CBS INTERACTIVE BUSINESS SITES: ZDNET.DE | SILICON.DE
BEI SILICON.DE: Apple Magic Trackpad – eine Entzauberung
ANZEIGE
ANZEIGE
 

Das erste "afrikanische" Unterseekabel nimmt den Betrieb auf

Peter Marwan
|
20. Januar 2010
Ein neu verlegtes Unterseekabel zwischen Tunesien und Italien soll das afrikanische Land zur Internetdrehscheibe in der Region machen. Es ist 170 Kilometer lang, hat eine Kapazität von 3,2 Terabit pro Sekunde und ist Teil größerer Ausbaupläne der afrikanischen Netzwerkstrukturen.

Das tunesische Telekommunikationsunternehmen Tunisie Telecom hat jetzt die Installation des ersten Unterseekabels abgeschlossen, das sich vollständig in afrikanischem Besitz befindet. Das Kabel verbindet Nordafrika über eine Landestation in Sizilien mit dem paneuropäischen Glasfasernetz des europäischen Netzbetreibers Interoute. Damit soll dem Land die "digitale Unabhängigkeit" gesichert und ein günstiges Umfeld für regionale IT-Innovationen geschaffen werden.

Tunesien ist zwar bereits über zwei Kabel (SEA-ME-WE-4, zwischen Marseille in Frankreich und Bizerta in Tunesien, sowie "Keltra" zwischen Kélibia in Tunesien und Trapani auf Sizilien) mit Europa verbunden, aber diese befinden sich teilweise im Besitz eines italienischen Betreibers (Keltra) beziehungsweise eines internationalen Konsortiums. Die neue, ganz in afrikanischem Besitz befindliche Verbindung, soll neben zusätzlichen Kapazitäten auch größere Sicherheit und Verfügbarkeit der Internetkommunikation zwischen Tunesien und Europa gewährleisten.

Unterseekabel zwischen Tunesien und Europa: SEA-ME-WE-4 (gelb), Keltra (rot) und die neue Verbindung, die als blaue Line eingezeichnet ist (Grafik: Tunisie Telecom).
Unterseekabel zwischen Tunesien und Europa: SEA-ME-WE-4 (gelb), Keltra (rot) und die neue Verbindung, die als blaue Linie eingezeichnet ist (Grafik: Tunisie Telecom).

Das Kabel hat eine Gesamtleistung von 3,2 Terabit pro Sekunde - über sieben Mal mehr, als das SEA-ME-WE-Kabel bisher. Die Verantwortlichen hoffen, Tunesien so auch als Internetdrehscheibe für die benachbarten nordafrikanischen Länder etablieren zu können. "Tunisie Telecom hat in den letzten Jahren viel in die Modernisierung seiner Infrastruktur investiert und kann nun hochmoderne Telekommunikationsdienste anbieten. Dank der zusätzlichen Kapazitäten und Ausfallsicherheit, die das neue Kabel auszeichnen, wird Tunesien für ausländische Investoren, die in der Region tätig werden wollen, noch attraktiver", sagt Gareth Williams, CEO von Interoute.

"2008 haben Ausfälle von Unterseekabeln im Mittelmeer wiederholt gezeigt, wie wichtig es ist, auf verschiedene Leitungen für die Verbindungen zurückgreifen zu können", sagt Alan Mauldin, Research Direktor beim Marktforschungsunternehmen TeleGeography. Das neue Kabel wird seiner Ansicht nach die zusätzliche Kapazität und Ausfallsicherheit liefern, die Tunesien benötigt, um seine Internetnutzer und Unternehmen zufriedenstellen zu können.

Die Lieferung des tunesischen Kabels ist Teil des strategischen Ausbaus von Interoutes europäischen Aktivitäten nach Afrika. Erst im April vergangenen Jahres hatte das Unternehmen mit dem Partner Seacom eine Verbindung nach Ostafrika eingerichtet. Das Seacom-Glasfaserkabel verbindet Kenia, Tansania, Mosambik und Südafrika mit Europa. Außerdem besteht damit zwischen Kenia und Mumbai eine neue Verbindung nach Südasien. Dazu wurde ein 17.000 Kilometer langes Glasfaser-Unterwasserkabel verlegt.

Das jetzt in Betrieb genommene Kabel verbindet, ebenso wie "Keltra", Tunesien mit Sizilien und hat dort über Italien Anschluss an Netze auf dem europäischen Festland. Es ist 170 Kilometer lang und wurde einen Meter in den Meeresgrund eingegraben. Dafür kamen ein eigens entwickelter Kabelpflug und ein spezielles, ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug zum Einsatz. Durchgeführt haben die Aktion in 68 Tagen 76 Crew-Mitglieder eines Spezialschiffes. Insgesamt hat der Bau der Kabelverbindung acht Monate gedauert. Die ZDNet-Bildergalerie zeigt interessante Details der Verlegearbeiten.

  • E-Mail
  • Twitter
  • 2
  • Drucken
Fanden Sie diesen Artikel nützlich?
4 von 4 Lesern fanden diesen Artikel nützlich.

Lesermeinungen zum Artikel

 
von soso97
am 20. Januar 2010, 23:51 Uhr
Terabyte?
Was ist denn jetzt mit der Angabe von 3,2 Terabyte gemeint?
Terabyte pro Stunde? Wahrscheinlich pro Sekunde, aber leider wird dann oft noch Bit und Byte verwechselt...
Wenn es tatsächlich Bit/s sind, dann wären es nur 0,4 TByte/s.
 
von Peter Marwan
am 21. Januar 2010, 09:06 Uhr
AW: Terabyte?
Hallo,
vielen Dank für Ihren Hinweis, das war tatsächlich unklar. Wir haben nochmal bei Telecom Tunisie nachrecherchiert: Die Angabe dort ist 3200 Gigabit pro Sekunde, also 3,2 Terabit pro Sekunde. Im Artikel wurde das korrigiert.

Peter Marwan
ZDNet-Redaktion
ANZEIGE
 
ANZEIGE
Business-News »
IT-Business-Blog »

Kann die 100-GByte-Disc Blu-ray retten?

Eine marktreife Blu-ray-Disc mit 100 GByte Speicherplatz vorzustellen, ist eigentlich ein beachtlicher technischer Fortschritt. ZDNet-Autor Robin ...

21. Jul. 2010, 14:10 Uhr
1 Kommentar

Würden Sie für Ihre Meinung bezahlen?

Die US-Tageszeitung "The Sun Chronicle" hat ein neues System für Leserkommentare ...

12. Jul. 2010, 16:10 Uhr
0 Kommentare

Danke für nichts, Frau Ministerin!

Deutschland macht Druck! Es geht um unseriöse Machenschaften im Internet. Zwei ...

9. Jul. 2010, 15:50 Uhr
0 Kommentare
Lesermeinungen in IT-Business »

22. Juli 2010, 10:18 Uhr
EasiRun Europa hat flexible, kostengünstige, professionelle Alternativen für COBOL-Anwendungen und -entwicklungen

Es gibt durchaus Alternativen zu den teuren, komplexen Lösungen für COBOL Entwicklungen » mehr...

zu Die Web-Ära verlangt nach Anwendungsmodernisierung

19. Juli 2010, 17:55 Uhr
Urteilsbegründung falsch?

Das LG Hamburg bezieht sich in der Urteilsbegründung auf das Urteil des BGH (I ZR » mehr...

zu Personensuchmaschine darf öffentlich verfügbare Fotos verbreiten

14. Juli 2010, 15:09 Uhr
AW: AW: Fass mit löchrigem Boden

*g War es nicht die offizielle Verlautbarung im Jahre 2006, nach schlechter Presse » mehr...

zu Open Source in Kommunen: tot oder vor dem Durchbruch?

Top-Themen bei ZDNet

Displayfolien: Schutz für Augen und Privatsphäre

Viele Nutzer stören sich am spiegelnden Screen ihres Notebooks. Und wer unterwegs ist, hat oft ungebetene... » mehr

Drahtlos im Internet: Die besten Tools für WLAN-Netze

Mit den richtigen Programmen für Wi-fi-Hotspots ist man unterwegs bestens gerüstet. So lassen sich Access... » mehr

Android-Grundlagen: So klappt der Umstieg auf das Google-OS

Zwar lassen sich Smartphones mit Googles mobilem Betriebssystem gut bedienen, aber nicht alle Einstellungen... » mehr