Das war 2002: Das dritte Jahr der IT-Krise brachte mehr als nur Pleiten und Pannen. ZDNet fasst die wichtigsten Meldungen und Innovationen des Jahres 2002 zusammen.
Was haben der verunglückte Öltanker Prestige und Britney Spears gemeinsam? Sie beide trieben in diesem Jahr als Viren ihr Unwesen. Das Jahr 2002 brachte aber nicht nur neue digitale Übeltäter, sondern auch zahlreiche Firmenpleiten, überraschende Gerichtsurteile zu IT-Themen und Produktinnovationen, die es in sich hatten. ZDNet liefert die 60 Top-News des Jahres: Aus jedem Monat wurden die fünf wichtigsten Nachrichten herausgesucht und zusammengefasst.Nach fast einmonatiger Pause geht der Mobilfunkanbieter Quam wieder an den Start[1]. Quam hatte ab dem 12. Dezember des Vorjahres sein Neukundengeschäft eingestellt, nachdem eine Vermittlung von und zu D1- und D2-Kunden nicht möglich war. "Quam lässt sich nicht ausbremsen und wird sich seinen Platz im deutschen Mobilfunkmarkt erkämpfen", erklärt der Chef des Unternehmens, Ernst-E. Folgmann.
Intel knackt mit dem Pentium 4 die 2 GHz-Grenze[2]. Hauptmerkmal des neuen Prozessors ist der Northwood-Kern sein, der erstmals die 0,13 Mikron-Fertigungstechnik sowie Kupfer anstelle von Aluminium einführt. AMD antwortet mit dem Athlon XP 2000+.
Der Anwalt Günter Freiherr von Gravenreuth macht wieder von sich Reden[3]. Im Auftrag eines nicht genannten Klienten hat er eine einstweilige Verfügung gegen die Suse Linux AG erreicht. Die Firma darf keine Suse Linux-CDs mehr an die Händler weitergeben, bestehende Bestände dürfen jedoch an Endkunden verkauft werden. Das Verbot hat jedoch nur wenige Tage bestand[4].
Der "Hacker" Kim Schmitz gibt ein Jahr nach seinem Einstieg bei Letsbuyit.com auf und verlässt[5] Deutschland. Die Aktie von Letsbuyit.com ist indes auf ein neues Rekordtief von nur noch vier Cent abgerutscht - als Schmitz in das Unternehmen einstieg, notierte das Papier noch bei 40, kurz darauf bei über 90 Cent. Wenige Tage nach seinem Abschied aus Deutschland kündigt Kim Schmitz seinen Freitod[6] an. An seinem 28. Geburtstag will er das irdische Dasein beenden. Die Surfer sind eingeladen, dem Ereignis beizuwohnen.
Mit Klez taucht der schlimmste Virus des Jahres[7] in Europa auf. Microsofts Outlook und Outlook Express führen den im Oktober vergangenen Jahres erstmals entdeckten Virus automatisch bei der Vorschau der E-Mail aus.Bereits Anfang Februar war dem jetzt finanziell stark gebeutelten Mobilfunker Mobilcom der Angstschweiß auf die Stirn geschrieben. Der Büdelsdorfer verschob nach der Deutschen Telekom ebenfalls den Starttermin für UMTS[8]. Stand anfangs noch die zweite Jahreshälfte 2002 im Raum, war bald klar, dass der Launch frühestens Ende des Jahres oder Anfang 2003 sein könnte.
Der Monat stand sonst ganz im Zeichen der CeBIT-Vorfreude. So kündigten viele Unternehmen bereits vorab Produktneuheiten an, die sie auf der weltgrößten Computermesse ausführlich präsentierten. Handheld-Hersteller Palm gewährte Entwicklern bereits Anfang Februar - weit vor der Fertigstellung - einen Einblick in die Version 5 von Palm OS[9]. Der Hersteller wollte damit sicherstellen, dass die Programme der Entwickler auch einwandfrei auf der Final Version laufen.
Nur wenige Tage später sickern Details zum ersten deutschen I-Mode Handy N21i von NEC[10] durch. E-Plus will das Gerät mit seinem zehnzeiligen 120 x 160 Pixel großen 256 Farb-LCD ab März in Deutschland vertreiben.
Gegen Ende des Monats hatte in Japan unter großem Gedränge in Elektronikläden und Kaufhäusern die neue Computerspielkonsole X-Box von Microsoft[11] ihren ersten offiziellen Auftritt. "Das ist heute ein großer Meilenstein", sagte Microsoft-Gründer Bill Gates bei der Premiere in einem Geschäft im Ausgehviertel Shibuya der Hauptstadt Tokio.
Intel stellt Chips mit einigen hundert Millionen Transistoren und mehreren GHz in Aussicht, als der Hersteller die 0,13 Mikron-Technologie[12] offiziell vorstellt. Ab sofort produzierte der weltgrößte Halbleiterproduzent Mikroprozessoren im 0,13-Mikron Prozesses in seiner 300 Millimeter Waferfabrik im US-amerikanischen Hillsboro.Der Frühlingsmonat startet mit einem großen Ooops: Virenschreiber did it again und versuchten mit dem Namen von Britney Spears möglichst viel Unheil anzurichten: Nach Anna Kournikova und Jennifer Lopez wurmt mit dem Britney-Virus[13] die dritte Prominente.
Kurz darauf eröffnet Bundeskanzler Gerhard Schröder die CeBIT 2003[14], die erstmals mit roten Zahlen auf sich aufmerksam macht. Zum Beginn steht fest, dass deutlich weniger Aussteller gekommen sind. Zum Ende muss die Deutsche Messe eingestehen, dass 18 Prozent weniger Messebesucher den Weg nach Hannover gefunden haben.
Pünktlich zur CeBIT geht E-Plus mit seinem I-Mode-Dienst an den Start[15]: Das erste und bis kurz vor Jahresende einzige passende Handy kostete zum Start 249 Euro, wurde aber kurze Zeit später um 80 Prozent im Preis gesenkt. Dennoch blieb bis Ende 2002 der große Erfolg aus. Offensichtlich kommt das mobile Internet bei deutschen Handykunden nicht so gut an wie in Japan.
Mit einer weiteren schlechten Nachricht sehen sich die Mitarbeiter von HP und Compaq in Deutschland konfrontiert: Wegen der Fusion soll jede zehnte Arbeitsstelle wegfallen[16]. Unmut wird auch von prominenter Stelle geäußert: Walter Hewlett verklagt Ende März das Unternehmen HP. Er wirft dem Unternehmen vor, bei den HP-Aktionären mit unzulässigen Mitteln für den milliardenschweren Zusammenschluss zum zweitgrößten Computerhersteller der Welt geworben zu haben.
Doch allen Negativmeldungen zum Trotz: "Die Stimmung im Land ist besser als erwartet" - dies ist zumindest das Ergebnis von Europas größter Online-Umfrage, Perspektive Deutschland[17], das Ende März veröffentlicht wird. Ein klares Zufriedenheitsgefälle trat außerdem zu Tage: Demnach sind alle ostdeutschen Bürger, die am Voting teilnahmen, eher unzufriedern, eine höhere Zufriedenheit als der Schnitt herrscht in allen West-Ländern.Aus einer Erklärung an die zuständigen Behörden in Kalifornien geht hervor, dass die Firma Brilliant Digital Entertainment von den Nutzern weitgehend unbemerkt eine P2P-Software namens "Altnet Secureinstall" an die Tauschssoftware von Kazaa angehängt[18] hat. Seit dem Herbst des vergangenen Jahres wird die 3D-Werbesoftware von Brilliant mit auf Millionen Rechnern weltweit geladen - und damit auch die Distributed Computing-Software der Firma. Brilliant-Chefs Kevin Bermeister will in den kommenden Wochen die überschüssige Rechenpower der Anwender ausnutzen - nachdem es die Erlaubnis dazu eingeholt geholt habe. Nach heftigen Protesten verschwindet Bermeister und seine Firma wieder von der Bildfläche.
Intel geht ein halbes Jahr nach Einführung der Modellnummern für den Athlon XP öffentlichwirksam dagegen vor. Intel behauptet, dass die AMD-Modellnummern - anders als unter anderem auch von ZDNet ermittelt - nichts mit der tatsächlichen Performance[19] des Prozessors zu tun haben.
Als erster Mobilfunkanbieter Europas startet Vodafone Multimedia Messaging Service[20] (MMS). Mit dem Dienst sind Anwender bekanntlich in der Lage, bunte Fotos, Texte bis 30.000 Zeichen, Musikclips oder auch gesprochene Botschaften als kompakte Multimedia-Nachricht mit dem Handy zu verschicken.
Bill Gates steht erneut vor Gericht[21]. Im Kartellrechtsprozesss gegen sein Unternehmen liefert er anders als bei seinem ersten Auftritt vor drei Jahren eine souveräne Leistung ab.
Nach dem Amoklauf von Erfurt[22], bei dem 16 Opfer und der Täter ums Leben kamen, macht sich die Politik für eine Verschärfung beim Verkauf gewaltverherrlichender Videos und Computerspiele stark.Alles neu macht der Mai, heißt ein Sprichwort. Und so bekommt gleich zu Beginn des Monats die Megafusion[23] zwischen den US High Tech-Unternehmen Hewlett-Packard (HP) und Compaq vom Gericht im US-Bundesstaat Delaware grünes Licht. Zuvor hatte Walter Hewlett, Sohn von HP-Mitbegründer Bill Hewlett, gegen die Mega-Ehe geklagt und verloren. Er warf HP-Chefin Carly Fiorina vor, mit dem Großaktionär Deutsche Bank illegale Absprachen über das Projekt getroffen zu haben.
Mitte Mai ist klar: Der deutsche PC-Markt schrumpft und das zum vierten Mal in Folge, wollen die Marktforscher von Gartner Dataquest in ihrer neuesten Studie[24] herausgefunden haben. Den Angaben zufolge lieferten die Hersteller acht Prozent weniger Rechner aus als noch vor zwölf Monaten. Im europäischen Vergleich sanken die Absatzzahlen hierzulande am stärksten und das mit zunehmenden Maße im Quartalsvergleich.
Die Deutsche Telekom ist auf den Geschmack der kabellosen Netzwerktechnik Wireless LAN gekommen und hat trotz UMTS-Lizenz in den USA mit dem Ausbau der auch als Wifi (Wireless-Fidelity) bekannten Zonen begonnen. Jetzt ist klar: "WLAN-Hotspots"[25] nach dem Standard IEEE 802.11b sollen auch in Deutschland für den mobilen Datenzugriff aufgebaut werden.
Ende Mai steht fest: Der einstige Eishockey-Trainer Gerhard Schmid räumt seinen Posten als Vorstandsvorsitzender[26] bei dem finanziell angeschlagenen Unternehmen Mobilcom. Dem einstigen erfolgreichen Mobilfunkunternehmen des 50-jährigen Selfmade-Man droht die Pleite. Die Hauptversammlung der Aktionäre verweigerte ihm die Entlastung, und der Pariser Anteilseigner France Télécom steht unmittelbar davor, die Kontrolle bei Mobilcom zu übernehmen.
Depressiv endet auch der Wonnemonat für alle Telekom-Aktionäre. So erreicht die einstige Volksaktie des deutschen Vorzeigeunternehmens Deutsche Telekom ein neues Rekordtief[27]. Die T-Aktie notierte nur zwei Tage nach der Hauptversammlung bei nur noch 11,46 Euro. Damit lag das Papier deutlich unter dem bisherigen Allzeittief von 11,76 Euro, das vor einer Woche erreicht worden war. Händler erklärten den starken Rutsch unter anderem damit, dass wegen der Feiertage in vielen Bundesländern - unter anderem am Sitz der Börse in Frankfurt am Main - nur wenig gehandelt wurde.Die Messen lassen weiter nach: Zur Berliner Internet World erscheinen lediglich 550 Aussteller[28], im vergangenen Jahr tummelten sich noch 1000 Firmen unterm Funkturm. Nach der Veranstaltung wird klar, dass sich auch die Zahl der Besucher mit 32.500 glatt halbiert hat. Vom 6. bis 9. Juni fand zudem wieder der Linuxtag[29] statt.
Die T-Aktie durchbricht Mitte des Monats erstmals in ihrer Geschichte die Marke von zehn Euro[30]. Auch der Nemax 50 ist auf ein neues Rekordtief[31] abgerutscht: Der Leitindex der deutschen Technologiewerte notiert bei nur noch 632 Punkten
Mit "W32/Perrun[32]" taucht erstmals ein Virus auf, der sich in einer Bilddatei versteckt. Wirklich schädlich ist er nicht - die Gefahr liegt nach Ansicht von Experten eher in dem Potenzial, das diese neue Virengeneration in sich birgt.
Angesichts seines bevorstehenden Rauswurfs räumt Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid seinen Schreibtisch[33].
Die X-Box ist für Microsoft zunächst ein finanzielles Desaster[34]: Laut Analysten macht der Softwarehersteller aus Redmond im laufenden Geschäftsjahr mit der Konsole einen Verlust von 750 Millionen Dollar. Für das nächste Geschäftsjahr sagen sie ein Defizit von 1,1 Milliarden Dollar voraus. Umgerechnet zahlt Microsoft rund 150 Dollar bei jeder verkauften X-Box drauf.Der Monat beginnt mit einer positiven Nachricht: Zum ersten mal seit langer Zeit schreibt Yahoo wieder schwarze Zahlen[35]: Das Internet-Portal überraschte Analysten mit einem Netto-Gewinn von 21,4 Millionen Dollar.
Nachdem die Gerüchteküche wochenlang gebrodelt hatte, herrschte am Abend des 16. Juli endlich Gewissheit: Ron Sommer ist zurückgetreten[36], wegen des starken Verfalls der T-Aktie war er zunehmend unter Beschuss geraten. Ron Sommer hatte den ehemaligen Monopolisten seit 1995 geleitet, erst im November sollte ein Nachfolger für ihn feststehen. In der Zwischenzeit leitete Aufsichtratchef Helmut Sihler das Unternehmen.
Im Juli traf die Branchenkrise einen echten Dinosaurier: Comtech kündigte an, innerhalb der nächsten vier Wochen alle 62 Filialen für immer zu schließen [37]. Der Computerhändler war seit den 80er Jahren im Geschäft, zum Verhängnis wurde eine Übernahme durch Mobilcom: Die Firma wurde in die Krise des Telkos mit hineingezogen. Kurze Zeit später fand sich jedoch eine Auffanglösung für Comtech.
Glimpflich ging hingegen die Abschaltung des KPNQwest-Netzes vonstatten: Ende Juli schrillten bei Strato die Alarmglocken, nachdem die Holländer ohne Vorankündigung die Leitungen kappten. Im ZDNet-Interview[38] äußerte sich Teles-Vorstand Rochus Wegener ausführlich zur heißen Phase der Umstellung, die für Strato-Kunden angeblich problemlos ablief.
Am gleichen Tag knickte Quam endgültig ein[39]: Die Konzernmutter Telefonica erklärte, ihr operatives Geschäft in Deutschland einstellen zu wollen. Nur wenige Monate nach dem Start zog sich Quam damit wieder zurück - die ehemaligen Kunden konnten zu T-Mobile wechseln oder sahen sich mit einem nicht mehr funktionierenden Netz konfrontiert.Während die Thermometer auf immer neue Rekordwerte stiegen, wurde auch der Streit um die Brenner immer erhitzter[40] geführt: Anfang August einigten sich Bitkom und die Verwertungsgesellschaften auf eine Abgabe für CD-Brenner: Für jeden seit Juli 2001 verkauften CD-Brenner müssen die Hersteller nun sechs Euro an die Verwertungsgesellschaften zahlen, so das Ergebnis der Verhandlungen. Das Ergebnis: CD-Brenner wurden um rund zehn Prozent teurer.
Nicht auf Freitag, sondern bis August mussten Crusoe-Fans warten: Im Sommer-Monat erschien endlich der erste Desktop-PC mit einer Crusoe-CPU[41]. Der "Powermate" war mit einem 15 Zoll-Flachbildschirm sowie einem 900 MHz Prozessor von Transmeta sowie 256 MByte RAM ausgestattet - zu zahlen waren für das Gerät 1599 Dollar.
Mit Popfile.de geht im Sommer das lange geplante deutsche Musikportal online[42]: Das Portal startet zunächst mit 5000 Titeln und ermöglicht den legalen Erwerb kopiergeschützter Musik-Tracks aus dem Programm der UMG.
Kurz darauf machte Michael Dell der Gerüchteküche ein Ende: Das Menue des PC-Herstellers wird um Dell-Drucker und PDAs[43] ergänzt. Gegen Ende des Jahres sollen erste Printer auf der Speisekarte stehen: Der CEO und Gründer bezeichnete beide Sparten als "attraktive Märkte".
Mehr als zwei Jahre nach der Versteigerung der UMTS-Lizenzen steht es endlich fest: Das erste UMTS-Handy soll bis zu 1500 Euro kosten[44] und sprachgesteuerte Menüs besitzen. Erhältlich wird es frühestens ab 2003 sein.In Griechenland schockiert ein neues Gesetz Gaming-Freunde[45]: Die Regierung hat das Spielen auf jeglicher Hardware, also auch auf Handys und Gameboys, verboten. Zunächst unvorstellbar, aber die Gesetzeshüter setzen diese Regelung vehement durch. Das Gesetz mit der Nummer 3037 trat bereits Ende Juli in Kraft, erst jetzt wird es aber durch heimkehrende Urlauber und ZDNet UK international publik.
Unter der inoffiziellen Bezeichnung "das neues Windows XP" gibt Microsoft das Service Pack 1 für Windows XP[46] frei.
Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) legt seine jüngsten Konjunkturdaten für das Jahr 2002 vor [47]. Die Zahlen sind verheerend: Der deutsche Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) werde in diesem Jahr um 1,3 Prozent auf 136 Milliarden Euro schrumpfen. Im ITK-Sektor hat es als Gesamtwert in der Vergangenheit noch nie ein Minus gegeben. Auch die Zahl der Beschäftigten in der ITK-Branche sei erstmals seit Anfang der 90er Jahre rückläufig. Das Beschäftigungsvolumen werde im Jahresverlauf voraussichtlich von 819.000 auf 791.000 sinken.
Nach zwei Jahren steigenden und drei Jahren rapide sinkenden Kursen zieht die Deutsche Börse einen Schlussstrich: Der Neue Markt wird abgeschafft[48]. Künftig soll der Markt in zwei Segmente mit unterschiedlichen Transparenzstandards geteilt werden.
Der Bundesrat stimmt in Berlin der Einführung von Call-by-Call im Ortsnetz[49] zu. Ab Dezember soll auch bei Ortsgesprächen der Anbieter bei jedem Telefonat frei gewählt werden können. Doch der Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM, Jürgen Grützner, warnt[50]. "Ich glaube nicht, dass es gelingen wird, bis Dezember ein Angebot im Markt zu haben."Im Oktober kommt Palms neuer Budget-PDA "Zire"[51] für 119 Euro in die Regale in Deutschland. Es ist zwar nicht der erste Handheld, den Palm für diesen Preis abgibt, doch der angeblich erste, mit dem der Hersteller denkt, auch Geld zu machen. Der Neuling ist mit zwei MByte Speicher, einem Schwarzweiß-Display, Palm 4.1 und Akkus ausgestattet. In der Größe ist das Gerät der m500-Serie des Herstellers ähnlich, jedoch leichter und besitzt nur zwei Knöpfe auf der Oberseite für Adressbuch und die Kalender-Funktion. Der Zire hält die Verbindung für eine Synchronisation via USB-Kabel und spart sich das Palm-typische Cradle.
Während Palm mit neuen Geräten versucht wieder in die Gewinnzone zu fahren, denkt der Interims-Chef der Deutschen Telekom, Helmut Sihler, an radikalen Personalabbau. Er will bis Ende 2005 weit mehr als 50.000 Arbeitsstellen[52] im Unternehmen wegrationalisieren. Bisher sprach das Unternehmen in Bonn lediglich von 29.500 Stellen der Festnetzsparte T-Com, die bis dahin gestrichen werden sollen. Einem Bericht der "Welt" zufolge seien sogar rund 55.000 Stellen gefährdet.
Somit müsste jeder fünfte Mitarbeiter des Konzerns seinen Hut nehmen. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen weltweit 256.216 Menschen einen Arbeitsplatz geboten. Den Angaben der Zeitung nach sollen allein in Deutschland rund 35.000 bis 40.000 Stellen von den Maßnahmen betroffen sein. "Diese Zahl trauen wir uns zu", zitiert das Blatt den Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer. Weitere 11.000 Stellen fallen vor allem bei den ausländischen Tochtergesellschaften in Osteuropa weg.
Während der Desktop-Absatz weltweit im PC-Geschäft schrumpft, wächst der Deal mit Notebook stark an. Um dem mobilen Einsatz noch mehr Freiheit zu geben, hat Intel mit "Mobile PC Extended Battery Life Working Group"[53] eine der Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich dem Stromproblem bei Notebooks verschrieben hat. Die Task-Force soll die allgemeinen Stromverbrauch-Probleme bei den Akku-betriebenen Laptops lösen. Ziel ist es, einen Tag sein Laptop ohne Akkuwechsel nutzen zu können.
Die Gerüchteküche hatte kaum Zeit zum Brodeln, als AOL Europe mitteilte, dass Uwe Heddendorp "auf eigenen Wunsch" als Geschäftsführer von AOL Deutschland[54] ausscheidet. Er will "neue Herausforderungen außerhalb des Unternehmens annehmen". Sein Nachfolger wird Stanislas Laurent.
Wenige Wochen später findet Heddendorp einen neuen Job: Der 36-jährige arbeitet ab dem 1. Februar kommenden Jahres als Geschäftsführer der Loyalty Partner, berichtet der Branchendienst "Der Kontakter". Heddendorps neuer Arbeitgeber betreibt das Bonusprogramm Payback mit über 20 Millionen Usern.
Während die gesamte IT-Industrie unter der schwachen Weltkonjunktur leidet, meldet Microsoft sogar die Verdoppelung seiner Gewinne[55]. Eigenen Angaben nach hat der US-Softwarekonzern seinen Gewinn im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. In dem am 30. September zu Ende gegangenen Quartal stieg das Plus auf 2,73 Milliarden Dollar (rund 2,8 Milliarden Euro).Seit dem 1. November kann man ein Leben lang seine Handynummer samt Vorwahl behalten[56] - auch dann, wenn man zu einem neuen Provider wechselt. Umsonst ist die "Rufnummernportabilität im Mobilfunk" jedoch nicht. Die Wechselgebühren liegen je nach Anbieter allerdings zwischen 22,50 und 24,95 Euro
Kurze Zeit später ist auch der jahrelange Rechtsstreit[57] des US-Softwareriesen Microsoft entschieden. Der Konzern hat den Streit um seine marktbeherrschende Stellung gewonnen: Ein Gericht in der US-Hauptstadt Washington billigte in weiten Teilen den Vergleich zwischen dem Konzern und dem US-Justizministerium vom November 2001. Darin hatte sich Microsoft unter anderem verpflichtet, seine marktbeherrschende Stellung nicht zur Verdrängung von Mitbewerbern zu missbrauchen.
Microsoft-Gründer Bill Gates und US-Justizminister John Ashcroft begrüßten das Urteil. Konkurrenten warfen Justiz und Regierung vor, vor dem Konzern "kapituliert" zu haben. Die unterlegenen neun US-Bundesstaaten wollten eine Berufung nicht ausschließen. Gegner von Microsoft kritisierten das Urteil scharf.
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen: Nachdem Worldcom im Juni und August Fehlbuchungen von jeweils über drei Milliarden Dollar eingestehen musste, schockte die Krisenfirma Börse und Anleger im November mit einer weiteren Hiobsbotschaft: Nach jüngsten Berechnungen liegt der Fehlbetrag bei rund neun Milliarden[58] (9.000.000.000) Dollar und damit nochmals fast ein Drittel höher als bisher angenommen.
Monatelang hat Telekom-Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus nach einem Nachfolger für Ron Sommer[59] gesucht. Kaum ein Spitzenmanager, dessen Name nicht gefallen ist; darunter Ferdinand Piëch (VW), Michael Frenzel (TUI), Ulrich Schumacher (Infineon) und Gottfried Dutiné (Philips). Jetzt wurde mit Kai-Uwe Ricke doch ein hausinterner Manager in das Spitzenamt beim Rosa Riesen gehoben.
Der bisher für Mobilfunk und Internet zuständige Vorstand tritt ein schweres Erbe an. Ricke wurde schon unter Sommer als Kronprinz gehandelt, galt aber nach dessen Rauswurf Mitte Juli mit 41 Jahren noch als zu jung. Dass er jetzt doch das Rennen machte, dürfte vor allem den Gewerkschaftsvertretern im Aufsichtsrat zuzuschreiben sein.
Intel bricht zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Schallgrenze. Am 14. November[60] erscheint der Pentium 4 mit 3,06 GHz und Hyperthreading. Mit dieser Technologie stehen dem Betriebssystem zwei logische CPUs zur Verfügung.Die Telekom verschafft sich wieder ein bisschen Luft: Anfang Dezember verkauft der Rosa Riese mehr als 120 Millionen Aktien der Tochter T-Online[61] und nimmt damit rund 732 Millionen Euro ein. Das Geld soll komplett für den Schuldenabbau verwendet werden: Die Telekom will bis Ende 2003 ihre Miesen von fast 70 auf rund 50 Milliarden Euro drücken.
Einen positiven Ausblick[62] gibt HP-Deutschland-Chef Jörg Menno Harms allen gebeutelten Dotcoms: "Das Beste liegt noch vor uns", so die Prognose des Top-Managers im dritten Jahr der Krise. Er ruft in Erinnerung, dass sich die Branche erst am Anfang einer neuen Wirtschaft befinde. Die Arbeitschancen seien besser, als die derzeitige Stimmung vermuten ließe.
Kurz darauf taucht ein neuer gefährlicher Dialer[63] auf: Das Programm wählt sich über eine 0192er-Nummer ins Web ein und umgeht somit sämtliche Sperren, die auf die herkömmliche Vorwahl 0190 programmiert sind.
Weniger gefährlich, aber umso geschmackloser ist der Prestige-Virus[64], der erstmals Mitte Dezember gesichtet wird: Eine ".exe"-Datei verspricht unveröffentlichte Bilder vom verunglückten Tanker - per Doppelklick versendet sich das Programm an alle Einträge im Adressbuch des neugierigen Users.
Zum Jahresschluss zeigt sich die IT-Branche wieder einmal optimistisch[65]: Laut dem aktuellen Branchenbarometer des Bitkom rechnen die meisten Firmen damit, dass die Einnahmen steigen werden. Der Wermutstropfen: Mit einer echten Erholung rechnen die meisten erst im Jahr 2004.
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