Gerade wurde die aktuelle Liste der 500 leistungsstärksten Supercomputer veröffentlicht. IBM macht darauf eine gute Figur, auch wenn es aktuell keine Spitzenposition vorweisen kann. Grund genug für ZDNet, sich mit dem Deep Computing Manager EMEA von IBM, Ian Green, zu unterhalten.
ZDNet: Die gerade veröffentlichte Liste der Top 500 Supercomputer[1] weist IBM als den Hersteller mit der größten Anzahl installierter Superrechner-Systeme aus. In der Liste stehen 224 Systeme von IBM. Zusammen verfügen sie über eine Supercomputing-Power von 407 Teraflops (Trillionen von Berechnungen pro Sekunde). Damit kommen 50 Prozent der gesamten Prozessor-Leistung der 500 größten Rechnersysteme von IBM. Sie müssen ein glücklicher Mann sein, Herr Green! Was ist Ihr nächstes Ziel?
Green: Unser Ziel ist es, die Nummer 1 auf der Liste zu sein! Und wir erwarten, dass Blue Gene[2] genau dort sehr bald stehen wird.
ZDNet: Leider wird diese Position nach wie vor vom Earth Simulator[3] von NEC gehalten. Wann und wie werden Sie Blue Gene zu einem größeren System ausgebaut haben?
Green: Eine Installation von Blue Gene, die auf jeden Fall größer sein wird als der Earth Simulator, wird es etwa zur Mitte des kommenden Jahres geben.
ZDNet: Der auf Platz vier vorgerückte Blue Gene-Prototyp hat bereits heute eine Peak-Leistung von 16 Teraflops und integriert mehr als 8000 PowerPC-Prozessoren. Damit hat er lediglich 1/16 seiner Endausbaustufe erreicht. Sind folglich 256 Teraflops Ihr Ziel? Wie viele PowerPC-Prozessoren benötigen Sie dafür?
Green: Eigentlich steht Blue Gene aktuell auf Platz vier und acht. Tatsächlich handelt es sich um zwei kleine Teile des geplanten Blue Gene-Gesamtkonzeptes. Dieses wird mit um die 15.000 PowerPC-Prozessoren bestückt sein. Wir hoffen damit auf rund 300 Teraflops.ZDNet: Nur IBM setzt im Bereich der Supercomputer auf den PowerPC-Processor. Was halten Sie denn vom Opteron, dem Liebling der Open Source-Community?
Green: Der Opteron ist eine klasse Maschine, nicht von ungefähr findet sich in der Supercomputing-Liste eine ganze Reihe von Systemen mit dem Opteron. Wir waren ja selbst die ersten, die Opteron-basierte Linux-Cluster vorgestellt haben. Natürlich sind wir aber auch bei Intel-basierten Clustern und nun eben welche mit PowerPCs engagiert. Sie eignen sich alle für unterschiedliche Aufgaben, wir richten uns da ganz nach den Anforderungen des Kunden.
ZDNet: Wofür eignet sich denn der PowerPC besonders?
Green: Nun, der PowerPC-Prozessor kommt in einer ganzen Reihe von Anwendungen zum Einsatz, ist also sehr flexibel. Denken Sie nur an die ganzen Spielekonsolen, in denen er seinen Dienst verrichtet. Das sind natürlich keine Supercomputer, aber man könnte all diese Konsolen zusammenschließen und hätte ein exzellentes System zur Verfügung. Ähnlich verhält es sich ja mit Blue Gene.
ZDNet: Sie werden also auch weiterhin auf den PowerPC setzen?
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ZDNet: Und in ihren Blade-Servern.
Green: Genau.
ZDNet: Wird sich der Itanium jemals im Bereich der Supercomputer durchsetzen können?
Green: Wir bauen auch Maschinen mit Itanium-Prozessoren, können dafür aber weit weniger Nachfrage feststellen, als wir das für unsere anderen Angebote tun. Gerade im Vergleich zu den neuen Xeon-Chips von Intel ist die Nachfrage bescheiden.ZDNet: Nicht wenige bezeichnen den Itanium als Fehlentwicklung.
Green: Es ist nicht meine Aufgabe, das zu kommentieren. Fest steht aber, dass der Itanium nicht so erfolgreich ist, wie sich das einige Leute ausgerechnet haben.
ZDNet: Mit dem Sparc-Prozessor von Sun verhält es sich wohl ähnlich. Er befindet sich auch auf dem absteigenden Ast.
Green: Es ist sehr teuer, sich eine Programmierer-Gemeinde für einen Prozessor zu halten und die CPU stets auf dem neusten Stand zu halten. Der Grund, warum wir mit dem PowerPC-Prozessor Erfolg haben, ist seine weit reichende Einsatzfähigkeit in den unterschiedlichsten Produkten. Eigentlich verfügt auch Intel über eine vergleichbar große Basis, genauso AMD. Die Masse macht's in diesem Fall.
ZDNet: Also nochmal: Wenn Sie von den unterschiedlichsten Produkten sprechen - wo und wie kommt den der PowerPC zum Einsatz, außer in den bereits genannten Feldern?
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ZDNet: Letzte Frage: Welche Art von Linux kommt bei Blue Gene zum Einsatz?
Green: Das Frontend ist im Moment mit Suse Linux bestückt, es wird demnächst aber wieder auf Red Hat umgestellt. In Zukunft soll beides unterstützt werden. Im Processing Unit ist ein High Performance Kernel im Einsatz.
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