E-Mail aufs Handy: So klappt es!

(http://www.zdnet.de/magazin/20000707/e-mail-aufs-handy-so-klappt-es.htm)

von Stefan Gneiting, 28. Februar 2003

Mobiltelefone sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Auch E-Mails haben sich nahezu unentbehrlich gemacht. So ist es nur logisch, beide Kommunikationsmittel miteinander zu verknüpfen. ZDNet zeigt, welche Möglichkeiten es gibt, E-Mails auf dem Handy zu empfangen oder von dort zu versenden.

Pro Tag transportieren weltweit mehr als 30 Milliarden E-Mails Nachrichten durch die Netze. Der Erfolg der E-Mails basiert in erster Linie auf der schnellen Zustellung an den heimischen Computer oder den PC im Büro. Doch viele wollen nicht warten, bis sie am Schreibtisch sitzen und ihre E-Mails bearbeiten können. Schließlich lässt sich das bereits unterwegs per Mobiltelefon erledigen.

SMS versteht E-Mail
Der einfachste Weg, eine E-Mail vom Handy zu verschicken, ist der Versand einer Kurznachricht im Short Message Service an einen E-Mail-Account. Hier sind am Telefon keinerlei zusätzlichen Einstellungen notwendig. Über das SMS-to-E-Mail-Gateway des jeweiligen Netzbetreibers, das man mit einer speziellen Kurzwahlnummer adressiert, gelangt die SMS zu jedem beliebigen E-Mail-Konto - zum Preis einer normalen SMS.

Mail per Handy
Allerdings kann man lediglich Ultrakurznachrichten übermitteln. Denn auch die E-Mail-Adresse des Empfängers, die dem eigentlichen Text durch ein Leerzeichen getrennt vorangestellt wird, zählt zu den maximal erlaubten 160 Zeichen einer Kurznachricht.

Tipp: Sollten Sie ein Handy besitzen, bei dem man das @-Zeichen nicht eingeben kann, dann versuchen sie es statt dessen mit der Eingabe von *. Auch der umgekehrte Weg, E-Mail an SMS, ist möglich, da jeder Kunde von seinem Netzbetreiber eine eigene E-Mail-Adresse erhält. Der Vorteil: Die elektronische Nachricht gelangt umgehend als SMS aufs Handy. Der Empfänger muss also sein E-Mail-Konto nicht extra auf neu eingegangene Mails hin abfragen. Texte, die mehr als 160 Zeichen umfassen, werden aber rigoros gekürzt.

Achtung! Wer seine Handymail-Adresse unkontrolliert verteilt, der kann schnell in die Kostenfalle tappen. Denn entgegen sonstiger Gepflogenheiten, bezahlt bei E-Mail an SMS der Empfänger, also der Handybesitzer, die Übertragungskosten. Auch wenn das nur etwa 20 Cent pro Nachricht sind, kann das völlig außer Kontrolle geraten und die Telefonrechnung in die Höhe treiben. In diesem Fall empfiehlt es sich, das Gateway wieder zu sperren - meist mit einer SMS mit dem Text "STOP" an die jeweilige Kurzwahl.

Wer einen E-Mail-Account besitzt, der eine selektive Weiterleitungsfunktion bietet, der kann sich E-Mails von ausgewählten Absendern, die oberste Priorität haben, aufs Handy weiterleiten lassen. So erhält er sofort eine Nachricht über den Eingang einer Mail und erfährt sogar die ersten Worte des Inhalts.

Die Kurzwahlen für die SMS-to-E-Mail-Gateways der Netzbetreiber:

Betreiber Kurzwahl
T-Mobile 8000
Vodafone 3400
E-plus 7676245 (S-M-S-M-A-I-L)
O2 6245 (M-A-I-L)

Für ein intensives Arbeiten mit E-Mails ist der Dienst per SMS zu wenig praktisch. Besser ist in diesem Fall der direkte Zugriff auf das üblicherweise verwendete Mail-Konto. Der einfachste Weg läuft über das Wireless Application Protocol. Viele Provider wie beispielsweise T-Online, Freenet, web.de, Yahoo! und auch die Mobilfunkbetreiber bieten ein entsprechendes Gateway für den Zugang per WAP. Der Vorteil gegenüber der SMS-E-Mail: die scharfe Beschränkung des Textumfangs auf 160 Zeichen entfällt, wenn sie auch oft nicht völlig aufgehoben wird. Aber alle Nachrichten bleiben trotz Abruf per WAP stets auf dem Server gespeichert - so kann man später am PC die Mail vollständig lesen.

Als Kosten fallen in der Regel nur die WAP-Gebühren des jeweiligen Anbieters an. Aber Vorsicht: Berechnet der Betreiber Gebühren pro aufgerufene Seiten, dann gilt dies für jede einzelne Nachricht.

Um während des Lesens oder Wartens auf den Seitenaufbau unnötig hohe Gebühren zu vermeiden, empfiehlt sich die Verwendung eines WAP-Handys, das GPRS (General Packet Radio Service) beherrscht. Die GPRS-Tarife berechnen nur das übertragene Volumen, nicht aber die Dauer der Verbindung. Beim Abruf via Wireless Application Protocol bleibt dem Nutzer der Zugriff auf die Inhalte einer angehängten Datei verwehrt. Angesichts der kleinen Bildschirme und der quasi nicht vorhandenen Speicherkapazität eines Handys wäre das aber auch gar nicht praktikabel.

Bietet der Mail-Provider keinen WAP-Dienst an, muss man dennoch nicht auf die mobile E-Mail verzichten. Die E-Mail-Dienste der Netzbetreiber bieten nämlich auch einen Sammeldienst, der über POP3 automatisch auf anderen ausgewählten Konten eingegangene Mails abruft.

E-plus setzt als einziger Betreiber in Deutschland auf i-mode und bietet über diesen Dienst auch einen E-Mail-Account an. Jeder i-mode-Kunde bekommt nach der Registrierung automatisch eine Mail-Adresse zugeteilt. Momentan vertreibt E-plus drei verschiedene i-mode-Telefone - NEC 21i[1], NEC22i[2] und Toshiba TS21i[3] - die alle Clients haben, welche allerdings nur Zugriff auf i-mail-Konten gewähren. Bis zu 1000 Zeichen des Textes der E-Mail überträgt der Server auf das abfragende Handy. Längere Nachrichten werden einfach abgeschnitten, können aber über Internet später am PC komplett eingesehen werden. Jeder i-mode-Kunde erhält 10 MB Speicherplatz, sodass sogar elektronische Nachrichten mit umfangreichen Dateianhängen Platz finden. Auch der Versand von Nachrichten unterliegt bei i-mode der Längenbegrenzung von 1000 Zeichen - normalerweise aber kein Problem angesichts der trotz Worterkennung mühsamen Eingabe. Die Mail-Clients der Handys verfügen über eine Adressverwaltung sowie eine Weiterleitungs- und Antwortfunktion. Als Kosten fallen bei i-mail lediglich die Gebühren für das Datenvolumen an.

Ab April wird ein weiteres Handy in den Regalen der E-plus-Läden liegen. Dann wird der Netzbetreiber auch eine i-mode-Version des 3650 von Nokia vertreiben. Es wird das erste i-mode-Handy sein, dessen E-Mail-Client auch Konten per POP3 oder IMAP abfragen kann. Mitsubishi Electric (bisher Trium) bringt im April mit dem m21i ein weiteres i-mode-Telefon heraus.

Viele Mobiltelefone erlauben einen E-Mail-Zugriff mit Hilfe von E-Mail-Clients und dem POP3-Protokoll. Doch wie schon bei WAP oder i-mode bleibt auch hier der Download von Anhängen verwehrt. Die Möglichkeiten der E-Mail-Clients variieren von Handy zu Handy. Nicht alle Modelle laden die kompletten Texte unabhängig von der Länge herunter. Die meisten Telefone schneiden zu lange Mails ab.

Generell läuft die Einrichtung eines E-Mail-Kontos auf dem Handy genau so wie bei den gängigen E-Mail-Programmen auf dem PC. Das bedeutet: Ist der Internetzugang beim Handy konfiguriert, müssen Sie eigentlich nur noch den Namen des Ein- und Ausgang-Servers ihres Mailproviders sowie den Kontonamen im Menüpunkt E-Mail-Konto eintragen.

Kaum verbreitet ist bisher IMAP auf den Mobiltelefonen. Das Internet Mail Application Protocol hat gegenüber dem älteren POP3 den Vorteil, dass es aus der Ferne eine komplette Verwaltung der E-Mails auf dem Server des Anbieters erlaubt. Weiterer Vorteil: Zunächst werden nur die Köpfe der Mails mit Absenderadresse und Betreffzeile übertragen. Anhand dieser Informationen kann der Handynutzer entscheiden, welche Nachrichten er lesen möchte. Nur diese werden dann per Mobilfunk übertragen. Nachteil: Im Gegensatz zu POP3 ist bei IMAP eine ständige Verbindung zum Server erforderlich.

Bei beiden Zugriffsarten ist es empfehlenswert, den paketorientierten Datendienst GPRS zu nutzen. Zum einen wegen der höheren Datenrate und zum anderen wegen der von der Zeit unabhängigen Abrechnungsmethode.

Aus einer Palette von mehr als 10 Modellen mit E-Mail-Client können die Mobilfunker derzeit wählen. Alle beherrschen POP3, nur Sony Ericsson und Nokia ermöglichen mit ihren Modellen auch den Zugriff über IMAP4.

Nokia 3650[4]
Als einziger Hersteller setzt Nokia bei den E-Mail-Clients nicht nur auf POP3. Das 3650 mit integrierter Kamera beherrscht auch IMAP4. Außerdem an Bord: Bluetooth, Java, Triband-Funkschnittstelle, GPRS, HSCSD, MMS, Farbbildschirm, externe Speichererweiterung.

Nokia 7650[5]
Die Ausstattung des Kamerahandys 7650 ist ähnlich der des 3650: Es hat ebenfalls einen Client für POP3 und IMAP4, beherrscht GPRS und HSCSD, kann Bluetooth, Java und hat einen Farbbildschirm.

Siemens S45i
Dualband, GPRS und WAP sind die Ausstattungsmerkmale des S45i. Das Siemens-Gerät ist in der Lage POP3-Konten abzufragen.

Siemens SL45i
Dieses Telefon ist Java-fähig und weist einen E-Mail-Client für POP3 auf, kann aber keine Daten per GPRS versenden.

Siemens S55[6]
Das GPRS-Telefon von Siemens besitzt eine Triband-Funkschnittstelle, Bluetooth, ist Java- und MMS-fähig. Der E-Mail-Client ist POP3-kompatibel und kann Dateianhänge im MID- oder BMP-Format für Klingeltöne oder Bilder verarbeiten. Als Zubehör steht eine Kamera zur Verfügung.

Sony Ericsson T65
Das Dualband-Handy T65 arbeitet mit den Breitbandtechnologien GPRS und HSCSD. Darüber hinaus besitzt das Mobiltelefon einen E-Mail-Client.

Sony Ericsson T68i[7]
Das T68i kann sowohl POP3- als auch IMAP4-Konten nutzen. Für das GPRS-Handy gibt es als Zubehör eine Digitalkamera zum Aufstecken. Außerdem verfügt es über eine Bluetooth-Schnittstelle.

Sony Ericsson T300[8]
Auch dieses Modell lässt beim Abruf von E-Mails die Wahl zwischen POP3 und IMAP4. Das T300 beherrscht sowohl GPRS als auch HSCSD.

Motorola T720i
Das Tribandtelefon T720i wartet mit E-Mail-Client für POP3 auf, beherrscht WAP, MMS sowie GPRS. Außerdem kann man an das Mobiltelefon eine Digitalkamera anschließen.

Panasonic GD 87
Derzeit vertreibt Vodafone das Kamerahandy exklusiv. Es funktioniert als Tribandhandy jedoch auch in anderen Netzen. Es beherrscht GPRS und besitzt einen Client für POP3.

Philips Fisio 625
Acht Zeilen kann das einfarbige Display des Fisio 625 darstellen. Gut für die Darstellung einer elektronischen Nachricht, die man per POP3 von seinem Account abruft. Das Dualband-Telefon beherrscht GPRS sowie WAP.

Philips Fisio 825
GPRS, POP3-Client und Bluetooth sind die interessanten Funktionen, mit denen das Fisio 825 aufwartet. Das Farbdisplay kann bis zu 9 Zeilen darstellen.

Sendo J530
Das Dualband-Handy von Sendo mit E-Mail-Client für POP3 beherrscht keine Datenübertragung per GPRS. Hier muss man sich auf die langsame Übertragung per GSM beschränken.

Seit Handys der Oberklasse mit vielen Organizerfunktionen ausgestattet sind, verläuft die Grenze zwischen Mobiltelefon, Smartphone und Funkorganizer fließend. Aber egal wie sie kategorisiert werden, die Multitalente mit integrierter Funkschnittstelle stellen die Königsklasse der Mobiltelefone dar. Der Vorteil dieser Geräte: Mit ihnen ist man auch für den Versand und Empfang von Dateianhängen gerüstet. Außerdem haben fast alle Modelle dank externer Speichererweiterungen nahezu unbegrenzten Speicherplatz. Nokia stellt mit dem Communicator 9210i den Klassiker unter den Funkorganizern. Das aufklappbare Gerät verbirgt eine vollständige Qwertz-Tastatur. Der E-Mail-Client des Symbian-Geräts ist nicht nur zu POP3 sondern auch zu IMAP4 kompatibel. Allerdings beherrscht der 9210i nur HSCSD und kein paketvermittelndes GPRS. Ebenfalls sehr früh, allerdings mit deutlich geringerer Ausstattung als der Nokia-Allrounder, kam Motorola mit dem Java-Gerät Accompli 008[9] auf den Markt. Es hat einen POP3-Client und ist GPRS-fähig. Auch Siemens bietet mit dem SX45[10] einen Alleskönner an, der POP3 und IMAP beherrscht. Die Bedienung des GPRS-Telefons erfolgt über einen berührungsempfindlichen Bildschirm. Auf der gleichen Plattform wie der SX45 basieren die beiden Modelle MDA[11] (T-Mobile) und XDA[12] (O2) und weisen die ganze Palette an Datendiensten inklusive POP3 und IMAP-Mail-Software auf. Sony Ericsson stößt mit dem P800[13] in die Königsklasse des Mobilfunks vor und toppt mit einer integrierten Digitalkamera sogar noch den Funktionsumfang der Konkurrenzmodelle.

Mail per Handy

Auf der anderen Seite wollen sich die PDA-Hersteller nicht von den Handyherstellern die Butter vom Brot nehmen lassen und beschränken sich bei ihren Geräten nicht länger auf Offline-Funktionen, die allenfalls über den PC oder ein angekoppeltes Handy kommunikativ werden. Auch sie integrieren immer öfter eine GSM-Schnittstelle in ihre Organizer, die so fast zu einem mobilen Büro mutieren. Schon vor längerer Zeit sprang Handspring auf den Mobilfunkzug auf und bietet jetzt für die beiden Modelle Treo 180[14] und 270[15] ein Update für GPRS-Anwendungen. Palm möchte mit seinem jüngst vorgestellten Modell Tungsten W ebenfalls im Mobilfunkmarkt Fuß fassen.

Bezüglich der Virenproblematik kann man derzeit eine vorläufige Entwarnung geben. Noch sind keine Viren aufgetaucht, die Handys befallen. Hierfür gibt es mehrere Gründe: Zum einen sind die Mobiltelefone nicht frei programmierbar. Zum anderen erschwert "die Vielzahl der unterschiedlichen Betriebssysteme und Systemarchitekturen das Programmieren erfolgreicher Handy-Viren", erklärt Frank Ziemann von der TU Berlin, der einen Hoax-Info-Service (www.hoax-info.de[16]) betreibt.

Mehr gefährdet wären PDAs, da hier zumindest der teilweise Zugriff auf die Basissoftware gegeben ist. Doch stellen PC-Viren für die Organizer keine wirkliche Gefahr dar, da sich Plattformen und Betriebssysteme voneinander unterscheiden. Viren müssen also speziell für die PDAs geschrieben werden und können sich daher nur von PDA zu PDA ausbreiten. Ein breit gestreuter Befall ist so bisher kaum möglich. Allenfalls traten Trojanische Pferde auf, die ihr Werk auf dem jeweils befallenen Organizer vollbringen. Wegen der quasi nicht vorhandenen Bedeutung gibt es momentan auch sehr wenige Antiviren-Programme für Organizer.

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[6] = http://www.zdnet.de/mobile/artikel/handy/200302/siemens_s55-wc.html
[7] = http://www.zdnet.de/mobile/artikel/handy/200208/ericsson68i-wc.html
[8] = http://www.zdnet.de/mobile/artikel/handy/200211/ericsson_t300-wc.html
[9] = http://www.zdnet.de/mobile/artikel/handy/200108/accompli008_00-wc.html
[10] = http://www.zdnet.de/mobile/artikel/pda/200202/siemenssx45-wc.html
[11] = http://www.zdnet.de/mobile/artikel/pda/200208/t_mobile_mda-wc.html
[12] = http://www.zdnet.de/mobile/artikel/pda/200206/xda-wc.html
[13] = http://www.zdnet.de/mobile/artikel/handy/200302/sonyericsson_p800-wc.html
[14] = http://www.zdnet.de/mobile/artikel/pda/200205/handspring_treo180k-wc.html
[15] = http://www.zdnet.de/mobile/artikel/pda/200206/handspring_treo270-wc.html
[16] = http://www.hoax-info.de