Deutsche CIOs beäugen Outsourcing skeptisch

(http://www.zdnet.de/magazin/39118859/deutsche-cios-beaeugen-outsourcing-skeptisch.htm)

von Dietmar Müller, 15. Januar 2004

Eine Umfrage von Ovum zeigt dennoch, dass die Auslagerung zum wachstumsstärksten Segment innerhalb des IT-Dienstleistungsbereiches zu zählen ist. ZDNet sprach mit der Senior Analystin Katharina Grimme.

Eine Umfrage unter 34 deutschen CIOs hat die Zurückhaltung hiesiger Manager in Sachen Outsourcing aufgedeckt. Zwar seien die befragten CIOs durchaus interessiert, aktuell überwiege aber eindeutig die Skepsis gegenüber der Auslagerung von Diensten, so die Senior Analystin Katharina Grimme. Gleichzeitig hätte sich allerdings der Großteil der Unternehmen, die bereits auf Erfahrungen mit dem Outsourcing zurückblicken können, zufrieden mit ihren Service-Anbietern geäußert.

Dies führt unter anderem dazu, wie Grimme gegenüber ZDNet erklärte, dass "auf Seiten der Anwender Skepsis angebracht" ist. "Nichtsdestotrotz sehen wir Outsourcing im Bereich des IT-Dienstleistungsbereiches als den größten Wachstumsmarkt an, mit Wachstumsraten in den nächsten 5 Jahren im oberen einstelligen Bereich. Das ist doch deutlich mehr als im IT-Dienstleistungsmarkt allgemein zu erwarten ist, gerade wenn man Projekte wie Integration, Consulting und solche Sachen betrachtet. Die stecken nämlich wirklich in der Krise."

Mehr als die Hälfte der befragten CIOs (58 Prozent) waren gerade mit Outsourcing beschäftigt, vom Rest planen mehr als die Hälfte diesen Schritt für die absehbare Zukunft. Sie gehen dabei von zwei bis drei Jahren aus, keinesfalls aber eher. Von den neun CIOs, deren Outsourcing-Verträge demnächst auslaufen, wollen drei die Anwendungen wieder zurück ins Haus holen. Drei weitere haben gerade mit einer neuen Ausschreibung begonnen, an denen sich auch der aktuelle Outsourcing-Partner beteiligen kann. Ein CIO von den neun will den aktuellen Partner ausschließen, ihm waren sowohl die Kosten zu hoch als auch die erhaltenen Leistungen zu dürftig. Ein weiterer verlängert dagegen gerade den Outsourcing-Pakt ohne eine Ausschreibung. Grundsätzlich gilt aber: 83 Prozent von Unternehmen mit Outsourcing-Deals zeigten sich eher zufrieden mit den Service Providern. Die Unzufriedenen führten in erster Linie Qualitätsmängel ins Feld.

Für Anwender gilt: Der Outsourcing-Markt wird von ihnen bestimmt, eine Alternative zum aktuellen Angebot gibt es immer. Es ist also an den Anbietern, gute Services und geringe Kosten zu offerieren.

Als prominentestes Beispiel für Probleme beim Outsourcing wird gerne der Verlust der Kontrolle über die eigenen Daten angeführt. Nach wie vor, so die befragten CIOs, ist die Meinung weit verbreitet, dass sensitive Informationen unbedingt im eigenen Haus gehalten werden müssten. Bei den CIOs herrscht zudem Angst vor den Kosten, die ein gescheitertes Outsourcing-Projekt mit sich bringt. Die Re-Migration von Daten könnte sich als extrem teuer erweisen, so dass man auf Gedeih und Verderben mit einem Provider verbunden ist. Weitere Felder für Befürchtungen stellt das Anfallen zusätzlicher und unvorhergesehener Kosten sowie Schwierigkeiten beim Umzug von Personal dar. Letzteres ist ein speziell deutsches Problem, so Ovum, da starke Betriebsräte und Gewerkschaften über die Konditionen der Auslagerung von Mitarbeitern wachten.

Als prominenteste Beispiele für erhoffte Vorteile von Outsourcing werden in erster Linie zwei Aspekte genannt: Kostenersparnis sowie die Transformation von festen in variable Ausgaben. Offen ist jedoch, ob Outsourcing tatsächlich Kosten reduziert. Michael Müller-Wünsch, Managing Director des Familienportals myToys.de zeigte sich beispielsweise skeptisch: "Outsourcing bringt oft den 'Verkauf' von intern ungelösten Problemen an den Dienstleister mit sich. Damit wird es aber auch unmöglich, langfristige Synergien und Kosteneinsparungen zu realisieren." Große IT-Dienstleister wie IBM oder EDS würden oft als zu groß, zu komplex und damit zu teuer angesehen, während kleinere Anbieter keinen großen Vertrauensvorschuß genießen, sind sie finanziell doch zu verwundbar.

Skepsis herrscht auch darüber, ob der offerierte Service den Ansprüchen genügen kann. Die von Grimme und ihrem Team befragten CIOs jedenfalls gehen durch die Bank davon aus, dass die zu erwartenden Services qualitativ das in-house-Geleistete nicht übetreffen werden. Allgemein scheint es so, dass Prozess- und System-Optimierung mit Vorliebe im eigenen Haus vorgenommen wird. Erst nach Vollendung dieses Schritts will man sie an einen Outsourcer übergeben. Götz Keller etwa, IT-Chef des DB-Fuhrparks, der logistischen Abteilung der Deutschen Bahn also, will erst zum Auslagern übergehen, sobald die aktuell noch fragmentierten Systeme der Bahn konsolidiert worden sind. Diese Ansicht wird in der Regel von seinen Kollegen geteilt und kollidiert notwendigerweise mit den Vorstellungen großer IT-Service-Unternehmen, allen voran der IBM. Big Blues Vision besteht in der "Business Transformation", also nicht nur dem reinen Verwalten von Daten.

Zusammenfassend kann gesagt werden: CEOs wollen 'Success Stories' von ihren CIOs hören – die Zeit für Experimente ist für IT-Chefs also definitiv vorbei! Überzeugen lassen sich die Geschäftsführer aber mit Fallstudien von "Pionier-Projekten". Diese könnten sich als wegweisend für künftige Outsourcing-Deals erweisen.