Systemwechsel leicht gemacht: Umzug auf einen neuen PC

(http://www.zdnet.de/magazin/39119015/systemwechsel-leicht-gemacht-umzug-auf-einen-neuen-pc.htm)

von Bill O'Brien, 20. Januar 2004

Umziehen ohne Kistenschleppen: Tools wie Transfer My PC/Intellimover machen die Migration auf einen neuen PC mitsamt Daten, Einstellungen und Optionen leichter. ZDNet zeigt, wie man die Umzugshelfer-Software optimal einsetzt.

Die Anschaffung eines neuen Computers belastet nicht nur das Konto, sie bringt auch die Übertragung zahlloser Dateien und Programmeinstellungen mit sich. Schon beim bloßen Gedanken an die endlose Reihe von CDs, die man zwischen den beiden Systemen austauschen muss - vorausgesetzt der alte PC verfügt überhaupt über einen CD-Brenner -, würden viele Benutzer am liebsten den neuen Rechner wieder in den Karton stecken und zum Händler zurückbringen.

Intellimover
Zum Lieferumfang von Intellimover gehören Übertragungskabel für USB und Parallelport.
Doch man sollte nichts überstürzen. Mithilfe spezieller Software kann man seinen alten PC getrost ausmustern. Dieser Artikel zeigt, wie man mit Intellimover von Detto Technologies (in Europa unter dem Namen "Transfer My PC" von Orlogix.com[1] für 59,99 Euro vertrieben) alle E-Mails, Musiktitel, Fotos, Dateien, Ordner und Einstellungen vom alten Rechner auf seinen neuen Super-PC übertragen kann. Man kann mit dieser Software sogar das Profil des auszumusternden PCs in den neuen integrieren, so dass man sich dort von Anfang an wie zu Hause fühlt.

Wahrscheinlich ist bereits aufgefallen, dass auf der Liste der potenziellen Transferkandidaten das Wort "Programme" fehlt. Das liegt daran, dass Intellimover keine Anwendungen kopiert, was jedoch nicht unbedingt von Nachteil ist, da viele Programme ihre eigenen speziellen Treiber oder Bibliotheken für eine bestimmte Windowsversion mitbringen. Außerdem können EXE- und DLL-Dateien als Brutstätten für versteckte Viren dienen, die Schaden anrichten können, wenn man sie auf den neuen Rechner überträgt. Und schließlich war der Wunsch nach einer unberührten Computerumgebung ja einer der Gründe für den Neukauf.

Man muss also die benötigten Programm-CDs bereithalten, aber ansonsten reicht es, die folgenden Schritte auszuführen, damit alles an seinen neuen Platz gelangt.

Intellimover
Um Dateien über Ethernet zu übertragen, müssen beide PCs mit einer Netzwerkkarte ausgestattet sein und man braucht ein passendes Crossover-Kabel. Falls man ohnehin schon ein Netzwerk nutzt, tut es das natürlich auch.

Die wichtigste Entscheidung bei der Vorbereitung des Dateitransfers besteht darin, wie man den alten mit dem neuen Computer verbindet. Die drei gängigsten Verbindungsmöglichkeiten sind: Parallel-Anschluss, USB und TCP/IP (Netzwerk). Intellimover wird mit Parallel- und USB-Kabeln geliefert. Falls der alte Rechner nicht über einen USB-Anschluss verfügt oder mit einem älteren Betriebssystem als Windows 98 läuft, scheidet die Übertragung per USB aus. Die Verbindung über Parallelkabel ist zwar eine Möglichkeit, aber äußerst langsam. Die Übertragung von Dateien über eine Netzwerkverbindung ist die schnellste Option, sofern beide PCs über eine installierte Netzwerkkarte verfügen. Wenn nicht, kann man PCI-Netzwerkkarten preiswert erwerben (schon für etwa 10 Euro) und einfach installieren. Falls man noch kein Netzwerk betreibt, braucht man zusätzlich ein so genanntes Crossover-Kabel (circa 10 Dollar). Ansonsten reicht ein Standard-Netzwerkkabel aus. Man sollte die Kabel allerdings erst dann an die Rechner anschließen, wenn der Assistent von Intellimover hierzu auffordert.

Tipp: Wer seine Dateien lieber per USB übertragen möchte, sollte daran denken, dass der alte Computer möglicherweise nur USB 1.0 oder 1.1 unterstützt, welches nicht viel schneller als eine Parallel-Verbindung ist. Hier bestünde die Möglichkeit, den USB-Anschluss durch Installieren einer preiswerten USB 2.0 PCI-Karte aufzurüsten (circa 15 Euro). Wenn man sich für eine Verbindung entschieden hat, startet man den alten Rechner. Zuerst sollte man sich online aktuelle Antivirus-Signaturen besorgen und einen Virus-Scan durchführen. Dann sollte man alle nicht benötigten Dateien löschen, indem man die Festplatte aufräumt (Programme > Zubehör > Systemprogramme).

Es empfiehlt sich außerdem, eine Defragmentierung durchzuführen. Wenn man damit fertig ist, sollte man alles schließen – alle Anwendungen, Antivirus-Programme und alles, was in der Taskleiste ausgeführt wird. Außerdem sollte man alle Energieoptionen und Screensaver deaktivieren sowie gegebenenfalls die Personal Firewall oder sonstige Software für Internetsicherheit. Dieselben Schritte sollte man zu gegebener Zeit auf dem neuen Rechner ausführen, denn dadurch wird der Transferprozess beschleunigt.

Intellimover
Es empfiehlt sich, den alten PC zu entrümpeln und eine Defragmentierung durchzuführen, bevor man mit der Dateiübertragung beginnt.

Als Erstes sollte man seine alten Programm-CDs hervorkramen (oder die neuen auspacken, falls man aktuelle Versionen gekauft hat), und zwar für alle Programme des alten Rechners, die auch auf dem neuen PC laufen sollen. Dann wird die Software von den CDs auf dem neuen System installiert. Dazu gehört auch der Internet-Browser. Falls man auf seinem alten Computer Netscape verwendet hat, wird Intellimover die individuellen Einstellungen zwar nicht von Netscape auf den Internet Explorer übertragen, wohl aber alles (wie die Einstellungen für E-Mail oder die Startseite) von einer alten Netscape-Version auf eine neue.

Ein Hinweis für Benutzer von Netscape: Intellimover kann keine Netscape 7.x-Dateien übertragen. Die Lösung besteht darin, die E-Mails mit Outlook Express in den Internet Explorer zu importieren, dann Intellimover die Dateien übertragen zu lassen, um sie schließlich auf dem neuen Computer in Netscape zu importieren. Trotz der einfachen Bedienung führt Intellimover komplexe Funktionen durch, wobei man an einigen Stellen genau wissen muss, welche Entscheidung zu treffen ist. Man sollte also unbedingt das Handbuch lesen.

Intellimover macht einem diese Aufgabe allerdings nicht leicht. Mitgeliefert wird nur eine kurze Anleitung, die lediglich die reine Bedienung der Software beschreibt, während das vollständige 48-seitige Handbuch zusammen mit der Software selbst auf dem Computer installiert wird.

Leider will das Programm sofort nach Abschluss der Installation mit der Arbeit beginnen. Um an das Handbuch zu gelangen, muss man erst auf "Abbrechen“ klicken und im Startmenü von Intellimover die entsprechende Option wählen.

Intellimover
Die genaue Lektüre des Handbuchs lohnt sich.

Tipp: Das Handbuch von Intellimover liegt als PDF-Datei vor. Den kostenlosen Adobe Reader erhält man auf der Website von Adobe. Die Intellimover-CD startet beim Einlegen in das CD-Laufwerk des alten Computers automatisch. Falls man die Programminstallation bereits durchgeführt hat, um an das Benutzerhandbuch zu gelangen, befindet sich auf dem Desktop wahrscheinlich schon das Intellimover-Icon. Ansonsten findet sich die Anwendung in der Liste der Programme im Start-Menü.

Man muss einige Fragen zur benutzten Verbindung beantworten (Parallel, USB oder TCP/IP) und angeben, ob an jeden Computer ein eigener Monitor angeschlossen ist oder ein Monitor von beiden Rechnern gemeinsam genutzt wird. Sobald dies erledigt ist, beginnt Intellimover mit der Analyse der Systeminhalte.

Intellimover
Wenn man Intellimover auf dem alten PC startet, wird man zur Beantwortung einiger Fragen aufgefordert, etwa ob jeder Rechner seinen eigenen Monitor hat.

Intellimover
Intellimover durchsucht den Computer nach Datendateien sowie nach System- und Programm-Einstellungen des Betriebssystems für benutzte Anwendungen. Der Vorgang läuft vollständig automatisch ab.

Tipp: Falls beide Computer sich einen Monitor teilen, sollte man daran denken, diesen auszuschalten, bevor man das Anschlusskabel vom alten Computer entfernt, und ihn erst wieder anzuschalten, wenn er an den neuen PC angeschlossen ist. Das erste Ergebnis, das man zu sehen bekommt, ist die Liste der Einstellungen, die Intellimover gefunden hat. Damit kann man die individuellen System- und Anwendungseinstellungen zusammen mit ausgewählten Optionen vom alten Computer (Screensaver, Bildschirmhintergrund, Seitenformate und Standardverzeichnisse) in dieselben Anwendungen auf dem neuen Rechner übertragen. Als Nächstes erscheint die Liste der Dateien, nach Kategorie sortiert, die Intellimover übertragen wird. In beiden Fällen kann man die Markierung einer Kategorie aufheben, so dass eine bestimmte Gruppe von Dateien oder Einstellungen vom Transfer ausgeschlossen wird. Wenn man damit fertig ist, wartet Intellimover auf die Verbindung zum Zielrechner.

Intellimover
Intellimover geht davon aus, dass man alle individuellen Einstellungen vom alten Computer übertragen möchte. Falls man bestimmte Optionen nicht benötigt, kann man deren Markierung aufheben.

Intellimover
Die Übertragung großer komprimierter Dateien kann etwas dauern, ebenso die Übertragung von Dateien zwischen FAT32- und NTFS-formatierten Laufwerken.

Falls Intellimover die Übertragung von Dateien und Software-Einstellungen des alten Rechners empfiehlt, die man auf dem neuen Computer nicht mehr nutzen möchte, sollte man diese Optionen unbedingt deaktivieren, um Zeit bei der Übertragung zu sparen. Der letzte Schritt ist der einfachste. Nachdem man ausgewählt hat, was übertragen werden soll, und ein Dialogfenster mit der Meldung "Waiting For Connection" sieht, kann man Intellimover auf dem neuen Computer installieren. Im Assistenten sollte man die verwendete Verbindungsart auswählen, die Kabel jedoch erst anschließen, wenn man dazu aufgefordert wird. Sobald man dies getan hat, läuft alles vollständig automatisch ab und man muss auf dem Zielrechner überhaupt keine Entscheidungen treffen.

Die Zeit für die Übertragung hängt von der Anzahl der Dateien und der Art der Verbindung ab, wobei die von Intellimover geschätzte Dauer ziemlich genau zutrifft. Im Test wurden 26 GByte Daten, vor allem JPEGs und MP3s, in etwas weniger als drei Stunden übertragen. Nach Beendigung der Übertragung kann man einen Blick in die Logdatei werfen oder das Programm einfach schließen und loslegen. Vom Bildschirmhintergrund bis zu den Standardverzeichnissen der gängigsten Programme müsste nun alles genau so aussehen und funktionieren wie auf dem alten Computer, nur schneller.

Intellimover
Obwohl nach der benutzten Verbindungsart gefragt wird, sollte man die Verbindung erst herstellen, wenn man dazu aufgefordert wird (außer bei einem LAN).

Tipp: Falls man denselben Monitor für beide Rechner benutzt, muss man diesen nicht noch einmal an den alten Computer anschließen, um Intellimover zu schließen. Dies erfolgt auf dem Ursprungsrechner automatisch, sobald die Übertragung abgeschlossen ist. Zur Übertragung von Dateien und Einstellungen von einem alten auf einen neuen PC gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, die von "lächerlich'" bis "raffiniert" eingestuft werden können. Zur ersten Kategorie gehören Disketten. Wenn es um Dutzende oder Hunderte von Megabyte geht, dürfte der neue Computer schon wieder veraltet sein, ehe man den Umzug mit Disketten geschafft hat. Mit ZIP-Disketten oder CDs kann man zwar mehrere Gigabyte an Dateien innerhalb von ein paar Stunden schaffen, aber man muss trotzdem alle Dateien manuell an den richtigen Platz bringen.

Keine dieser Möglichkeiten erlaubt die Übernahme von Einstellungen. Die Verwendung des entsprechenden Assistenten in Windows XP hilft zwar, doch hat dieser seine Grenzen und ist etwas kompliziert zu benutzen.

Zu den eleganteren Lösungen zählt Alohabob PC Relocator Ultra Control von Eisenworld[2] (69,95 Dollar). In mancher Hinsicht erfordert PC Relocator etwas mehr manuelles Eingreifen als Intellimover, dafür ist die Software an anderer Stelle flexibler. Nach Angaben des Herstellers sind in der jüngsten Version diverse neue Funktionen hinzugekommen, darunter eine verbesserte Benutzeroberfläche, ein genauerer Auswahlprozess, höhere Übertragungsraten sowie erweiterte Verbindungsmöglichkeiten. Das Produkt enthält auch Funktionen für Disaster Recovery und wird mit einem USB-Kabel geliefert.

Infos zum Dateitransfer

Zum Transfer von Dateien und Einstellungen gibt es eine Reihe theoretischer wie praktischer Erwägungen. Mehr darüber findet man in Migration Learning Center [3]von Detto Technologies. Wer lieber den entsprechenden Assistenten in Windows XP verwenden möchte, findet dazu einen englischsprachigen Überblick[4] in Tech Republic. (Tech Republic gehört wie ZDNet zu CNET Networks.) Auch auf der Website von Microsoft findet sich eine Anleitung [5]hierzu.

Wer trotzdem lieber per Disk-Medium umziehen möchte, sollte sich einmal die One Touch[6]-Reihe tragbarer Festplatten [7]von Maxtor anschauen. Der Vorgang gestaltet sich wesentlich einfacher, wenn man mit mehreren Gigabyte an Festplattenplatz arbeiten kann, und wenn man fertig ist, besitzt man gleichzeitig ein hervorragendes Backup-Laufwerk.

URLs in diesem Artikel:
[1] = http://www.orlogix.com/store/product_info.php?cPath=24&products_id=38
[2] = http://www.eisenworld.com/PCRelocatorUltra.asp?sub=1
[3] = http://www.migrationlearningcenter.com/
[4] = http://techrepublic.com.com/5100-6313-1060826.html?tag=txt
[5] = http://support.microsoft.com/default.aspx?scid=kb;en-us;293118
[6] = http://www.zdnet.de/news/hardware/0,39023109,2138804,00.htm
[7] = http://www.zdnet.de/enterprise/peripherie/0,39023474,10000469,00.htm