unter die Motorhaube des SLI-Systems. Im Vergleich zur Konfiguration mit nur einer Grafikkarte erzielt die SLI-Lösung bei den Tests nahezu die doppelte Leistung.


3D Mark 2005 (1600 x 1200, 4x Antialiasing, 8x anisotropische Filterung)
Modell Geforce 6800 Ultra SLI Geforce 6800 Ultra Leistungssteigerung
3D Mark 2005 Gesamtergebnis 4423 2581 71 Prozent
Single Texture 6144 MTexel/s 3118 MTexel/s 97 Prozent
Multi Texture 13844 MTexel/s 6995 MTexel/s 98 Prozent
Pixel Shader 113 fps 57 fps 98 Prozent
Vertex Shader Simple 92,1 MTexel/s 46,3 MTexel/s 99 Prozent
Vertex Shader Complex 57,9 MTexel/s 29,6 MTexel/s 96 Prozent
Das SLI-Debüt ist Nvidia eindrucksvoll gelungen. Maximal erreicht man mit einem SLI-System eine Verdoppelung der Grafikleistung bei den synthetischen Leistungstests. Damit zeigt Nvidia, dass das SLI-System prinzipiell funktioniert und den erhofften Performance-Gewinn bieten kann.

Für die Praxis weitaus wichtiger sind natürlich aktuelle 3D-Spiele. Auch in diesem Umfeld schlägt sich die SLI-Lösung sehr gut. Eine Leistungssteigerung von 74 Prozent unter Doom3 zeigt, wie stark der Performancezuwachs in der Praxis sein kann. Dass derzeit noch nicht alle Spiele mit der SLI-Lösung zurechtkommen, dürfte am frühen Stadium des SLI-Treibers liegen. In der Zukunft sollten diese Mängel bald beseitigt sein.

Der hohe Stromverbrauch eines SLI-Systems ist indes zu bemängeln. Klar ist auch, dass man mit einem SLI-System nicht unbedingt einen leisen PC bauen kann. Das allerdings dürfte die Anwender, die für eine solche Lösung in Frage kommen, relativ kalt lassen. Bei aktuellen 3D-Spielen ist die Geräuschkulisse meistens höher als die der Grafikkartenlüfter.

Aufgrund des hohen Lärmpegels ist eine SLI-Lösung auf Basis der für diesen Test eingesetzten Geforce 6800 Ultra für einen Arbeitsplatz-PC weniger geeignet. Allerdings sind auch SLI-Lösungen auf Basis des Geforce 6600GT bald im Handel. Dies könnte für Anwender, die mit SLI bis zu vier Monitore ansteuern wollen, durchaus interessant sein. Leider trafen die zwei Asus-Karten vom Typ EN6600GT nicht mehr rechtzeitig für diesen Test ein. Asus verlangt für diese Grafikboards jeweils 239 Euro. Noch günstiger sind die Asus-Modelle EN6600GT/TD und EN6600/ZD, die bereits ab 149 Euro erhältlich sind.

Klar ist, dass ein mit zwei Geforce 6800 Ultras betriebenes SLI-System zu den schnellsten Lösungen am Markt gehört. Besonders für Doom-Spieler gibt es derzeit keine bessere Alternative. Wie sich das SLI-System ingesamt zu den ATI-Karten schlägt, zeigt ein Test der neuen Radeon-Boards am kommenden Mittwoch. Dann wird die Radeon 850XL offiziell vorgestellt.

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[1] = http://www.zdnet.de/galerie/39128109/bildergalerie-nforce4-sli.htm#sid=39128112