CeBIT 2004: Innovationen bei Systemkomponenten

(http://www.zdnet.de/magazin/39120317/cebit-2004-innovationen-bei-systemkomponenten.htm)

von Kai Schmerer, 10. März 2004

In Sachen Prozessoren, Grafikkarten und Speicher hat die CeBIT dieses Jahr viel Neues zu bieten. Aber nicht alles wird gezeigt.

Für AMD dürfte das Jahr 2004 dank der Athlon 64-Prozessoren deutlich erfolgreicher verlaufen als das vergangene Jahr. Die AMD-Prozessoren liegen nun wieder gleichauf mit den Intel-Chips.

In einigen Bereichen erzielen sie sogar deutlich bessere Werte als Penitum 4-Prozessoren. Zudem kommen einige Leistungsvorteile, die mit typischen Benchmarks nicht ermittelt werden. Wer einmal Windows XP auf einem Athlon 64-PC installiert hat, wird von der Schnelligkeit der AMD-Chips überrascht sein. Ebenso verlaufen die Ladevorgänge bei vielen Applikationen - besonders bei Spielen lässt sich dies beobachten - deutlich schneller ab als mit vergleichbaren Intel-Chips. Hier scheint sich die Hypertransport-Technik besonders positiv auf die Leistung auszuwirken.

Neben der Möglichkeit 64-Bit-Programme auszuführen, verfügen die AMD-Prozessoren noch über ein weiteres Feature, das man bei Intels Desktop-Prozessoren vergeblich sucht. Mit der so genannten Cool ’n’ Quiet-Technik lässt sich mit den AMD-Prozessoren deutlich Strom sparen. Der Chip taktet bei Bedarf die Frequenz von 2 GHz (3200+) respektive 2,2 GHz (3400+) auf 800 MHz herunter und senkt die Betriebsspannung ab. Ein leises und stromsparendes PC-System ist somit relativ einfach realisierbar.

Im Serverbereich dürften auf der CeBIT zahlreiche neue Opteron-Lösungen präsentiert werden. Immer mehr Hersteller setzen auf den AMD-Chip. Inzwischen ist sogar Itanium-Mitentwickler HP zur AMD-Seite übergelaufen. Einzig DELL verweigert sich standhaft der innovativen Technik und will auf den Xeon mit AMD64-Technik warten. Dieser ist für den Frühsommer angekündigt.

Immer populärer: der Athlon 64 könnte AMD im Jahr 2004 endlich einmal Gewinne bescheren
Immer populärer: der Athlon 64 könnte AMD im Jahr 2004 endlich einmal Gewinne bescheren.
Das sieht bei Intel ganz anders aus. Die neue Prescott-CPU, die im Februar vorgestellt wurde, hat eine typische Leistungsaufnahme von über 100 Watt. Unter voller Belastung liegt der Stromverbrauch sogar noch höher. Entsprechend aufwändig ist daher die Kühlung der Chips. Die Freude über den Pentium 4 mit ein MByte L2-Cache hält sich daher bei den PC-Herstellern in Grenzen. Möglicherweise wird schon allein der hohe Stromverbrauch der Prescott-CPU viele Hersteller dazu ermutigen, über ein professionelles PC-System auf Basis der Athlon 64-CPU nachzudenken. Intel hat inzwischen eine Prescott-Version (neues Stepping) angekündigt, die weniger Strom verbrauchen soll. Vielleicht ist ja zur CeBIT schon etwas davon zu sehen.

Die Highend-Prozessoren Athlon 64 FX und Intel Pentium 4 Extreme Edition sind nur etwas für Leute, die für 10 Prozent mehr Leistung 100 Prozent mehr Geld ausgeben wollen. Der P4 mit 3,4 GHz soll etwa 500 Dollar kosten, während für die Extreme Edition knapp 1000 Dollar verlangt werden. Der Athlon 64 FX ist mit knapp 800 Dollar zwar günstiger. Mit den Zusatzkosten für registered DDR400-Speicher und für das teurere Mainboard, kommt man aber auch auf einen Preisunterschied von 100 Prozent im Vergleich zu einer herkömmlichen Konfiguration mit Athlon 64 3400+.

Auf der CeBIT wird AMD die nächste Version der Highend-CPU vorstellen. Im Mai soll bereits die nächste Ausbaustufe FX-55 mit 2600 MHz erscheinen. Zu diesem Zeitpunkt werden auch neue Athlon-64-Prozessoren für den Sockel 939 erwartet. Diese CPUs bieten wie die FX-Varianten einen integrierten Dual-Channel-Memory-Controller, können aber mit herkömmlichen DDR400-Modulen zusammenarbeiten. Allerdings ist der L2-Cache der neuen Desktop-Athlons auf 512 KByte begrenzt.

Noch mehr Vorteile bieten die AMD-Prozessoren, wenn Microsoft Windows XP 64-Bit-Edition vorstellt. Bis Mitte des Jahres soll es soweit sein. Entsprechende 64-Bit-Spiele sind bereits angekündigt. Möglicherweise plant auch Intel die 64-Bit-Erweiterung von AMD zu unterstützen. Allgemein wird davon ausgegangen, dass spätestens 2005 Intel eine entsprechende 64-Bit-CPU auf Basis der AMD-Technik vorstellen wird.

Windows XP 64 Bit Edition
Microsoft will 2004 Windows XP für Athlon 64 vorstellen.

In Sachen Systemplattform wird sich 2004 ebenfalls einiges ändern. Mitte 2004 dürften die ersten BTX-Platinen auf den Markt kommen. In Verbindung mit neuen BTX-Gehäusen soll diese Plattform vor allem eine effizientere Kühlung bieten. Nötig wird dieser Schritt, weil moderne Prozessoren immer mehr Strom verbrauchen und die für diese CPUs nötige Kühlung immer teurer wird. Mit BTX soll der Aufwand der PC-Hersteller in Sachen CPU-Kühlung deutlich geringer sein. Erste PCs auf BTX-Basis sollten auf der CeBIT zu sehen sein.

Zudem wird das Design von Mainboards aufgrund einer effektiveren Anordnung der Systemkomponenten einfacher und damit billiger. Mit dem neuen Design ändert sich auch der Grafiksteckplatz. Statt AGP heißt es in Zukunft PCI-Express x16. Allerdings wird es voraussichtlich erst einmal ATX-Platinen mit dem neuen Grafiksteckplatz geben. 2004 werden sowohl AGP als auch PCI-Express-Grafikkarten im Handel zu finden sein. Ab 2005 soll es dann in der Mehrzahl nur noch Grafikboards mit dem neuen Interface geben. Auf der CeBIT werden die Mainboard- und die Grafikkarten sicher entsprechende PCI-Express-Produkte zeigen.

Die ersten Chipsätze, die DDR2-Speicher unterstützen sollen noch im Frühjahr 2004 erscheinen. Vielleicht kann man schon zur Cebit 2004 einen ersten Blick auf die Boards mit den neuen DDR2-Chipsets werfen. Die Vorteile von DDR2-Speicher liegen in einer höheren Ausbeute und in einer von 2,5 Volt (DDR) auf 1,8 Volt (DDR2) reduzierten Spannung. Die Leistungsaufnahme wird somit halbiert.

BTX-Formfaktor: effizientere Kühlung, einfachere Mainboardentwicklung, niedrigere Kosten
BTX-Formfaktor: effizientere Kühlung, einfachere Mainboardentwicklung.
Noch vor einigen Wochen sprach einiges dafür, dass ATI zur Cebit 2004 seinen neuen Grafikchip mit dem Codenamen R420 vorstellen. Jetzt scheint es, als ob der Chip sich doch etwas verspätet Die mehr als 150 Millionen Transistoren umfassende GPU wird nun für April erwartet. Im Vergleich zum Radeon 9800 XT, dem derzeit leistungsstärksten ATI-Grafikchip, verfügt der R420 40 Millionen merh elektronischen Schaltungen.

BTX-Formfaktor: effizientere Kühlung, einfachere Mainboardentwicklung, niedrigere Kosten
DDR2-Speicher: Chipsätze mit DDR2-Support sollen bereits in der ersten Jahreshälfte erscheinen und könnten schon auf der CeBIT zu sehen sein.

ATI-Konkurrent Nvidia wird den NV40 ebenfalls nicht auf der CeBIT vorstellen. Einigen Journalisten dürfte es vorbehalten sein, auf der weltgrößten IT-Messe den neuen Grafikchip in Augenschein zu nehmen. Nvidia hat jedenfalls eine entsprechende NV40-Demo für die CeBIT angekündigt.

Mit den neuen Chips von ATI und Nvidia geht der Kampf im Grafikchip-Geschäft in die nächste Runde. Die letzte konnten die Kanadier mit der Radeon-Technik klar für sich entscheiden. Man darf gespannt sein, ob Nvidia wieder aufschließen kann. Immerhin soll der neue Geforce-Chip mit mehr als 200 Millionen Transistoren ausgestattet sein. Das müsste eigentlich reichen, um die Performance-Krone von ATI zurückzuholen.