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Im Test: Internet-Zensur in China

Michael Kanellos, Harald Weiss
|
30. Mai 2007
Funktioniert die Zensur von Suchmaschinen und Websites in China tatsächlich? Welche Informationen bekommt man, wenn man nach Stichworten wie "Tiananmen" oder "Dalai Lama" sucht? Ein Reporter berichtet von seinen Erfahrungen.

CNET-Reporter Michael Kanellos hat in China im Internet nach "Tiananmen" gesucht und dabei herausgefunden, wie Zensoren im digitalen Zeitalter die Geschichte verändern. Tiananmen ist der Platz des Himmlischen Friedens in Peking, auf dem es im Juni 1989 zu blutigen Ausschreitungen zwischen Polizisten und Demonstranten kam.

Die Suchergebnisse, die eine solche Abfrage in China zurückliefert, variieren je nach dem, wo man sich genau befindet. So wurde der Begriff mit lateinischen Buchstaben in einem Hotelzimmer und in einem Internetcafé jeweils bei Googles chinesischer Seite sowie auf dem chinesischen Suchportal Baidu eingegeben.

Die ersten Trefferanzeigen von Google und Yahoo aus dem Hotelzimmer heraus beinhalten hauptsächlich die Bilder der Proteste im Jahre 1989, vor allem das berühmte Foto des Mannes vor dem Panzer. Die Links funktionieren fast alle.

In dem Internet-Café direkt gegenüber vom Platz des Himmlischen Friedens findet dieselbe Suche nur zwei Fotos der Proteste: zum einen den Mann vor dem Panzer und zum anderen eines mit verwundeten Protestierenden. Weitere Seiten bleiben leer oder unzugänglich.

Auf Googles chinesischer Webseite wird zwar nichts geblockt, allerdings erscheinen die Ergebnisse abgeändert. Nur eines von Hunderten Fotos zu diesem Suchwort zeigt auf Seite 14 ein Bild vom Tag der Proteste. Zu sehen ist das übergroße Konterfei Maos am Eingang zur Verbotenen Stadt. Von den Ausschreitungen selbst sind keine Bilder sichtbar, vielmehr Urlaubsfotos und Aufnahmen von Studentengruppen vor der Großen Halle des Volkes.

Bei Baidu ergibt die Suche nach "Tiananmen" überhaupt keine Bilder von den Ereignissen im Jahre 1989. Die Suche nach Tiananmen-Videos auf Youtube im Internetcafé gestaltete sich schwierig, indes kann man auf einigen weniger populären Videoportalen einige Filme mit Ausschnitten der Protestaktionen sehen.

Auf den Seiten der BBC ist ein Artikel über den Dalai Lama blockiert, der dazugehörige Audioclip kann aber problemlos heruntergeladen werden. Links auf Wikipedia über Tibet und den Dalai Lama sowie die offizielle Seite des Dalai Lama sind nicht zugänglich, dagegen können Webseiten mit Souvenirs des tibetanischen Oberhauptes teilweise ungehindert angesteuert werden.

Der einzige Suchbegriff, der jede Suchseite sofort zum Absturz bringt, ist "Falun Gong". In diesem Fall schaltet sich der Server sofort ab, ohne jegliche Links zu geben.

Die Große Mauer steht

Das kleine Experiment deutet an, dass die Große Firewall Chinas unerwartet stabil ist. Es enthält dem chinesischen Normalbürger heikle Informationen vor, während es für Ausländer je nach Aufenthaltsort und Sprachkenntnissen Ausnahmen gibt.

Der Test zeigt auch, wie man Geschichte im digitalen Zeitalter verändern kann, denn die Einschränkung des Zugangs zu Informationen vergangener Ereignisse kann dazu führen, dass diese in Zukunft anders bewertet werden. Gleichzeitig kann man erahnen, dass es die Behörden wegen der wachsenden Zahl an Englisch sprechenden Chinesen und den vielen neuen Videoportalen immer schwerer haben werden, die Inhalte weiterhin zu filtern.

Fanden Sie diesen Artikel nützlich?

Lesermeinungen zum Artikel

 
von Chris
am 30. Mai 2007, 20:53 Uhr
Unvollständiger Artikel?
Der Titel hört sich sehr interessant an - aber der Artikel scheint nicht fertig geschrieben zu sein. Schade, dass so etwas ungeprüft online geht.

Keineswegs. Die Redaktion

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