Wer jemals Tom Wolfes "Fegefeuer der Eitelkeiten" gelesen hat, wird nie vergessen, wie der Romanheld vorrechnet, dass ein lumpiges Jahresgehalt von einer Million Dollar zum Überleben einfach nicht ausreicht. Derart kleinlichen Geldproblemen sind die Microsoft-Gründer Bill Gates und Steve Ballmer längst entwachsen.
Sie leiden vielmehr am Erfolg der 80er und 90er Jahre. Damals haben sie erfolgreich mit immer neuen Features zuerst den Betriebssystem-Markt aufgerollt, dann die Märkte für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, PC-Datenbanken, E-Mailsysteme und so weiter. Der Lohn einer aggressiven Eroberungsstrategie: Nach wie vor liefert das Office-Paket den Löwenanteil an Umsatz und Gewinn. Die Strafe: Das Unternehmen findet keinen Ausweg aus der Office-Falle. Dabei sind anhaltende Dauerprozesse wegen der rüden Marktverdrängungs-Methoden lästig aber eher nebensächlich. Hier kann man sich freikaufen.
Das eigentliche Problem liegt in dem erfolgreichen aber alles andere als zukunftsträchtigem Geschäftskonzept. Schon vor Jahren haben die Microsoft-Manager erkannt, dass die Anwender mit den immer neuen Features eigentlich nichts mehr anfangen können; ja, dass sie die Software monströs aufblähen, schwerfällig machen und die Produktivität zum Stillstand bringen, sobald der User auf die Suche nach einer länger nicht mehr genutzten Funktion geht. Aber dennoch: Neue Versionen von Windows oder Office werden immer wieder über neue Features angepriesen. So lobt das Unternehmen derzeit die Projekt-Management-Funktionen des im Juni freigegebenen Office 2004 für MacOS X. Das Schlimmste daran, das Konzept funktioniert noch immer. Nicht, weil es sehr viele Microsoft-Kunden mit Apple-Computer gäbe, die Projekte im Team planen müssten. Die neue Funktion wird gebraucht, um zu verdecken, dass der Kauf der jeweils aktuellen Microsoft-Software längst zum Ritual verkommen ist.
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