ZDNet: Es gibt immer noch eine Vielzahl von Webseiten, die in Firefox nicht richtig angezeigt werden, da viele Website-Programmierer immer noch IE-optimierte, proprietäre HTML-Erweiterungen nutzen. Wie geht das Firefox-Entwicklungsteam mit diesen Kompatibilitätsproblemen um? Versuchen sie, Workarounds zu finden, um Sites mit proprietärem Code richtig anzuzeigen, oder hoffen Sie, dass sich die Entwickler irgendwann an die Standards halten?
Decrem: Es ist eine Kombination aus beidem. Während der letzten Jahre haben wir erhebliche Fortschritte gemacht. 98 Prozent der Websites werden in unserem Browser richtig dargestellt, aber wir wollen noch besser werden. Wir haben einen zweistufigen Ansatz: Die erste Stufe nennen wir "Quirks Mode", wo wir durch Änderungen an unserem Code viele dieser Dinge zu adressieren versuchen. Wenn wir Rendering-Probleme bei populären Sites erkennen, werden wir das in unserer Rendering-Engine berücksichtigen. Wir haben viele solche Dinge gemacht - wir sind also nicht Puristen in dem Sinne, dass wir sagen: "OK, das ist nicht standardkonform, also werden wir es nicht implementieren". Wir sind da deutlich pragmatischer. Wenn es möglich ist, unterstützen wir diese Dinge.
| » Anwender nutzen alle Arten von verschiedenen Browsern, Betriebssystemen und Geräten. Es ist für die Zukunft des Internet sehr wichtig, dass die Leute ihre Sites für die ganze Welt entwickeln, und nicht für eine bestimmte Browser-Plattform. « |
ZDNet: Es gab Spekulationen, wonach Google selbst an einem Internet-Browser arbeitet. Das neueste Gerücht ist nun, dass Google eine Allianz oder irgendeine Form von Zusammenarbeit mit Mozilla anstrebt. Ist da irgendetwas dran?
Decrem: Wir reden mit vielen Unternehmen über viele Dinge, aber wir äußern uns nicht zu Einzelheiten. Wir haben keine Partnerschaft in diese Richtung bekannt gegeben. Wir glauben, dass mit zunehmender Popularität von Firefox die Leute den wahren Wert der Applikation erkennen und viele Unternehmen aus der Industrie mit uns zusammenarbeiten und die Möglichkeiten unserer Technologien nutzen möchten. Das schließt große Portal-Anbieter, Web Services-Anbieter aber auch ISPs und PC-Hersteller mit ein. Wir glauben, dass all diese Organisationen dadurch klare Vorteile haben. Wir sehen, dass große Player nun sicherstellen, dass ihre Toolbars in Firefox richtig funktionieren. Sie kommen zu uns, damit wir ihnen dabei helfen. Wir glauben, dass OEM-PC-Verkäufer Firefox innerhalb des nächsten Jahres mit ihren neuen Systemen ausliefern werden. Wir werden viele Entwicklungen in diesem Bereich sehen, und wir hoffen, diese bald verkünden zu können.
ZDNet: Zum jetzigen Zeitpunkt steht Firefox beim Entwicklungsstand Release Candidate 2. Welche Änderungen können wir bis zur Vorstellung der 1.0 Final erwarten? Wird es irgendwelche Überraschungen geben?
Decrem: Nein, es gab im aktuellen Release lediglich Feintuning an einigen Features, und wir hoffen dass der Release Candidate das sein wird, was wir am 9. November ausliefern. Es wird exakt dasselbe Produkt sein. Das größte neue Feature der 1.0 Final wird die erstmalige, offizielle Verfügbarkeit von Firefox in ungefähr einem Dutzend Sprachen sein.
