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Google: Ideenschmiede oder zerstörerischer Moloch?

Rafe Needleman, Peter Marwan
|
8. Juni 2009

Google und der Journalismus

Die Zahl der Nutzer, die über die Google-Suche auf Nachrichten-Web-Sites und Blogs kommen, nimmt ständig zu. Diese Besucher bekommen aber nur wenig vom Gesamtauftritt des Angebots mit. Die Folge: Die Leserbindung wird schwächer.

Für die traditionellen Strukturen in der Medienlandschaft ist das tödlich. Warum? In jeder regelmäßig erscheinenden Publikation gibt Artikel, die von vielen gelesen werden und Artikel, die nur eine kleine Minderheit der Leser interessiert. Die meisten gehören zur zweiten Kategorie. In der Regel tippen sich die Autoren zu ihren Spezialthemen die Finger wund, immer in der Hoffnung, einmal eine bahnbrechende Geschichte zu schreiben. Oder anders gesagt: Sie werden dafür bezahlt, es immer wieder zu versuchen.

Letzten Endes bezahlt ihr Verlag sie im Wesentlichen für die Geschichten, die kaum einen interessieren. Herb Caen, Pulitzer-Presiträger und bekannter Kolumnist aus San Francisco, hielt es bereits für einen Erfolg, wenn er pro Woche wenigstens eine gute Kolumne schaffe. Nun sind aber die wenigsten Journalisten Pulitzer-Preisträger.

Im traditionellen Geschäftsmodell der Medien bezahlten die Leser also durch Werbung und Abonnements für alle Artikel. Auch für die, die sie langweilig fanden oder überhaupt nicht gelesen haben. Kommen Leser (also Traffic) aber fast ausschließlich durch PageRank und Suche zustande, und der Traffic jedes Artikel wird unverzüglich vermarktet, erzielen die Verlage nur mit den meistbesuchten Seiten Umsätze. Die Spur des Geldes ist deutlicher ablesbar als je zuvor - und die Verleger folgen ihr, indem sie die Produktion sicherer Hits forcieren.

Der Journalismus steht vor dem Abgrund, weil Journalisten und ihre Verleger die Furcht davor lernen, Risiken einzugehen. Einerseits werden viele Geschichten nicht geschrieben, weil man glaubt, sie würden nicht gelesen. Andererseits werden viele Geschichten nur deshalb geschrieben, weil Autor und Verleger glauben, sie werden gelesen. Andere Kriterien treten immer weiter in den Hintergrund.

Es lassen sich sicher kreative Wege finden, um dieser Erosion des Journalismus zu begegnen. Schließlich wurde das Erzählen einer guten Geschichte von der Gesellschaft schon immer honoriert. Außerdem lässt sich Schaffenskraft nicht so einfach einsperren, sie sucht sich schon ihre Wege. Und schließlich ist es ja auch nicht per se schlecht, dass Autoren unmittelbar erfahren, ob ihren Lesern einer ihrer Texte gefallen hat - oder eben auch nicht.

Letzten Endes wird das herkömmliche Geschäftsmodell für den Journalismus aber in sich zusammenfallen müssen, bevor es für das Web neu aufgebaut werden kann. Und Google alleine ist an der Misere auch nicht Schuld. Angebote wie Craigslist (vor allem in den USA) oder Paperball sowie die zahllosen anderen Seiten, die lediglich News aggregieren und nach Beliebtheit auflisten, haben ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen, indem sie die oben genannten Effekte noch verstärken.

Nach Zahlen, die das Marktforschungsunternehmen Comscore im Auftrag des Bitkom ermittelt hat, beantwortete Google von April 2008 bis März 2009 in Deutschland 80 Prozent aller Suchanfragen. Weltweit liegt der Marktanteil im gleichen Zeitraum bei 62 Prozent. Es folgen Yahoo mit 10,1 Prozent und die chinesische Suchmaschine Baidu mit 8,2 Prozent (Bild: Bitkom).
Nach Zahlen, die das Marktforschungsunternehmen Comscore im Auftrag des Bitkom ermittelt hat, beantwortete Google von April 2008 bis März 2009 in Deutschland 80 Prozent aller Suchanfragen. Weltweit liegt der Marktanteil im gleichen Zeitraum bei 62 Prozent. Es folgen Yahoo mit 10,1 Prozent und die chinesische Suchmaschine Baidu mit 8,2 Prozent (Bild: Bitkom).

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Lesermeinungen zum Artikel

 
von Der Datensammler
am 8. Juni 2009, 12:21 Uhr
Google, ein Instrument der US-amerikanischen Geheimdienste?
Was mich an Google irritiert ist, das klaglos die Datensammlung, seitens der amerikanischen Regierung, hingenommen wird. Von den Satellitenbildern bis Google Streetview, Bücherscannen (oder Bücher verbrennen?, klingt ähnlich, oder?) alles ist erlaubt und wird nur in geringem Umfang verboten.

Warum es im geheimen tun, wenn es doch unter den Augen der Öffentlichkeit viel einfacher geht. Ein paar Personen schmieren, die sagen "Wissen ist Allgemeingut und gehört allen!" und schon sind die Kritiker erstickt.

Die Geimdienste im Vor-DV-Zeitalter (Griechen, Römer, Mittelalter, drittes Reich, die beiden Machtblöcke) hatten nicht das Problem des Datensammelns, sondern des datenauswertens. Selbst zig-Stasi-Spitzel konnten mehr Infos beschaffen, wie die Auswertungsabteilungen verifizieren konnten. Jeder durchschnittliche Geheimagent auf der Welt kann heute mit Kenntnissen in Datenbankprogrammierung, umfangreichere Auswertungen über Personen/-gruppen erstellen ohne dass es jemand merkt oder ein Richter dies erlaubt.

Der Datensammler
 
von Googletrap
am 15. Juni 2009, 22:29 Uhr
Wir sind alle in der Googlefalle
die fakten sprechen meines erachtens eine deutliche sprache: google will alles, was sich im web abspielt, kontrollieren und vermarkten, auch die nutzer. google hat zwei gesichter, das nette, das uns mit gratis-services versorgt und dann das gefährliche eines großen bruders. die lektüre der webseite www.googlefalle.com/... bringt licht ins dunkel
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