Mehr DVD-Player als Notebook: Averatec Series 6200

(http://www.zdnet.de/magazin/39124607/mehr-dvd-player-als-notebook-averatec-series-6200.htm)

von Florian Kalenda, 3. August 2004

GUT
7,3
von 10 Punkten
Pro
  • DVD-Player-Betrieb ohne Booten
  • Fernbedienung
  • eher leicht
Contra
  • extrem kurze Akku-Laufzeit
  • nicht mehr aktuelle Leistung
Fazit:

Das Averatec 6200 hat klare Höhen und Tiefen. Wer unterwegs nur DVDs und CDs abspielen will und beim Arbeiten keine Top-Leistung benötigt, könnte bei dem preiswerten Gerät genau richtig liegen.

Das Averatec 6200 ist ein solides Widescreen-Notebook mit einem witzigen (und praktischen) Extra: Es kann ohne Booten des Betriebssystems Filme von DVD oder Video-CD abspielen.

Ein Blick auf die technischen Daten des Averatec 6200 lässt kaum vermuten, dass es sich um ein ganz neues Notebook handelt: Ein Athlon XP-M 2400+ gibt den Takt an. Auch die integrierte Grafik Sis M741, die bis zu 64 MByte des Hauptspeichers belegt, erscheint nicht ganz zeitgemäß.

Besser wirkt die Ausstattung mit vier Highspeed-USBs, einem CD-RW/DVD-ROM-Laufwerk (alternativ ist auch eine Kombination mit Dual-DVD-Brenner erhältlich), Widescreen-Display und DVD-Fernbedienung. Und wer das Averatec-Notebook als DVD-Player in Aktion gezeigt bekommt, wird es keineswegs antiquiert finden: Ohne Booten des Betriebssystems und ohne Nutzung des Prozessors spielt das Notebook Filme und Musik ab - laut Hersteller bis zu viereinhalb Stunden lang.

Ausstattung

Der Akku des Averatec 6200 wird an der Rückseite eingeschoben, unterhalb des 15,4-Zoll-Bildschirms. So findet man an der Rückseite keine Anschlüsse. Stattdessen sind rechter Hand ein VGA-Port für externen Monitor, zwei USBs, Video-Out und ein PC-Card-Steckplatz vom Typ II zu finden. Gegenüber, auf der linken Seite, gibt es zwei weitere USBs, übrigens Version 2.0: eine gute Ausbeute, die den Verzicht auf Firewire halbwegs kompensieren kann. Links finden sich auch die Buchsen für Netzwerk- und Modem-Stecker. Wer es lieber kabellos mag, kann das integrierte WLAN nach IEEE 802.11g nutzen (maximal 54 MBit/s).

An der Vorderseite hat Averatec die CD/DVD-Bedientasten untergebracht, dazu Buchsen für Mikrofon und Kopfhörer, sodass einer Nutzung als Jukebox bei geschlossenem Gehäuse nichts im Weg steht. Daneben findet sich auch eine Infrarot-Schnittstelle speziell für die mitgelieferte Fernbedienung im PC-Card-Format, die als Platzhalter im entsprechenden Slot aufbewahrt werden kann.

Während die Tastatur noch gut benutzbar ist (und überdies sinnvoll angeordnet, mit der Entf-Taste am oberen rechten Eck), kann das Touchpad frustrieren. Die Steuerung des Mauszeigers ist ruckartig und ungenau, das Bedienfald auch schlicht zu klein, was man von den beiden Tasten ebenfalls sagen kann. Die müssen schon fast mit Gewalt gedrückt werden, damit sie ansprechen. Eine externe USB-Maus ist hier fast Pflicht.

Rechtshänder profitieren im Winter zudem von der eingebauten Fingerheizung für Maus-Nutzer - rechts bläst ein Ventilator einen konstanten heißen Strahl aus dem Gehäuse. Das Geräusch ist dabei deutlich, aber wenigstens gleichbleibend - und dadurch weit weniger störend. Auch an der Unterseite finden sich ein Ventilator und mehrere Belüftungsöffnungen - auf einer weichen Unterlage sollte man das Notebook keinesfalls aufstellen.

Grund für den Aufwand ist der Athlon XP-M-Prozessor, der zwar im Vergleich zu seinem Desktop-Bruder etwas Strom spart, aber nicht so viel wie etwa ein Pentium-M- oder Transmeta-Prozessor. Er wird durch 512 MByte DDR333-Hauptspeicher ergänzt.

Der Athlon XP-M 2400+ entspricht mit der Verfügbarkeit von Mobile Athlon 64-Prozessoren seit Jahresbeginn 2004 nicht mehr dem aktuellen Stand im Portfolio von Hersteller AMD. Dennoch ist er natürlich eine solide CPU für ein Low-end-Notebook wie das Averatec 6200, und von Low-end kann man bei einem empfohlenen Verkaufspreis von 1149 Euro ohne Naserümpfen sprechen.

Gehemmt wird der XP-M 2400+ vor allem durch die Shared-Memory-Grafiklösung Sis M741, und zwar in doppelter Hinsicht: Zum einen belegt diese Grafik bis zu 64 MByte des Hauptspeichers, der damit für andere Aufgaben nicht mehr zur Verfügung steht, zum anderen schwächelt sie selbst, was 1176 Punkte im 3DMark 2001 SE belegen. Selbst Shared-Memory-Lösungen wie die von Intel können das Doppelte dieser Punktzahl erreichen, aktuelle Grafikchips für Notebooks mit 64 MByte eigenem Speicher das acht- bis neunfache.

Obwohl das Averatec 6200 also ein solides DVD-Notebook ist, empfiehlt es sich nicht für Multimedia-Anwendungen oder speziell Spiele.

Mit dem Business Winstone 2002 wird die Leistung eines Notzebooks beim Einsatz alltäglicher Standard-Software wie Word, Excel, Mail-Client oder Browser getestet. Das 6200 erreicht 26,5 Punkte, was seinen Einsatz als Arbeitsplattform nicht infrage stellt, aber doch wieder dem Low-end-Bereich entspricht.

Das Averatec-Notebook ist mit rund 2,75 Kilo relativ leicht für seine Preisklasse - die meisten Vertreter der Elektromarkt-Notebooks unter 1500 Euro wiegen über drei Kilo. Allerdings hat bei der Gewichtsabstimmung auch nur ein Standard-Akku mit 4400 mAh ins Gehäuse gepasst. Den saugen der Prozessor und vermutlich vor allem ein nicht gerade Energie-optimiertes Display schnell leer - in einer Stunde und zehn Minuten. Käufer des Averatec 6200 sollten darauf achten, beim Arbeiten immer eine Steckdose in der Nähe zu wissen - selbst wenn man mit defensiven Einstellungen 20 Minuten mehr Laufzeit herausbekomen kann.

Die kurze Akku-Laufzeit gilt allerdings nicht für den CD/DVD-Player-Modus, der ohne Booten des Betriebssystems und ohne Auslastung des Prozessors auskommt. Für diesem Modus drückt man einen Einschaltknopf an der Vorderseite, woraufhin das Laufwerk geöffnet werden kann. Die Bedienung erfolgt komfortabel über die Fernbedienung oder die Tasten an der Gehäusevorderseite. Hier gibt Averatec eine Laufzeit von 4,5 Stunden an, also ausreichend für zwei bis drei DVDs, und es gibt keinen Grund, diese Angabe zu bezweifeln. Im Test wurden zwei Super-Video-CDs und zwei Audio-CDs in Folge abgespielt.

Neben der guten Laufzeit im Player-Modus ist erfreulich, dass das Gerät überhaupt auch Video-CDs liest - und nicht nur DVDs. Auch MP3-Tracks können abgespielt und JPEG-Bilddateien angezeigt werden - über einen eingebauten Dateimanager werden die Ordner und Dateien selektiert. Allerdings wirken die Lautsprecher als limitierender Faktor - bei etwas größerer Lautstärke, wie sie nötig ist, sobald drei oder mehr Zuschauer im Raum sitzen, hallt die Stereo-Ausgabe des Notebooks unangenehm blechern nach, und man sollte externe Boxen verwenden - im Test kam die schlichte CD-Hülle mit eingebauten Lautsprechern von TDK zum Einsatz, die dem integrierten Klang dennoch haushoch überlegen war.Averatec ist ein in Deutschland noch junges Unternehmen, übrigens eine Tochter der koreanischen Trigem. Unternehmensvertreter zeigten im Gespräch mit ZDNet ein Bewusstsein dafür, dass man sich als namenloser Notebook-Assembler durch ordentlichen Support auszeichnen müsse. Derzeit gewährt Averatec zwei Jahre Abholservice, wobei allerdings der Akku nur ein halbes Jahr lang abgedeckt ist.

Die Website erweist sich noch als etwas mager: Sie besteht aus ein paar Downloads[1], eingedeutschten FAQs [2]und ein paar Hinweisen zu Service-Nummern.

Von Problemen mit der Lokalisierung zeugen auch die auf dem Bildschirm angezeigten Texte und Menüs des DVD-Players: Disque aufladen wird hier vom Abspiel gefolgt. Insgesamt wurden gute Vorsätze vorläufig nur unvollständig umgesetzt, was ein Mainstream-Publikum eher abschrecken dürfte.

Fazit

Das Averatec 6200 ist ein Mainstream-Notebook mit mittelmäßiger Leistung und sehr schwacher Akku-Laufzeit, das sich durch zwei Auffälligkeiten aus der Masse hervorhebt.

Erstens liegt das Gewicht niedriger als bei vergleichbaren Geräten der Preisklasse. Grund dafür ist die Ausrichtung von Averatec nach dem deutschen Firmenmotto "Die leichte Art der Mobilität". Wer für ein Klio weniger auf etwas Akkulaufzeit und Performance verzichtet, ist hier richtig.

Zweitens ist das Notebook ein sehr tauglicher tragbarer DVD- und CD-Player. Wer gerne die Diashow seiner Urlaubsbilder, das Heimvideo oder eine multimediale Präsentation samt Abspielgerät mit sich tragen möchte oder auch nur etwas Unterhaltung für einen langen Flug verlangt, kann das 6200 dazu gut nutzen. Hier erweist sich auch der Akku nicht gleich als limitierender Faktor.

Wer eher geringe Ansprüche an ein Notebook hat, aber die Funktion eines tragbaren DVD-Players viel nützen kann, den wird der Preis des Averatec 6200 bestimmt überzeugen - auch wenn keine Software im Paket enthalten ist.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.averatec.de/download.htm
[2] = http://www.averatec.de/faqover.htm