Die Hammer-lose Zeit nutzt Intel zur Vorstellung einer neuen Plattform. Auch ATI ist weiterhin auf dem aufsteigenden Ast. AMD und Nvidia - derzeit noch abgeschlagen - kämpfen um Anschluss.
18. März 2003
Als AMD den Athlon im August 1999 vorstellte, gab es nur eine Handvoll Mainboards, die den neuen Prozessor unterstützten. Seither hat sich die CPU-Welt dramatisch verändert. Während die Mainboardhersteller damals durch Druck von Intel nur auf Nachfragen die Existenz entsprechender Athlon-Boards bestätigten, sieht die Situation jetzt anders aus. Auf der CeBIT 2003 zeigten die Hersteller nicht nur Mainboards für AMDs neue Hammer-Prozessoren Athlon64 und Opteron, auch lauffähige Systeme wurden auf den vielen Ständen präsentiert. Allerdings sind beide CPUs derzeit noch nicht erhältlich. Der Opteron ist für Mitte April angekündigt, der Athlon64 soll erst im September erscheinen. Probleme bei der Produktion, vor allem bei der SOI-Implementierung, haben für die Verzögerung gesorgt. Im Vergleich zu 1999 fehlen jetzt nicht die Mainboards - nun lassen die Prozessoren auf sich warten. Kein gutes Timing. Laut Brancheninsidern müssen zudem die jetzigen Hammer-Boards nochmals überarbeitet werden, da AMD in letzter Minute noch das Pinout der Prozessoren überarbeitet hat.
Intel mit Canterwood und Springdale Ganz anders bei Intel. Hier können sich die Hersteller auf die Ankündigungen des führenden Halbleiter-Konzerns verlassen. Der nächste 'Major Milestone' steht bevor. Intel will Mitte April eine Reihe von Pentium 4-Prozessoren mit Hyperthreading-Technologie[1] vorstellen, die über einen Frontsidebus (FSB) von 800 MHz verfügen. Die entsprechenden Chipsätze Canterwood (Highperformance) und Springdale (Mainstream) sollen ebenfalls zusammen mit den neuen Prozessoren vorgestellt werden, wobei der Springdale etwas später im Mai erscheinen soll.

Intel sorgte 2002 mit Hyperthreading für eine Neuerung bei Desktop-CPUs. Mit dieser Technologie stehen dem Betriebssystem zwei logische Prozessoren zur Verfügung. Im April sollen P4-Modelle mit 800 MHz FSB und Hyperthreading vorgestellt werden. (Foto: Intel)
Angesichts der geplanten Vorstellung der Hammer-Prozessoren für Anfang 2003 hat Intel das Entwicklungstempo bei Prozessoren und Chipsätzen forciert. Der drohende Performance-Vorteil der AMD-Prozessoren durch eine verbesserte Speicheranbindung hat die Intel-Entwicklungsabteilung auf Hochtouren gebracht. Mit Hyperthreading[1], einem höheren FSB mit jetzt 800 MHz statt bisher 533 und dem Highperformance-Chipsatz Canterwood wollte Intel dem Athlon64 den Wind aus den Segeln nehmen. Allerdings hat der weltgrößte CPU-Hersteller nicht mit einer Verschiebung der Hammer-CPU gerechnet. Nun steht man quasi ohne echte Konkurrenz da. Der bisherige AMD-Chip Athlon XP dürfte kaum in der Lage sein, gegen die neuen 800-MHz-FSB-Prozessoren von Intel zu konkurrieren. Schon jetzt hat AMD Schwierigkeiten den Athlon XP mit hohen Taktraten zu produzieren. Mit der geplanten Produkt-Offensive seitens Intel sind die bisherigen Modellnummern des Athlon XP kaum mehr mit der echten Frequenz der Intel-Chips vergleichbar. Zwar geht das Modell-Rating auf den Athlon ohne SSE2-Einheit und Hardware-Prefetching (Codename Thunderbird) zurück. Trotzdem vergleichen die meisten Anwender die Modellnummer des Athlon XP mit der Taktfrequenz des Intel Pentium 4.
Server-Hammer Das Server-Geschäft will AMD mit dem Opteron ankurbeln. Aus technischer Sicht sieht es für den Server-Hammer sehr gut aus. Dank seiner extrem skalierbaren Architektur ist die AMD-Plattform der Intel-Xeon-Technik deutlich voraus. Auch der 64-Bit-Chip Itanium kann mit der AMD-Lösung nicht mithalten. Zwar lassen noch erste Bechmarks auf sich warten, doch die bisher von AMD-Chefentwickler Fred Weber veröffentlichten Werte geben Anlass zu dieser Vermutung.

Bei SPECint 2000[2] skaliert der Opteron-Prozessor mit steigender Taktfrequenz deutlich besser als Intels Xeon-CPU. (Foto: ZDNet)
Ungewisse Marktchancen für Opteron Inwieweit sich allerdings die IT-Einkäufer in den großen Firmen von der sehr guten Opteron-Performance beeindrucken lassen, bleibt abzuwarten. Vermutlich wird der Server-Hammer zunächst im universitären Umfeld die größten Erfolgsaussichten haben. Anders als IT-Manager im professionellen Bereich riskieren Wissenschaftler kaum ihren Job, wenn die Opteron nicht wie gewünscht funktioniert. Administratoren, die für die Infrastruktur einer Firma verantwortlich sind, werden kaum auf die Opteron-Technik setzen.

Warten auf den Hammer: Mainboards ohne CPU am AMD-Stand auf der CeBIT. (Foto: ZDnet)
Bei Grafik-Chips liefern sich ATI und Nvidia einen erbitterten Kampf um Marktanteile. ATI konnte in den letzten Monaten deutlich an Boden gut machen. Mit dem Radeon 9700 Pro haben sich die Kanadier eindeutig in punkto Leistung von Nvidia abgesetzt. Das große Geschäft wird allerdings im unteren und mittleren Preissegment gemacht. Auch hier hat ATI mit der Radeon 9200 und 9500 sehr gute Produkte, die deutlich leistungsfähiger als entsprechende Nvidia-Chips sind. Auch in Notebook-Segment gibt ATI den Ton an und erreichte im vierten Quartal 2002 einen Marktanteil von über 50 Prozent.
GeforceFX: Zu laut, zu teuer und kaum verfügbar Angesichts der schlechten Presse, die Nvidia derzeit mit dem GeforceFX erntet, dürfte das Geschäft im Highend-Segment auch in Zukunft mehrheitlich an ATI gehen. Zwar haben auf der CeBIT alle Nvidia-Partner entsprechende GeforceFX-Boards ausgestellt, doch werden die Boards mit der derzeitigen turbinenartig lauten Kühleinheit kaum in Serie gehen. 'Im Moment ist der GeforceFX ein totes Produkt. Zu laut, zu teuer und schwer verfügbar', so ein Vertreter eines großen Boardherstellers gegenüber ZDNet. Allein die Kühleinheit verschlingt etwa 30 Dollar. Kein Wunder also, dass viele Hersteller auf der Suche nach einer günstigeren Kühl-Alternative sind und bisher die Auslieferung von GeforceFX-Karten verzögern.

Eine leisere Kühleinheit für den GeforceFX wird derzeit von allen großen Grafikboard-Herstellern evaluiert. (Foto: ZDNet)
Nächster Aldi-PC mit ATI-Chip Mit den neuen Grafikchips NV31 und NV34 will Nvidia auch im unteren Preissegment den Markt nicht kampflos ATI überlassen. Die Ausbeute soll derzeit sehr gut sein, so dass in Kürze mit entsprechenden Produkten im Markt zu rechnen ist. Allerdings konnte Nvidia Aldi-PC-Hersteller Medion offensichtlich nicht von der Leistungsfähigkeit der eigenen Produkte überzeugen. Gerüchten zufolge soll im nächsten Aldi-PC ein ATI-Chip stecken. Nachdem Nvidia-Boardpartner MSI als bisheriger Lieferant von Grafikkarten für den Aldi-PC bekannt ist, könnte der erste größere Hersteller von Nvidia-Grafikkarten ins ATI-Lager wechseln.
Desktop-Prozessoren Die Weichen für das Jahr 2003 sind gestellt. Im CPU-Bereich wird Intel bis zur Vorstellung des Athlon64 die Zügel in der Hand halten. AMDs Athlon XP wird kaum mit der Performance der neuen Pentium 4-Modelle mit Hyperthreading und FSB800 mithalten können.
Server-Chips Im Serverbereich wird der Opteron den ein oder anderen Design-Win erzielen. Vor allem im universitären Umfeld und bei High-Performance-Computing sind die Erfolgsaussichten des Opteron nicht schlecht. Im profesionellen Firmenkunden-Segment wird Intel weiterhin die Nase vorn haben. Zu groß sind die Risiken, als dass sich IT-Manager von der sehr guten Performance der Opteron-Technologie überzeugen lassen. Verfügbarkeit ist im Server-Geschäft ein Kriterium, das weit vor der Leistung rangiert. Diesbezüglich hält Intel mit der Xeon-Technik klar die besseren Karten in der Hand.
Grafikkarten Bei Grafikkarten heißt es auch in diesem Jahr wieder: ATI oder Nvidia? Derzeit spricht einiges für den kanadischen Chiphersteller, der Mitte 2002 mit dem Radeon 9700 Pro die Performance-Krone übernommen hat. Im mittleren und unteren Preissegment ist ATI ebenfalls gut positioniert. Bei Notebooks-Chips kommt ATI schon jetzt auf einen Marktanteil von über 50 Prozent. Mit dem M10 (Radeon 9600 Mobility) wird die starke Stellung der Kanadier in diesem Segment weiter anhalten.
Nvidia kämpft derzeit um den Anschluss. Der erste Versuch mit der GeforceFX wieder aufzuholen, ist kläglich gescheitert. Zu laut und zu teuer lautet das Urteil von Presse und Nvidia-Boardpartnern. Im mittleren und unteren Preissegment scheint Nvidia besser aufgestellt. Mit den Chips NV31 und NV34 dürfte der Hersteller in diesem Segment durchaus erfolgreich agieren. Im Notebook-Bereich wird es hingegen für Nvidia schwer werden, an der führenden Stellung von ATI zu rütteln.
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Test: Athlon XP 3000+ und 3200+ mit 512 KByte L2-Cache[3]
Im Test: Intel Pentium 4 mit 3,06 GHz und Hyperthreading[1]
Nicht überzeugend: GeforceFX mit vielen Schwächen[4]
Benchmark-Charts
Prozessor-Charts[3]
Benchmark-Test: Grafikkarten[5]
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