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Google: Ideenschmiede oder zerstörerischer Moloch?

Rafe Needleman, Peter Marwan
|
8. Juni 2009

Google und Betriebssysteme

An dem Tag, an dem der Webbrowser das Framework geworden ist, für das die meisten Entwickler ihre Anwendungen auslegen, hat Google gewonnen. Wer verliert ist auch klar: Microsoft und Apple. Sie sollten Google fürchten, das sich gegenwärtig anschickt, auch die Browser-Welt zu erschüttern.

Seit das Unternehmen mit Chrome einen eigenen Browser vorgestellt hat, drängt es Entwickler, HTML 5 abzuschließen, anzunehmen und auszurollen. Denn HTML 5 bringt Funktionen, die den Browser zu einer weitaus mächtigeren Applikationsplattform machen, als er es heute ist.

Mit HTML 5 können Anwendungen schnell und scheinbar wie auf dem Desktop ausgeführt werden - und auch dann noch arbeiten, wenn die Verbindung zum Internet unterbrochen ist. Setzt sich HTML 5 durch, wird den Anwendern das als Grundlage für den Browser verwendete Betriebssystem bald gleichgültig sein. Internet Explorer und Safari unterscheiden sich zu wenig, um ihre Benutzer an das dazugehörige Betriebssystem zu fesseln. Und zählen wird vor allem der Browser.

Natürlich benötigt man nach wie vor ein Betriebssystem. Und die meisten Anwender werden dafür auch nach wie vor bezahlen. Aber ihre Loyalität zu der jeweiligen Plattform wird untergraben, was letztendlich zu stärkerem Wettbewerb und damit zu geringeren Preisen führt. Mit neuen Funktionen wird in der Zukunft kein Betriebssystem mehr für sich werben können. Wenn man genauer überlegt, sieht es bei einem Erfolg von HTML 5 auch für Adobe Flash und Adobe AIR nicht mehr besonders rosig aus.

Nun zum kreativen Teil von Googles Angriff auf den Betriebssystemmarkt. Die etablierten Software- und Hardwareanbieter werden dadurch gezwungen, sich Funktionen und Neuerungen einfallen zu lassen, die ein Browser nicht bieten kann. Auch für den Browser benötigt man noch eine Box mit Bildschirm und Tastatur. Schnell soll sie außerdem sein, und die Batterie lange durchhalten. Auch die Sicherheit der lokalen Maschine gilt es zu gewährleisten. Und last but not least, braucht man ein Betriebssystem, das der Nutzung der neuen, tollen browserbasierenden Applikationen nicht dauernd im Weg steht.

Es gibt also genug Raum für Innovationen. Was wirklich zerstört wird, sind die Gewinnmargen, die sich mit diesen neuen, möglichst unsichtbaren Betriebssystemen erzielen lassen. Wer will schließlich schon für etwas bezahlen, dass er im Idealfall nie zu Gesicht bekommt?

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Lesermeinungen zum Artikel

 
von Der Datensammler
am 8. Juni 2009, 12:21 Uhr
Google, ein Instrument der US-amerikanischen Geheimdienste?
Was mich an Google irritiert ist, das klaglos die Datensammlung, seitens der amerikanischen Regierung, hingenommen wird. Von den Satellitenbildern bis Google Streetview, Bücherscannen (oder Bücher verbrennen?, klingt ähnlich, oder?) alles ist erlaubt und wird nur in geringem Umfang verboten.

Warum es im geheimen tun, wenn es doch unter den Augen der Öffentlichkeit viel einfacher geht. Ein paar Personen schmieren, die sagen "Wissen ist Allgemeingut und gehört allen!" und schon sind die Kritiker erstickt.

Die Geimdienste im Vor-DV-Zeitalter (Griechen, Römer, Mittelalter, drittes Reich, die beiden Machtblöcke) hatten nicht das Problem des Datensammelns, sondern des datenauswertens. Selbst zig-Stasi-Spitzel konnten mehr Infos beschaffen, wie die Auswertungsabteilungen verifizieren konnten. Jeder durchschnittliche Geheimagent auf der Welt kann heute mit Kenntnissen in Datenbankprogrammierung, umfangreichere Auswertungen über Personen/-gruppen erstellen ohne dass es jemand merkt oder ein Richter dies erlaubt.

Der Datensammler
 
von Googletrap
am 15. Juni 2009, 22:29 Uhr
Wir sind alle in der Googlefalle
die fakten sprechen meines erachtens eine deutliche sprache: google will alles, was sich im web abspielt, kontrollieren und vermarkten, auch die nutzer. google hat zwei gesichter, das nette, das uns mit gratis-services versorgt und dann das gefährliche eines großen bruders. die lektüre der webseite www.googlefalle.com/... bringt licht ins dunkel
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