Utility-Computing: Eine Frage des Nutzens

(http://www.zdnet.de/magazin/39116160/utility-computing-eine-frage-des-nutzens.htm)

von David Braue, 6. Oktober 2003

On-Demand ist zwar Hype, doch ist es den großen Lösungsanbietern bisher nicht gelungen, ihre angestrebten Kunden zu überzeugen. ZDNet analysiert die unterschiedlichen Visionen, Strategien und Ansätze dieses zukunftsträchtigen Computing-Modells.

Hersteller von Anwendungen und Service-Provider wollen unbedingt Ihr Geschäft - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Zumindest haben sie dies fast ein Jahrzehnt lang gesagt und immer wieder ausführlich die potenziellen Vorteile ausgeführt, die es mit sich bringen könne, wenn ein Unternehmen die Komplexität seiner wichtigsten IT-Funktionen an einen unabhängigen Service-Provider ausgliedern würde.

Trotz ihres Enthusiasmus ist es den Herstellern bisher nicht gelungen, ihre angestrebten Kunden wirklich zu erreichen, und diese setzen ihre Anwendungen größtenteils weiter auf die altmodische Weise ein. Anbietern, deren lahmende Umsätze jede Art von Garantie für längerfristige Einnahmen gut gebrauchen könnten, ist diese Tatsache eine Quelle ständiger Frustration - man schaue sich nur die Reihe der einstmals optimistischen Application Service Provider (ASPs) an, die auf Grund mangelnder Nachfrage schließen mussten.

Trotz ihres Unvermögens, die Bereitstellung von Anwendungen zu revolutionieren, versuchen viele der führenden Unternehmen der Branche derzeit ein neues Geschäftsmodell ins Leben zu rufen. Dieses soll einen IT-Markt beleben, der in den letzten Jahren alles andere als vital auftrat.

Glaubt man dem Hype, wird das so genannte Utility-Computing, indem es den Zugang zu Computing-Ressourcen in Unternehmen kinderleicht macht, für die Informationstechnologie das sein, was landesweite Stromnetze für die Elektrizität waren. Dies soll, so wird gesagt, geschehen, indem eine fünfte öffentliche Versorgungseinrichtung neben Gas, Wasser, Strom und Abwassersystemen aufgebaut wird, welche massive und untereinander verknüpfte Server-Arrays zur Verfügung stellt. Anstatt Anwendungen selbst auszuführen, zapfen die Kunden dann einfach zu jeder beliebigen Zeit denjenigen Dienst an, den sie aktuell benötigen und zahlen die Rechnung dafür am Ende des Monats. Klingt einfach? Genau so wird es momentan dargestellt.Es gibt Anzeichen dafür, dass Kunden dieses Konzept tatsächlich mögen - zumindest im Allgemeinen. In einer kürzlich unter 34 IT-Unternehmensnutzern durchgeführten Umfrage kam das Forschungsinstitut IDC zu dem Ergebnis, dass annähernd 65 Prozent dieser Kunden sagten, sie seien an Utility-Computing interessiert. In Anerkennung der aufstrebenden Situation der Branche riet IDC den potenziellen Marktführern, "die Gelegenheit des ersten Anbieters zu nutzen", um sich eine Position im Markt zu sichern. Der Markt wiederum hat mit seiner üblichen Dosis an Übertreibung reagiert: Utility-Computing hat sich für IBM, HP und Sun Microsystems zu einem Schlagwort entwickelt; jedes dieser Unternehmen arbeitet fieberhaft daran, seine langfristige Position in diesem neuen und aufstrebenden Markt zu zementieren.

Die einzelnen Visionen dieser Unternehmen sind dabei tief in der jeweiligen Produktstrategie verwurzelt: IBM, mit seiner Vision eBusiness on-Demand, sieht Utility-Computing auf der Grundlage seiner WebSphere-Anwendungsserver: Logisch partitionierbare Linux-Mainframe-Server, die in der Lage sind, Tausende von virtuellen Servern gleichzeitig zu betreiben, selbst heilende Systeme und Anwendungen sowie J2EE-basierte Web-Services zur Verknüpfung all dieser Einrichtungen über verteilte Netzwerke hinweg.

HP konzentriert sich stärker auf Utility-Computing als Methode für den Zugriff auf zusätzliche Computing-Ressourcen, wobei das Adaptive Networking-Schema die Vorstellung eines selbstverwaltenden, stets verfügbaren Netzwerks verfolgt, welches Anwendungen praktisch auf Abruf bereitstellt. HP bietet in seinen Servern bereits bei Bedarf aktivierbare Kapazitäten an, wie zum Beispiel bei seinem Produkt "Superdome", das mit zusätzlichen unbenutzten Prozessoren oder Speicherkapazitäten ausgeliefert werden kann, welche bei Bedarf zur gebührenpflichtigen Aktivierung durch den Kunden bereitstehen.

"Es wird langsam möglich, Software als Dienstleistung zu behandeln, und weiter auf diese Business-Utility-Idee zuzugehen", so Roy Brady, Strategie- und Marketing-Manager bei HP Services Asia-Pacific. "Eine gute Möglichkeit zur Vereinfachung ist die Standardisierung einer Reihe von Design-Prinzipien bezüglich Standardisierung, Konsolidierung, Modularität und Integration. Dann lässt sich Modularität schaffen, mit der man einige Teile der Anwendungsinfrastruktur verändern kann, ohne andere Teile zu beeinflussen. Dies ist revolutionär und baut auf vielen Dingen auf, die wir in den letzten Jahren entwickelt haben."Mit der N1-Architektur verfolgt Sun einen ähnlichen Ansatz. Diese Architektur wird darauf abzielen, ein selbstverwaltendes Utility-Computing-Ökosystem aufzubauen, welches vom dem reichen Erbe des beliebten Betriebssystems Solaris und von Suns kontinuierlichem Engagement für das von ihm entwickelte Java profitieren kann.

Frühe Schätzungen hinsichtlich der Akzeptanz dieser Architektur erwiesen sich jedoch als bestenfalls optimistisch: Sun jedenfalls hatte die Einführung von N1 als dreiteiligen Prozess vorgesehen, bei dem die Kunden in den Jahren 2002, 2003 und 2004 durch die Phasen Virtualisierung, Bereitstellung von Services bzw. Richtlinienautomatisierung laufen sollten. Heute, da schon die Hälfte dieses Zeitplans durchlaufen ist, haben die meisten Unternehmen immer noch nur eine vage Vorstellung vom Konzept des Utility-Computing, und nur sehr wenige potenzielle Kunden haben überhaupt Schritte unternommen, irgendetwas in dieser Richtung zu unternehmen.

Diejenigen, die tatsächlich etwas Derartiges angegangen sind, haben dies im Rahmen größerer Outsourcing-Verträge getan. Unternehmen wie JP Morgan Chase, AXA Insurance, Deutsche Bank und Canada Life haben allesamt kürzlich milliardenschwere Outsourcing-Verträge mit IBM Global Services abgeschlossen. Diese beinhalten groß angelegte Server-Konsolidierungen und die Fähigkeit, bei Bedarf Zugang zu zusätzlichen Kapazitäten zu erhalten.

In diesen Verträgen geht es aber im Grunde nicht um den Aufbau eines Utility-Computing, sondern viel eher um natürliche Zentralisierung. Eine revolutionäre Methode der Bereitstellung von Anwendungen oder neuer Technologien sind hier nicht vorgesehen. IDC betrachtete den konservativen Ansatz dieser Unternehmen hinsichtlich des Utility-Computing als eine Möglichkeit, die Risiken einer an sich schon sehr riskanten Veränderung zu minimieren. Wenn sich die Unternehmen zu früh auf das Utility-Computing-Modell einlassen, könnten sie nicht nur leicht die Kontrolle über ihre IT-Systeme verlieren, sondern im Falle von Problemen sogar ganz ohne Backup dastehen.Diese Sorgen klingen vielleicht vertraut: Denkt man einige Jahre zurück, wird man sich an eine ähnlich gefährliche Philosophie erinnern, die ebenfalls versprach, die Art und Weise der Bereitstellung von Anwendungen zu verändern. Application Service Provider (ASPs), die 1998 die Märkte mit dem Versprechen stürmten, die Implementierungszeiten radikal zu verringern, indem sie Kunden den Zugang zu gehosteten Unternehmensanwendungen vermieten würden, schienen dereinst entschlossen, die Welt zu verändern.

Jedoch vergaßen diese Unternehmen - von denen viele auf milliardenschwere Investitionen zurückgreifen konnten, die eine damals noch naive dot.com-Investorengemeinschaft aufbrachte - dass die Wirklichkeit alles andere als ein Gedankenspiel ist. Es war zwar bereits technisch machbar, dass Unternehmen große Anwendungen wie SAP R/3 auf den Computern eines anderen Unternehmens betrieben und den Zugang zu dieser Anwendung mieteten bzw. vermieteten, es stellte sich jedoch schon bald heraus, dass kommerzielle ASP-Dienste in für ein lebensfähiges Geschäftsmodell nötigen Größenordnungen nicht durchführbar waren.

Reiche US-Unternehmen wie Pandesic, HotOffice und Red Gorilla mussten schließen, während australische Firmen wie Peakhour, ZLand, ASP Pty Ltd, Tequinox und Managed IT sich entweder einfach in Luft auflösten oder stillschweigend wieder in den Schoß ihrer Mutterunternehmen integriert wurden, wo sie fortan als verwaltete Service-Abteilungen tätig waren. Obwohl bei Firmen wie Allegiance Systems - einem Dienstleister für die ausgelagerte Verarbeitung und Abrechnung der Personallöhne, der vor einigen Jahren 3,8 Mio. Dollar investierte, um sein gesamtes Unternehmen auf ASP umzustellen - immer noch ASP-Dienste eingesetzt werden, sind solche Dienste eigentlich nur dann erfolgreich, wenn es um die Bereitstellung spezifischer Nischen-Anwendungen oder -Dienste geht, die, wie eben zum Beispiel die Lohnabrechnung, schon seit langem ausgelagert werden. Andere eng umrissene verwaltete Dienste, wie zum Beispiel Buchhaltungsprogramme, Produktivitäts-Tools oder gehostetes Microsoft Exchange konnten ebenfalls einen gewissen Erfolg verzeichnen.

Die halbherzige Reaktion der Kunden auf die ASP-Bewegung zeigte die wesentlichen Probleme auf, die die Hersteller mit der Vermutung hatten, die Kunden wären bereit, die Verantwortung für ihre gesamten IT-Infrastrukturen an Drittanbieter abzugeben. Während die Anbieter behaupteten, sie könnten Vorlagen verwenden, um viele Nutzer gleichzeitig mit Unternehmensanwendungen zu versorgen, waren jene Kunden im Allgemeinen nicht gewillt, die Gleichheit, von der das ASP-Modell ausgeht, auch wirklich zu akzeptieren.Nun, da das ASP-Konzept unter dem Namen Utility-Computing wieder auferstanden ist, stehen die IT-Nutzer in Großunternehmen vor ähnlichen Entscheidungen wie schon vor einigen Jahren. Die Hersteller überschlagen sich förmlich, um zu beweisen, dass dieses Mal alles besser funktionieren wird.

So vergleicht Brady von HP die aktuelle Frühzeit des Utility-Computing mit der Frühzeit der Elektrizität, als jede Stadt ihren eigenen Generator hatte und es "eine Unmenge unterschiedlicher Standards gab". Martin Duursma, Vice President Advanced Products bei Citrix Systems, sagt, Utility-Computing würde dafür sorgen, dass Anwendungen "wie ein Wasserhahn funktionieren - man öffnet ihn und schon bekommt man Wasser; noch dazu steht das ganze System einfach durchgehend zur Verfügung."


Martin Duursma,
Citrix Systems
Das klingt nett, jedoch verdeckt dieser Vergleich einige schwerwiegende Probleme. Das von den Herstellern beschriebene Utility-Modell krempelt die Kette der Verantwortung um und zwar bis zu dem Punkt, an dem Daten als eine generische, öffentliche Dienstleistung betrachtet werden, die von einem anonymen Großkonzern bereitgestellt werden. Aber Daten sind nicht einfach nur ein generischer Gebrauchsgegenstand wie andere öffentliche Dienstleistungen: schließlich kommt Wasser in nur einer Geschmacksrichtung aus dem Hahn, es gibt allerdings nicht zwei Datentypen, die einander genau entsprechen.

Für Rajat Kumar, Senior Advisor für Advanced Technologies bei Microsoft Australia, trübt dieses Argument die Legitimation des Utility-Computing beträchtlich. "Elektrizität hat zum Ziel, andere Dinge anzutreiben, und sie ist ziemlich standardisiert", erklärte er.

"Wäre es beim Computing so, dass alle die gleichen Daten-Bits besäßen, gäbe es viel kleinere Probleme. Aber wir reden hier von unterschiedlichen Schemata und Anwendungs-Oberflächen, es gibt sehr viele Variablen, die das Utility-Konzept vom normalen Computing unterscheiden. Wenn man sich Utility-Computing als ausschließlich zyklusorientiert vorstellt, beginnt man, es als Gebrauchsgegenstand zu sehen. Fragt man sich jedoch, was man mit diesen Zyklen anfangen kann, wird die Metapher ganz anders gewichtet und dann handelt es sich nicht mehr um einen Gebrauchsgegenstand."Die Lösung dieser Widersprüchlichkeit ist eines der wichtigsten Hindernisse für die an der Entwicklung des Utility-Computing beteiligten Unternehmen. Wie jeder weiß, der bereits einmal an einem IT-Projekt gearbeitet hat, handelt es sich bei den heutigen Anwendungen um komplexe Zusammenstellungen von Thick- und Thin-Clients, von Middleware, zentralen und verteilten Datenbanken, Web- und Anwendungs-Servern, Service-Monitors, technischem Support und Auflösungsdiensten.

Damit Utility-Computing überhaupt in die Lage kommen kann, solche Fähigkeiten über eine generische, öffentliche Infrastruktur bereitzustellen, bedarf es beträchtlicher Fortschritte von Seiten der Anwendungsentwickler - sofern dies überhaupt möglich ist. Aber es besteht Hoffnung: Entwickler verfügen heute über viele Tools, die sich noch in der Planung befanden, als die ASP-Anbieter versuchten, den Markt aufzurollen.

Am bemerkenswertesten ist es, dass Web-Services aufgetaucht sind, die Anwendungskomponenten in weit voneinander entfernten Standorten miteinander verknüpfen können. Sowohl die .NET als auch die J2EE Web-Service-Modelle erlauben es Anwendungen, nahtlos über eben jene Art von verwalteter Umgebung zu funktionieren, die ein wesentliches Merkmal des Utility-Computing wäre. In Bezug auf Web-Services befinden sich die Kunden immer noch erst ganz am Anfang, obgleich anfängliche Experimente bewiesen haben, dass das Konzept lebensfähig ist, während die Standardisierungsorganisationen immer noch mit der Entwicklung des entsprechenden Vokabulars beschäftigt sind.

Da immer intelligentere Systeme zur Überwachung der Service-Performance und der Ressourcen-Zuteilung entwickelt werden, ist Management ein weiteres wichtiges Element des Utility-Computing. HP geht diese Herausforderung natürlich mit seiner allgegenwärtigen OpenView-Software an, während IBM und Sun über ihre eigenen Management-Strategien verfügen. "Es ist sehr viel fortschrittlicher und solider als ASP, denn die Hersteller selbst entwickeln ihre Anwendungen als Komponenten und als Service-orientierte Architektur", so Brady von HP.Häufiger auftretende Charakteristiken existierender Produkte bestätigen, dass zumindest die frühen Utility-Computing-Modelle großteils Zusammenstellungen leicht modifizierter vorhandener Technologien sein werden. Wichtig ist, dass sich diese Tools auf eine Art und Weise entwickeln, die es möglich macht, Computing-Utilities vor Ort zu entwickeln und für die interne Bereitstellung durch Geschäftskunden zu verwenden.

In dieser Hinsicht würde Utility-Computing kaum mehr sein als eine Marketingoperation, eine neue Art des Verweisens auf bereits im Einsatz befindliche Technologien. Diese Technologien werden momentan schnell mit der Art von 'Selbst-Reflexivität' ausgebaut, die notwendig ist, um Verfügbarkeitsniveaus zu wahren, die denen der Produkte der öffentlichen Versorgungsbetriebe entsprechen. So hat beispielsweise IBM besonders darauf geachtet, seine Anwendungen mit Fähigkeiten zur Selbst-Überwachung und Selbst-Reparatur auszustatten - Fähigkeiten, die absolut notwendig sind, damit Utility-Computing auf die von seinen Befürwortern beschriebene Art und Weise funktionieren kann.

"Dies bedeutet, dass sich die Menschen in Bezug darauf, wie sie diese Services konsumieren, nicht mehr um die örtlichen Gegebenheiten sorgen müssen", so Duursma von Citrix. Duursma ist der Ansicht, dass die Architekturkomponenten des Utility-Computing größtenteils bereits vorhanden sind, dass aber in den Bereichen Service-Management, Verbrauchsmessung und der exakten Berechnung einzelner Dienste noch Verbesserungsbedarf besteht. "Die Einzelteile sind alle da, aber alle diese Komponenten - und dazu gehören auch die von Citrix - müssen noch weiter verbessert werden."Aus Sicht der Anwendungen geht es beim Utility-Computing hauptsächlich um den Vertrieb von Anwendungskomponenten über ein hoch verfügbares Netzwerk. In den meisten bisherigen Diskussionen waren die Details dieses Netzwerks etwas verschwommen und das Internet oder ein privates IP-Netz wurde als Übertragungsmechanismus angenommen. In dem Modell, das die Hersteller beschreiben, wird das Netzwerk - eine immer aktive, hoch verfügbare Infrastruktur, die intern redundant und universell genauso verfügbar ist wie das Stromnetz - allerdings genauso wichtig sein müssen wie der Rest der Technologie.

Die Bemühungen um den Netzwerk-Anteil des Utility-Computing erfuhren eine vielleicht symbolische, vielleicht auch wirklich entscheidende Unterstützung, als australische Forscher von den Universitäten Sydney, Melbourne, Adelaide und der Australian National University den Prototyp eines Computing-Versorgungsnetzes ('Grid') vorstellten, der Software einsetzte, um eine massive Berechnung unter Linux-basierten Desktop-PCs an jedem der verschiedenen Standorte zu verteilen.

Mit Hilfe der eigens entwickelten GridBus-Software und der Grid-Middleware Globus Toolkit (www.globus.org[1]) gelang es den Forschern, die Analyse eines 10 TB großen Datensatzes zu beschleunigen, indem sie die Software zur Steuerung des Grids verwendeten und die Daten so unter den Systemen verteilten. Anschließend wurden die Ergebnisse an die Forscher übermittelt, die die Analyse nutzen konnten, ohne jeweils über eine eigene Kopie der Daten verfügen zu müssen.

Raj Buyya, Leiter des Grid Computing and Distributed Systems Laboratory der Universität Melbourne, sagte, dass dieser erfolgreiche Versuch die wertvolle Rolle beweise, welche Utility-Computing für Unternehmen einnehmen könnte, die nur zeitweise komplexe analytische Fähigkeiten benötigen."Es gibt Unternehmen, die benötigen nur einmal im Monat die Fähigkeit zur Durchführung extrem präziser Berechnungen, beispielsweise wenn sie ihre Verkaufberichte aufstellen", so Buyya. "Das Grid ist ausschlaggebend daran beteiligt, diese Art von Computing zu ermöglichen, indem es den Unternehmen erlaubt, diese Fähigkeiten auf der Grundlage ihrer jeweiligen Anforderungen an die Quality-of-Service zu konsumieren. Ist ein bestimmter Service sehr dringend, zahlen sie sicherlich auch gern einen höheren Preis dafür. Allerdings benötigt man dafür eine Computertechnologie, die dies auch wirklich leisten kann."

Der erwähnte Prototyp lief über das Internet, zukünftige Computing-Grids werden aber wahrscheinlich auf High-Speed-Infrastrukturen wie dem von AARNET geführten GrangeNet oder den CSIRO-gesteuerten CeNTIE Grid Computing-Netzen aufsitzen. Sollte Utility-Computing mit der Zeit angenommen werden, werden die Telekommunikationsunternehmen sicherlich eigene Glasfasernetze dedizieren, um hohe Leistung und Verfügbarkeit zu unterstützen.

Schließlich werden solche Versorgungsnetze für Utility-Computing einen gemeinsamen Management-Kern benötigen, damit die Architekturunterschiede zwischen den einzelnen Knoten weniger bedeutend werden. Web-Services bieten dieses Niveau an Abstraktion auf Anwendungsebene, während Globus ein Beispiel für einen Grid-Controller auf niedrigerer Ebene darstellt, der zur Synchronisation der Grid-Knoten erforderlich sein wird. Der Einsatz einer solchen Technologie wird es den Anbietern von Utility-Computing erlauben, die von ihnen angebotenen Anwendungen auf effektivere und effizientere Art und Weise zu vertreiben.

Das Globus Project ist dabei, sich zu einem De-facto-Standard für Utility-Computing zu entwickeln. Dieser Trend erfuhr einen Aufschwung, als IBM kürzlich ankündigte, die Web-Services-basierte Open Grid Services Architecture (OGSA) von Globus in Linux, AIX, eSeries, Mainframe-Server, WebSphere-Anwendungsserver und seine Datenbank DB2 integrieren zu wollen. Das umfassende Engagement des Unternehmens für Grid-Computing wird anderen Wettbewerbern das Tempo vorgeben und möglicherweise als Starthilfe für das Bewusstsein einer Utility-Computing-Infrastruktur für Anwendungen dienen.Kunden stehen allen großen Architekturveränderungen natürlich skeptisch gegenüber und es wird an den potenziellen Anbietern liegen, sie vom Wert und der Lebensfähigkeit dieses Modells zu überzeugen. Unternehmen können davon ausgehen, dass die Hersteller Utility-Computing und seine Vorteile für Organisationen in den nächsten Jahren immer aggressiver bewerben werden. Gartner Dataquest sagte kürzlich voraus, dass die Kunden sich bis 2006 so weit mit dem Konzept angefreundet haben werden, dass Utility-Services 31 Prozent des Marktes für IT-Management-Services ausmachen werden.

Aber nicht nur die Kunden werden sich umstellen müssen. Auch Integratoren, ISVs und andere Mitglieder der IT-Nahrungskette werden gezwungen sein, ihre jeweiligen Rollen zu überdenken und ihre Dienste entsprechend neu zu definieren. Da Utility-Computing potenziell in der Lage ist, vielen Mittlern, die derzeit an der Bereitstellung von IT-Services beteiligt sind, die Privilegien zu entziehen, warnen Analysten bereits, dass Service-Provider ihren Mehrwert für Kunden überdenken werden und sich verändern müssen, um das Utility-Modell annehmen zu können.

"Einige wenige Outsourcing-Anbieter werden die Fähigkeit oder die Ressourcen besitzen, um am hochwertigen und hochpreisigen Marktsegment auch weiterhin ihren Wert anbieten zu können", sagt Gartner voraus und legt damit nahe, dass viele Outsourcing-Anbieter "in den Arenen niedrigerer Werte operieren werden müssen, in der Kostenbewusstsein der entscheidende Erfolgsfaktor sein wird. Ein alles andere als glorreiches Schicksal wartet also auf viele Anbieter, die weiterhin die Augen verschließen, während die wahren Konsequenzen der steigenden Annahme des preisgünstigeren Utility-Computing durch die Kunden offensichtlich werden." Fast 25 Prozent der bisher am Markt operierenden Unternehmen, so Gartner Dataquest weiter, werden sich nicht anpassen können und somit einfach verschwinden.

Solche Behauptungen versprechen beträchtliche Veränderungen im IT-Markt durch die Verankerung von Utility-Computing. Es wäre jedoch auch nicht das erste Mal, dass sich Analysten und Anbieter gleichermaßen in ihren Bemühungen, die Marktchancen auf Grund einer neuen Technologie korrekt einzuschätzen, zu euphorischen Äußerungen hinreißen lassen. Für die Kunden ist das Versprechen des Utility-Computing vielleicht verführerisch, jedoch müssen sie realistische Vorstellungen bezüglich seiner Einführung haben. Die Tatsache, dass es sich momentan nur um sehr viele Halbfabrikate handelt, bedeutet, dass es noch Jahre dauern wird, bevor diese Unternehmen überhaupt in Betracht ziehen sollten, mehr zu tun, als sich zu informieren und weiterzubilden.

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[1] = http://www.globus.org