Frühere Kunden wie Microsoft und Yahoo versuchen, Google von der Spitze des einträglichen Suchmaschinengeschäfts zu verdrängen. Statt klein beizugeben will das Unternehmen jetzt in die Offensive gehen. ZDNet unterhielt sich mit Google-CTO Craig Silverstein.
Um seinen Ruf als innovativer Anbieter zu wahren, erweitert Google derzeit seine Angebotspalette. Zudem wird man in Kürze in ein noch größeres Bürogebäude im Silicon Valley umziehen, das bislang von dem zunehmend angeschlagenen Unternehmen Silicon Graphics belegt war. Darüber hinaus erhöhte sich kürzlich die Zahl der weltweiten Google-Niederlassungen auf 21, da in Madrid ein Vertriebsbüro für Spanien eröffnet wurde.
Während andere Technologiefirmen Stellenkürzungen ankündigen, erhöht Google weiterhin seine Mitarbeiterzahl durch die Einstellung von promovierten Informatikern (derzeit insgesamt 60) im Rahmen von Programmen wie dem Code Jam[1]-Wettbewerb. ZDNet sprach mit dem CTO von Google, Craig Silverstein, über geplante zukünftige Innovationen und den bevorstehenden Konkurrenzkampf.
ZDNet: Die Google Produktmanagerin Marissa Mayer sagte vor kurzem, dass das Suchmaschinengeschäft noch in seinen Kinderschuhen stecke - wie wird es Ihrer Ansicht zufolge nach dem "Erwachsenwerden" aussehen?
Das Suchgeschäft wird letztlich an Star Trek erinnern: Man spricht eine Frage aus ("Computer! Wie sieht es unten auf dem Planeten aus?") worauf der Computer die Frage verarbeitet, deren Kontext ermittelt, die Art der gewünschten Antwort feststellt, eine riesige Datenbank in unzähligen Sprachen abfragt, die Ergebnisse übersetzt, analysiert und zusammenfasst und schließlich mit einer angenehmen Stimme antwortet. Ich denke, bis dahin dürften allerdings noch so um die 300 Jahre vergehen. Allein, dem Computer die gestellte Frage verständlich zu machen, geschweige denn ihm den Kontext zu vermitteln, übersteigt bereits den heutigen Wissensstand der Informatik.
![]() Craig Silverstein, CTO Google |
Abgesehen von der Frage der Intelligenz bringt das Erwachsenwerden noch weitere Herausforderungen mit sich. Eine davon besteht in der Verarbeitung zusätzlicher unterschiedlicher Datenformate, einschließlich der Nicht-Textformate. Eine weitere ist die Verbesserung von Übersetzungsvorgängen - weshalb sollte ein Suchergebnis nicht nutzbar sein, nur weil es in einer unbekannten Sprache geschrieben ist?
Einige dieser Aspekte befinden sich noch im Forschungsstadium und sind daher noch nicht einsetzbar. Andere sind technologisch problemlos machbar doch in der geschäftlichen Umsetzung schwierig, so zum Beispiel die Suche nach Musikdateien.ZDNet: Suchabfragen mit Spracheingabe sind jedoch keine Zukunftsmusik mehr - Sie arbeiten in diesem Bereich zusammen mit BMW an einem Projekt[3].
Die Stimmerkennung ist nach wie vor ein Forschungsgegenstand. Das BMW-Projekt ist zwar durchaus viel versprechend, doch denke ich, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben, sowohl im wissenschaftlichen als auch im industriellen Sektor. Diese spezielle Problematik dürfte sich jedoch nicht erst in 300 Jahren lösen lassen.
ZDNet: Google News und die kürzlich gestartete spezialisierte Suchseite für E-Commerce Froogle befinden sich noch im Beta-Stadium. Wann werden diese beiden Angebote offiziell fertig gestellt sein?
Wir entwickeln laufend neue Funktionen - beispielsweise wurde Froogle unlängst um eine Option zum Sortieren nach Preisen ergänzt, wie von vielen Anwendern gewünscht - und wir werten weiterhin das Feedback der Anwender aus. Sobald wir mit den angebotenen Funktionen und ihrer Resonanz bei den Anwendern zufrieden sind, werden diese Projekte das Beta-Stadium anschließen. Dabei haben wir es allerdings nicht eilig - schließlich war auch die Hauptseite von Google jahrelang als Betaversion in Betrieb.
ZDNet: Microsoft hat öffentlich seine Absicht erklärt, mit der Einführung von Longhorn auch in stärkerem Ausmaß in das Suchgeschäft einzusteigen, wobei lokale und Internet-basierte Suchabfragen kombiniert werden sollen. Wie wird Google auf diese Herausforderung reagieren, falls sie irgendwann eintrifft? Sehen Sie langfristig in Microsoft eine größere Bedrohung als in Yahoo?
![]() Marissa Mayer, Google Produktmanagerin |
Die gegenwärtige Klage ist in ihrem Umfang sehr beschränkt - wir machen uns daher überhaupt keine Sorgen. Sie hat jedoch für zahlreiche Diskussionen gesorgt, die wir mit Interesse verfolgt haben.
ZDNet: Sie verfolgen bezüglich ihrer internen Architektur einen äußerst kosteneffizienten Ansatz. Könnten Sie uns den allgemeinen Ansatz schildern, auf dem die internen Systeme von Google basieren?
Wir arbeiten kostengünstig. Wir benutzen gängige Computer - und zwar Tausende, die zum Erreichen der von uns benötigten Verarbeitungsleistung vernetzt sind. Da wir gebrauchsfertige Lösungen einsetzen, verursachen die einzelnen Computer sehr wenig Kosten. Wir mussten unsere Software so konzipieren, dass sie in einer solchen Umgebung optimal arbeitet: Sie muss skalierbar und fehlertolerant sein, da beim Betrieb von Tausenden von Computern immer mindestens ein Rechner ausfällt. Dennoch war diese Software eine äußerst lohnende Investition für uns.
ZDNet: Ihr Caching-Prozess wurde kritisiert, da er teilweise bezahlte Inhalte von Unternehmen umging und weitere Schutzrechtfragen aufwarf - gehen Sie davon aus, dass Ihr Unternehmen die Funktionsweise dieses Prozesses ändern muss, und würde dies die Suchzeiten und Leistung der Website beeinträchtigen?
Wir sind der Ansicht, dass der Cache eine sinnvolle Funktion für Websites mit häufig wechselndem Inhalt ist: Die Anwender können sehen, weshalb die Seite als Entsprechung für ihre Suchanfrage angezeigt wurde, selbst wenn sie seit der letzten Indexierung vollständig geändert wurde. Für einzelne Webmaster, die aus welchen Gründen auch immer kein Caching der Seiten wünschen, bieten wir eine einfache Möglichkeit, diese Funktion zu deaktivieren, entweder, indem sie entsprechende Tags in ihre Webseite setzen, oder mithilfe eines von uns angebotenen automatischen Systems. Ich denke, damit haben wir einen guten Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Anliegen gefunden.
ZDNet: Google stellt Mitarbeiter ein und führt Programme wie Code Jam durch, während andere Unternehmen nach wie vor das Ende der Krise abwarten. Rechnen Sie mit einer baldigen Erholung der Branche?
Ich kann keine Aussagen für die Branche als Ganzes treffen, doch stellt Google jedenfalls weiterhin so viele qualifizierte Kräfte wie möglich ein. Wir haben schließlich noch viel vor und nur 300 Jahre Zeit dafür!
URLs in diesem Artikel:[1] = http:/
[2] = http:/
[3] = http:/
[4] = http:/

