Open Source für den Mittelstand: Wachstum und Kostensenkung

(http://www.zdnet.de/magazin/39117007/open-source-fuer-den-mittelstand-wachstum-und-kostensenkung.htm)

von Dietmar Müller, 6. November 2003

Linux und Co. werden gerade von deutschen Unternehmen mit Interesse beobachtet. Der Grund: Sie erhoffen sich Einsparungen in nicht unerheblichem Maße. ZDNet sprach mit Analysten, Mittelständlern und den Anbietern von quelloffenen Lösungen für den Unternehmenseinsatz.

Die Systems 2003 in München hat es gezeigt: Open Source-Anwendungen sind vom deutschen Mittelstand nicht nur akzeptiert sondern auch gewünscht. Eine "Elefantenrunde" unter Mitwirkung des Oracle Deutschland-Geschäftsführers Rolf Schwirz machte neben "Mobilität" und "Reduzierung von Komplexität" die "Konsolidierung auf Basis von Standards oder Open Source zur Kostensenkung" als die drei Megatrends der Branche aus.

Schwirz bezeichnete Linux gar als Wachstumssegment Nummer 1 – kein Wunder, dass sein Unternehmen seit wenigen Monaten laut die Trommel für das von Linus Torvald entwickelte Betriebssystem rührt und seine Datenbanken darauf hin ausrichtet.

"Wir machen nirgends anders eine so starke Nachfrage nach Linux aus wie in Deutschland", berichtete auch der Product Development Manager Alexey Kalgin vom russischen Antiviren-Experten Kaspersky. Zum Einsatz kommt Open Source in Unternehmen mittlerweile in den unterschiedlichsten Bereichen: Der Apache-Server hat sich laut Netcraft.com bis Mitte des Jahres einen Marktanteil von 62 Prozent erarbeitet; praktisch alle wichtigen Datenbanken wie Oracle, DB2, Informix oder MySQL/SAP sind auf Linux ausgelegt; sämtliche SAP–Systeme ebenso; und selbst das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schwört ähnlich wie immer mehr staatliche Stellen auf den Pinguin. Die Folge: Egal wen man auf der Systems fragte, eins war allen klar: Deutsche Mittelständler erhoffen sich von Open Source noch vor "Sicherheit" deutliche Kostenersparnisse. Und die stellten beispielsweise Vertreter von IBM und Sun in erheblichem Maße in Aussicht.

Microsoft sieht diesen Punkt naturgemäß anders. In mittlerweile wenigstens drei Studien versucht der Redmonder Konzern nachzuweisen, dass der Umstieg von Windows auf Linux im Gegenteil mit Mehrkosten verbunden ist[1]. Microsoft bietet unter anderem die die Infora-Studie zur Einsichtnahme[2] an. Suse-Sprecher Christian Egle hatte die Strategie Microsofts bereits vor Monaten als Durchsichtig abgetan: "Microsoft hat nur wahr gemacht, was Sie bereits in den so genannten Halloween-Papieren angekündigt[3] haben: sie werden versuchen, Linux mit TCO-Argumenten anzugreifen." Klar ist, dass ein weiterer, weltweit mit Argusaugen beobachteter GAU wie der Umstieg der Stadt München auf Suse Linux für Microsoft verheerend wäre. "Mit diesem richtungsweisenden Grundsatzbeschluss sichert sich München nicht nur als erste deutsche Großstadt eine größere Herstellerunabhängigkeit ihrer IT-Infrastruktur, sondern setzt auch ein klares Zeichen für mehr Wettbewerb im Software-Markt. Die Vorgeschichte dieser Entscheidung hat ja bereits gezeigt, dass eine Konkurrenzsituation bei der Preisbildung offensichtlich gut tut", hatte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude trotz persönlichem Einsatz von Microsoft-CEO Steve Ballmer erklärt.

Folgerichtig gab Ballmer an die Mitarbeiter die Losung aus: "Unter keinen Umständen gegen Linux verlieren." Dies rät auch der Burton Group-Analyst Gary Hein stets im Hinterkopf zu behalten: Open Source sei zwar eine viel versprechende Möglichkeit für den Unternehmenseinsatz, nie aber waren die Chancen auf billige Softwarelizenzen aus Redmond größer als heute. Die Verkaufsagenten Microsofts seien angehalten, die hauseigenen Produkte zu kleinstmöglichen Preisen feilzubieten – Hauptsache der Pinguin macht nicht das Rennen. CIOs und CEOs müssten hier eine genaue Kosten/Nutzen-Kalkulation durchführen.

Das bietet Microsoft: Die Business Solutions präsentierten auf der Systems 2003 unter dem Motto "Mittelstand hoch 3" Finanzierungsangebote, Partnerkonzepte und das künftige Produktportfolio. Der konzern baut dabei auf fünf ERP-Lösungen[4]: Navision, Axapta und Concorde sowie die Produkte Dynamics und Apertum. Die Produkte Navision - seit kurzem in der Version 3.7 auf dem Markt - sowie die Lösung Axapta, von denen Ausführungen für 80 verschiedenen Branchen vorhanden sind, sollen bis 2012 gepflegt und gesetzlichen Vorschriften angepasst werden. Mitte 2004 werden voraussichtlich beide Pakete im Release 4.0 vorliegen, wobei Navision unter anderem durch PPS-Funktionen für kleinere Unternehmen, ein Portal sowie Feature für die Teilzahlung und Storno erweitert werden soll. Axapta soll grundsätzlich um PPS-Bausteine sowie für das Service-Management ausgebaut werden. Der Support für Apertum läuft wie schon vorher bekannt gegeben 2010 aus. Zu Concord, das immerhin noch bei rund 1000 Kunden im Einsatz ist, wurden keine konkreten Aussagen gemacht. Darüber hinaus arbeiten die Redmonder an einer ERP-Neuentwicklung unter dem Namen "Green". Dabei handelt es sich um ein Produkt, dass auf dem Microsoft Business Framework (MBF) und der technischen Plattform .NET basiert. Das erste Release ist zeitgleich mit Erscheinen des Microsoft-Betriebssystems "Longhorn" geplant und für 2006 terminiert.

Von Microsoft finanzierte Studien hin oder her: Auf der Systems war praktisch kein potentieller Anwender zu finden, der nicht von Kostenersparnissen durch den Einsatz von quelloffenen Produkten überzeugt wäre. Geschätztes Potential laut dem Linux-Chef von Oracle, Dave Dargo[5]: "Verglichen zu einem Unix/RISC-System kostet eine Linux/Intel-Kombination in einer vergleichbaren Umgebung ein Sechstel bis ein Zehntel weniger. Vergleicht man die operativen Kosten kann man von durchschnittlichen Kosteneinsparungen in Höhe von 30 bis 40 Prozent ausgehen. Einzelne Anwender können – abhängig vom jeweiligen Einsatzmodus - sogar 60 bis 70 Prozent Einsparungen vorweisen."

Immer wieder gerne vorgezeigt wird ein Zitat des Intel-CIOs Doug Busch aus dem vergangenen Jahr: "Durch die Migration von RISC/Unix auf Intel/Linux sparte Intel 100 Millionen Dollar im Zeitraum von drei Jahren." Dies bestätigte auch Norbert Diehl, Teamleiter Information Systems Engineering (CAE) bei MTU Aero Engines, mit Blick auf Großsysteme: "Im direkten Vergleich mit Supercomputern-Lösungen auf Unix-Basis sind die Gesamtkosten für die gleiche Rechenleistung bei unserem Cluster mit dem Suse Linux Enterprise Server um den Faktor 2,5 bis drei günstiger."

Die Analysten der Robert Frances Group verglichen über drei Jahre die Unterhaltskosten (TCO) von Linux/x86-Installationen mit denen unter Windows/x86 und Solaris/Sparc für Web Server Das im Juli vergangenen Jahres veröffentlichte Ergebnis:

Dies würde bedeuten, eine Linux-Umgebung würde Unternehmen 86,7 Prozent weniger als Solaris und 60,9 Prozent weniger als Windows kosten. Diese Zahlen werden naturgemäß gerne von Suse genannt. Ebenso naturgemäß werden die praktischen Einsparungspotentiale im Regelfall nicht so deutlich ausfallen.

Zudem lauern auf den aufrechten Mittelständler auch versteckte Tücken: "Beim Einsatz von Open Source-Software haben Sie niemanden, den Sie verklagen können, sobald das System nicht funktioniert", so der Direktor Linux Sales bei IBM EMEA, Jörg Ludwig. Sein Lösungsvorschlag: "Binden Sie sich eng an IBM oder Suse." Mit einem starken Open Source-Partner sei man auf der sicheren Seite. Allerdings werden Vertreter des Open Source-Lagers nicht müde, die große Solidarität innerhalb der Linux-Gemeinde zu rühmen. Auch Burton-Analyst Gary Hein bestätigt, dass kein Anwender lange auf zumeist kostenlose Hilfestellung warten muss. Ein Besuch einschlägiger Newsgroups im Internet genüge in der Regel.

Weitere potentieller Schwachstelle des Open Source-Einsatzes in Unternehmen: Im Bereich des Frontends hapert es nach wie vor an Anwendungen, beispielsweise für die Finanzbuchhaltung. Allerdings zeigten sich sowohl Entwickler als auch Nutze auf der Systems 2003 überzeugt, dass diese Lücke in sehr naher Zukunft geschlossen wird. Einige Anwender berichteten von Problemen bei der Konvertierung von Excel-Dateien von Windows auf Linux, aber Martin Häring, Sprecher der Geschäftsleitung und Direktor Marketing von Sun Deutschland, versprach mit dem gerade eben frei gegebenen neuen Star Office 7 letzte Hürden auszuräumen. Star Office basiert auf dem Quellcode des Open-Source-Projekts Open Office.org. Sowohl Star Office als auch Open Office.org werden mittlerweile als Entwicklungsplattform von über 13.300 Entwicklern genutzt. Laut Sun wirken insgesamt 293 Organisationen an der Weiterentwicklung von OpenOffice.org mit.

Überhaupt hat sich Sun in den vergangenen Monaten als Linux-Company neu aufgestellt und offeriert prinzipiell alle Bestandteile, um in Unternehmen Microsoft-Produkte durch Open Source-Komponenten zu ersetzen. Unter der Code-Bezeichung Orion[6] hat Sun seine Java-Middleware zu einem Paket geschnürt, dass jetzt als "Java Enterprise System" vermarktet wird. Release-Zeitpunkte (einmal im Quartal) versprechen für das Gesamtpaket eine deutliche Vereinfachung bei der Versionsverwaltung.

Aufsehen erregt auch das neue Preismodell. Die gesamte Suite kostet für Unternehmen je Mitarbeiter (nicht notwendig User) 100 Dollar im Jahr inklusive Schulung und Service. Wie teuer das Java Enterprise System im Einzelfall auch kommen mag, die Sun-intern als "Kampfpreis" bezeichneten 100 Dollar klingen so günstig, dass kaum ein Controller umhin kommt, das Angebot in Erwägung zu ziehen. Komplettiert wird das Angebot durch den "Java Desktop", ein auf Suse Linux basierender Client, der mit einem Preis von ebenfalls 100 Dollar pro Arbeitsplatz beziehungsweise 50 Dollar pro Mitarbeiter und Jahr rund 75 Prozent unter dem Kostenniveau eines vergleichbaren Windows-Systems liege.

Neben Sun sitzen aber auch Schwergewichte wie Oracle und IBM mit Nachdruck an der Portierung ihres Angebots auf Linux. IBM adressiert dabei gezielt den Mittelstand mit seinen Midrange-Rechner AS/400, heute I-Series genannt. Rund 30 Prozent der Kunden, die kleine Server, also I-Series einsetzen, haben darauf Linux laufen, sagt IBM. Zudem sind von den mehr als 300 erhältlichen IBM-Middleware-Produkten über den Daumen gepeilt inzwischen mehr als die Hälfte auch mit Linux auf IBMs Intel-basierten x-Series-Servern erhältlich, viele davon auch für die Mainframe-z-Series.

IBMs Websphere, Java 2 Enterprise Edition (J2EE) Application Server und führendes Middleware-Produkt, ist schon lange für die x- und z-Series von Linux erhältlich und befindet sich im Endstadium der Beta-Phase für die i-Series (ehemals die AS/400-Produktlinie) und die p-Series (auch bekannt als RS/6000-Produktlinie). Weitere wichtige IBM Middleware-Produkte - die DB2-Datenbank, Domino und die MQSeries - sind ebenfalls bereits für die X- und Z-Reihen erhältlich. Gleichzeitig haben IBM-ISV-Partner wie AccPac, Computer Associates, Sage, SAS und SAP ihre Geschäftsanwendungen und Middleware-Produkte an IBMs Linux-Reihen angepasst oder sind gerade dabei, dies zu tun.

Apropos Walldorf: Auf der Systems war auch ersichtlich, dass der Markt zuallererst auf die Mittelstandsinitiative von SAP hofft, um damit sein Geschäft neuerlich anzukurbeln. SAP seinerseits hat sein Bekenntnis zu Linux wiederholt öffentlich gemacht. Referenzkunden wie der Automatenhersteller Höft & Wessel aus Hannover setzen explizit aus Gründen der Kosteneffizienz auf die Plattform-kombination SAP DB und Linux, im konkreten Fall von Suse. Geplant ist die Einführung von mySAP All-in-One it.engine in zwei großen Schritten. Im August dieses Jahres erfolgte der Start der ersten Phase mit der Einführung der Funktionsbereiche für die Finanz- und Anlagenbuchhaltung, Controlling und Personalabrechnung sowie das Projektsystem im kaufmännischen Bereich. In der zweiten Phase, die Anfang des Jahres 2004 beginnen soll, implementiert Iitelligence die Logistikkomponenten zur Unterstützung des Vertriebs, der Materialwirtschaft, Produktplanung sowie Qualitätsmanagement und Kundenservice. Im Endausbau sollen bei Höft & Wessel rund 300 MitarbeiterInnen weltweit mit dem neuen System arbeiten.

Inwieweit Microsoft mit seiner bereits erwähnten Mittelstandsinitiative – selbstredend Linux-frei – gegen das Angebot der anderen Branchen-Schwergewichter halten kann, bleibt abzuwarten.

Suse hat längst den Mittelstand als Marktnische entdeckt: Die Produkte für den Unternehmenseinsatz sind vielfältig – so etwa die Suse Linux Enterprise Plattform oder der Suse Linux Desktop. Das Enterprise-System zeichnet sich durch seine plattformunabhängigkeit aus (Intel, AMD, PPC, Mainframe, und so weiter), es gibt also nur eine gemeinsame Code Base, eine einheitliche Zertifizierung für Server und Client und das zentrale Management aus. Zudem hat der Nürnberger Linux-Spezialist unmittelbar nach der Systems auf der Linuxworld Expo in Frankfurt den Beitritt zum Object Web-Konsortium mitgeteilt. Ziel des Verbandes ist es, gemeinsam Open Source-basierte Middleware für den Unternehmenseinsatz zu entwickeln.

Durch den Erwerb der Source-Lizenz für die Java 2 Standard Edition (J2SE) im Sommer dieses Jahres erhielt Suse bereits das Recht, Suns Java Virtual Machine (JVM) zu vertreiben. Als Mitglied von Object Web hat Suse nun zusätzlich Zugang zur Entwicklergemeinde vieler Middleware-Komponenten und -Plattformen, wie beispielsweise Jonas, einem Java 2 Enterprise Edition (J2EE)-Server, und Enhydra, einem weiteren Java Applikations-Server, der von Object Web vertrieben wird. Jonas wird mit freier Dokumentation und Einsatzbeispielen geliefert und ist der einzige Open Source-basierte Applikations-Server mit J2EE 1.3-Funktionalität, der nicht gewinnorientiert vertrieben wird. Einige Eigenschaften von Jonas geben bereits einen Ausblick auf J2EE 1.4.

Suse kann eine ganze Reihe namhafter Referenzkunden vorweisen: "Wir haben uns explizit gegen Windows und für Suse Linux auf unseren PC-Arbeitsplätzen entschieden, denn wir gewinnen damit einen klaren Vorteil. Wir realisieren ein enormes Kostensenkungspotential und profitieren von einer deutlich gestiegenen Effizienz", lässt sich beispielsweise der Geschäftsführer der Stuttgarter Lebensversicherung, Manfred Schmid, zitieren.

Der zweite große Linux-Provider Red Hat hat Ende September langfristige Pläne zur Schaffung einer Open Source-Architektur für den Unternehmenseinsatz vorgestellt. Das Hauptaugenmerk gilt dabei dem Systemmanagement und dem Applikations-Support auf unterschiedlicher Hardware. In der ersten Phase will Red Hat den Plattform-Layer entwickeln. Red Hat Enterprise Linux 3 soll als einheitliche Plattform dienen und sieben Hardware-Architekturen sowohl für Client- als auch für Server-Einsätze unterstützen. Die zweite Phase werde sich in Zusammenarbeit mit dem OpjectWeb Consortium, der Apache Software Foundation und der DIDE-Entwicklergemeinschaft auf andere Schlüsselbereiche der Infrastruktur einschließlich eines Web Application Frameworks konzentrieren. Abschließend soll in der dritten Phase integrierte Virtualisierungs-Fähigkeiten für Speicherung, Systembereitstellung und das Management der Applikations-Ressourcen angeboten werden. "Eine Hierarchie allgemein verfügbarer Software-Komponenten wird eine modulare Struktur von Technologien ermöglichen. Das wird in hoher Skalierbarkeit und Verwaltbarkeit der gesamten Unternehmensinfrastruktur führen", erklärte Paul Cormier, Executive Vice President Engineering bei Red Hat.

Aktuell bietet Red Hat ein ähnliches Portfolio wie der Nürnberger Konkurrent Suse: Red Hat Enterprise Linux bildet die Basis für Open Source-Anwendungen im Unternehmen. Die drei verfügbaren Produkte sollen den gesamten Bereich vom Desktop bis zum Datacenter abdecken: Enterprise Linux AS bietet sich als Lösung für Server in großen Abteilungen und Datencentern an. Enterprise Linux ES bietet die gleichen Kernfähigkeiten wie die AS-Version, ist jedoch eher für kleinere bis mittlere Systeme auf x86-Basis mit maximal zwei CPUs und acht GByte Hauptspeicher konzipiert. Linux WS schließlich ist die Desktop/Client-Ergänzung für Enterprise Linux AS und Enterprise Linux ES.

Weitere Baustelle nicht nur für Mittelständler: Open Source als Basis für Web Services - was zu einer weiteren, vom CIO Siegfried Lautenbach vom Mittelständler Beck et al aufgeworfenen grundsätzlichen Frage führt: Soll ein Unternehmen bei der Entwicklung von Web Services auf J2EE oder doch Microsofts .Net setzen? Analysten der Burton-Group hatten sich nur wenige Tage vor der Systems unzweideutig geäußert[7]: Burton-Analystin Anne Thomas Manes erklärte auf der hauseigenen Catalyst-Konferenz in Barcelona, generell würde sie eher zu .NET für den Aufbau von Web-Services raten. In Ihrer Analyse "Platforms and Integration: Building Secure Web Services" lässt sie keinen Zweifel daran, dass sich demnächst die IBM/Microsoft/BEA-Fraktion gegenüber dem von Sun angeführten Lager durchsetzen wird. Allerdings ist Unfehlbarkeit nicht gerade ein ausgewiesenes Zeichen von Marktprognostikern.

Zur Lachnummer hat sich der mittlerweile allseits bekannte Linux-Distributor SCO entwickelt. Wie laufend berichtet hatte das Unternehmen unter Führung von Darl McBride kurz vor der CeBIT 2003 Klage gegen IBM erhoben. Darüber hinaus fordert man von praktisch allen Nutzern des Linux-Codes Lizenzgebühren. SCO stützt sein Ansinnen auf die Behauptung, diverse Zeilen von Unix, an dem das Unternehmen Rechte besitze, seien in Linux eingeflossen. Die von SCO zurzeit erhobenen Lizenzgebühren belaufen sich auf 699 Dollar für einen Server mit einem Prozessor, 1149 Dollar für einen mit zwei Prozessoren und 2499 Dollar für eine Konfiguration mit vier CPUs. Für Desktops verlangt SCO eine Lizenzgebühr von 199 Dollar, für Embedded Devices wie Handhelds und CD-Player 32 Dollar.

"Nur Dumme haben bisher Geld an SCO überwiesen", erklärte ein ungenannt bleiben wollender CIO eines deutschen Mittelstandsunternehmens. "Der Rest wartet auf den Kernel 2.6 und setzt dann den ein. Der soll komplett frei sein von fragwürdigem Code." Unterstützung erfährt der CIO aus Kollegenkreisen: "Selbst wenn SCO vor Gericht Recht erhält – was soll passieren? Mehr Lizenzgebühren als an Microsoft werden auch nicht fällig werden."

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[7] = http://www.zdnet.de/itmanager/unternehmen/0,39023441,39116593,00.htm