Mit einem beschleunigten Frontsidebus sowie einer schnelleren Speicheranbindung soll die neue Chipsatz-Plattform bis 2004 stabil bleiben. Neue Prozessoren mit FSB800 sind ab einer Taktfrequenz von 2,4 GHz erhältlich.
Mit der Präsentation des 875P-Chipsatzes[1] Mitte April hat Intel die Umstellung seiner P4-Plattform eingeläutet. Neben der damals vorgestellten Highperformance-Lösung wendet sich Intel mit den Chipsätzen 865PE und GE an professionelle Kundschaft. Vom weltgrößten Halbleiterhersteller gibt es allerdings nicht nur neue Chipsätze. Ab sofort sind auch neue Pentium-4-Prozessoren verfügbar, die auf die neue Chipsatzplattform abgestimmt ist. Wesentliches Merkmal ist der FSB800-Support sowie die Unterstützung von Hyperthreading ab 2,4 GHz.
Prozessoren mit FSB800 und Hyperthreading (HT)
| Prozessor | FSB | HT | Dollar-Preis1 | Euro-Preis2 |
| Pentium 4 2,4C |
800 MHz |
ja | 178 Dollar | 199 Euro |
| Pentium 4 2,6C |
800 MHz |
ja | 218 Dollar | 259 Euro |
| Pentium 4 2,8C |
800 MHz |
ja | 278 Dollar | 319 Euro |
| Pentium 4 3,0C |
800 MHz |
ja | 417 Dollar | 469 Euro |
2 Straßenpreis Stand 20. Mai 2003
Die Steigerung der Frontsidebus-Frequenz auf 800 MHz (200 MHz quadpumped) war zunächst nicht geplant. Intel wollte die FSB-Frequenz lediglich auf 667 MHz erhöhen. Ebenso sollte das Speicherinterface ursprünglich nur Dual-DDR333-Support bieten. Angesichts Erfolg versprechender Entwicklungsarbeit und in Anbetracht der geplanten Athlon64-Vorstellung für das Frühjahr 2003 hat sich Intel zu einem FSB800 und einem Dual-DDR400-Speicherinterface entschlossen. Doch dies ist längst nicht alles, was die neue Chipsatz-Plattform zu bieten hat.
Entwicklung der Pentium-4-Plattform
| Einführung | 2000[2] | 2002[3] | 2003[1] |
| Chipsatz | 850 | 850E | 875P/865PE |
| FSB- Frequenz |
400 MHz | 533 MHz | 800 MHz |
| FSB- Bandbreite |
3,2 GB/s | 4,2 GB/s | 6,4 GB/s |
| Speichertyp | Rambus PC800 |
Rambus PC1066 |
Dual- DDR400 |
| Speicher- Bandbreite |
3,2 GB/s | 4,2 GB/s | 6,4 GB/s |

Intels neue Chipsätze 875P und 865PE/GE unterstützen Dual-DDR400, FSB800, Hyperthreading, Serial-ATA-Anschlüsse und AGP 8x. (Foto: Intel)
PAT - Performance Acceleration Technology Im Vergleich zu den bisherigen 845er-Chipsätzen 845PE und 845GE unterstützen die neuen 875P, 865PE und 865G nicht nur einen leistungsfähigeren Speicher (DDR400). Die Chipsätze bietet zudem ein Dual-DDR-Speicherinterface. Damit wird eine theoretische Bandbreite von 6,4 GByte pro Sekunde erreicht. Die so genannte Performance Acceleration Technology (kurz PAT) hat nichts mit Intel-Chefentwickler Pat Gelsinger zu tun. Dahinter verbirgt sich vielmehr eine Technik, die die Wartezyklen beim Speicherzugriff minimiert. Die meisten Applikationen profitieren nicht nur von einem hohen Speichertransfer, der Zugriff auf den Speicher ist in punkto Gesamtperformance in vielen Fällen wesentlich wichtiger. In Anbetracht der Tatsache, dass der nun für Herbst erwartete Athlon64 über ein integriertes Speicherinterface verfügt und damit in Sachen Speicherzugriff wohl neue Maßstäbe setzen wird, hat Intel zur Einführung der Performance Acceleration Technology (PAT) im 875P motiviert. Die anderen Chipsätze unterstützen diese Technologie nicht.
Chipsätze nach Marktsegment
| Segment | Chipsätze |
| Performance/ Professional |
875P |
| Mainstream (bis 1500 Dollar) | 865PE, 865G |
| Value (bis 999 Dollar) | 865G, 865P |
AGP 8x und Gigabit-Ethernet Nachdem seit einiger Zeit schon AGP-8x-Grafikkarten im Markt etabliert sind, bietet Intel nach SIS und VIA nun mit den neuen Chipsätzen ebenfalls Unterstützung für diese Technologie. In punkto Performance ist dies allerdings vernachlässigbar, da moderne AGP-8x-Grafikkarten meistens über soviel Speicher verfügen, dass der AGP-Modus kaum genutzt wird. Wesentlich interessanter ist die Integration von Gigabit-Ethernet, die nicht am PCI-Bus angeschlossen ist, sondern direkt mit der Northbridge verbunden ist. Somit wird die Bandbreite des PCI-Bus von 133 MByte pro Sekunde geschont und anderen Geräten vorbehalten. Eine Gigabit-Ethernet-Verbindung würde schon alleine 128 MByte pro Sekunde von der Bandbreite schlucken, so dass die Anbindung an die Northbridge mit 266 MByte pro Sekunde äußerst sinnvoll ist.
Chipsatz-Features
| Chipsatz | 875P | 865PE | 865G | 865P |
| Northbridge | 82875P | 82865PE | 82865G | 82865P |
| Southbridge | 82801 EB/ER1 |
82801 EB/ER1 |
82801 EB/ER1 |
82801 EB/ER1 |
| maximale Speicher -größe |
4 GByte | 4 GByte | 4 GByte | 4 GByte |
| ECC | ja | nein | nein | nein |
| FSB | 800/533 MHz | 800/533/400 MHz | 800/533/400 MHz | 533/400 MHz |
| integrierter Grafikchip |
nein | nein | ja, Extreme Graphics 2 | nein |
| Serial-ATA | ja | ja | ja | ja |
| USB-Ports 2.0 | 8 | 8 | 8 | 8 |
Serial-ATA und Serial-ATA-Raid Neu bei den jetzt vorgestellten Chipsätzen ist auch die erstmalige Integration von Serial-ATA-Schnittstellen. Eine Variante der Southbridge (82801ER) bietet sogar ein Raid-0-Option. Mit dieser Technik lassen sich zwei Festplatten zu einem logischen Verbund zusammenschalten. Die Raid-0-Funktion verteilt dabei die Daten gleichmäßig auf die beiden Festplatten, so dass der Datentransfer verdoppelt wird. Angesichts der Tatsache, dass FSB- und Speichergeschwindigkeit mehrere GByte pro Sekunde betragen, die Daten von der Festplatte allerdings nur mit etwa 40 MByte pro Sekunde geladen werden können, erhöht ein Raid-0-System[4] deutlich die Performance. Vor allem beim Video-Editing, wo große Dateien gelesen und abgespeichert werden, macht sich ein Raid-0-Verbund[4] bezahlt.

Aus für Rambus: Der 875P löst den Rambus-Chipsatz 850E als bisherige Highend-Plattform für den Pentium 4 ab. Als Nachfolger für den 845PE gibt es nun den 865PE. (Foto: ZDNet)
Für den Test des 875P (Canterwood) und 865PE (Springdale) verwendet ZDNet folgende Tests:
| Einsatzgebiet | Benchmark |
| Synthetische Tests | Sisoft Sandra 2001 TE[5], Calibrator[6] |
| Applikationsleistung | ZD Content Creation Winstone 2003[7], ZD Business Wintone 2002[8] |
| 3D-Tests | Quake (OpenGL)[9],Aquamark 2.3[10], Unreal Tournament 2003 (DirectX 8)[11], 3D Mark 2003 (DirectX 8/9)[12], Comanche 4 (DirectX 8)[13] Viewperf 7.1 (OpenGL)[14] |
![]()
Das weitere Test-Setup sieht wie folgt aus:
![]()
| Betriebssystem | Windows XP Professional SP1 |
| Speichergröße | 512 MByte (DDR400 und DDR333 für 875P, PC1066 für 850E, DDR333 für 845PE) |
| Grafikkarte | ATI Radeon 9700 Pro (Catalyst 3.2) |
| Auflösung | 1024 x 768 x 32 @ 85 Hz |
| Festplatten | 2 x IBM DTLA 307030 als Raid 0 (60 GByte) |
| Controller | Promise Fasttrak 100 |
| Netzwerkkarte | 3Com 3C905-TX NM Fast Etherlink XL PCI |
Für die jeweilige Testplattform kommen folgende Mainboards zum Einsatz:
| Plattform | 875P | 865PE |
| Hersteller | Intel | Intel |
| Mainboard | D875PBZ | D865PERL |

Das D875PBZ ist Intels erstes Board mit dem neuen Chipsatz 875P. (Foto: Intel)
Beim Speicherdurchsatz unterscheiden sich beide Dual-DDR-Chipsätze nur wenig. Der 875P erzielt lediglich eine um 2 Prozent höhere Performance als der 865PE.
Beim zweiten Test, der den Speicherzugriff untersucht, kann sich der 875P allerdings eindeutig an die Spitze setzen. Hier zeigt sich, dass die Performance Acceleration Technology (PAT) keine leere Marketing-Versprechung ist, sondern tatsächlich bessere Leistung als der 865PE erzielt, der ohne diese Technik auskommen muss.




Bei speicherintensiven Anwendungen aus dem OpenGL-Bereich kann sich der 875P mit PAT-Technik vor den 865PE setzen. Allerdings beträgt der maximale Leistungsunterschied lediglich fünf Prozent, was in der Praxis kaum ein Anwender bemerken dürfte.





Zwar fällt auch bei 3D-Spielen der Leistungsvorsprung des 875P mit knapp fünf Prozent besserer Performance im Vergleich zm 865PE eher mager aus. Andererseits entspricht diese Leistungssteigerung in etwa der einer um 100 MHz höher getakteten CPU (Basis: 3 GHz P4). Insofern ist der Vorteil des 875P wiederum durchaus bemerkenswert.







Bei der Performance-Messung mit Applikationen aus dem kreativen Bereich (Content Creation) fällt die unterschiedliche Speicherleistung der beiden Chipsätze kaum ins Gewicht, da diese Anwendungen nicht nur von einer guten Speicherleistung profitieren. Auch die Festplatten- und Grafik-Performance beeinflussen das Ergebnis. Daher beträgt der Vorsprung des 875P gegenüber dem 865PE lediglich drei Prozent.
Bei Business-Applikationen wie Word oder Excel liegt der Leistungsunterschied bei unter einem Prozent.


Das endgültige Aus für Rambus Mit den jetzt vorgestellten Chipsätzen vollzieht Intel den endgültigen Abschied von der einstmals als Zukunftstechnologie beschworenen Rambus-Plattform. Auch Intel ist - inzwischen - froh, dass man nun endlich die strategische Leiche zu Grabe tragen kann. Die konsequente Entwicklung der DDR-Plattform, die mit dem 875P und den 865PE/G-Chipsätzen ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, macht es Intel leicht, sich von altem Ballast zu trennen.
875P: Auch mit DDR333 vor Rambus Die Leistungsdaten der neuen Chipsets sind beeindruckend. Nicht nur, dass man mit einem Dual-Speicherinterface die Datendurchsatzrate nahezu verdoppelt hat. Auch beim Speicherzugriff - der anderen Seite der Speicher-Performance - haben die Intel-Ingenieure ganze Arbeit geleistet. Kein anderes Speicherinterface liefert derzeit mehr Power als das des 875P-Chipsets. Auch die Mainstream-Lösungen auf Basis des 865PE und 865G können hinsichtlich Performance überzeugen. Zwar verfügen diese nicht über die PAT-Technik, im Praxis-Betrieb wird der Anwender davon allerdings nicht viel spüren.
Die zusätzliche Integration von Serial-ATA mit Raid-Option, sowie die intelligente Anbindung von Gigabit-Ethernet an die Northbridge, zeigen, dass Intels Hauptaugenmerk nicht nur auf eine verbesserte Infrastruktur in Sachen CPU und Speicher liegt. Dies ist auch zwingend nötig: Die neuen Prozessoren mit einem FSB von 800 MHz und 3 GHz Kern-Takt werden zunehmend von den langsameren Komponenten des PC-Systems ausgebremst.
Plattform-Stabilität bis 2004 Nach der Vorstellung des 875P im April 2003 komplettiert Intel jetzt die neue Chipsatz-Familie für FSB800-Prozessoren mit den Springdale-Chipsets. Denen fehlt zwar die Performance Acceleration Technology (PAT) und ECC-Support, ansonsten bieten diese Produkte allerdings den gleichen Leistungsumfang wie der Canterwood-Chipsatz 875P. Zusammen mit den neuen FSB800-Prozessoren ab 2,4 GHz hat Intel seine P4-Plattform erneuert und beschleunigt. Damit sieht der weltgrößte Halbleiterhersteller dem Launch des Athlon64 gelassen entgegen. Im Gegensatz zu den Vorgänger-Chipsätzen ist den jetzt vorgestellten Lösungen auch ein längeres Leben beschieden. Nach derzeitigem Planungsstand soll der Pentium 5 (Codename Prescott) ebenfalls in Boards mit den neuen Chipsätzen laufen. Allerdings müssen sich die Boardhersteller bei der Entwicklung der Platinen an die aktuellen Intel-Guidelines gehalten haben.
Als Business-Plattform dürfte der 865GE mit integrierter Grafik (Intel Extreme Graphics 2) den bisherigen Chipsatz 845G ablösen. Bessere 2D und 3D-Performance sowie eine von Intel bis 2004 garantierte Plattformstabilität, die den Support-Aufwwand in Granzen hält, dürfte vor allem für Administratoren großer Firmen interessant sein. Für die meisten anderen Einsatzgebiete empfielt sich der 865PE, der nahezu die gleiche Performance wie der 875P erzielt. Für Powergamer und Workstation-Anwender dürfte hingegen der 875P mit Raid-0-Option erste Wahl sein. Entsprechende Boards sind allerdings etwa 40 Euro teurer als die fast gleichschnellen 865PE-Platinen.
![]()
Neue Chipsatz-Features im Überblick
| Chipsatz-Highlights | Vorteil gegenüber bisherigen Chipsätzen |
| Peformance-Acceleration-Technology (PAT*) | Reduzierung der Speicherzugriffszeit |
| FSB800 | Erhöhung der Bandbreite auf 6,4 GByte/s |
| Dual-DDR400/333-Interface | Erhöhung der Bandbreite auf 6,4 GByte/s |
| AGP 8x | Erhöhung der Bandbreite auf 2,1 GByte/s |
| Gigabit-Ethernet direkt an Northbridge | PCI-Transfer wird nicht belastet |
| Serial-ATA-Schnittstellen (optional Raid-0) | Unterstützung der neuen Festplatten-Modelle (Erhöhung des Festplatten-Transferrate) |
Chipsatzpreise bei Abnahme von 1000 Stück
| Chipsatz | Preis |
| 875P mit Raid | 53 Dollar |
| 875P | 50 Dollar |
| 865G mit Raid | 44 Dollar |
| 865G | 41 Dollar |
| 865PE mit Raid | 39 Dollar |
| 865PE | 36 Dollar |
| 865P mit Raid | 36 Dollar |
| 865P | 33 Dollar |
URLs in diesem Artikel:
[1] = http:/
[2] = http:/
[3] = http:/
[4] = http:/
[5] = http:/
[6] = http:/
[7] = http:/
[8] = http:/
[9] = http:/
[10] = http:/
[11] = http:/
[12] = http:/
[13] = http:/
[14] = http:/