Zukunftsvisionen von Open Text und Ixos

(http://www.zdnet.de/magazin/39122002/zukunftsvisionen-von-open-text-und-ixos.htm)

von Hermann Gfaller, 30. April 2004

Auf der Open Text-Hausmesse LinkUp Europe geht es vor allem darum, Kunden von der Vision zu überzeugen, die das Unternehmen schon auf der CeBIT unter dem Schlagwort Enterprise Content Management angekündigt hat.

Zum ersten und vermutlich letzten Mal wird die die Open Text-Hausmesse LinkUp Europe[1] zusammen mit der neuen Konzerntochter Ixos veranstaltet. Grund für den gemeinsamen Auftritt ist, dass die Übernahme des Münchner Archiv- und SAP-Spezialisten rechtlich noch nicht gänzlich abgeschlossen ist. Nun geht es darum, vor allem die Ixos-Kunden von der Vision zu überzeugen, die Open Text-Chef Tom Jenkins schon auf der CeBIT unter dem Schlagwort Enterprise Content Management (ECM) angekündigt hat.

Unter ECM muss man sich einen Workflow für unstrukturierte Daten (E-Mails, Texte, multimediale Dokumente) vorstellen, der die strukturierten auf Datenbanken beruhenden Geschäftsprozesse à la SAP begleiten soll. Von Bedeutung ist ein solcher Workflow wegen des immensen Einflusses, den inzwischen E-Mails oder Vertragsvarianten auf die Geschäftstätigkeit nehmen. Ähnlich wie beim klassischen Dokumenten-Management geht es darum, dass bei allen, die Geschäftsprozesse begleitenden, Dokumente oder E-Mails nachvollziehbar wird, wer, wann welche Änderungen vorgenommen hat. Vorgeschrieben sind solche Historien schon jetzt beim Herkunftsnachweis von Lebensmitteln. Künftig soll jede E-Mail, so die Vision, seine ganze Geschichte mit sich führen.

Vom Plan zur Vision wird Jenkins Plan, zum ECM-Weltmarktführer zu werden, weil keine Unternehmen allein ein solches Projekt bewältigen kann. Es mag mit Hilfe von Zukäufen wie Gauss Interprise und Ixos gelingen, firmenintern einen kompletten Workflow von der Informations-Generierung bis zur Archivierung zu definieren und mit Produkten zu unterstützen. Information Lifecycle Management (ILM) heißt das dazugehörige Schlagwort, dem sich die gesamte Speicherbranche verschrieben hat. Doch sobald die Unternehmensgrenzen überwunden werden müssen, wie beim E-Mail-Einsatz, ist das Konzept auf allgemein anerkannte Standards angewiesen. Gerade in diesem Mangel sieht Jenkins seine Chance. 500 Millionen Dollar will er in die Entwicklung von Techniken investieren, die Brücken zu den unterschiedlichen Produkten schlagen sollen, gleichgültig ob mit Gateways, Web-Services, XML oder anderen Techniken. „Doorways“ heißt das Konzept bei Open Text. Konkrete Zeitpläne gibt es für die Unterstützung von Unicode für Livelink (Herbst 2004), Ixos (Mitte 2005), Linux-Versionen bis Ende dieses Jahres und die Verwendung von Java-Modulen in Livelink. Bis Anfang 2005 soll zudem eine Service Oriented Architecture (SOA) aufgebaut werden. Stemmen lässt sich dieses Mammut-Projekt jedoch nur Schritt für Schritt. Zuerst geht es darum, die für ECM nötigen Metadaten über den gesamten Information Lifecycle verwalten zu können. Dafür ist das Repository der Ixos-6-Suite vorgesehen, die momentan in die Livelink-Umgebung von Open Text integriert wird. Als ausgesprochen wertvoll insbesondere für die Storage-Industrie erweist sich die Erfahrung von Ixos bei der Klassifizierung von Inhalten. Im nächsten Schritt sollen E-Mails einbezogen werden. Darüber hinaus deutete Jenkins an, dass er die SAP-Erfahrung von Ixos einsetzen möchte, um unstrukturierten Daten zuerst an die ERP-Software aus Walldorf anzubinden, bevor er andere Systeme angeht. Vorgestellt wurden auf der Hausmesse bereits Server-Erweiterungen für Microsofts E-Mail-System Outlook und Lotus Notes. Unter anderem sollen sich Nachrichten nach unternehmensspezifischen Kriterien sortieren lassen. Eine erste Komponente der ECM-Roadmap liefert Open Text jetzt im Mai mit „Livelink Web Content Management Server“ aus, einer umfassenden Lösung für das Management von Websites, Intra- und Extranets.

Weitere Bereiche für ECM wie Web-Content-Management, Collaboration oder Business-Process-Management propagiert Jenkins in einem in München vorgestellten Buch zum Thema. Schon jetzt sieht Jenkins das Gespann aus Open Text und Ixos als Marktführer in diesem – allerdings noch relativ unbedeutenden – Geschäftsfeld. Eigenen Angaben zufolge liegt das Unternehmen mit einem Umsatz von 440 Millionen Dollar vor Filenet (400 Millionen Dollar) und der IBM mit 350 Millionen Dollar und dem inzwischen von EMC aufgekauften Konkurrenten Documentum (280 Millionen Dollar).

Fragen zur Fusion mit Ixos wischte der CEO vom Tisch. Es sei nötig gewesen, Mitarbeiter zu entlassen; hier zu Lande werde es eine Mannschaft von rund 400 Mitarbeitern vor allem am Standort München geben. Für Jenkins scheint die Übernahme längst gelaufen zu sein. Ihm geht es nun vor allem darum, die Produkte der beiden Unternehmen möglichst rasch zu integrieren, um seine ECM-Vision wahr werden zu lassen.

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[1] = http://linkup-europe.opentext.com/munich/