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Versandhandel: Onlinekauf überholt klassische Bestellwege

Peter Marwan
|
2. Februar 2010
Trotz Krise steigt der Umsatz des Versandhandels. Der Anteil der Senioren und Frauen an den Online-Shoppern nimmt zu. Käufer greifen verstärkt bei Herstellern direkt oder Onlineshops von Händlern mit Ladengeschäft zu.

Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH ) hat eine Studie zur Entwicklung und dem Stand des Versandhandels in Deutschland vorgestellt. Demnach hat die Branche im Jahr 2009 erstmals mehr als die Hälfte (53,3 Prozent) ihres Umsatzes über das Internet erwirtschaftet. Damit hat sich die Prognose des Verbandes vom Sommer 2009 mehr als erfüllt. Der Onlineumsatz legte stärker als erwartet zu und wuchs um rund 16 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro. Der Umsatzanteil der Bestellwege Telefon, Brief oder Fax sank auf 40,9 Prozent.

Für die Untersuchung "Distanzhandel in Deutschland" hat TNS Infratest im Auftrag des Verbandes von Januar bis Dezember 2009 rund 30.000 Privatpersonen über 14 Jahren aus Deutschland zu ihrem Ausgabeverhalten im Versandhandel und zu ihrem Konsum von digitalen Dienstleistungen befragt. Den Ergebnissen zufolge ist in der Branche von einer Krise wenig zu spüren. Der Gesamtumsatz stieg um 1,7 Prozent auf 29,1 Milliarden Euro.

Wachstumssegmente: Frauen und Senioren

Die größte Zunahme bei Onlinebestellungen stellten die Marktforscher bei den über 60-Jährigen fest. 28 Prozent von ihnen bestellen inzwischen online. 2008 waren es erst 19 Prozent. Außerdem wurde eine zweite wichtige Barriere durchbrochen: Erstmals bestellen mehr als die Hälfte der Frauen auch online (2008: 43 Prozent). Insgesamt kommt der Versandhandel damit auf einen Anteil von 7,4 Prozent am Einzelhandel. Das sind 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Laut den Umfrageergebnissen informieren sich 67 Prozent aller Internetkunden bei sogenannten Multi-Channel-Versendern vor der Bestellung eines Produkts zunächst in dessen Katalog. Zwar verzeichneten diese Anbieter 2009 über alle Bestellwege hinweg einen Umsatzrückgang von 3,2 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro, dafür konnten sie aber ihre Onlineumsätze um 12,5 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro steigern. Inwieweit sich die Quelle-Insolvenz in der Statistik ausgewirkt hat, gab der Verband leider nicht bekannt. So richtig vermisst wird das Unternehmen beim Versandhandel aber offenbar nicht.

Reine Internetversender setzten im vergangenen Jahr 5,8 Milliarden Euro um. Sie stehen damit an zweiter Stelle. Diese Gruppe legte insgesamt um 15,1 Prozent, bei den Onlineumsätzen jedoch um 19,8 Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro zu. Die Differenz erklärt sich dadurch, dass auch bei reinen Internethändlern telefonische Bestellungen möglich sind.

Ebay-Powerseller profitieren kaum vom Wachstum

Ebay-Powerseller sind noch die drittumsatzstärkste Gruppe. Sie steigerten ihre Umsätze 2009 jedoch lediglich um 2,4 Prozent auf rund 2,13 Milliarden Euro. Sie bekommen aber immer mehr Konkurrenz. Erstens durch die Hersteller selbst, die in der Krise offenbar im Internet immer aktiver wurden, wozu auch die Möglichkeit zur Eröffnung von Markenshops bei Ebay beigetragen haben mag. Zweitens durch Händler mit Ladengeschäft, die ihr Sortiment auch Online anbieten.

Sogenannte Hersteller-Versender, also Hersteller, die selbst Shops betreiben, steigerten ihren Umsatz um 27 Prozent - mehr als alle anderen Anbietersegmente. Onlineshops mit Heimat im stationären Handel konnten immerhin um 21,8 Prozent zulegen. Inwieweit diese Anbieter auch über Ebay aktiv sind, geht aus den veröffentlichten Umfrageergebnissen leider nicht hervor.

Die Warengruppe "Bekleidung, Textilien, Schuhe" bleibt mit 13,4 Milliarden Euro der größte Umsatzbringer des Versandhandels. Mit "Medien, Bild- und Tonträgern" erzielten die Versender über alle Bestellwege hinweg Erlöse von rund 3,1 Milliarden Euro, davon 2,3 Milliarden via Internet. Die Warengruppe "Unterhaltungselektronik und Elektronikartikel" legt im E-Commerce 11,7 Prozent zu und kam 2009 auf 1,4 Milliarden Onlineumsatz. Der Gesamtumsatz in dieser Warengruppe betrug rund 1,8 Milliarden Euro - 300 Millionen Euro weniger als 2008.

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