Das Jahr 2003 verspricht interessante Neuerungen: AMD wird zur CeBIT die neue Hammer-CPU vorstellen. Nvidia schickt im März den Geforce FX gegen den Radeon 9700 Pro ins Rennen. Und Intel erhöht den FSB des Pentium 4 auf 800 MHz.
Das vergangene Jahr konnte in wirtschaftlicher Hinsicht kaum überzeugen. Vor allem der Aktienkurs der großen Halbleiterfirmen litt unter der anhaltenden Marktschwäche. AMDs Aktienkurs verbilligte sich von über 20 Dollar zu Beginn des Jahres auf gut 6 Dollar. Intel hat es nicht ganz so hart getroffen. Die schlechte Marktlage hat trotzdem zu einer Halbierung des Aktienkurses geführt.
Innovationsrate ungebrochen In technischer Hinsicht konnten die Firmen allerdings überzeugen. Im Januar knackte Intel mit dem Pentium 4 (Northwood) die 2 GHz-Grenze[1]. Bereits im November konnte der Marktführer erneut einen Meilenstein setzen. Mit der Hyperthreading-Technik[2] gaukelt der Pentium 4 dem Betriebssystem zwei logische Prozessoren vor. Dadurch soll die CPU besser ausgelastet werden und damit effizienter arbeiten. Zudem hat der erste Hyperthreading-Prozessor die 3 GHz-Grenze durchbrochen. Weitere leistungssteigernde Elemente in der P4-Architektur war die Erhöhung der Frontsidebus-Frequenz auf effektive 533 MHz. Damit bietet der P4 eine Bandbreite von 4,2 GByte pro Sekunde.
AMD kann nur mühsam folgen AMD konnte das Wettrüsten mit Intel lange Zeit mithalten. Ab der zweiten Jahreshälft ist Intel dann allerdings deutlich vorbeigezogen. Der Athlon XP ist maximal mit 2250 MHz erhältlich, was einer Modellnummer von 2800+[3] entspricht. Zudem sind die Athlon-Prozessoren mit hoher Modellnummer nur sehr schwer erhältlich. Somit besteht in der Theorie zwar fast ein Gleichstand zwischen den Kontrahenten, in der Praxis liegt Intel allerdings klar vorne.
Nvidia gibt Führung an ATI ab Die mit großer Spannung erwartete Vorstellung des neuen ATI-Chips Radeon 9700 Pro geriet zu einem großen Triumph für die kanadischen Grafikchip-Spezialisten. Mit über 106 Millionen Transistoren verfügt der Chip fast dreimal soviele elektronische "Gehirnwindungen" wie der aktuelle Athlon-Prozessor. Da konnte Nvidias Geforce 4 Ti 4600 mit 63 Millionen Transistoren nicht mehr dagegen halten. ATIs Radeon 9700 Pro ist im Verhältnis zum leistungsstärksten Nvidia-Chip um bis zu sechs Mal schneller[4].

Intel sorgte 2002 mit Hyperthreading für eine Neuerung bei Desktop-CPUs. Mit dieser Technologie stehen dem Betriebssystem zwei logische Prozessoren zur Verfügung (Foto: Intel)
Spätestens zur CeBIT dürfte es soweit sein: Der Hammer-Chip[5] Athlon 64 und und die Server-Variante Opteron werden dann offiziell vorgestellt.
Ursprünglich hatte AMD die Vorstellung der neuen CPU-Architektur für Ende 2002 geplant. Aufgrund von Produktions-Schwierigkeiten konnte dieser Termin nicht eingehalten werden. Mit der Hammer-Technologie will AMD gegen Intel in allen Marktsegmenten konkurrieren. Die Desktop-Variante Athlon 64 soll dem Intel Pentium 4 mit Hyperthreading Paroli bieten, während der Opteron im Server-Segment dem Platzhirsch Xeon das Revier streitig machen soll. Rein technisch betrachtet stehen die Chancen für AMDs Opteron im Server-Geschäft nicht schlecht. Vor allem seine Skalierbarkeit macht den Chip im Muli-Prozessor-Einsatz reizvoll.

Bei SPECint 2000[6] skaliert der Opteron-Prozessor mit steigender Taktfrequenz deutlich besser als Intels Xeon-CPU. (Foto: ZDNet)
Ungewisse Marktchancen für Opteron Inwieweit sich davon allerdings die IT-Einkäufer in den großen Firmen überzeugen lassen, bleibt allerdings abzuwarten. Zudem ist ebenfalls fraglich, welche Taktfrequenz AMD mit dem Hammer erreichen wird. Da der Hammer im Wesentlichen dem bisherigen Athlon-Core entspricht, könnte der Chip bezüglich der Taktfrequenz ähnlich limitiert sein. Allerdings war AMD in punkto Taktfrequenz in der Vergangenheit immer für eine Überraschung gut. Gerüchten zufolge will der Hersteller zur CeBIT den Hammer mit 2 GHz vorstellen, was voraussichtlich einer Modellnummer von 3200+ entspricht. Zur vollen Leistungsentfaltung benötigt der Hammer allerdings ein 64-Bit-Betriebssystem, was es voraussichtlich zum Vorstellungstermin noch nicht geben wird. Suse arbeitet mit Hochdruck an einer 64-Bit-Version seiner Linux-Variante. Microsoft lässt sich nur wenig in die Karten schauen. Mit einem Erscheinen der 64-Bit XP-Version ist allerdings im März noch nicht zu rechnen.
Prescott wird der Hammer-Rivale Als Gegenstück zu AMDs Hammer-Architektur plant Intel im Sommer einen neuen Pentium 4 vorzustellen. Der unter dem Codenamen Prescott bekannte Chip wird voraussichtlich mit einem erhöhten FSB von 400 MHz und einem 1 MByte großen L2-Cache aufwarte. Der im 90 Nanometer gefertigte Prozessor soll eine Taktfrequenz von 4 GHz erreichen. Damit dürfte Intel für AMDs Hammer gut gewappnet sein.
Für den Notebook-Bereich sieht Intel die unter dem Codenamen Banias[7] bekannte CPU vor. Dieser Chip soll bei hoher Performance laut Intel besonders stromsparend sein.
Nvidia musste im vergangenen Jahr die Performance-Krone an ATI abgeben. Der Grafikchip 9700 Pro ist bis zu sechs Mal schneller als Nvidias derzeitiges Spitzenprodukt Geforc4 Ti 4600. Angesichts der großen Überlegenheit der ATI-Grafikchips hat Nvidia seinen neuesten Chip auf der Comdex im November vorgestellt, um ATI ein wenig das Weihnachtsgeschäft zu vermiesen. Der Geforce FX soll 130 Millionen Transistoren enthalten und leistungsfähiger als der Radeon 9700 Pro sein. Das Problem hierbei: Es hat noch kein Mensch den Geforce FX getestet, da der Chip immer noch nicht erhältlich ist. Selbst langjährige Nvidia-Partner warten immer noch auf ein Referenz-Sample. Voraussichtlich soll der Chip im Februar 2003 ins Rennen gegen ATIs 9700 Pro geschickt werden. Eine Verzögerung in den März hinein scheint allerdings sehr wahrscheinlich.

Mit dem Radeon 9700 Pro hat ATI die Performance-Krone im Grafikkartenmarkt von Nvidia übernommen. Der ATI-Chip ist bis zu sechs Mal schneller als Nvidias Geforce4 Ti 4600. (Grafik: ZDNet.De)
Klarer Gewinner 2002: ATI ATI sieht das Treiben bei Nvidia derzeit sehr locker. Auf Basis des Radeon 9700 Pro haben die Kanadier inzwischen die Chips Radeon 9700, 9500 Pro und 9500 für die mittleren Preissegmente vorgestellt. Zusammen mit der Radeon 9000 deckt ATI nun sämtliche Marktsegmente ab, wobei die angebotenen Lösungen immer deutlich leistungsfähiger als die Nvidia-Konkurrenz ist. Vor dem Geforce FX braucht sich ATI nicht zu fürchten. Grafikkarten mit diesem Chip sind voraussichtlich 500 Dollar teuer. Damit halten sich auch die Stückzahlen in Grenzen. Das Geschäft wird im mittleren und unteren Preissegment gemacht. Und hier hat ATI eindeutig die besseren Karten. Zudem planen die Kanadier, mit dem R350 auf Nvidias FX zu kontern. Der R350 basiert auf dem Radeon 9700 Pro, kann allerdings auf ein DDRII-Interface zurückgreifen und ist vermutlich höher getaktet.
Auch bei Mainboards und Chipsätzen wird es 2003 einige Neuerungen geben. Im Zuge der Markteinführung der Hammer-Prozessoren[5] wird eine ganze Reihe von neuen Mainboards geben. Neu vor allem: Die Mainboards werden nicht mehr mit einer Northbridge ausgestattet sein, da diese im Athlon 64 respektive im Opteron integriert ist. Die Integration von Serial-ATA dürfte 2003 zum Standard werden.
Auch bei Intel-Boards wird sich 2003 Einiges tun. Die neuen Pentium 4-Prozessoren, die auf einem FSB von 800 MHz basieren, erfordern entsprechend angepasste Boards. Darüber hinaus dürfte 2003 im Zeichen von Hyperthtreading stehen. Die neue Technik, die Intel mit dem Pentium 4 3,06 Ghz eingeführt hat, soll bei allen zukünftigen Prozessoren integriert sein. Allerdings basieren sämtliche neuen Hyperthreading-CPUs auf einem FSB800, sodass man mit den bisherigen Boards die neuen Prozessoren nicht einsetzen kann.

Thermal Management bei Fujitsu-Siemens: Mit einem zusätzlichen Sensor kann das D1547 in Abhängigkeit der Temperatur einen weiterern Lüfter regeln. (Foto: ZDNet)
Immer leiser Ein weiterer Trend zeichnet sich ab: Die lärmgestressten Anwender legen immer mehr Wert auf ein so genanntes Thermal Management[8], das die Lüfter im PC-System in Abhängigkeit zur Temperatur regelt. Vorreiter bei dieser Technik ist Fujitsu-Siemens, deren Mainboards aus der Premium-Reihe über diese Technik bereits verfügen. Asus hat mit der so genannten Q-Fan-Technik erste Schritte in diese Richtung unternommen. Intel stattet seit kurzem ebenfalls die Boards mit einer ähnlichen Technik (Precision Cooling) aus. Allerdings ist damit keine Regelung des CPU-Lüfters möglich. Aopen reagiert auf diesen Trend mit dem Silent-Bios, das sämtliche Lüfter im System regeln kann. Weitere Mainboardhersteller dürften diesem Trend folgen.
Fazit Das kommende Jahr wird äußerst spannend. Die Vorstellung des Athlon auf Basis der Hammer-Technologie dürfte 2003 das Hauptereignis werden. Dicht gefolgt von der Vorstellung immer leistungsfähiger Grafikchips von ATI und Nvidia. Zu hoffen ist, dass die technische Innovationskraft der Unternehmen vom wirtschaftlichen Erfolg gekrönt wird.
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