Webmethods fordert BEA

(http://www.zdnet.de/magazin/39118381/webmethods-fordert-bea.htm)

von Dietmar Müller, 17. Dezember 2003

Die Fehdenhandschuhe sind gezückt: ZDNet sprach mit dem CEO und Chairman von Webmethods, Phillip Merrick sowie dem Vice President Central & Eastern Europe bei BEA, Christoph Rau.

Webmethods hat BEA zu einem direkten Vergleich herausgefordert. Man wolle belegen, dass die hauseigene Integration Plattform schneller arbeite als die Integration Solution innerhalb von BEAs Weblogic-Suite. Die Evaluierung der beiden Produkte solle durch einen unabhängigen Dritten, den beide Unternehmen gemeinsam bestimmen, durchgeführt werden. Bis heute hat BEA auf die vor drei Wochen ausgesprochene Herausforderung aber nicht reagiert, so Webmethods-CEO und Chairman Phillip Merrick.

Hintergrund des Streites ist eine von BEA in Auftrag gegebene Studie der Crimson Consulting Group, die Merrick stark in Zweifel zieht. "BEA hat versucht einige - lassen Sie es mich so formulieren - 'interessante Aspekte' des Integrations-Marktes zu beleuchten. Vor kurzem haben sie behauptet, dass eine 'unabhängige Untersuchung' ergeben hätte, dass die Integration mit Weblogic um 25 Prozent schneller von statten geht als mit unserer Plattform. Das kann irgendwie aber nicht sein - ständig durchgeführte Befragung von Anwendern hat klar das Gegenteil ergeben. Also ist unser Angebot: Lasst uns zu einer wirklich unabhängigen Institution, vorzugsweise in den USA, gehen, um herauszufinden, wessen Lösung schneller zu einem brauchbaren Ergebnis führt", erklärte Merrick gegenüber ZDNet.

"Integrationsprojekte sind per definitionem die wichtigsten Projekte, die ein Unternehmen durchführt. Aus diesem Grunde müssen Entscheidungen darüber auf der Grundlage von objektiven Informationen getroffen werden – diesen Anspruch sollte man dem Markt zugestehen – damit sichergestellt ist, dass Unternehmen den größtmöglichen Return on Investment (ROI) aus ihren Technologieinvestitionen erzielen", sprang Scott Opitz, Senior Vice President Marketing and Business Development bei Webmethods, seinem Chef zur Seite. "Wir können Bestrebungen, den Markt einseitig zu beeinflussen, nicht zulassen."

Merrick führt eine weitere Studie gegen BEA ins Feld. Eine im Juli veröffentlichte Untersuchung von Satmetrix Systems habe gezeigt, dass Webmethods-Kunden, die in Echtbetrieb gingen, bei der Erreichung von quantifizierbarem ROI schneller als der Industriedurchschnitt sind. Die Untersuchung habe zudem verdeutlicht, dass die Anwender innerhalb von zehn Monaten einen ROI mit ihren Integrationsprojekten erzielen konnten. Das liege deutlich über dem Industriedurchschnitt von 12 bis 18 Monaten.

BEA nimmt die Herausforderung jedoch gelassen. Christoph Rau, Vice President Central & Eastern Europe bei BEA, erklärte gegenüber ZDNet: "Dass Unternehmen Studien bei unabhängigen Anbietern in Auftrag geben, ist nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist es, dass jemand darauf antwortet. Anscheinend fühlt sich Webmethods stark angegriffen. Dass sie auf die Studie so scharf reagiert haben, zeigt, dass sie BEA als ernsthaften Wettbewerber wahrnehmen."

Rau geht zudem in die Offensive: "BEAs Umsatz mit Integrationsprodukten ist in diesem Jahr um 160 Prozent gestiegen, der von Webmethods um 18 Prozent gefallen. Je mehr Kunden unsere Weblogic-Platform mit dem proprietären, überkommenen Ansatz von Webmethods vergleichen, desto erfolgreicher sind wir."

Einen direkten Vergleich lehnt Rau allerdings ab: "Unseren Kunden ist mit einem weiteren Vergleich von zwei EAI-Produkten nicht gedient. Wir sind nicht nur technisch überlegen, sondern haben den Vergleich auf eine höhere Ebene gehoben: Wir bieten eine vollständig integrierte Application Platform Suite, die Applikationsserver, Integrations- und Portalsoftware sowie eine Entwicklungsumgebung miteinander verbindet. Dadurch schaffen wir eine Konvergenz zwischen Anwendungsintegration und -entwicklung - viel mehr, als ein EAI-Produkt bieten kann. Die Aktivitäten von Webmethods in den letzten Monaten, beispielsweise die Integration des Jboss Applikationsservers oder diverse Akquisitionen, sind ein mühsamer Versuch, mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten."

Der Stein des Anstoßes war am 17. November der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Crimson Consulting berichtete über den Vergleich der beiden Integrationssuiten von Webmethods und BEA im Hinblick auf die benötigte Zeit und den Arbeitsaufwand. Ergebnis: Über den gesamten Lifecicle hinweg gesehen schneide BEA Weblogic Integration 8.1, eine Komponente der BEA Weblogic Enterprise Platform, besser ab als Webmethods 6. Im Versuch sei eine "echte" Unternehmensumgebung simuliert worden, versichern die Mitarbeiter von Crimson.

Dem aber nicht genug: BEA hat gestern erst zwei neue Performance-Rekorde mitgeteilt. Diese seien beim branchenweit anerkannten, unabhängigen SPECjAppServer2002 Benchmark aufgestellt worden. Die beiden Rekorde, die mit Weblogic Server und HP-UX auf einem Intel Itanium2-basierten HP Integrity Superdome beziehungsweise auf einem PA-RISC-basierten HP 9000 Superdome erzielt worden seien, lägen fast doppelt so hoch wie die vorherigen Bestleistungen.

Der Benchmark habe die Leistung von Applikationsservern, auf denen typische Java Business-Applikationen laufen, bewertet. Damit böten BEA zusammen mit den Partnern HP und Intel ein weiteres Mal große Vorteile bei Leistung und Total Cost of Ownership.

Die Reaktion von Webmethods wird nicht lange auf sich warten lassen.