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Machtfaktor Mainframe

Rudi Kulzer
|
14. Oktober 2009
Es ist ein Widerspruch in sich: Einerseits wird der Markt für Mainframes immer wieder totgeredet, andererseits IBM vorgeworfen, seine Monopolstellung zu missbrauchen. ZDNet untersucht die Hintergründe der Vorwürfe und zeigt, wie es zur marktbeherrschenden Stellung von IBM kam.

Nach Berichten aus der US-Presse könnte IBM eine Kartellklage drohen. Deutsche Medien haben das Thema entsprechend übernommen. Dabei geht es um IBMs Vorherrschaft bei Großrechnern vom Typ "Mainframe" - einem Bereich, der als Saurier der IT-Steinzeit immer wieder totgesagt wurde, der im Kampf um die Rechenzentren der Zukunft aber offensichtlich nach wie vor eine wichtige Rolle in der elektronischen Datenverarbeitung spielt.

Die Nachricht: Die Kartellwächter des US-amerikanischen Justizministeriums haben eine Untersuchung zur Stellung des IT-Konzerns IBM auf dem Markt für Großrechner eingeleitet. Sowohl die New York Times als auch das Wall Street Journal haben sich in größeren Artikeln ausführlich mit diesem Thema auseinandergesetzt. Demnach liegt dem US-Justizministerium eine Beschwerde des Branchenverbandes Computer and Communications Industry Association (CCIA) vor, laut der IBM die Konkurrenz behindert und sich geweigert hat, seine Technik an Mitbewerber und potenzielle Partnerunternehmen zu lizenzieren. Nun sucht das Justizministerium Informationen zu den Geschäftspraktiken des IT-Konzerns. Im Frühjahr stand das Thema bereidst einmal auf der Tagesordnung: Damals wurde von einer geplanten Untersuchung der EU-Kartellbehörden gesprochen.

Seit Ende vergangenen Jahres will IBM mit der "System z10 Business Class" neue Kundengruppen für Mainframes gewinnen (Bild: IBM).
Seit Ende vergangenen Jahres will IBM mit der "System z10 Business Class" neue Kundengruppen für Mainframes gewinnen (Bild: IBM).

Realistisch betrachtet hat die IBM schon seit Jahren praktisch keine direkten Konkurrenten beim Einsatz seiner aus den sechziger Jahren stammenden und seither systematisch weiter entwickelten Mainframe-Architektur. Der bekannteste Herausforderer war in den siebziger Jahren der aus Norwegen stammende Gene Amdahl, der als ehemaliger IBM-Mitarbeiter maßgeblich an der Großrechnerentwicklung beteiligt war. Mit der Unterstützung des japanischen Konzerns Fujitsu gründete er die Amdahl Corporation in Sunnyvale in Kalifornien und stieg in den Markt für Großrechner ein. 1975 lieferte er seine erste Maschine aus. Damit ließen sich System/360-Applikationen ohne IBM-Hardware ausführen.

Die Amdahl-Maschinen bildeten auch die Grundlage für die Mainframe-Rechner von Fujitsu-Siemens, die unter dem Betriebssystem BS2000 laufen und beispielsweise von der Deutschen Rentenversicherung eingesetzt werden. Seit der Trennung von Siemens und Fujitsu sowie dem damit verbundenen Ausstieg von Siemens aus dem IT-Geschäft steht hier ein großes Fragezeichen im Raum. Hitachi, ein weiterer Mitbewerber, hat sich 2001 aus der Mainframe-Welt verabschiedet.

Als weitere Maschine der Mainframe-Klasse ist das ehemalige "Himalaya"-System von Tandem erwähnenswert. Es fristet nach der Übernahme durch Compaq und später Hewlett-Packard heute als NonStop Integrity Server trotz seiner starken Leistung unter dem Dach von HP ein eher bescheidenes Dasein für bestimmte Anwendungen. Das System arbeitet ähnlich wie IBMs Mainframe mit eigener Betriebssystem- und Datenbank-Software.

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