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EU greift bei SMS-Preisen durch

Christophe Guillemin, Peter Marwan
|
14. Juli 2008
Viviane Reding, die für die Informationsgesellschaft zuständige EU-Kommissarin, erklärt in einem Exklusivinterview mit ZDNet Frankreich, warum und wie Brüssel jetzt bei den Roaming-Tarifen für SMS einschreiten will.

Bereits im Februar hatte EU-Kommissarin Viviane Reding den Mobilfunkbetreibern ein Ultimatum gestellt: Bis zum ersten Juli sollten sie die Tarife für das Roaming im europäischen Ausland bei Daten und SMS drastisch senken. "Die Roaming-Gebühren bei Reisen innerhalb der Europäischen Union sollten nicht unbegründet höher sein als bei Gesprächen im Heimatland des Nutzers", so die Begründung.

Sechs Monate später ist Reding verärgert über die schleppenden Bemühungen der Mobilfunkkonzerne. Die Kommission wird sich daher nun wie angekündigt mit der Regulierung der Tarifstruktur befassen – so wie das bei Mobiltelefongesprächen im Ausland bereits 2007 geschehen war. Umgesetzt werden soll die neue Vorgabe durch eine Ergänzung zu den Roamingbestimmungen von 2007. Im Vordergrund stehen dabei SMS - über eine Regulierung der Tarife für Datenroaming will Reding dann in den Sommermonaten nachdenken. Mit ZDNet Frankreich sprach Viviane Reding exklusiv vorab über ihre Strategie.

ZDNet: Vor sechs Monaten forderten Sie von den Netzbetreibern günstigere Auslandstarife für SMS- und Datenroaming. Wo stehen wir heute?

Viviane Reding: Es gab in einigen Mitgliedsstaaten eine erste Preissenkung, die teilweise sehr bescheiden ausfiel, für die Datenübertragung auf Reisen. Bei Kurznachrichten hat sich aber noch nichts geändert. Insgesamt sind die Fortschritte lediglich minimal. Die Industrie hat nicht auf unsere Botschaft gehört - und man fragt sich, ob sie sie überhaupt hören wollte.

ZDNet: Planen Sie, die Preissenkung mittels Regulierung durchzusetzen, so wie bei den Tarifen für die Mobiltelefonie?

Viviane Reding: Bei der Regulierung des Roaming im Juni 2007 hatte das Europäische Parlament von der Kommission ausdrücklich verlangt, zusammen mit den nationalen Regulierungsbehörden den Markt 2008 daraufhin zu untersuchen, ob es notwendig ist, dass der Gesetzgeber auch bei Kurznachrichten und Datenübertragung aktiv wird. Beim Blick auf die von den nationalen Regulierern durchgeführten Untersuchungen bleibt uns keine andere Wahl, als einzugreifen und die Tarife für SMS im Ausland zu regulieren.

EU-Kommissarin Viviane Reding
EU-Kommissarin Viviane Reding bleibt mit ihren Forderungen gegenüber den Mobilfunkbetreibern hart (Bild: EU).

ZDNet: Gilt das auch für die Datenübertragung auf Reisen?

Viviane Reding: Diesbezüglich sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen, aber es ist absehbar, dass die Preisspanne von 25 Cent bis über 16 Euro pro Megabyte reicht. Ich bin der Ansicht, dass letztere nicht gerechtfertigt sind und reduziert werden sollten. Die Kommission tritt außerdem für eine wesentlich größere Transparenz bei der Tarifstruktur ein.

Verbraucher haben bei SMS im Ausland meist nur eine vage Vorstellung von den Preisen und sind vor bösen Überraschungen bei ihrer Heimkehr nicht gefeit. So musste ein Brite für den Download eines Fernsehbeitrages und einiger Musikstücke in Portugal kürzlich etwa eine Rechnung von 31.500 Pfund (ungefähr 41.000 Euro) bezahlen. Wir wollen, dass die Betreiber ihre Kunden beim Aufenthalt im Ausland über die dort für sie geltenden Tarife aufklären, bevorzugt in Echtzeit.

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